Bergischer Panoramasteig 2020-2021 Teil 2

Bergischer Panoramasteig 2020

Etappe 07-12

Nach recht sonnigen Tagen unter der Woche bringt uns der folgende Samstag im ausklingenden November dann Wetter mit Nachttemperaturen am Gefrierpunkt. Über dem Bergischen hängt eine dichte Wolkendecke. Wir sind nun mit dem Ende der 6. Etappe nach Anzahl der Etappen die Hälfte des Panoramasteigs gelaufen. Seit einem Jahr sind wir mit diesem Projekt beschäftigt und haben die Jahresuhr des Bergischen Landes nach Wupperweg 2016 und Bergischem Weg 2017-2019 erneut erlebt. Seit 2013 schreibe ich über unsere Wanderungen in den Mittelgebirgen unserer Region.

Kühe bei Dannenberg
Kühe bei Dannenberg

Das Naturerlebnis einer schneebedeckten Landschaft bleibt dabei seit Jahren zunehmend aus. Allein daran könnte man die erheblichen Veränderungen im Weltklima bereits vor der eigenen Haustür wahrnehmen. Die einen vermissen den Schnee im Winter vielleicht nicht, weil man ohne einfach noch komfortabler mit dem SUV zur Arbeit kommt. Nur weiße Weihnachten wünscht man sich dann doch, weil’s doch so gemütlich ist.

Novembertag im Bergischen
Novembertag im Bergischen

Große Lebensräume auf diesem Planeten sind zunehmend bedroht. Das die Polkappen und die Alpengletscher verschwinden werden viele von uns noch erleben. Die nachfolgende Greta- Generation hat es kapiert und fürchtet sich vor einer Welt mit zunehmenden Wetterkatastrophen und allem was daran hängt. Die Einforderung kleiner Schritte wie einer generellen Geschwindigkeitsregulierung auf Deutschlands Speedways wird als unzumutbare Einschränkung eines fiktiven “ Rechts auf Rasen“ gewertet. Man könnte bereits damit eine Menge CO2 einsparen und hätte weniger Verkehrstote zu beklagen.

Sibirischer Tiger im Schnee- Wuppertaler Zoo 2008
Sibirischer Tiger im Schnee- Wuppertaler Zoo 2008

So wie dem Waffenfetischisten in den USA das „Recht auf Schusswaffen“ darf man dem deutschen Autofahrer das gelebte „Gesetz des besser Motorisierten auf der linken Spur“ niemals streitig machen. Wenn sinnvolle Entscheidungen dem Wähler nicht zusagen müssen andere Lösungen her. Elektrisch und grün soll alles werden- womit die nächsten Ressourcen in den ärmsten Regionen dieser Welt ausgebeutet werden. Das neue Geschäftsmodell der Autoindustrie ist aber leider nicht zu Ende gedacht, denn Alltagstauglichkeit und vor allem die Kapazität von Blümchen- Strom reichen derzeit nicht aus um wirklich Beifall zu klatschen. Wo bleiben die Recyclingsysteme für die ausgedienten Lithium- Zellen?

Ruderboot auf der Brucher-Talsperre
Ruderboot auf der Brucher-Talsperre

Ich vermisse es seit Jahren bei unseren Wanderungen in der Heimat mal wieder durch eine richtige Winterlandschaft zu stapfen. Der heutige kalte Novembertag ist recht ungemütlich und wir parken unser Auto auf dem Endpunkt des heutigen Teilstücks auf der 7. Etappe in Dannenberg. Von hier wählen wir einen Zuweg, der uns in einem Bogen zunächst westlich zur Brucher- Talsperre, dann nördlich zur Lingese- Talsperre bringt. Hier knüpfen wir dann an den Panoramasteig an, der unseren Rundweg nach 13,4 Kilometern schließt.

Pegelstand an der Brucher-Talsperre
Pegelstand an der Brucher-Talsperre

Am ersten Aufschwung unseres Zuwegs von Dannenberg lassen wir die Weiden hinter uns, auf denen schwarz- weiße Kühe ihr Tagewerk verrichten. Schlammige Wege führen uns durch Fichten- Rodungen zur Brucher-Talsperre. Hier sind Angler mit einem Ruderboot auf dem See unterwegs. Eine Tafel informiert über den Verkehr im Bergischen Land vor 200 Jahren. Es gab keine Straßen und das Reisen mit Fuhrwerken und Postkutschen war alles andere als komfortabel. Auf den schmalen Wegen waren Posthorn oder das Knallen mit der Peitsche wichtige Signale für eventuellen Gegenverkehr. So berichtet Landpastor Johann Moritz Schwager über eine Reise in der Postkutsche durch das Bergische Land im Jahr 1802:

„Es sah für die Fortsetzung der Reise nach Gimborn bedenklich aus (….) Unmöglich wäre unser Wagen, der obendrein nicht spurte, durch diese Mordwege, ohne in Stücken zu zerbrechen, zu bringen gewesen.“

Verkehrsweg im Bergischen vor 200 Jahren?
Verkehrsweg im Bergischen vor 200 Jahren?

Alle 6 Talsperren entlang von Wipper und Wupper regulieren lediglich die Zuflüsse aus Seitentälern. Die Wuppertalsperre ist die erste Talsperre mit direktem Aufstau der Wupper. Unter der Staumauer der Brucher-Talsperre steigen wir ins Eulenbecker- Tal ab. Hier wurde im Mittelalter Eisenerz verhüttet. Schwere Lasten mussten bewegt werden, Anlieferung von Holzkohle zur Verhüttung und Abtransport des Roheisens zur Weiterverarbeitung waren eine Herausforderung für die damaligen Fuhrmänner. Die Eulenbecke, als Teil des sogenannten „Ruhrgebiets des Mittelalters“, hat sich die Natur bis heute wieder zurückgeholt.

Gut das wir's gemacht haben !
Gut das wir’s gemacht haben !

In nördlicher Richtung erreichen wir das Etappenende der 6. Etappe oberhalb der Lingese-Talsperre. Die aufgestauten Wolken an den Höhen öffnen dann doch noch ihre Schleusen. An diesem Punkt motivieren wir uns dann schon mal mit Sprüchen wie: „Zu Hause sind wir sicher froh, das wir’s gemacht haben“. Eine solche November- Stimmung vermittelt einfach nicht so wirklich des „Wanderers Lust“. An einem Stau- Teich der Wipper machen wir eine Brotzeit. Ein paar Kilometer östlich liegt das Quellgebiet der Wipper in Börlinghausen. Der matschige Panoramasteig führt uns nach Überquerung der L 306 zurück nach Dannenberg. Beim Kaffee zu Hause sind wir dann auch tatsächlich froh, das wir’s gemacht haben.

Bergischer Hof im Frühnebel
Bergischer Hof im Frühnebel

Einen Kontrast gegenüber den Landschaftseindrücken der letzten Woche, wie er krasser kaum sein kann bringt das letzte Novemberwochenende. Es ist mit 2 Grad zwar sehr kalt, die ganztägig tiefstehende Sonne scheint aber diesmal aus einem wolkenlosen Himmel und wirft Licht, Farben und lange Schatten ins Gelände. Schon bei der Anfahrt ist es ein Genuss über die Raureif- belegten Höhen des Bergischen zu fahren.

Pferdekoppel in Dannenberg
Pferdekoppel in Dannenberg

Wieder stellen wir unser Auto in Dannenberg ab und gehen diesmal zuerst das nächste Wegstück auf dem Panoramasteig, der uns am östlichen Ufer der Genkel-Talsperre entlang an den nördlichen Ausläufer der Agger-Talsperre bringt. Mit einer Runde von insgesamt 17,2 Kilometern kehren wir dann westlich der Genkel-Talsperre über einen sehr abwechslungsreichen Weg über den Unnenberg zu unserem Auto nach Dannenberg zurück.

Farn mit Raureif
Farn mit Raureif

Unser Weg um die Genkel-Talsperre beginnt am nordwestlichen Zipfel dieses mir bislang noch nicht so bekannten Stausees. Der Morgen- Nebel über dem See hat sich noch nicht ganz aufgelöst. Im zunehmenden Sonnenlicht verschwindet auch langsam der glitzernde Zauber der Eiskristalle auf den Sträuchern. Auf dem Uferweg treffen wir kaum Leute und auf einer Bank lassen wir die Ruhe und die gleißende Wasseroberfläche des Sees auf uns wirken. Einen nach Norden ausladenden Ausläufer des Sees müssen wir über den nördlichen Absperrdeich umrunden um an das Ostufer des Sees zu gelangen. In einem vorgeschalteten Gewässer ohne Aufstau beobachten wir einen weißen Reiher.

Pause an der Genkel-Talsperre
Pause an der Genkel-Talsperre

Es entgeht uns nicht, das die Stauhöhe der Talsperre auch hier eher mäßig ist. Auch der November ist für unsere Region viel zu trocken. Historisch gesehen ist es die Zeit in der es in unserer Region reichlich regnen sollte um die Talsperren gut zu füllen. Entlang des Ostufers erreichen wir die Stauanlagen am Südende der Genkel-Talsperre und kurz danach die Bundesstraße L323. Hier fällt der Blick nach Süden bereits auf die Agger-Talsperre. Wir beenden hier für heute den Panoramasteig und wenden uns den Höhen westlich der Genkel-Talsperre zu.

Genkel-Talsperre
Genkel-Talsperre

Es geht nun stetig bergan über den Weiler Unnenberg, von wo uns der weitere Aufstieg auf den 505 Meter hohen Unnenberg hinaufführt. Ich habe schon mehrfach auf den forstwirtschaftlichen Super- Gau bezüglich der toten Fichtenbestände auf unseren Wegen hingewiesen, der überall zu großflächigen Rodungen führt. Auch hier hat der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet. Hobbyförster lassen ihre Motorsägen in den Wäldern knattern und freuen sich über das billige Brennholz.

Unnenberg-Turm Blick nach Osten
Unnenberg-Turm Blick nach Osten

Am Gipfel des Unnenbergs steht ein Stahlturm mit einer 30 Meter hohen Aussichtsplattform, von der sich ein toller 360-Grad Panorama-Rundblick öffnet. Östlich unter uns der heutige Weg um die Genkel-Talsperre und dahinter am Horizont eine Autobahnbrücke der A45. Der Blick nach Südwesten fällt im direkten Gegenlicht auf das Siebengebirge, hinter dem sich noch blass die Höhenzüge der Eifel demarkieren.

Genkel-Talsperre von oben
Genkel-Talsperre von oben

Ein Turmbesucher hat die Information, das auch die beiden Türme des Doms zu Köln zu sehen sein müssten. Durch die grelle Sonne im Gegenlicht können wir das vor Ort nicht sicher klären. Ich mache ein paar Teleaufnahmen in die vermutete Richtung und tatsächlich ragen die Turmspitzen nach Westen hinter den Wellenbergen des Landschaftsprofils hervor. Den Sonnenuntergang würden wir hier oben gerne noch abwarten, aber ein paar Kilometer müssen wir noch nach Dannenberg zurück laufen.

Bergische Wellenberge mit Siebengebirge und Eifel
Bergische Wellenberge mit Siebengebirge und Eifel

Corona-Regeln und Social- Distancing begleiten uns in diesem Jahr auf Schritt und Tritt. Wir begegnen einer Gruppe Jugendlicher, die in enger Geselligkeit auf der schmalen Treppe des Turms aufsteigt. Gesichter strahlen uns aus engsten Abstand freundlich grüßend an. Im Jahr 2020 sollte sich doch so etwas wie ein Instinkt entwickelt haben wann Abstand oder die Verwendung eines Mund-Nasen- Schutzes indiziert ist. Wir machen leider wiederholt die Erfahrung, dass die Brisanz der Pandemie noch immer nicht in allen Köpfen angekommen ist.

Arnd und Doro 535 mNN
Arnd und Doro 535 mNN

Auf dem Rückweg strahlt das Licht der untergehenden Sonne durch den Wald, während sich über dem gegenüberliegenden rötlichen Horizont unseres Planeten ein fast voller Mond erhebt. Mit diesem interstellaren Erlebnis laufen wir in die blaue Stunde hinein zu unserem Auto zurück.

Fast-Vollmond zu blauer Stunde
Fast-Vollmond zu blauer Stunde

Wiederum ein Wochenende später Anfang Dezember wollen wir die 7. Etappe des Panoramasteigs vom Ostufer der Genkel-Talsperre nach Lieberhausen fortführen. An der hübschen Kirche von Lieberhausen parken wir unserer Auto und es entgeht mir nicht, das das Kirchengebäude alle Merkmale eines sehr alten Bauwerks vermittelt. Da die Tür am Vormittag noch verschlossen ist können wir das Geheimnis der so genannten „Bunten Kerke“ erst am Nachmittag lüften.

Hat einen alten Hut wiedergefunden- Bernhard
Hat einen alten Hut wiedergefunden- Bernhard

Der Zuweg bringt uns über eine Brücke am Nordost- Zipfel der Aggertalsperre an die L323 zwischen Bredenbruch und Lantenbach südlich der Genkel-Talsperre. Am bereits bekannten Ostufer der Talsperre erreichen wir den Anknüpfungs-Punkt an den Panoramasteig, der uns nach insgesamt 10,8 Kilometern zurück nach Lieberhausen führt. An diesem Wochenende haben sich Moni und Bernhard uns angeschlossen. Das gemeinsame Projekt des Eifelsteigs hat wegen der langen Anfahrt und der fehlenden Übernachtungsmöglichkeit im Lockdown derzeit Pause.

Unterwegs über die Höhe
Unterwegs über die Höhe

Trotz verhängten Teil-Lockdowns sinken die Neuinfektionen leider unzureichend. Die Intensivbetten der Krankenhäuser laufen voll und die Anzahl der Corona- Toten steigt. Am zweiten Advents- Wochenende wird die in Aussicht gestellte Lockerung über Weihnachten heiß diskutiert. Diese Lockerung scheint kaum vertretbar, denn allein in Deutschland sterben über 400 Menschen täglich im Zusammenhang mit dem Virus. Mehr als 2 tägliche Abstürze von Flugzeugen des Typs A320 würde kein Mensch unbeeindruckt hinnehmen. Nach einem geselligen Familien-Weihnachtsfest könnten Oma oder Opa dann vielleicht nicht mehr dabei sein.

Boviste am Wegesrand
Boviste am Wegesrand

Das Wetter überrascht uns mit mehr Sonne als erwartet und dabei liegen die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt. So steigen wir von der Genkel-Talsperre auf die Höhen von wo sich nach Osten ein prächtiges Panorama eröffnet. Nach einer Brotzeit mit Tee und Gebäck halten wir uns südlich absteigend nach Deitenbach. Von hier wendet sich unser Weg oberhalb der Agger-Vorsperre östlich nach Lieberhausen.

Panorama mit Blick nach Osten
Panorama mit Blick nach Osten

Nun erhalten wir Einlass in die Pfarrkirche von Lieberhausen und verstehen jetzt auch die Namensgebung der „Bunten Kerke“. Mit ihrer farbenprächtigen Ausmalung mit Wandmalereien des 15. und 16. Jahrhunderts gehört die Kirche zu den bekanntesten Baudenkmälern des Oberbergischen Landes. Erst gegen Ende des 8.Jh. begann die Besiedlung des waldreichen Landes durch die von Westen heranziehenden Franken. Mit dem Beginn der Christianisierung befindet sich seit dem Jahr 1000 an dieser Stelle eine steinerne Kapelle.

Bunte Kerke- Lieberhausen
Bunte Kerke- Lieberhausen

Die Libirhusen Capella wurde 1274 erstmals erwähnt. In der 2. Hälfte des 15.Jahrhunderts wurde ein spätgotisches Querschiff angefügt. Die Ausmalung der Kirche geht auf das Jahr 1480 zurück. Die alten Fresken blieben anders als in den Nachbardörfern auch über die Reformation bestehen, wurden sogar Ende des 16. Jahrhunderts restauriert und ergänzt. Verärgert über die Redensart des Volksmunds „So bunt as de Lieberhuser Kerke“ in der Region ließen die Lieberhausener die bunte Pracht Mitte des 19.Jahrhunderts unter einer Farbschicht verschwinden.

Fresken-Schatz aus dem 15.Jh.
Fresken-Schatz aus dem 15.Jh.

Erst in den Jahren 1911-1913 wurden die 540 Jahre alten biblischen Darstellungen wieder aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Eine ganze Weile betrachten wir die Darstellungen aus dem alten und neuen Testament. Die bildliche Darstellung der 10 Gebote und die Orgel im Chor wirken ungewöhnlich auf uns.

Die Seelenwaage
Die Seelenwaage

Da die Sonne auch an diesem Nachmittag warm in die Landschaft scheint wollen wir unseren Freunden den Blick vom Unnenberg- Turm nicht vorenthalten. Ein zweites Mal schauen wir weit über das Land und kühlen auf der Aussichtsplattform ordentlich durch. Auf der Rückfahrt freuen wir uns auf ein gutes Abendessen bei unseren Freunden anlässlich des gestrigen 18. Geburtstages meines Patenkindes Richard.

SO- Blick auf die Agger-Talsperre und Bergneustadt
SO- Blick auf die Agger-Talsperre und Bergneustadt

Es ist Mitte Dezember und die tägliche Presse zum Thema Corona nervt extrem. Seit Wochen baut sich die lange prophezeite 2.Welle der Pandemie auf und bringt weiter steigende Zahlen trotz Teil-Lockdowns. Bei fast 30000 Neuinfektionen sterben derzeit fast 600 Menschen täglich in unseren Krankenhäusern an Corona und manche Bürgermeinung zum Thema macht mich nur noch fassungslos. Ab Mitte nächster Woche gibt es die längst erforderliche Verstärkung des Lockdowns. Sorge bereitet nun die Befürchtung, das die letzte Möglichkeit die Geschäfte vor Weihnachten zu fluten zum Superspreader- Event wird. Eine ausbleibende jährliche Konsumorgie könnte dabei doch Potential haben den Inhalt der eigentlichen Weihnachts-Geschichte wieder mehr hervorzuheben.

Alte Grabsteine an der Kreuzkirche in Wiedenest
Alte Grabsteine an der Kreuzkirche in Wiedenest

Die zuständigen Minister unseres föderalistischen Systems verbiegen sich förmlich zwischen Sinnvollem, Wählergunst und der Furcht Wasser auf die Mühlen der „Rechts- Außen-Nörgler“ zu gießen, die das Tragen eines Mundschutzes ja als unerträgliche Einschränkung der Bürgerrechte bewerten. Im Radio ruft ein Reiseveranstalter zu Flugreisen in die letzten vom RKI noch nicht als Risikogebiet ausgerufenen Ecken dieses Planeten auf und wirbt dabei mit Quarantänefreiheit. Kämen Außerirdische zu einem Besuch auf die Erde hätten sie sicher Probleme einen Nachweis für intelligentes Leben zu erbringen 😉

Weiher an der Kreuzkirche Wiedenest
Weiher an der Kreuzkirche Wiedenest

Wir treffen uns am Sonntag des folgenden Wochenendes mit Moni und Bernhard an der Kreuzkirche von Wiedenest. Nach der Anfahrt durch den nasskalten Sprühregen fehlt noch jegliche Lust aus dem Auto auszusteigen. Wir haben uns den Themenweg „Feuer und Flamme“ mit etwas mehr als 12 Kilometern ausgesucht. Der Rundkurs führt uns von Wiedenest ein Stück über den Panoramasteig, dessen 7.Etappe in Bergneustadt endet. Die Panoramasteig-Lücke von Lieberhausen nach Wiedenest gilt es beim nächsten Mal dann noch zu schließen. Nach einem Bogen über die Höhen nordöstlich von Bergneustadt endet die Runde am Nachmittag an der Kirche in Wiedenest.

Gasse in Bergneustadt
Gasse in Bergneustadt

Auf den ersten Metern trotzen wir mit unseren Himmelschilden noch der Nässe von oben. Schon auf dem Weg nach Bergneustadt können wir aber die Schirme wegpacken. Der Weg mit der Bezeichnung „Feuer und Flamme“ greift die lange Feuerwehr- Tradition von Bergneustadt auf, denn die Stadt wurde wiederholt Opfer von Feuersbrünsten. Seit 1548 bis zum 19. Jahrhundert gab es sieben verheerende Brände, die die Stadt komplett oder teilweise in Schutt und Asche gelegt haben. 1301 gründete Eberhard II. von der Mark die Stadt mit dem ursprünglichen Namen Neustadt nebst Burg und Stadtbefestigung.

Turm auf dem "Knollen"
Turm auf dem „Knollen“

Auch heute geht man noch durch Altstadtgassen mit viel Fachwerk. An einer Wäscheleine vor einem Haus hängen hölzerne Weihnachtsengel. Ein beigefügtes Schild ermuntert dazu eine der Laubsäge-Arbeiten mitzunehmen- einfach so. Eine sehr schöne Geste in unserer kommerziellen Zeit. Der Engel aus Bergneustadt bekommt seinen Ehrenplatz an unserem Baum.

Hoch über Bergneustadt
Hoch über Bergneustadt

Nebelschwaden jagen über das Bergische und wir können bereits den Aussichtsturm auf dem Knollen auf 477m sehen, zu dem uns der Weg hinaufführt. Die 26 Meter hohe Aussichtsplattform dieses Turms bietet Tiefblick auf Bergneustadt und bei gutem Wetter einen sicher spektakulären Rundblick über das Bergische Land. Hinter dem deutlich aufgehellten Himmel im Westen sehen wir auch heute die Erhebungen von Siebengebirge und Eifel. Nördlich können wir zum Aussichtsturm auf dem Unnenberg hinüber sehen.

Borkenkäfer-Schlachtfeld am Beulberg
Borkenkäfer-Schlachtfeld am Beulberg

Am Fuß des Turms nutzen wir die Picknick-Bank für unsere Brotzeit. Der Weg führt uns weiter zum Gipfel des Beulbergs auf 480m. Am Himmel öffnen sich Wolkenlücken und wiederholt erhellt die Sonne die Landschaft. Ein Bergneustädter Vater fühlte sich seinem Sohn, der 1944 an seinem 20. Geburtstag in Frankreich gefallen war hier oben besonders nahe. Er stellte einen Felsen aus Grauwacke auf und andere taten es ihm später gleich. Der Steinhaufen wuchs an und symbolisiert einen Ruf nach Frieden. Wie Schlachtfelder wirken dabei die dem Borkenkäfer geschuldeten Fichten-Rodungen am Beulberg.

Sonne,Licht und Schatten
Sonne,Licht und Schatten

Unser Rundweg endet an der Kreuzeskirche in Wiedenest. Eine steinerne Kirche wurde an diesem Ort spätestens im 12. Jahrhundert erbaut. Auch hier handelt es sich um eine „Bunte Kirche“, deren Malereien allerdings bereits viel früher als in der Lieberhausener Kirche übermalt wurden. Die Malereien aus dem 13. und 15.Jahrhundert fand man 1932 unter 7 Kalkschichten wieder. Die Kirche ist dem Heiligen Kreuz geweiht, denn ein Splitter des Hl. Kreuzes soll von einem Kreuzfahrer Anfang des 13. Jahrhunderts hier niedergelegt worden sein. Der Status eines Wallfahrtsortes war damit gesichert.

Weihnachtsstimmung in der Kreuzkirche Wiedenest
Weihnachtsstimmung in der Kreuzkirche Wiedenest

Filmaufnahmen verhindern eine eingehende Inspektion des Innenraums, ein kurzer Einblick wird mir aber gewährt. Ein romanisches Taufbecken aus Andesit stammt aus der Zeit um 1200. Neben der Darstellung des Jüngsten Gerichts in der Vierung ist im südlichen Querhaus die Kreuzlegende dargestellt.

Leider hat Bernhard heute keine Lust
Leider hat Bernhard heute keine Lust

Das Wochenende vor Weihnachten lockt uns am Samstag zu einem Rundkurs von Lieberhausen aus über den Knollen zum Nordost- Zipfel der Aggertalsperre. Nach 11 Kilometern schließt sich der Rundkurs, mit dem wir das fehlende Stück auf der 7. Etappe des Panoramasteigs nun auch geschlossen haben. Das Wetter ist sonnig und die Temperaturen liegen tagsüber fast im zweistelligen Bereich. Moni ist diesmal auch wieder mit dabei.

Begegnung mit Pferden
Begegnung mit Pferden

Die Corona- Story nimmt ihren Lauf. Impfungen werden nach Weihnachten in Aussicht gestellt und bringen Hoffnung auf eine weltweite Normalisierung der Lage. Wir nehmen den verhängten Lockdown sehr ernst und beschränken uns auf unsere Wanderungen in der Region. Neue Mutationen des Corona-Virus mit zunehmender Virulenz jagen durch die Medien. Der dringenden Aufforderung auf Kontakte und Reisen zu verzichten entziehen sich die weniger Vernunft-Begabten per Flugzeug, um so das Virus fröhlich weiter zu verbreiten. Beim Check-in auf die nun auch als Risikogebiet geltenden Kanaren lassen sich Reisende im Interview ihre ignorant- egoistischen Argumente mit vorgehaltenem Mikrophon entlocken. Es ist ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht für alle, die derzeit daran mitarbeiten die täglich steigende Infektions- und Todesrate abzuschwächen.

Zufluss zur Rengse bei Niederrengse
Zufluss zur Rengse bei Niederrengse

Bei Lieberhausen passieren wir einen Hof mit Pferden, Eseln und Schafen. Durch Bachwiesen, deren Wasser mit der Rengse der Agger- Talsperre zufließt halten wir uns südöstlich Richtung Niederrengse. Ein stetig leicht ansteigender Panoramaweg führt uns südlich um den Beulberg herum zum Aussichtsturm auf dem Knollen. Fernblicke werden kaum von dichtem Wald behindert, denn die Fichtenrodungen geben die Sicht frei- die bereits vorhandenen Kahlschläge sind gruselig.

Pfütze nach dem letzten Regen
Pfütze nach dem letzten Regen

Moni übersieht einen Ast am Boden und stürzt unmittelbar vor mir auf ihr linkes Knie. Ihr kurzer Aufschrei lässt erst einmal Schlimmes erwarten. Eine erste Inspektion und die Tatsache der erhaltenen Gehfähigkeit sind zunächst einmal beruhigend für uns. Trotz monströs angeschwollener Kniescheibe kann sie den Rest des Weges fortsetzen. An der Picknick- Bank auf dem Knollen machen wir eine Pause und Moni kann das Knie eine Weile hochlegen. Ich laufe noch einmal auf den Aussichtsturm hinter dessen Schatten sich heute ein deutlich sonnigeres Panorama nach Nordosten erstreckt.

Schlußanstieg zum Knollen
Schlußanstieg zum Knollen

Beim langen Abstieg über einen schlüpfrigen schmalen Pfad öffnet sich nach Westen der Blick auf die Agger-Talsperre. Gehen und Gucken ist nicht empfehlenswert und mit einer Tanzeinlage schickt es mich ebenfalls in die Latschen am Wegesrand. Ohne wesentliche Blessuren kann ich mich aufraffen und den Abstieg zum Nordost- Arm der Talsperre fortsetzen. Der letzte Aufstieg bringt uns zum Parkplatz vom Friedhof in Lieberhausen. Wir verabschieden uns von Moni, die nun bestrebt ist ihr Knie zu Hause möglichst bald auszuruhen.

Nordost- Blick vom Knollen
Nordost- Blick vom Knollen

Wir fahren noch einmal zur Kreuzeskirche in Wiedenest, deren weihnachtlich dekorierter Innenraum heute ohne aufgebautes Filmgerät darauf wartet von uns erkundet zu werden. Entspannt treten auch wir mit einer gemütlichen Fahrt durch das Bergische Land die Heimfahrt an. Im Wehetal in Kierspe-Schnörrenbach verlassen wir die Landstraße einem Schild folgend. An einer Forellen-Zuchtanlage haben wir Gelegenheit geräucherte Fisch-Spezialitäten und eine frische Lachsforelle einzukaufen.

Lachsforelle par excellence
Lachsforelle par excellence

Dieses Prachtexemplar bereitet uns Dorothee am Abend im Backofen zu. Begleitet von einem 2014er Hochgewächs der „Zeller Schwarze Katz“, mitgebracht vom Moselsteig 2015 endet der schöne Tag satt und zufrieden.

Matsch und etwas Schnee
Matsch und etwas Schnee

Am Dienstag nach dem Weihnachts- Wochenende wollen wir den Panoramasteig noch ein Stück in südöstlicher Richtung voran bringen. In 2 Tagen endet das Jahr, das schon jetzt als Corona- Jahr in die Geschichte eingehen wird. Die Weihnachtstage haben wir im allerengsten Familienkreis verbracht. Um eine Gefährdung meiner über 80 jährigen Mutter auszuschließen haben wir uns einer eingehenden Austestung unterzogen, da wir beruflich einer starken Exposition unterzogen sind. Den Plan den Jahreswechsel in Südtirol zu verbringen haben wir bereits früh verworfen und werden den genommenen Urlaub zu Hause gestalten. Über 1100 Tote täglich, volle Intensivstationen und die Prophezeiung einer 3. Welle gehen allerdings an einem Teil unserer Gesellschaft vorbei.

Auf der Höhe östlich von Bergneustadt
Auf der Höhe östlich von Bergneustadt

Bilder aus Österreich und der Schweiz mit Massenandrang an Skiliften bringen mich extrem auf die Palme. Auch in Deutschland gibt es einen Ansturm auf die schneebedeckten Erhebungen der Mittelgebirge mit Verkehrschaos und Aushebelung aller Corona- Regeln. Per Radio wird dazu aufgerufen nicht mehr anzureisen, denn auch die Infrastruktur befindet sich im Lockdown. In Winterberg beschweren sich Anwohner über Toilettengänge in ihren heimischen Vorgärten- eigentlich ein gewohntes Bild an Winterberger Party- Locations wie Siggis Hütte. „Lieber Gott gib‘ mir bitte die Kraft all das zu ertragen !“

Winter-Sonnenlicht und Farben am Nachmittag
Winter-Sonnenlicht und Farben am Nachmittag

Es sind 14 Kilometer, die unsere Runde heute einfordert. Von Wiedenest aus führt uns der morastige Weg an Altenothe vorbei auf knapp 400 Meter Höhe hinauf. Bernhard ist diesmal mit dabei, leider hat Moni nach ihrem Sturz letzte Woche doch noch erhebliche Probleme mit dem Knie. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt kommen Schauer als nasser Schneeregen herunter. Höhere Lagen demarkieren sich mit angepuderten Kuppen in der Landschaft.

Summit of the day
Summit of the day

Der Anfang der 8.Etappe des Panoramasteigs führt uns über Neuenothe bis zur Wegkreuzung am Weiler Hecke an der wir auf den mit >Raute 3< gekennzeichneten Weg abzweigen. An einem Unterstand bei Hüngringhausen trinken wir unseren heißen Tee, der bei diesem nasskalten Wetter einfach nur wohltuend ist. Dazu gibt es Brote und Weihnachtsgebäck. Wir treffen kaum Menschen und wenn dann Gassi- Geher mit Hund. Graue Melancholie hängt über den Hügeln des Bergischen.

Weihnachtliches Ambiente in der bunten Kirche von Wiedenest
Weihnachtliches Ambiente in der bunten Kirche von Wiedenest

Beim Anstieg auf die letzte Höhe vor Wiedenest wechselt diese Stimmung dramatisch. Plötzlich liegen lange Schatten vor unseren Füßen und die Landschaft erstrahlt in Polycolor. Wir können den Aussichtsturm auf dem Knollen hinter Bergneustadt ausmachen und steigen einen steilen und matschigen Mountain-Bike- Pfad hinab nach Wiedenest. Mit Bernhard besuchen wir die hiesige bunte Kirche ein weiteres Mal und nehmen noch etwas weihnachtliche Stimmung mit nach Hause. Licht am Ende des Tunnels und Hoffnung auf eine Zeit nach Corona vermittelt der leuchtende Weihnachtsstern inmitten des dunklen romanischen Kirchengewölbes .

Winterlandschaft bei Blockhaus
Winterlandschaft bei Blockhaus

2 Tage ist das neue Jahr alt, als wir die 8.Etappe mit Moni und Bernhard wiederum als Rundweg fortsetzen. Moni hat sich entschlossen ihrem geschwollenen Knie wieder Auslauf zu gönnen. Wir haben uns am Parkplatz Blockhaus östlich von Eckenhagen verabredet, um von hier über einen Zuweg in nördlicher Richtung zur Wegkreuzung am Weiler Hecke an den Panoramasteig anzuschließen. Von hier gelangen wir über den Steig in südlicher Richtung über Branscheid zurück zum Parkplatz Blockhaus. Auf einer anschließenden südlichen Schleife über die Ortschaften Windfus und Tillkausen gelangen wir zurück nach Blockhaus. Die Runde mit dem Profil einer 8 hat eine Länge von etwa 17 Kilometern.

Stoppelfeld-Panorama
Stoppelfeld-Panorama

Es ist nun endlich Winter auf den Höhen des Bergischen. Der Parkplatz Blockhaus ist gut gefüllt, denn zahlreiche Menschen wollen die freien Tage mit ihren Kindern zum Rodeln nutzen. Auf knapp 500 Höhenmetern hat sich eine dünne Schneedecke gebildet und auf den weiten Rodelwiesen sausen überall Schlitten die Hänge hinab. Wir machen die gleiche Erfahrung wie auf allen unseren bisherigen Wegen- mehr als 500 Meter vom Parkplatz entfernt trifft man kaum mehr auf Menschen in der Landschaft.

Unterwegs am 2. Tag des Jahres
Unterwegs am 2. Tag des Jahres

Die Medien melden erneut aberwitzige Zustände auf den hohen Bergen in unseren Mittelgebirgen, von deren Besuch eindringlich abgeraten wird. Es geht um Punkte mit Magnetwirkung wie Brocken, Fichtelberg und Schwarzwald auf denen Pandemie- Regeln komplett auf der Strecke bleiben. Hier werden Rechte eingefordert die durchaus verständlich sind, die aber nicht von der Pflicht entbinden den eigenen Verstand einzusetzen. Über 90% der Intensiv- Betten sind bereits belegt und die steigende Anzahl der Verstorbenen übersteigt die Kapazität der vorhandenen Krematorien. Beim Ausruf eines Notstands bliebe es nicht mehr nur bei einem Apell an den Verstand unserer „mündigen Bürger“.

Bergisches Fachwerk in Hecke
Bergisches Fachwerk in Hecke

Dichte Bewölkung hängt über der angeschneiten Landschaft. Von Hecke führt uns der Panoramasteig nach Branscheid mit seinen schönen restaurierten Fachwerkhäusern. Dahinter steigen wir in die Wacholderheide östlich von Eckenhagen auf. Wir erfahren historisches über die Pflanze, deren Beeren Heilkräfte nachgesagt werden. Keimtötende Wirkung und Stärkung der Abwehrkräfte brachten der Pflanze seit dem Altertum einen hohen Stellenwert in der Medizin ein. In den Zeiten der Pest wurden die Zimmer der Erkrankten mit Wacholderzweigen ausgeräuchert.

Alter Wacholder- Baum am Weg
Alter Wacholder- Baum am Weg

Ein besonders großer Wacholderbaum ragt aus den übrigen Sträuchern in die Höhe. Seit unserem Azoren- Trip wissen wir, dass Wacholderbäume mit bis zu 1000 Jahren sehr alt werden können. Beim weiteren Aufstieg auf die Anhöhe von Blockhaus lässt sich sogar die Sonne mal blicken. Nach Süden geht es nun absteigend ins Winckenbachtal mit nachfolgendem Aufstieg zum Breselberg, auf dem uns der Unterstand „Hexentanzplatz“ zur Pause einlädt.

Berni, Moni und Doro
Berni, Moni und Doro

Ein weiterer kurzer Abstieg führt uns am Rand von Windfus vorbei über die Steinagger zu einem langen Aufstieg von 160 Höhenmetern an die L351. Hier verlassen wir den Panoramasteig, der sich von hier südlich nach Hespert wendet. Wir beschreiben nun einen östlich verlaufenden Bogen über Tillkausen, von wo wir über schneebedeckte Weiden von Süden zurück zum Parkplatz Blockhaus aufsteigen.

Rückweg nach Blockhaus
Rückweg nach Blockhaus

Bereits am Sonntag der folgenden Woche wollen wir von Hespert bis Nespen den östlichen Ring des Panoramasteigs durch das Oberbergische ein Stück nach Süden weiter fortsetzen. Dabei parken wir das Auto bei Nespen auf einem Wanderparkplatz am Ostarm der Wiehltalsperre. Von Nespen gehen wir nordwärts über Lüsberg und Hassel nach Hespert. Nach Überquerung der Autobahn 4 knüpfen wir an der L351 an den zuletzt gegangenen Teil der 8.Etappe des Panoramasteigs an.

Wintertag im Nebel
Wintertag im Nebel

Es ist ein trüber Tag und der Nebel über der weißen Winterlandschaft lässt alles in schwarz-weiß erscheinen. Das anfängliche Schneetreiben verliert sich schon bald und so macht es Spaß durch die winterliche Landschaft zu streifen. Aufmerksam haben wir die aktuellen Entwicklungen bezüglich der Sperrungen der einschlägigen Wintersport- und Rodelgebiete in den Medien verfolgt. Dem Hot-Spot vom letzten Wochenende am Parkplatz Blockhaus hat man an diesem Wochenende die Zufahrtswege gesperrt. Sperrungen wurden auch aus vielen anderen Gebieten gemeldet, da der Apell an die Vernunft der anreisenden Massen ohne Effekt verhallt ist.

Winter im Oberbergischen
Winter im Oberbergischen

Die Neuigkeit zum Thema Corona ist der Impfstart, der für die höchste Risikogruppe in unserer Gesellschaft bereits stattgefunden hat. Nachschub- und Logistik-Probleme lassen eine flächendeckende Verimpfung nur langsam anlaufen. Weltweit blicken wir auf fast 2 Millionen Corona- Tote und in Deutschland bleibt die Todesrate mit über 1000 Corona- Toten täglich auf einem hohen Stand. Nach der aktuellen Vorgabe darf sich im öffentlichen Bereich ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen. Auf unserem heutigen Weg kommen wir an einem Rodelhügel vorbei, an dem zahlreiche Erwachsene und Kinder in enger Geselligkeit keinen Gedanken an die grassierende Pandemie verschwenden.

Leere Rodelhänge im Bergischen
Leere Rodelhänge im Bergischen

Das ganze Theater rund um die Corona- Pandemie wird derzeit nur noch durch die Ereignisse der letzten Woche in den USA getoppt. Der scheidende Präsident leugnet weiterhin seine demokratische Abwahl und heizt so seine Anhängerschaft mit juristisch widerlegten Behauptungen zum Sturm auf das Capitol in Washington auf. Wir sehen unfassbare Bilder aus dem Machtzentrum der ältesten Demokratie der Welt. Die radikale Mischung teils skurriler Gestalten in den Räumen des Parlaments lassen an die Querdenker- Aufmärsche in unserer eigenen Hauptstadt denken.

Shetland- Ponys in Dreschhausen
Shetland- Ponys in Dreschhausen

Südlich von Hespert machen wir an einer Bank vor einer verschlossenen Hütte Pause. Von hier sehen wir sehr versprengt Eltern, die mit ihren Kindern die schneebedeckten Hügel talwärts sausen. Das Bergische Land bietet ausreichend Raum, wenn man Hot- Spots mit großen Parkplätzen meidet und einfach mal ein Stück zu Fuß zurücklegt.

Arnd und Doro vor Schneemann und Fachwerk in Dreschhausen
Arnd und Doro vor Schneemann und Fachwerk in Dreschhausen

Eigentlich viel zu früh erreichen wir den Parkplatz in der Nähe von Nespen. Dem Wunsch noch ein paar „Meter“ im Schnee zu machen geben wir nach und gehen noch eine Runde oberhalb des Ostarms der Wiehltalsperre. Leider finden wir keine Möglichkeit für einen Blick auf das Gewässer. Hier befindet sich die aus der Bier- Werbung bekannte Insel, deren Überflug mit der Musik von Simple Minds Biertrinkern den mit Felsquell- Wasser gebrauten Gerstensaft schmackhaft machen soll.

Abendstimmung auf der Heimfahrt
Abendstimmung auf der Heimfahrt

Auf dem Rückweg kommen wir durch Dreschhausen, wo altes Fachwerk und ein dicker Schneemann Fotomotive abgeben. Shetland Ponys stehen im Schnee vor ihrem Stall. Mit dieser Extrarunde bringen wir es heute auf 15,7 Kilometer. Erst auf der Rückfahrt quer durchs Bergische durchbricht die tiefstehende Sonne die graue Wolkendecke und erhellt die schneebedeckten Hügel mit ihrem rötlichen Licht.

Maximal 3 Personen aus 2 Haushalten- Mindestabstand 1,5 Meter
Maximal 3 Personen aus 2 Haushalten- Mindestabstand 1,5 Meter

Nach 2 Wochen voller Termine gelingt es uns erst wieder am letzten Sonntag des Monats ins Bergische auszubrechen um nun die 9. Etappe bis Erdingen fortzuführen. Der Schneeeinbruch bei uns in Wuppertal war leider nur von kurzer Dauer, so dass die weiße Pracht bei Nässe und milden Temperaturen bereits wieder verschwunden ist. Erneute Minustemperaturen haben uns am Morgen bei der Abfahrt aber erst einmal zugefrorene Autotüren beschert. Ein Zwischenhoch verheißt für den weiteren Tagesverlauf reichlich Sonnenschein an diesem Wintertag Ende Januar.

Frost- Gebilde
Frost- Gebilde

Corona- gerecht treffen wir uns mit Moni und Bernhard am Wanderparkplatz in Nespen, um diesmal den Panoramasteig nach Süden bis Erdingen voranzubringen. Von hier gehen wir südlich der Wiehltalsperre durch das Streesharthbach- Tal über Grünschlade zurück zu unserem Ausgangspunkt. An der Wiehltalsperre folgen wir einem Wegweiser an das umzäunte Ufer der Trinkwassertalsperre, von wo sich ein eher enttäuschender Blick auf die kahlen Bäume der Krombacher- Insel öffnet. Diese Szenerie wurde in der bereits erwähnten Werbung aus der Luft durchaus besser in Szene gesetzt.

Ende Januar im Bergischen
Ende Januar im Bergischen

Es gab zwischenzeitlich gute Nachrichten, denn in Washington hat eines der gefährlichsten Staatsoberhäupter der Welt endlich seinen Schreibtisch geräumt. Unser Lockdown hält an und hat zumindest einen Rückgang der Neuinfektionen hervorgebracht. Neue Zulassungen an Impfstoffen machen Hoffnung auf eine Beschleunigung der bereits begonnenen Impf- Aktionen der Risikogruppen in den Altenheimen und des exponierten klinischen Personals. Weiterhin halten hartnäckige Fake- News in Internet- Foren skeptische Menschen davon ab sich impfen zu lassen. Die Stimmung in Bezug auf die Akzeptanz des fortbestehenden Lockdowns verschlechtert sich zunehmend.

Durchatmen mit der Sonne im Gesicht
Durchatmen mit der Sonne im Gesicht

Es ist ein Tag zum Durchatmen und es tut einfach nur gut die Lungen an diesem klaren frostigen Wintertag ordentlich aufzupumpen. Sporadisch treffen wir auf Gleichgesinnte, aber auch auf eine illustre 10- köpfige Wandergruppe die jenseits jeglicher Empfehlungen und Vorgaben das Thema Corona einfach ignoriert. Corona- Mutationen mit einer bis zu zehnfach höheren Virulenz und einer entsprechend schnelleren Verbreitung werden von heimkehrenden Touristen aus allen Ecken der Welt mitgebracht- Es ist Lockdown !- oder habe ich irgendwas nicht verstanden ??

Phänomen Haareis
Phänomen Haareis

Eine Naturerscheinung, die wir am Wegesrand wiederholt vorfinden ist sogenanntes Haareis. Diese besondere Form gefrorenen Wassers findet sich im Zusammenhang mit einem auf Totholz wachsenden Pilz. Durch Verdrängung von Feuchtigkeit aus dem Holz wachsen die filigranen Eisstrukturen zu haarigen Gebilden, die in der Sonne glitzern. Am Rande der munter plätschernden Bäche finden sich ebenfalls bizarre Eisgebilde.

Gänse in Grünschlade
Gänse in Grünschlade

Nach einer entspannten Mittagspause, bei der uns endlich mal wieder die Sonne ins Gesicht scheint machen wir uns in nördlicher Richtung zurück zu unserem Ausgangspunkt in Nespen. In Grünschlade kommen wir vorher noch an einem kleinen Hof mit Pferden, Ziegen, Gänsen und Kaninchen vorbei. Auch nach der heutigen Runde stoppt das GPS- Signal bei 15,7 Kilometer.

Wolkenlos im Bergischen Winter
Wolkenlos im Bergischen Winter

Mitte Februar lockt uns Hochdruckeinfluss mit wolkenlosem Himmel nach draußen. In Deutschland ist zuletzt der Winter dann doch noch mit Macht gekommen. Frostiger Wind aus Ost hat das Winterkleid mit zweistelligen Minustemperaturen über Deutschland gelegt. Am letzten Wochenende gab es tückischen Eisregen, der alles mit einer dicken Eisschicht belegt hat. Auch an diesem Wochenende sind die Wanderwege teilweise spiegelglatt und Eisflächen sind oft von einer dünnen Schneeschicht verdeckt. Einige Brüche an Unterarm- und Oberschenkel- Knochen füllten so auch unsere Ambulanz in den letzten Tagen.

Auf der Höhe bei Erdingen
Auf der Höhe bei Erdingen

Aus der ganzen Welt haben neue virulentere Mutationen des Corona- Virus den Weg nach Europa gefunden, u.a. nach Tirol wo der Skitourismus sich bisher aller Vernunft entzog. Bei insgesamt fallenden Fallzahlen sind auch in Deutschland englische, afrikanische und südamerikanische Mutanten aktiv, was nur durch ein insuffizientes oder unkontrolliertes Quarantäne- Management möglich sein kann.

Am Start- Arnd, Doro, Moni und Bernhard
Am Start- Arnd, Doro, Moni und Bernhard

So wird der Lockdown bei uns noch bis zum 7. März verlängert, aber die Friseure dürfen am 1.März schon wieder öffnen- ich habe es aufgegeben das alles verstehen zu wollen. In den USA besteht Herr Trump ein weiteres Amtsenthebungsverfahren. Was hätte er eigentlich noch anstellen müssen, um sich für die Ausübung politischer Ämter zu disqualifizieren ??

Eiskristalle
Eiskristalle

Wir parken unser Auto in dem Örtchen Rom. Auf der Suche nach einem Parkplatz am Kolosseum 🙂 kommen wir tatsächlich an einem Wegweiser mit dem Hinweis “ Roma Italia Via Brennero 1503 Kilometer“ vorbei. Derartige Temperaturen sind auf dem südlichen Stiefel jedoch selten und so ist es nur der Parkplatz einer Loipe, an dem wir das Auto abstellen.

Ein großartiger Tag !
Ein großartiger Tag !

Warm verpackt verlassen wir Rom in nördlicher Richtung und steigen zunächst am Römerbach entlang auf die Höhe. Eiskristalle auf Zweigen, Grashalmen und Bächen funkeln in der Sonne und der Blick reicht weit über die Hügel. Tannen tragen lange Eiszapfen wie Christbaumschmuck.

Von der Natur geschmückter Tannenbaum
Von der Natur geschmückter Tannenbaum

Im Norden sehen wir den Unnenberg-Turm nördlich der Aggertalsperre, den wir Ende November auf der 7. Etappe aufgesucht haben. Hinter Erdingen knüpfen wir wieder an den Panoramasteig an, dessen 9. Etappe wir in südlicher Richtung bis Birken folgen. Mit dem Abschluss des Rundkurses werden es heute 15,3 Kilometer bis Rom.

Glatteis auf dem Weg
Glatteis auf dem Weg

Für die Mittagspause finden wir einen idealen windgeschützten Platz in einer Talsenke. Ohne den frostigen Wind wärmen wir uns angenehm bei Tee und Broten in der Sonne auf. Auf der Höhe sorgt der eisige Ostwind wieder für ausreichend Abkühlung. Wir begegnen heute kaum anderen Menschen auf unserem Weg. Fotomotive gibt es reichlich, wie die wunderbaren Eisskulpturen in den Bächen.

Eisskulpturen im Bach
Eisskulpturen im Bach

Am letzten Februarwochenende gibt es für einen Rundkurs, auf dem wir den südöstlichen Zipfel des Bergischen Panoramasteigs über Morsbach voranbringen wieder ideale Bedingungen. Wir parken in Birken und nachdem wir das historische Morsbach mit seiner über 800 Jahre alten Basilika passiert haben verlassen wir bei Hellerseifen den Panoramasteig um über Hahn und Euelsloch den heutigen Rundkurs zu schließen. Es ist eine knackige Runde, die den Beinen über knapp 17 Kilometer gute 500 Höhenmeter an Aufstiegen abverlangt.

Unterwegs auf der 9. Etappe
Unterwegs auf der 9. Etappe

Ein Jahr liegt nun hinter uns seit die Menschheit Bekanntschaft mit dem Covid-19 Virus gemacht hat. Seitdem verging kein Tag, an dem die Medien nicht über den vernichtenden Feldzug der Mikrobe berichtet haben, die bisher 2,5 Millionen Tote weltweit gefordert hat. Mit 70000 Toten in Deutschland und kaum abzuschätzenden Folgen für die Wirtschaft wird nun um erste Lockerungen nach dem 2. Lockdown gerungen.

Lange Schatten am Nachmittag
Lange Schatten am Nachmittag

Die hochbetagten Menschen und die höchst-priorisierten Gruppen nach STIKO wurden bereits zu großen Teilen geimpft. Mit der Freigabe einiger neuer Impfstoffe geht die Immunisierung der Bevölkerung nun in die Breite. Leider führt der verantwortungslose Umgang vieler Zeitgenossen mit der Pandemie derzeit zu einem erneuten Anstieg der Zahlen. Die noch virulenteren Virusmutationen aus weit entfernten Regionen und anderen Kontinenten haben durch Reisen im Lockdown rasch den Weg nach Deutschland gefunden. Die Geschichte von Corona ist auch eine Geschichte des Versagens von Regierungen, Behörden und vor allem von sozial wenig begabten Menschen.

Querung am Ellinger-Bach
Querung am Ellinger-Bach

Bei der Anfahrt aus Wuppertal lichtet sich langsam der noch verschleierte Himmel über dem Bergischen Land. Vor 2 Tagen habe ich meine 2. Impf- Dosis erhalten, deren krasse Wirkung mich am nächsten Tag mit Fieber und Abgeschlagenheit dann doch überraschte. Ich bin froh, dass es mir heute wieder so gut geht, dass ich nach 2 Wochen endlich wieder raus komme. In Birken treffen wir uns mit Moni und Bernhard an einem Umspannwerk, an dem wir die Autos parken.

Basilika St.Gertrud in Morsbach
Basilika St.Gertrud in Morsbach

Ein erstes, aber leicht zu lösendes Problem ist das Furten des Ellinger Bachs, was uns ohne nasse Füße gelingt. Entlang des Bachs geleitet uns der Weg Richtung Morsbach, wo wir als erstes auf die Basilika St. Gertrudis stoßen. Was ich zunächst als Neo- Romanik einschätze ist alles andere als das. Wir stehen vor einer spätromanischen Emporenbasilika, erbaut zwischen 1150 und 1200. Damit ist die dreischiffige Kirche älter als der Kölner Dom. Morsbach wurde seit 500 n.Chr. besiedelt, wurde 895 erstmals urkundlich erwähnt und ist damit der älteste urkundlich benannte Ort des Oberbergischen Kreises.

St.Gertrud- Auf der Empore
St.Gertrud- Auf der Empore

Auch im Inneren der Kirche finden sich Zeugnisse aus der Erbauungszeit. Fresken im Chorbereich wurden erst in den 1950er Jahren wiederentdeckt und auch der Taufstein hat als Monument einer langen Geschichte überdauert. Ein weiterer Höhepunkt rheinischer Romanik, der uns hier unvermittelt überrascht hat.

Goldbrunnen Morsbach mit Teufelchen und Maneken Pis
Goldbrunnen Morsbach mit Teufelchen und Maneken Pis

Rund um die Kirche findet sich noch ein Ensemble aus Fachwerkhäusern und ein hübscher Platz mit einem Brunnen. Am Goldbrunnen wird eine Geschichte erzählt in der offensichtlich Teufelchen eine besondere Rolle spielen. Eines der Teufelchen wurde als Maneken Pis von Morsbach bekannt.

Blick auf Morsbach vom Aussichtsturm Hohe Hardt
Blick auf Morsbach vom Aussichtsturm Hohe Hardt

Über 100 Höhenmeter geht es von Morsbach an einem Kriegerdenkmal vorbei steil hinauf auf die Hohe Hardt, den Hausberg von Morsbach. Auf 330 Höhenmeter geht es dann noch einmal 30 Meter über eine Wendeltreppe auf die Aussichtsplattform des „Morsbacher Eifelturms“. Der stählerne Turm wurde 1962 an Stelle eines 1945 von deutschen Soldaten zerstörten hölzernen Turms neu aufgebaut. Ein 360 Grad Rundblick über dem langen Schatten des Turms öffnet sich nach Westen bis zum Siebengebirge. Der Wegweiser zur Zugspitze verspricht allerdings etwas zu viel des Erkennbaren 🙂

Glasklares Wasser im Wisser-Bach
Glasklares Wasser im Wisser-Bach

In Morsbach haben wir den südöstlichsten Punkt des Panoramasteigs erreicht und wir schwenken nun in westlicher Richtung mit dem Abstieg von der Hohen Hardt ins Tal des Wisser- Bachs ein. Der Bach bietet schöne Fotomotive und versetzt uns bei seiner Überquerung an einer Brücke bei Bitzen in Erstaunen. Ich bin mir nicht sicher ob ich schon einmal so viele Forellen in einem Bach gesehen habe. Der Wunsch nach einer Forelle zum Abendessen setzt sich in meinem Kopf fest.

Forellen im Wisser-Bach
Forellen im Wisser-Bach

Aus dem Talgrund steigen wir nun nach Hellerseifen auf, wo wir die Wegführung des weiter westwärts verlaufenden Panoramasteigs verlassen und nun nach einer kurzen Schleife nördlich des Wisser- Bachs auf die Höhen nordwestlich von Morsbach aufsteigen. Tagsüber erreichen die Temperaturen bereits zweistellige Werte und der kühle Wind wird heute übertrumpft von der angenehm wärmenden Sonne, die bereits den Frühling erahnen lässt.

Es riecht nach Frühling
Es riecht nach Frühling

Die Schatten werden länger und länger während wir in nördlicher Richtung über Hahn nach Euelsloch absteigen und die L336 überqueren. Mit müden Beinen folgt noch ein letzter Anstieg nach Ortsiefen, wo freundliche wollige Rinder und Schafe in der Nachmittagssonne von uns gekrault werden wollen. Ab einer Wegkreuzung schließen wir nun an die zuletzt gegangene Etappe bis vor Birken an. In südlicher Richtung schließen wir nach Überquerung des Ellinger Bachs über eine Brücke nun noch die Lücke bis zu unserem Auto an dem Umspannwerk hinter Birken. Hier gelingt es uns erneut trockenen Fußes an das andere Ufer des Bachs zu gelangen.

Rinder in Ortsiefen
Rinder in Ortsiefen

Bei der Rückfahrt nach Wuppertal gelingt es uns leider nicht mehr Forellen für das Abendessen zu ergattern. Rot versinkt die Sonne hinter den Hügeln des Bergischen nach Westen und wir freuen uns auf eine selbst gemachte Pizza zu Hause.

Auf der 10.Etappe
Auf der 10.Etappe

Direkt am nächsten Wochenende Anfang März lockt uns erneut Kaiserwetter in den Naturpark Bergisches Land, wo wir westlich von Morsbach in Hellerseifen die 10. Etappe voranbringen. Der Lockdown wurde nun zwar gelockert, aber mit einem komplizierten Regelwerk bis Ende März verlängert. In Abhängigkeit aktueller Inzidenzzahlen werden Einkäufe im Einzelhandel nur nach Terminvergabe in Aussicht gestellt. Mit meinen zeitlichen Möglichkeiten werde ich so bis auf weiteres kein Geschäft mehr betreten können- Amazon Chef Jeff Bezos reibt sich die Hände. Getreu dem Motto „Hauptsache die Haare liegen“ dürfen die Friseure wieder ans Werk.

Frühling im Bergischen
Frühling im Bergischen

In Hellerseifen stellen wir an der Pausenbank vom letzten Wochenende die Autos ab und machen uns auf den Weg, der uns heute bis nach Erblingen führt. Der Rundkurs, der uns in einer westlichen Schleife über Bruchhausen und Rolshagen zurück zum Start bringt summiert sich heute auf 15,2 Kilometer.

Altgedient- Deutz- Schlepper
Altgedient- Deutz- Schlepper

Nach einer wolkenlosen Nacht mit Minustemperaturen ist der Boden am Morgen noch gefroren, während die Sonne bereits erste Wärme auf uns wirft. Ländliche Idylle und Stille umgeben uns hier zwischen Morsbach und Waldbröl. Hier und da fahren Bauern mit ihren teils betagten Schleppern auf den schmalen Straßen über die Hügel.

Knospen am Kirschbaum
Knospen am Kirschbaum

Nördlich des Hemmbergs steigen wir stetig auf und überqueren die Bundesstraße L94. Schnell tauchen wir wieder in die frühjährliche Landschaft des Bergischen ein. Die Bäume sind zwar noch kahl, schaut man aber genau hin erkennt man die schon prallen Knospen, aus denen schon bald das neue Blattkleid platzen wird. Ein weiterer Frühlingsbote sind die versprengten Nester von Schneeglöckchen am Weg.

Frühlingsbote Schneeglöckchen
Frühlingsbote Schneeglöckchen

Hinter Erblingen erreichen wir auf einer Anhöhe eine Pausenbank mit Panoramablick nach Süden, von der wir den sonnigen Ausblick und unsere mitgebrachten Brote genießen. Ein Stück weiter verlassen wir den Panoramasteig und laufen nach Überquerung der L324 bis Bruchhausen. Am Weg liegen die Auen des Holpebachs, die von Weiden gesäumt sind. Diese haben ihre golden in der Sonne leuchtenden Fruchtstände bereits ausgebildet. Über den Höhen kreist ein Paar Rotmilane.

Weiden am Holpebach
Weiden am Holpebach

Am Ortseingang von Bruchhausen befindet sich eine alte Wassermühle. Ein historischer Traktor weckt auch hier mein Interesse- ein Hanomag Baujahr 1967- „Genauso alt wie ich !“ lässt mich der Besitzer des betagten Fahrzeugs wissen.

Bruchhausen Wassermühle
Bruchhausen Wassermühle

Bei Rolshagen begegnen uns auf einer Weide noch zottelige „Longhorns“, schottische Hochland- Rinder, die die wärmende Sonne scheinbar auch genießen. Direkt gegenüber stehen hübsche Pferde am Zaun, deren überlange Mähnen bei uns die Frage aufwirft wann die Pferdefriseure wohl wieder die Arbeit aufnehmen. Neben diesen willkommenen Kontakten waren es auch heute nur wenige menschliche Gesichter die uns begegnet sind. Wieder haben wir einen tollen und erlebnisreichen Tag in unseren heimischen Gefilden verbracht.

Schottischer Highlander
Schottischer Highlander

An einem Samstag in der 2 Märzhälfte knüpfen wir in Erblingen mit der Fortführung der 10. Etappe unseres Weges an. Mit 16,3 Kilometer hat Doro die südlichste Schleife des Panoramasteigs an den Rand von Waldbröl bei Hecke wieder in einen Rundweg eingearbeitet. Über Baumen und Schnörringen nach Erblingen hat der GPS- Track am Ende eine Acht in die Landkarte gemalt. Das sonnige Wetter bietet bei Nachttemperaturen am Gefrierpunkt tagsüber ideale Bedingungen zum Wandern.

Zeit der Schneeglöckchen
Zeit der Schneeglöckchen

Die Inzidenz der Corona- Neuinfektionen steigt wieder steil an und diese 3. Welle wird die begonnenen Lockerungen sicher bald wieder überfluten. Wir revidieren gerade erneut unsere Reisepläne für die erste Jahreshälfte, obwohl wir bereits geimpft sind. Spanien aber ruft zu Reisen nach „Malle“ auf, weil die Inzidenz hier noch so schön niedrig ist- noch !- hoffen wir dann auch auf ausreichende Versorgungs- Kapazitäten vor Ort wenn dem nicht mehr so ist. Touristen aus Regionen mit mutations- bedingt steil ansteigenden Inzidenzen zu diesem Zeitpunkt an weniger betroffene Ecken der Welt zu fliegen entzieht sich jeglichem Pandemie- Verständnis und dem Verständnis der Bevölkerung, die so zu Recht nicht versteht warum der Lockdown zu Hause verlängert wird.

Hirsch mit Gefolge
Hirsch mit Gefolge

Nördlich von Erblingen parken wir an der L324 unsere Autos und ein kurzer Zuweg führt zu der Pausenbank von vor 2 Wochen. Hier halten wir uns auf der 10. Etappe in südlicher Richtung und steigen über Felder und durch ein Waldgebiet gute 100 Höhenmeter ab in das Tal des Schnörringer Bachs, an dem sich die Vierbucher Mühle befindet. An einem Wildgehege begegnen wir einem kapitalen Hirsch mit seiner Gefolgschaft. Am idyllischen Mühlteich haben einige Angler ihre Ruten in Stellung gebracht.

Petri Heil !- an der Vierbucher Mühle
Petri Heil !- an der Vierbucher Mühle

Der weitere Wegverlauf führt nun ansteigend Richtung Norden. Einen ersten Pausenplatz mit einer Bank finden wir an einem kleinen Hof vor Diepenthal. In Diepenthal informiert eine Tafel über Carl Biebighäuser. Im 19. Jahrhundert beklaute der bergische Robin Hood mit seiner Bande die Reichen und gab seine Beute an die Bedürftigen weiter. Biebighäuser war Färber aus Barmen, wurde 1874 in seiner Höhle verhaftet und später nach Amerika verbannt. Er kam zurück und arbeitete bis zu seinem Tod als Gemüsehändler. Auf unserem Weg begegnen wir auch freilebendem Rotwild, das bei unserer Annäherung die Flucht über die Felder ergreift. Der Weg ist gesäumt von Schneeglöckchen, bei Waldbröl erreichen wir den Etappenstein am Ende der 10. Etappe.

Kein Schöner Land...-Hof in Diepenthal
Kein Schöner Land…-Hof in Diepenthal

Die Aufschrift: „Kein schöner Land in dieser Zeit, als hier das unsere weit und breit….“

… erinnert an einen bekannten Volkslied- Text von 1840 aus der Feder des Waldbröler Heimatschriftstellers und Volksliedforschers Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio (1803-1869). Diesem musikalischen Ausruf können wir uns angesichts der herrlichen Landschaft unserer Heimat nur anschließen.

Brotzeit
Brotzeit

Wenig zufrieden mit unserer Heimat und von einer „Corona- Diktatur“ bedroht rotten sich auch heute wieder Menschenmassen zu großen Kundgebungen gegen Corona- Maßnahmen zusammen. Demonstrieren in einer Diktatur- liebe Querdenker- mal darüber nachgedacht ??

Gestalt am Wegesrand
Gestalt am Wegesrand

In Waldbröl treffen wir auf die baulichen Reste einer Institution aus der Zeit einer real existierenden Diktatur in Deutschland. Eine öffentlich geäußerte kritische Meinung endete nämlich vor 80 Jahren leicht vor dem Standgericht . Auf der hiesigen Adolf Hitler- Schule wurde damals dem strammen Nachwuchs des menschenverachtenden Systems der Nationalsozialisten ein entsprechendes Weltbild vermittelt. Der NSDAP- Karrierist Robert Ley hatte als Reichsorganisationsleiter große Pläne für Waldbröl, er wollte die Stadt zur „Stadt der Volks- Traktoren-Werke“ umbauen.

Blick über Waldbröl nach Norden
Blick über Waldbröl nach Norden

Vom Aussichtspunkt „Die Mauer“ reicht der Blick über Waldbröl hinweg weit in nördlicher Richtung auf die Hügel und Berge des Bergischen Landes. Hier verlassen wir nun den Panoramasteig und bewegen uns in südlicher Richtung von Hecke nach Baumen. Das Hobby vieler Landbewohner alte Schlepper oder Traktoren zu restaurieren zieht auch mich immer wieder in den Bann. So auch ein altes Eicher- Dieselross, ein Relikt aus den 50ern.

Eicher Diesel- Schlepper
Eicher Diesel- Schlepper

Hinter Baumen steigen wir entlang des Baumener Bachs in das Tal des Gierzhagener Bachs ab. Von hier überschneidet sich der Rückweg ein Stück gegenläufig mit dem Panoramasteig, um uns dann wieder ansteigend über Schnörringen zum Parkplatz bei Erblingen zurückzubringen.

Aussichtsturm "Panarbora" auf dem Nutscheid
Aussichtsturm „Panarbora“ auf dem Nutscheid

Bereits in der folgenden Woche am Samstag vor Ostern integrieren wir ein weiteres Stück der 11.Etappe von Waldbröl nach Niederhausen auf einer 14 Kilometer- Runde von einem Parkplatz in Ziegenhardt aus. Es ist morgens immer noch recht frisch mit unteren einstelligen Temperaturen. Am Mittag klettert das Quecksilber auf zweistellig bei kühlem Wind. Die Sonne schafft es heute erst sehr spät gelegentlich durch die Wolken zu blinzeln.

Baumwipfel-Pfad
Baumwipfel-Pfad

Die Entwicklungen zum Thema Corona bleiben turbulent. Erneut rufen Intensivmediziner bei steil ansteigenden Intensiv-Belegungen zum verschärften Lockdown auf, der gerade erst gelockert wurde. Übernächtigte Ministerpräsidenten fassen Beschlüsse für Ostern, die mit einer Entschuldigung der Kanzlerin wieder zurückgezogen werden. Bei der Umsetzung solcher Beschlüsse fand zuletzt jedes Bundesland sowieso seine eigene Interpretation. Entgegen der klaren und konsequenten Ansage der Politik: „Bleibt bitte zu Hause“ füllt die Tourismus- Industrie Hotelbetten im Ausland, während dem Erholungssuchenden die Anmietung einer Ferienwohnung im Inland verwehrt bleibt ? Fakt ist, dass das Virus mit seinen Mutationen seit seinem Debut dazugelernt hat, der Bürger leider nicht. Möglicherweise trifft uns nun die 3. Welle noch einmal sehr hart.

Wiesen und Felder
Wiesen und Felder

Das Gezanke um einen harten Lockdown, das Geschrei nach Freiheit und der Vorwurf von Politikversagen in unserem Land erscheint allerdings grotesk, wenn man sich am Beispiel der Lage in Brasilien anschaut, wie Staatsführer Bolzonaro der Krise begegnet. Er ignoriert das Virus einfach, setzt auf natürliche Selektion und sorgt für ausreichend Massengräber für sein Volk- echtes Politikversagen, immerhin ohne lästige Reglementierung der Bevölkerung.

Pferd
Pferd

Von Ziegenhardt an der B478 navigieren wir ein Stück in südlicher Richtung nach Bladersbach und laufen entlang des Nutscheids in östlicher Richtung. Der Nutscheid ist ein bewaldeter Höhenzug und stellt die Wasserscheide zwischen Bröl und Sieg dar. Von der Brölmündung bei Hennef zieht sich der Nutscheid mit einer Höhe von über 350 Meter 30 Kilometer lang nach Osten bis in das Stadtgebiet von Waldbröl. Eine Alte Straße führte bereits im Mittelalter über den Höhenkamm an dem seit dem 12. Jahrhundert Eisen verhüttet wurde. Auf der Grenzlinie des Bergischen Landes zum Homburger Land gab es südlich von Bladersbach seit dem 16. Jahrhundert eine Richtstätte auf dem Galgenberg.

Krokusse und Narzissen
Krokusse und Narzissen

Seit 1934 war auf dem Nutscheid eines der größten Waldgebiete des Bergischen durch eine projektierte Autobahn von Köln über Siegen nach Kassel gefährdet. Mit der Stationierung von Anlagen einer Flugabwehrraketeneinheit auf dem Nutscheid wurden diese Pläne erst 1980 verlassen. Auf dem Gelände der damaligen Kaserne wurde eine Jugendherberge gebaut. Mit der Eröffnung des Naturerlebnisparks „Panarbora“ 2015 entstand hier ein Gelände mit naturaffinerer Nutzung. Schon von weitem sehen wir den 40 Meter hohen massigen Aussichtsturm, der in Verbindung mit einem Baumwipfel-Pfad den Wald von oben erlebbar macht- wenn nicht gerade Corona wäre. Mit meiner Drohne habe ich aber eine Alternative zur Hand.

Auf der 11. Etappe bei Niederhausen
Auf der 11. Etappe bei Niederhausen

Umkehrpunkt ist der Weiler Hecke, wo wir nun gegenläufig den Schildern des Panoramasteigs zurück unter dem Skywalk von „Panarbora“ entlang bis zur Kreuzung des Hinwegs an der B256 folgen. Von hier führt uns der Panoramasteig nun etwas weiter nördlich über die Wiesen und Felder parallel zur B478 mit zunehmend sonnigen Momenten über Niederhausen zu unserem Auto nach Ziegenhardt zurück.

Doro gut gerüstet mit Himmelsschild
Doro gut gerüstet mit Himmelsschild

Anfang April sind wir mit unseren Freunden am Ostermontag wieder in Ziegenhardt verabredet. Es ist das zweite Osterfest im Lockdown und wir haben uns mit der geimpften Oma und unserer Tochter getroffen. Nach viel zu vielen Leckereien sind wir am Ostermontag froh ein paar der gebunkerten Kalorien zu verbrennen. Das Wetter spielt diesmal leider nicht mit und wird uns heute fallende Temperaturen bis an den Gefrierpunkt, Schnee, Hagel und starke Windböen bringen.

Gutes für die Pferde
Gutes für die Pferde

Seitens Corona gibt es nichts bahnbrechend neues, das Gezanke um „Hüh und Hott“ mit der bisherigen Uneinigkeit der Ministerpräsidenten bei der Umsetzung von Beschlüssen in den einzelnen Bundesländern nimmt seinen Lauf. Erst 5% der Bevölkerung haben die 2. Dosis der Impfung erhalten und fordert jetzt ungeduldig Privilegien ein, während die Britische Variante des Virus zu einer besorgniserregend beschleunigten Ausbreitung der Erkrankung und zur Auffüllung der zur Verfügung stehenden Intensivbetten führt. Die aktuelle gewaltbereite Kundgebung von 10000 „Quer- Spinnern“ in Stuttgart lässt das Horrorszenario einer Dekompensation der Versorgung Schwerstkranker näher rücken.

Graupel auf Weidenkätzchen
Graupel auf Weidenkätzchen

Mit wasserdichten Anoraks und Himmelsschilden, die uns bei den heutigen Windböen einige mal um die Ohren fliegen machen wir uns auf den Weg. Wir steigen wieder auf die Höhen südlich der B478 auf und folgen dem Wegverlauf des Panoramasteigs. In einem Auf und Ab über die Felder geht es über Geilenkausen in einem Bogen über die B478 hinweg an Benroth vorbei zunehmend in nordöstlicher Richtung. Die Sonne hat zunächst keine Chance die dichte Wolkendecke zu durchdringen und im Dauerregen laufen wir nördlich vorbei an Berkenroth über Loch bis Hömel, wo wir die Wegführung des Panoramasteigs nach Südosten verlassen.

Winter- Comeback
Winter- Comeback

Der Blick öffnet sich nach Südost auf Waldbröl und auch den Turm von „Panarbora“ können wir noch einmal sehen. Der Dauerregen ist bereits in Graupel, zuletzt auch Schneefall übergegangen und mit einem einzigen heftigen Paukenschlag entlädt sich ein Gewitter über uns. Aus nördlicher Richtung erreichen wir nach 16,4 Kilometern unser Auto am Rande von Ziegenhardt. Wir gießen uns einen Tee ein und können es kaum glauben, dass uns dabei die Sonne ins Gesicht scheint. Auf der Heimfahrt gibt der Himmel mächtige Wolkentürme preis, die uns auch in den nächsten Tagen noch alle Facetten eines typischen Aprilwetters bringen werden.

Blick zurück nach Waldbröl mit Aussichtsturm "Panarbora"
Blick zurück nach Waldbröl mit Aussichtsturm „Panarbora“

Es ist Mitte April und wir freuen uns auf eine Urlaubswoche, die wir eigentlich im Trentino, im Val di Sole verbringen wollten. Ein wenig schmerzen die aktuellen Bilder mit Sonne und Pulverschnee, die mir Mirco von einer Skitour an der Presanella schickt. Italien befindet sich jedoch weiter im Lockdown. Ab Montag wird auch bei uns eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, und die Vorgabe nur noch eine Person treffen zu dürfen. Ich selbst beobachte derzeit sehr gespannt die Entwicklung der stark ansteigenden Infektionszahlen und sehe ein Versorgungsproblem Schwerkranker auf unseren Intensivstationen in den nächsten Wochen. Mit einem Gesetz auf Bundesebene will man den föderalistischen Kuddelmuddel, den die Ministerpräsidenten zwischen den Bundesländern veranstalten durchbrechen. Selbst wenn das schnell gelingt kommt das Regelwerk zu spät und der Wahlkampf der Kanzlerkandidaten ist dabei ebenfalls nicht hilfreich.

Schloss Homburg
Schloss Homburg

Wir treffen uns mit Moni und Bernhard am Schloss Homburg nördlich von Nümbrecht. Das gelb getünchte Schloss leuchtet oberhalb seiner Bastionen am Morgen in der Sonne. Die Homburg ist bereits 1276 urkundlich erwähnt und wurde von Gottfried I. von Sayn erbaut. Der Umbau zu der heutigen Anlage durch den Grafen Ernst von Sayn-Wittgenstein geht auf das Jahr 1635 zurück. Unterhalb der Schlossanlage liegt eine Mühle, deren Fachwerk sich im Mühlweiher malerisch spiegelt.

Nümbrecht Downtown
Nümbrecht Downtown

Der heutige Rundkurs von 13,4 Kilometern führt uns nach Süden durch das Zentrum von Nümbrecht Richtung Hömel, wo wir an den bereits gegangenen Teil der 11. Etappe anschließen. Der Panoramasteig orientiert sich in nördlicher Richtung östlich an Nümbrecht vorbei und endet am Parkplatz von Schloss Homburg. Am Morgen ist es noch sehr frisch, die Temperatur liegt wenig über dem Gefrierpunkt und wird auch tagsüber kaum zweistellig. Wir sind heute unterwegs im Homburger Ländchen.

Ein Eis macht noch keinen Sommer ?
Ein Eis macht noch keinen Sommer ?

Der mit X11- markierte Zuweg führt uns mitten in den Ortskern von Nümbrecht. Ein paar geöffnete Lädchen locken zum Shopping. Nur 2 Personen dürfen eintreten, teilweise allerdings nur mit negativem Corona- Test. Wie bereits erwähnt durchblickt keiner mehr den Regeldschungel in Deutschland- macht aber nichts- ab Montag ist eh vieles wieder dicht. Bereits um 955 wurde mit dem Bau der heute evangelischen Kirche begonnen. Das Kirchengebäude ist allerdings verschlossen. Eine Eisdiele hat aber geöffnet und wir genießen das erste Eis im Hörnchen auf dem Platz nebenan. Hier stand bis 1938 die Synagoge und neben einem Gedenkstein erinnern ein paar Stolpersteine im Kopfsteinpflaster an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte in der Neuzeit.

Frühlings- Erwachen
Frühlings- Erwachen

Die Bäume treiben aus und die Kirschblüten scheinen den Frost der letzten Woche überstanden zu haben. Nach Südwesten erheben sich die Gipfel des Siebengebirges am Horizont. Leider bleibt uns die wärmende Sonne nicht erhalten, die Wolken schieben sich immer mehr zu einer geschlossenen Decke zusammen. Der Wind und auch ein paar Regentropfen lassen keine behaglichen Frühlingsgefühle aufkommen. An einer Baumschule für die heranwachsende Generation von Weihnachtsbäumen komme ich mit der Bemerkung „Schaut mal hier ist gerade Fütterung!“ mit einem Herrn ins Gespräch, der gerade etwas aus einer Schale um die Bäume verteilt. Es ist Kaliumdünger, der den Bäumen, die bereits Frostschäden aufweisen etwas mehr Kälteresistenz einbringen soll. Wir unterhalten uns eine Weile über das Thema „Baumgesundheit“, auch in Bezug auf Klima und Borkenkäfer und haben dabei wieder einiges gelernt 🙂

Großer Baum vor Siebengebirge
Großer Baum vor Siebengebirge

Bei Hömel knüpfen wir mit Kurs Nord an die 11. Etappe unseres Panoramasteigs an und entdecken vor Odinghausen an einer Wegkreuzung eine Bank für die Mittagspause. Ein seltsamer Geselle landet auf Monis Rucksack. Es ist ein haariges Insekt ähnlich einer Hummel mit einem langen Rüssel und großen Facettenaugen. Moni befragt den 90-jährigen Freund und Hobby- Botaniker ihres Vaters. Es ist der große Wollschweber „Bombylius Major“, ein Brutschmarotzer der Wildbienen. Die Larven dringen in die Wirtsnester ein und bedienen sich sowohl an Vorräten als auch den Larven der Wildbienen.

Bombylius Major- Der große Wollschweber
Bombylius Major- Der große Wollschweber

Hinter Odinghausen sehen wir den Aussichtsturm „Auf dem Lindchen“ auf einer 341m hohen Anhöhe. 154 Stufen führen weitere 34m hoch auf die Aussichtsplattform der kühnen Holzkonstruktion. Wir blicken nördlich auf unser Tagesziel Schloss Homburg, im Südosten auf den Nutscheid mit dem Aussichtsturm von „Panarbora“, weit im Norden sehen wir sogar den Aussichtsturm auf dem Unnenberg oberhalb der Genkeltalsperre auf über 500m.

Odinghausen mit Aussichtsturm "Auf dem Lindchen"
Odinghausen mit Aussichtsturm „Auf dem Lindchen“

Kurz vor unserem heutigen Ziel beenden wir die 11. Etappe und passieren den Etappenstein mit einer Weisheit des berühmten Philosophen der Neuzeit Friedrich Nietzsche (1844-1900).

„Die größten Ereignisse sind nicht unsere Lautesten, sondern unsere stillsten Stunden“

Schau ins Land.....
Schau ins Land…..

Ich muss bei diesen Zeilen an die bisher mehr als 3 Millionen Toten weltweit denken, die bisher der grassierenden Pandemie zum Opfer gefallen sind. Die Hoffnung auf eine Rückkehr der „Normalität“ erfordert Demut und Disziplin, nicht etwa populistisches Grölen der Unzufriedenen. Wer derzeit in Kliniken, Arztpraxen und Impfzentren hilft diese Normalität zurückzugewinnen tut dies leise, in Demut und Disziplin.

Langsam schließt sich die Panorama-Runde
Langsam schließt sich die Panorama-Runde

Den Tag beenden wir mit einer Runde um das hübsche Schloss und genießen auf der Heimfahrt durch das Bergische dann doch noch ein paar Sonnenstrahlen.

A.Korbmacher

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