Bergischer Panoramasteig 2020-2021 Teil 2

Bergischer Panoramasteig 2020

Etappe 07-12

Nach recht sonnigen Tagen unter der Woche bringt uns der folgende Samstag im ausklingenden November dann Wetter mit Nachttemperaturen am Gefrierpunkt. Über dem Bergischen hängt eine dichte Wolkendecke. Wir sind nun mit dem Ende der 6. Etappe nach Anzahl der Etappen die Hälfte des Panoramasteigs gelaufen. Seit einem Jahr sind wir mit diesem Projekt beschäftigt und haben die Jahresuhr des Bergischen Landes nach Wupperweg 2016 und Bergischem Weg 2017-2019 erneut erlebt. Seit 2013 schreibe ich über unsere Wanderungen in den Mittelgebirgen unserer Region.

Kühe bei Dannenberg
Kühe bei Dannenberg

Das Naturerlebnis einer schneebedeckten Landschaft bleibt dabei seit Jahren zunehmend aus. Allein daran könnte man die erheblichen Veränderungen im Weltklima bereits vor der eigenen Haustür wahrnehmen. Die einen vermissen den Schnee im Winter vielleicht nicht, weil man ohne einfach noch komfortabler mit dem SUV zur Arbeit kommt. Nur weiße Weihnachten wünscht man sich dann doch, weil’s doch so gemütlich ist.

Novembertag im Bergischen
Novembertag im Bergischen

Große Lebensräume auf diesem Planeten sind zunehmend bedroht. Das die Polkappen und die Alpengletscher verschwinden werden viele von uns noch erleben. Die nachfolgende Greta- Generation hat es kapiert und fürchtet sich vor einer Welt mit zunehmenden Wetterkatastrophen und allem was daran hängt. Die Einforderung kleiner Schritte wie einer generellen Geschwindigkeitsregulierung auf Deutschlands Speedways wird als unzumutbare Einschränkung eines fiktiven “ Rechts auf Rasen“ gewertet. Man könnte bereits damit eine Menge CO2 einsparen und hätte weniger Verkehrstote zu beklagen.

Sibirischer Tiger im Schnee- Wuppertaler Zoo 2008
Sibirischer Tiger im Schnee- Wuppertaler Zoo 2008

So wie dem Waffenfetischisten in den USA das „Recht auf Schusswaffen“ darf man dem deutschen Autofahrer das gelebte „Gesetz des besser Motorisierten auf der linken Spur“ niemals streitig machen. Wenn sinnvolle Entscheidungen dem Wähler nicht zusagen müssen andere Lösungen her. Elektrisch und grün soll alles werden- womit die nächsten Ressourcen in den ärmsten Regionen dieser Welt ausgebeutet werden. Das neue Geschäftsmodell der Autoindustrie ist aber leider nicht zu Ende gedacht, denn Alltagstauglichkeit und vor allem die Kapazität von Blümchen- Strom reichen derzeit nicht aus um wirklich Beifall zu klatschen. Wo bleiben die Recyclingsysteme für die ausgedienten Lithium- Zellen?

Ruderboot auf der Brucher-Talsperre
Ruderboot auf der Brucher-Talsperre

Ich vermisse es seit Jahren bei unseren Wanderungen in der Heimat mal wieder durch eine richtige Winterlandschaft zu stapfen. Der heutige kalte Novembertag ist recht ungemütlich und wir parken unser Auto auf dem Endpunkt des heutigen Teilstücks auf der 7. Etappe in Dannenberg. Von hier wählen wir einen Zuweg, der uns in einem Bogen zunächst westlich zur Brucher- Talsperre, dann nördlich zur Lingese- Talsperre bringt. Hier knüpfen wir dann an den Panoramasteig an, der unseren Rundweg nach 13,4 Kilometern schließt.

Pegelstand an der Brucher-Talsperre
Pegelstand an der Brucher-Talsperre

Am ersten Aufschwung unseres Zuwegs von Dannenberg lassen wir die Weiden hinter uns, auf denen schwarz- weiße Kühe ihr Tagewerk verrichten. Schlammige Wege führen uns durch Fichten- Rodungen zur Brucher-Talsperre. Hier sind Angler mit einem Ruderboot auf dem See unterwegs. Eine Tafel informiert über den Verkehr im Bergischen Land vor 200 Jahren. Es gab keine Straßen und das Reisen mit Fuhrwerken und Postkutschen war alles andere als komfortabel. Auf den schmalen Wegen waren Posthorn oder das Knallen mit der Peitsche wichtige Signale für eventuellen Gegenverkehr. So berichtet Landpastor Johann Moritz Schwager über eine Reise in der Postkutsche durch das Bergische Land im Jahr 1802:

„Es sah für die Fortsetzung der Reise nach Gimborn bedenklich aus (….) Unmöglich wäre unser Wagen, der obendrein nicht spurte, durch diese Mordwege, ohne in Stücken zu zerbrechen, zu bringen gewesen.“

Verkehrsweg im Bergischen vor 200 Jahren?
Verkehrsweg im Bergischen vor 200 Jahren?

Alle 6 Talsperren entlang von Wipper und Wupper regulieren lediglich die Zuflüsse aus Seitentälern. Die Wuppertalsperre ist die erste Talsperre mit direktem Aufstau der Wupper. Unter der Staumauer der Brucher-Talsperre steigen wir ins Eulenbecker- Tal ab. Hier wurde im Mittelalter Eisenerz verhüttet. Schwere Lasten mussten bewegt werden, Anlieferung von Holzkohle zur Verhüttung und Abtransport des Roheisens zur Weiterverarbeitung waren eine Herausforderung für die damaligen Fuhrmänner. Die Eulenbecke, als Teil des sogenannten „Ruhrgebiets des Mittelalters“, hat sich die Natur bis heute wieder zurückgeholt.

Gut das wir's gemacht haben !
Gut das wir’s gemacht haben !

In nördlicher Richtung erreichen wir das Etappenende der 6. Etappe oberhalb der Lingese-Talsperre. Die aufgestauten Wolken an den Höhen öffnen dann doch noch ihre Schleusen. An diesem Punkt motivieren wir uns dann schon mal mit Sprüchen wie: „Zu Hause sind wir sicher froh, das wir’s gemacht haben“. Eine solche November- Stimmung vermittelt einfach nicht so wirklich des „Wanderers Lust“. An einem Stau- Teich der Wipper machen wir eine Brotzeit. Ein paar Kilometer östlich liegt das Quellgebiet der Wipper in Börlinghausen. Der matschige Panoramasteig führt uns nach Überquerung der L 306 zurück nach Dannenberg. Beim Kaffee zu Hause sind wir dann auch tatsächlich froh, das wir’s gemacht haben.

Bergischer Hof im Frühnebel
Bergischer Hof im Frühnebel

Einen Kontrast gegenüber den Landschaftseindrücken der letzten Woche, wie er krasser kaum sein kann bringt das letzte Novemberwochenende. Es ist mit 2 Grad zwar sehr kalt, die ganztägig tiefstehende Sonne scheint aber diesmal aus einem wolkenlosen Himmel und wirft Licht, Farben und lange Schatten ins Gelände. Schon bei der Anfahrt ist es ein Genuss über die Raureif- belegten Höhen des Bergischen zu fahren.

Pferdekoppel in Dannenberg
Pferdekoppel in Dannenberg

Wieder stellen wir unser Auto in Dannenberg ab und gehen diesmal zuerst das nächste Wegstück auf dem Panoramasteig, der uns am östlichen Ufer der Genkel-Talsperre entlang an den nördlichen Ausläufer der Agger-Talsperre bringt. Mit einer Runde von insgesamt 17,2 Kilometern kehren wir dann westlich der Genkel-Talsperre über einen sehr abwechslungsreichen Weg über den Unnenberg zu unserem Auto nach Dannenberg zurück.

Farn mit Raureif
Farn mit Raureif

Unser Weg um die Genkel-Talsperre beginnt am nordwestlichen Zipfel dieses mir bislang noch nicht so bekannten Stausees. Der Morgen- Nebel über dem See hat sich noch nicht ganz aufgelöst. Im zunehmenden Sonnenlicht verschwindet auch langsam der glitzernde Zauber der Eiskristalle auf den Sträuchern. Auf dem Uferweg treffen wir kaum Leute und auf einer Bank lassen wir die Ruhe und die gleißende Wasseroberfläche des Sees auf uns wirken. Einen nach Norden ausladenden Ausläufer des Sees müssen wir über den nördlichen Absperrdeich umrunden um an das Ostufer des Sees zu gelangen. In einem vorgeschalteten Gewässer ohne Aufstau beobachten wir einen weißen Reiher.

Pause an der Genkel-Talsperre
Pause an der Genkel-Talsperre

Es entgeht uns nicht, das die Stauhöhe der Talsperre auch hier eher mäßig ist. Auch der November ist für unsere Region viel zu trocken. Historisch gesehen ist es die Zeit in der es in unserer Region reichlich regnen sollte um die Talsperren gut zu füllen. Entlang des Ostufers erreichen wir die Stauanlagen am Südende der Genkel-Talsperre und kurz danach die Bundesstraße L323. Hier fällt der Blick nach Süden bereits auf die Agger-Talsperre. Wir beenden hier für heute den Panoramasteig und wenden uns den Höhen westlich der Genkel-Talsperre zu.

Genkel-Talsperre
Genkel-Talsperre

Es geht nun stetig bergan über den Weiler Unnenberg, von wo uns der weitere Aufstieg auf den 505 Meter hohen Unnenberg hinaufführt. Ich habe schon mehrfach auf den forstwirtschaftlichen Super- Gau bezüglich der toten Fichtenbestände auf unseren Wegen hingewiesen, der überall zu großflächigen Rodungen führt. Auch hier hat der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet. Hobbyförster lassen ihre Motorsägen in den Wäldern knattern und freuen sich über das billige Brennholz.

Unnenberg-Turm Blick nach Osten
Unnenberg-Turm Blick nach Osten

Am Gipfel des Unnenbergs steht ein Stahlturm mit einer 30 Meter hohen Aussichtsplattform, von der sich ein toller 360-Grad Panorama-Rundblick öffnet. Östlich unter uns der heutige Weg um die Genkel-Talsperre und dahinter am Horizont eine Autobahnbrücke der A45. Der Blick nach Südwesten fällt im direkten Gegenlicht auf das Siebengebirge, hinter dem sich noch blass die Höhenzüge der Eifel demarkieren.

Genkel-Talsperre von oben
Genkel-Talsperre von oben

Ein Turmbesucher hat die Information, das auch die beiden Türme des Doms zu Köln zu sehen sein müssten. Durch die grelle Sonne im Gegenlicht können wir das vor Ort nicht sicher klären. Ich mache ein paar Teleaufnahmen in die vermutete Richtung und tatsächlich ragen die Turmspitzen nach Westen hinter den Wellenbergen des Landschaftsprofils hervor. Den Sonnenuntergang würden wir hier oben gerne noch abwarten, aber ein paar Kilometer müssen wir noch nach Dannenberg zurück laufen.

Bergische Wellenberge mit Siebengebirge und Eifel
Bergische Wellenberge mit Siebengebirge und Eifel

Corona-Regeln und Social- Distancing begleiten uns in diesem Jahr auf Schritt und Tritt. Wir begegnen einer Gruppe Jugendlicher, die in enger Geselligkeit auf der schmalen Treppe des Turms aufsteigt. Gesichter strahlen uns aus engsten Abstand freundlich grüßend an. Im Jahr 2020 sollte sich doch so etwas wie ein Instinkt entwickelt haben wann Abstand oder die Verwendung eines Mund-Nasen- Schutzes indiziert ist. Wir machen leider wiederholt die Erfahrung, dass die Brisanz der Pandemie noch immer nicht in allen Köpfen angekommen ist.

Arnd und Doro 535 mNN
Arnd und Doro 535 mNN

Auf dem Rückweg strahlt das Licht der untergehenden Sonne durch den Wald, während sich über dem gegenüberliegenden rötlichen Horizont unseres Planeten ein fast voller Mond erhebt. Mit diesem interstellaren Erlebnis laufen wir in die blaue Stunde hinein zu unserem Auto zurück.

Fast-Vollmond zu blauer Stunde
Fast-Vollmond zu blauer Stunde

Wiederum ein Wochenende später Anfang Dezember wollen wir die 7. Etappe des Panoramasteigs vom Ostufer der Genkel-Talsperre nach Lieberhausen fortführen. An der hübschen Kirche von Lieberhausen parken wir unserer Auto und es entgeht mir nicht, das das Kirchengebäude alle Merkmale eines sehr alten Bauwerks vermittelt. Da die Tür am Vormittag noch verschlossen ist können wir das Geheimnis der so genannten „Bunten Kerke“ erst am Nachmittag lüften.

Hat einen alten Hut wiedergefunden- Bernhard
Hat einen alten Hut wiedergefunden- Bernhard

Der Zuweg bringt uns über eine Brücke am Nordost- Zipfel der Aggertalsperre an die L323 zwischen Bredenbruch und Lantenbach südlich der Genkel-Talsperre. Am bereits bekannten Ostufer der Talsperre erreichen wir den Anknüpfungs-Punkt an den Panoramasteig, der uns nach insgesamt 10,8 Kilometern zurück nach Lieberhausen führt. An diesem Wochenende haben sich Moni und Bernhard uns angeschlossen. Das gemeinsame Projekt des Eifelsteigs hat wegen der langen Anfahrt und der fehlenden Übernachtungsmöglichkeit im Lockdown derzeit Pause.

Unterwegs über die Höhe
Unterwegs über die Höhe

Trotz verhängten Teil-Lockdowns sinken die Neuinfektionen leider unzureichend. Die Intensivbetten der Krankenhäuser laufen voll und die Anzahl der Corona- Toten steigt. Am zweiten Advents- Wochenende wird die in Aussicht gestellte Lockerung über Weihnachten heiß diskutiert. Diese Lockerung scheint kaum vertretbar, denn allein in Deutschland sterben über 400 Menschen täglich im Zusammenhang mit dem Virus. Mehr als 2 tägliche Abstürze von Flugzeugen des Typs A320 würde kein Mensch unbeeindruckt hinnehmen. Nach einem geselligen Familien-Weihnachtsfest könnten Oma oder Opa dann vielleicht nicht mehr dabei sein.

Boviste am Wegesrand
Boviste am Wegesrand

Das Wetter überrascht uns mit mehr Sonne als erwartet und dabei liegen die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt. So steigen wir von der Genkel-Talsperre auf die Höhen von wo sich nach Osten ein prächtiges Panorama eröffnet. Nach einer Brotzeit mit Tee und Gebäck halten wir uns südlich absteigend nach Deitenbach. Von hier wendet sich unser Weg oberhalb der Agger-Vorsperre östlich nach Lieberhausen.

Panorama mit Blick nach Osten
Panorama mit Blick nach Osten

Nun erhalten wir Einlass in die Pfarrkirche von Lieberhausen und verstehen jetzt auch die Namensgebung der „Bunten Kerke“. Mit ihrer farbenprächtigen Ausmalung mit Wandmalereien des 15. und 16. Jahrhunderts gehört die Kirche zu den bekanntesten Baudenkmälern des Oberbergischen Landes. Erst gegen Ende des 8.Jh. begann die Besiedlung des waldreichen Landes durch die von Westen heranziehenden Franken. Mit dem Beginn der Christianisierung befindet sich seit dem Jahr 1000 an dieser Stelle eine steinerne Kapelle.

Bunte Kerke- Lieberhausen
Bunte Kerke- Lieberhausen

Die Libirhusen Capella wurde 1274 erstmals erwähnt. In der 2. Hälfte des 15.Jahrhunderts wurde ein spätgotisches Querschiff angefügt. Die Ausmalung der Kirche geht auf das Jahr 1480 zurück. Die alten Fresken blieben anders als in den Nachbardörfern auch über die Reformation bestehen, wurden sogar Ende des 16. Jahrhunderts restauriert und ergänzt. Verärgert über die Redensart des Volksmunds „So bunt as de Lieberhuser Kerke“ in der Region ließen die Lieberhausener die bunte Pracht Mitte des 19.Jahrhunderts unter einer Farbschicht verschwinden.

Fresken-Schatz aus dem 15.Jh.
Fresken-Schatz aus dem 15.Jh.

Erst in den Jahren 1911-1913 wurden die 540 Jahre alten biblischen Darstellungen wieder aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Eine ganze Weile betrachten wir die Darstellungen aus dem alten und neuen Testament. Die bildliche Darstellung der 10 Gebote und die Orgel im Chor wirken ungewöhnlich auf uns.

Die Seelenwaage
Die Seelenwaage

Da die Sonne auch an diesem Nachmittag warm in die Landschaft scheint wollen wir unseren Freunden den Blick vom Unnenberg- Turm nicht vorenthalten. Ein zweites Mal schauen wir weit über das Land und kühlen auf der Aussichtsplattform ordentlich durch. Auf der Rückfahrt freuen wir uns auf ein gutes Abendessen bei unseren Freunden anlässlich des gestrigen 18. Geburtstages meines Patenkindes Richard.

SO- Blick auf die Agger-Talsperre und Bergneustadt
SO- Blick auf die Agger-Talsperre und Bergneustadt

Es ist Mitte Dezember und die tägliche Presse zum Thema Corona nervt extrem. Seit Wochen baut sich die lange prophezeite 2.Welle der Pandemie auf und bringt weiter steigende Zahlen trotz Teil-Lockdowns. Bei fast 30000 Neuinfektionen sterben derzeit fast 600 Menschen täglich in unseren Krankenhäusern an Corona und manche Bürgermeinung zum Thema macht mich nur noch fassungslos. Ab Mitte nächster Woche gibt es die längst erforderliche Verstärkung des Lockdowns. Sorge bereitet nun die Befürchtung, das die letzte Möglichkeit die Geschäfte vor Weihnachten zu fluten zum Superspreader- Event wird. Eine ausbleibende jährliche Konsumorgie könnte dabei doch Potential haben den Inhalt der eigentlichen Weihnachts-Geschichte wieder mehr hervorzuheben.

Alte Grabsteine an der Kreuzkirche in Wiedenest
Alte Grabsteine an der Kreuzkirche in Wiedenest

Die zuständigen Minister unseres föderalistischen Systems verbiegen sich förmlich zwischen Sinnvollem, Wählergunst und der Furcht Wasser auf die Mühlen der „Rechts- Außen-Nörgler“ zu gießen, die das Tragen eines Mundschutzes ja als unerträgliche Einschränkung der Bürgerrechte bewerten. Im Radio ruft ein Reiseveranstalter zu Flugreisen in die letzten vom RKI noch nicht als Risikogebiet ausgerufenen Ecken dieses Planeten auf und wirbt dabei mit Quarantänefreiheit. Kämen Außerirdische zu einem Besuch auf die Erde hätten sie sicher Probleme einen Nachweis für intelligentes Leben zu erbringen 😉

Weiher an der Kreuzkirche Wiedenest
Weiher an der Kreuzkirche Wiedenest

Wir treffen uns am Sonntag des folgenden Wochenendes mit Moni und Bernhard an der Kreuzkirche von Wiedenest. Nach der Anfahrt durch den nasskalten Sprühregen fehlt noch jegliche Lust aus dem Auto auszusteigen. Wir haben uns den Themenweg „Feuer und Flamme“ mit etwas mehr als 12 Kilometern ausgesucht. Der Rundkurs führt uns von Wiedenest ein Stück über den Panoramasteig, dessen 7.Etappe in Bergneustadt endet. Die Panoramasteig-Lücke von Lieberhausen nach Wiedenest gilt es beim nächsten Mal dann noch zu schließen. Nach einem Bogen über die Höhen nordöstlich von Bergneustadt endet die Runde am Nachmittag an der Kirche in Wiedenest.

Gasse in Bergneustadt
Gasse in Bergneustadt

Auf den ersten Metern trotzen wir mit unseren Himmelschilden noch der Nässe von oben. Schon auf dem Weg nach Bergneustadt können wir aber die Schirme wegpacken. Der Weg mit der Bezeichnung „Feuer und Flamme“ greift die lange Feuerwehr- Tradition von Bergneustadt auf, denn die Stadt wurde wiederholt Opfer von Feuersbrünsten. Seit 1548 bis zum 19. Jahrhundert gab es sieben verheerende Brände, die die Stadt komplett oder teilweise in Schutt und Asche gelegt haben. 1301 gründete Eberhard II. von der Mark die Stadt mit dem ursprünglichen Namen Neustadt nebst Burg und Stadtbefestigung.

Turm auf dem "Knollen"
Turm auf dem „Knollen“

Auch heute geht man noch durch Altstadtgassen mit viel Fachwerk. An einer Wäscheleine vor einem Haus hängen hölzerne Weihnachtsengel. Ein beigefügtes Schild ermuntert dazu eine der Laubsäge-Arbeiten mitzunehmen- einfach so. Eine sehr schöne Geste in unserer kommerziellen Zeit. Der Engel aus Bergneustadt bekommt seinen Ehrenplatz an unserem Baum.

Hoch über Bergneustadt
Hoch über Bergneustadt

Nebelschwaden jagen über das Bergische und wir können bereits den Aussichtsturm auf dem Knollen auf 477m sehen, zu dem uns der Weg hinaufführt. Die 26 Meter hohe Aussichtsplattform dieses Turms bietet Tiefblick auf Bergneustadt und bei gutem Wetter einen sicher spektakulären Rundblick über das Bergische Land. Hinter dem deutlich aufgehellten Himmel im Westen sehen wir auch heute die Erhebungen von Siebengebirge und Eifel. Nördlich können wir zum Aussichtsturm auf dem Unnenberg hinüber sehen.

Borkenkäfer-Schlachtfeld am Beulberg
Borkenkäfer-Schlachtfeld am Beulberg

Am Fuß des Turms nutzen wir die Picknick-Bank für unsere Brotzeit. Der Weg führt uns weiter zum Gipfel des Beulbergs auf 480m. Am Himmel öffnen sich Wolkenlücken und wiederholt erhellt die Sonne die Landschaft. Ein Bergneustädter Vater fühlte sich seinem Sohn, der 1944 an seinem 20. Geburtstag in Frankreich gefallen war hier oben besonders nahe. Er stellte einen Felsen aus Grauwacke auf und andere taten es ihm später gleich. Der Steinhaufen wuchs an und symbolisiert einen Ruf nach Frieden. Wie Schlachtfelder wirken dabei die dem Borkenkäfer geschuldeten Fichten-Rodungen am Beulberg.

Sonne,Licht und Schatten
Sonne,Licht und Schatten

Unser Rundweg endet an der Kreuzeskirche in Wiedenest. Eine steinerne Kirche wurde an diesem Ort spätestens im 12. Jahrhundert erbaut. Auch hier handelt es sich um eine „Bunte Kirche“, deren Malereien allerdings bereits viel früher als in der Lieberhausener Kirche übermalt wurden. Die Malereien aus dem 13. und 15.Jahrhundert fand man 1932 unter 7 Kalkschichten wieder. Die Kirche ist dem Heiligen Kreuz geweiht, denn ein Splitter des Hl. Kreuzes soll von einem Kreuzfahrer Anfang des 13. Jahrhunderts hier niedergelegt worden sein. Der Status eines Wallfahrtsortes war damit gesichert.

Weihnachtsstimmung in der Kreuzkirche Wiedenest
Weihnachtsstimmung in der Kreuzkirche Wiedenest

Filmaufnahmen verhindern eine eingehende Inspektion des Innenraums, ein kurzer Einblick wird mir aber gewährt. Ein romanisches Taufbecken aus Andesit stammt aus der Zeit um 1200. Neben der Darstellung des Jüngsten Gerichts in der Vierung ist im südlichen Querhaus die Kreuzlegende dargestellt.

Leider hat Bernhard heute keine Lust
Leider hat Bernhard heute keine Lust

Das Wochenende vor Weihnachten lockt uns am Samstag zu einem Rundkurs von Lieberhausen aus über den Knollen zum Nordost- Zipfel der Aggertalsperre. Nach 11 Kilometern schließt sich der Rundkurs, mit dem wir das fehlende Stück auf der 7. Etappe des Panoramasteigs nun auch geschlossen haben. Das Wetter ist sonnig und die Temperaturen liegen tagsüber fast im zweistelligen Bereich. Moni ist diesmal auch wieder mit dabei.

Begegnung mit Pferden
Begegnung mit Pferden

Die Corona- Story nimmt ihren Lauf. Impfungen werden nach Weihnachten in Aussicht gestellt und bringen Hoffnung auf eine weltweite Normalisierung der Lage. Wir nehmen den verhängten Lockdown sehr ernst und beschränken uns auf unsere Wanderungen in der Region. Neue Mutationen des Corona-Virus mit zunehmender Virulenz jagen durch die Medien. Der dringenden Aufforderung auf Kontakte und Reisen zu verzichten entziehen sich die weniger Vernunft-Begabten per Flugzeug, um so das Virus fröhlich weiter zu verbreiten. Beim Check-in auf die nun auch als Risikogebiet geltenden Kanaren lassen sich Reisende im Interview ihre ignorant- egoistischen Argumente mit vorgehaltenem Mikrophon entlocken. Es ist ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht für alle, die derzeit daran mitarbeiten die täglich steigende Infektions- und Todesrate abzuschwächen.

Zufluss zur Rengse bei Niederrengse
Zufluss zur Rengse bei Niederrengse

Bei Lieberhausen passieren wir einen Hof mit Pferden, Eseln und Schafen. Durch Bachwiesen, deren Wasser mit der Rengse der Agger- Talsperre zufließt halten wir uns südöstlich Richtung Niederrengse. Ein stetig leicht ansteigender Panoramaweg führt uns südlich um den Beulberg herum zum Aussichtsturm auf dem Knollen. Fernblicke werden kaum von dichtem Wald behindert, denn die Fichtenrodungen geben die Sicht frei- die bereits vorhandenen Kahlschläge sind gruselig.

Pfütze nach dem letzten Regen
Pfütze nach dem letzten Regen

Moni übersieht einen Ast am Boden und stürzt unmittelbar vor mir auf ihr linkes Knie. Ihr kurzer Aufschrei lässt erst einmal Schlimmes erwarten. Eine erste Inspektion und die Tatsache der erhaltenen Gehfähigkeit sind zunächst einmal beruhigend für uns. Trotz monströs angeschwollener Kniescheibe kann sie den Rest des Weges fortsetzen. An der Picknick- Bank auf dem Knollen machen wir eine Pause und Moni kann das Knie eine Weile hochlegen. Ich laufe noch einmal auf den Aussichtsturm hinter dessen Schatten sich heute ein deutlich sonnigeres Panorama nach Nordosten erstreckt.

Schlußanstieg zum Knollen
Schlußanstieg zum Knollen

Beim langen Abstieg über einen schlüpfrigen schmalen Pfad öffnet sich nach Westen der Blick auf die Agger-Talsperre. Gehen und Gucken ist nicht empfehlenswert und mit einer Tanzeinlage schickt es mich ebenfalls in die Latschen am Wegesrand. Ohne wesentliche Blessuren kann ich mich aufraffen und den Abstieg zum Nordost- Arm der Talsperre fortsetzen. Der letzte Aufstieg bringt uns zum Parkplatz vom Friedhof in Lieberhausen. Wir verabschieden uns von Moni, die nun bestrebt ist ihr Knie zu Hause möglichst bald auszuruhen.

Nordost- Blick vom Knollen
Nordost- Blick vom Knollen

Wir fahren noch einmal zur Kreuzeskirche in Wiedenest, deren weihnachtlich dekorierter Innenraum heute ohne aufgebautes Filmgerät darauf wartet von uns erkundet zu werden. Entspannt treten auch wir mit einer gemütlichen Fahrt durch das Bergische Land die Heimfahrt an. Im Wehetal in Kierspe-Schnörrenbach verlassen wir die Landstraße einem Schild folgend. An einer Forellen-Zuchtanlage haben wir Gelegenheit geräucherte Fisch-Spezialitäten und eine frische Lachsforelle einzukaufen.

Lachsforelle par excellence
Lachsforelle par excellence

Dieses Prachtexemplar bereitet uns Dorothee am Abend im Backofen zu. Begleitet von einem 2014er Hochgewächs der „Zeller Schwarze Katz“, mitgebracht vom Moselsteig 2015 endet der schöne Tag satt und zufrieden.

Matsch und etwas Schnee
Matsch und etwas Schnee

Am Dienstag nach dem Weihnachts- Wochenende wollen wir den Panoramasteig noch ein Stück in südöstlicher Richtung voran bringen. In 2 Tagen endet das Jahr, das schon jetzt als Corona- Jahr in die Geschichte eingehen wird. Die Weihnachtstage haben wir im allerengsten Familienkreis verbracht. Um eine Gefährdung meiner über 80 jährigen Mutter auszuschließen haben wir uns einer eingehenden Austestung unterzogen, da wir beruflich einer starken Exposition unterzogen sind. Den Plan den Jahreswechsel in Südtirol zu verbringen haben wir bereits früh verworfen und werden den genommenen Urlaub zu Hause gestalten. Über 1100 Tote täglich, volle Intensivstationen und die Prophezeiung einer 3. Welle gehen allerdings an einem Teil unserer Gesellschaft vorbei.

Auf der Höhe östlich von Bergneustadt
Auf der Höhe östlich von Bergneustadt

Bilder aus Österreich und der Schweiz mit Massenandrang an Skiliften bringen mich extrem auf die Palme. Auch in Deutschland gibt es einen Ansturm auf die schneebedeckten Erhebungen der Mittelgebirge mit Verkehrschaos und Aushebelung aller Corona- Regeln. Per Radio wird dazu aufgerufen nicht mehr anzureisen, denn auch die Infrastruktur befindet sich im Lockdown. In Winterberg beschweren sich Anwohner über Toilettengänge in ihren heimischen Vorgärten- eigentlich ein gewohntes Bild an Winterberger Party- Locations wie Siggis Hütte. „Lieber Gott gib‘ mir bitte die Kraft all das zu ertragen !“

Winter-Sonnenlicht und Farben am Nachmittag
Winter-Sonnenlicht und Farben am Nachmittag

Es sind 14 Kilometer, die unsere Runde heute einfordert. Von Wiedenest aus führt uns der morastige Weg an Altenothe vorbei auf knapp 400 Meter Höhe hinauf. Bernhard ist diesmal mit dabei, leider hat Moni nach ihrem Sturz letzte Woche doch noch erhebliche Probleme mit dem Knie. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt kommen Schauer als nasser Schneeregen herunter. Höhere Lagen demarkieren sich mit angepuderten Kuppen in der Landschaft.

Summit of the day
Summit of the day

Der Anfang der 8.Etappe des Panoramasteigs führt uns über Neuenothe bis zur Wegkreuzung am Weiler Hecke an der wir auf den mit >Raute 3< gekennzeichneten Weg abzweigen. An einem Unterstand bei Hüngringhausen trinken wir unseren heißen Tee, der bei diesem nasskalten Wetter einfach nur wohltuend ist. Dazu gibt es Brote und Weihnachtsgebäck. Wir treffen kaum Menschen und wenn dann Gassi- Geher mit Hund. Graue Melancholie hängt über den Hügeln des Bergischen.

Weihnachtliches Ambiente in der bunten Kirche von Wiedenest
Weihnachtliches Ambiente in der bunten Kirche von Wiedenest

Beim Anstieg auf die letzte Höhe vor Wiedenest wechselt diese Stimmung dramatisch. Plötzlich liegen lange Schatten vor unseren Füßen und die Landschaft erstrahlt in Polycolor. Wir können den Aussichtsturm auf dem Knollen hinter Bergneustadt ausmachen und steigen einen steilen und matschigen Mountain-Bike- Pfad hinab nach Wiedenest. Mit Bernhard besuchen wir die hiesige bunte Kirche ein weiteres Mal und nehmen noch etwas weihnachtliche Stimmung mit nach Hause. Licht am Ende des Tunnels und Hoffnung auf eine Zeit nach Corona vermittelt der leuchtende Weihnachtsstern inmitten des dunklen romanischen Kirchengewölbes .

Winterlandschaft bei Blockhaus
Winterlandschaft bei Blockhaus

2 Tage ist das neue Jahr alt, als wir die 8.Etappe mit Moni und Bernhard wiederum als Rundweg fortsetzen. Moni hat sich entschlossen ihrem geschwollenen Knie wieder Auslauf zu gönnen. Wir haben uns am Parkplatz Blockhaus östlich von Eckenhagen verabredet, um von hier über einen Zuweg in nördlicher Richtung zur Wegkreuzung am Weiler Hecke an den Panoramasteig anzuschließen. Von hier gelangen wir über den Steig in südlicher Richtung über Branscheid zurück zum Parkplatz Blockhaus. Auf einer anschließenden südlichen Schleife über die Ortschaften Windfus und Tillkausen gelangen wir zurück nach Blockhaus. Die Runde mit dem Profil einer 8 hat eine Länge von etwa 17 Kilometern.

Stoppelfeld-Panorama
Stoppelfeld-Panorama

Es ist nun endlich Winter auf den Höhen des Bergischen. Der Parkplatz Blockhaus ist gut gefüllt, denn zahlreiche Menschen wollen die freien Tage mit ihren Kindern zum Rodeln nutzen. Auf knapp 500 Höhenmetern hat sich eine dünne Schneedecke gebildet und auf den weiten Rodelwiesen sausen überall Schlitten die Hänge hinab. Wir machen die gleiche Erfahrung wie auf allen unseren bisherigen Wegen- mehr als 500 Meter vom Parkplatz entfernt trifft man kaum mehr auf Menschen in der Landschaft.

Unterwegs am 2. Tag des Jahres
Unterwegs am 2. Tag des Jahres

Die Medien melden erneut aberwitzige Zustände auf den hohen Bergen in unseren Mittelgebirgen, von deren Besuch eindringlich abgeraten wird. Es geht um Punkte mit Magnetwirkung wie Brocken, Fichtelberg und Schwarzwald auf denen Pandemie- Regeln komplett auf der Strecke bleiben. Hier werden Rechte eingefordert die durchaus verständlich sind, die aber nicht von der Pflicht entbinden den eigenen Verstand einzusetzen. Über 90% der Intensiv- Betten sind bereits belegt und die steigende Anzahl der Verstorbenen übersteigt die Kapazität der vorhandenen Krematorien. Beim Ausruf eines Notstands bliebe es nicht mehr nur bei einem Apell an den Verstand unserer „mündigen Bürger“.

Bergisches Fachwerk in Hecke
Bergisches Fachwerk in Hecke

Dichte Bewölkung hängt über der angeschneiten Landschaft. Von Hecke führt uns der Panoramasteig nach Branscheid mit seinen schönen restaurierten Fachwerkhäusern. Dahinter steigen wir in die Wacholderheide östlich von Eckenhagen auf. Wir erfahren historisches über die Pflanze, deren Beeren Heilkräfte nachgesagt werden. Keimtötende Wirkung und Stärkung der Abwehrkräfte brachten der Pflanze seit dem Altertum einen hohen Stellenwert in der Medizin ein. In den Zeiten der Pest wurden die Zimmer der Erkrankten mit Wacholderzweigen ausgeräuchert.

Alter Wacholder- Baum am Weg
Alter Wacholder- Baum am Weg

Ein besonders großer Wacholderbaum ragt aus den übrigen Sträuchern in die Höhe. Seit unserem Azoren- Trip wissen wir, dass Wacholderbäume mit bis zu 1000 Jahren sehr alt werden können. Beim weiteren Aufstieg auf die Anhöhe von Blockhaus lässt sich sogar die Sonne mal blicken. Nach Süden geht es nun absteigend ins Winckenbachtal mit nachfolgendem Aufstieg zum Breselberg, auf dem uns der Unterstand „Hexentanzplatz“ zur Pause einlädt.

Berni, Moni und Doro
Berni, Moni und Doro

Ein weiterer kurzer Abstieg führt uns am Rand von Windfus vorbei über die Steinagger zu einem langen Aufstieg von 160 Höhenmetern an die L351. Hier verlassen wir den Panoramasteig, der sich von hier südlich nach Hespert wendet. Wir beschreiben nun einen östlich verlaufenden Bogen über Tillkausen, von wo wir über schneebedeckte Weiden von Süden zurück zum Parkplatz Blockhaus aufsteigen.

Rückweg nach Blockhaus
Rückweg nach Blockhaus

Bereits am Sonntag der folgenden Woche wollen wir von Hespert bis Nespen den östlichen Ring des Panoramasteigs durch das Oberbergische ein Stück nach Süden weiter fortsetzen. Dabei parken wir das Auto bei Nespen auf einem Wanderparkplatz am Ostarm der Wiehltalsperre. Von Nespen gehen wir nordwärts über Lüsberg und Hassel nach Hespert. Nach Überquerung der Autobahn 4 knüpfen wir an der L351 an den zuletzt gegangenen Teil der 8.Etappe des Panoramasteigs an.

Wintertag im Nebel
Wintertag im Nebel

Es ist ein trüber Tag und der Nebel über der weißen Winterlandschaft lässt alles in schwarz-weiß erscheinen. Das anfängliche Schneetreiben verliert sich schon bald und so macht es Spaß durch die winterliche Landschaft zu streifen. Aufmerksam haben wir die aktuellen Entwicklungen bezüglich der Sperrungen der einschlägigen Wintersport- und Rodelgebiete in den Medien verfolgt. Dem Hot-Spot vom letzten Wochenende am Parkplatz Blockhaus hat man an diesem Wochenende die Zufahrtswege gesperrt. Sperrungen wurden auch aus vielen anderen Gebieten gemeldet, da der Apell an die Vernunft der anreisenden Massen ohne Effekt verhallt ist.

Winter im Oberbergischen
Winter im Oberbergischen

Die Neuigkeit zum Thema Corona ist der Impfstart, der für die höchste Risikogruppe in unserer Gesellschaft bereits stattgefunden hat. Nachschub- und Logistik-Probleme lassen eine flächendeckende Verimpfung nur langsam anlaufen. Weltweit blicken wir auf fast 2 Millionen Corona- Tote und in Deutschland bleibt die Todesrate mit über 1000 Corona- Toten täglich auf einem hohen Stand. Nach der aktuellen Vorgabe darf sich im öffentlichen Bereich ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen. Auf unserem heutigen Weg kommen wir an einem Rodelhügel vorbei, an dem zahlreiche Erwachsene und Kinder in enger Geselligkeit keinen Gedanken an die grassierende Pandemie verschwenden.

Leere Rodelhänge im Bergischen
Leere Rodelhänge im Bergischen

Das ganze Theater rund um die Corona- Pandemie wird derzeit nur noch durch die Ereignisse der letzten Woche in den USA getoppt. Der scheidende Präsident leugnet weiterhin seine demokratische Abwahl und heizt so seine Anhängerschaft mit juristisch widerlegten Behauptungen zum Sturm auf das Capitol in Washington auf. Wir sehen unfassbare Bilder aus dem Machtzentrum der ältesten Demokratie der Welt. Die radikale Mischung teils skurriler Gestalten in den Räumen des Parlaments lassen an die Querdenker- Aufmärsche in unserer eigenen Hauptstadt denken.

Shetland- Ponys in Dreschhausen
Shetland- Ponys in Dreschhausen

Südlich von Hespert machen wir an einer Bank vor einer verschlossenen Hütte Pause. Von hier sehen wir sehr versprengt Eltern, die mit ihren Kindern die schneebedeckten Hügel talwärts sausen. Das Bergische Land bietet ausreichend Raum, wenn man Hot- Spots mit großen Parkplätzen meidet und einfach mal ein Stück zu Fuß zurücklegt.

Arnd und Doro vor Schneemann und Fachwerk in Dreschhausen
Arnd und Doro vor Schneemann und Fachwerk in Dreschhausen

Eigentlich viel zu früh erreichen wir den Parkplatz in der Nähe von Nespen. Dem Wunsch noch ein paar „Meter“ im Schnee zu machen geben wir nach und gehen noch eine Runde oberhalb des Ostarms der Wiehltalsperre. Leider finden wir keine Möglichkeit für einen Blick auf das Gewässer. Hier befindet sich die aus der Bier- Werbung bekannte Insel, deren Überflug mit der Musik von Simple Minds Biertrinkern den mit Felsquell- Wasser gebrauten Gerstensaft schmackhaft machen soll.

Abendstimmung auf der Heimfahrt
Abendstimmung auf der Heimfahrt

Auf dem Rückweg kommen wir durch Dreschhausen, wo altes Fachwerk und ein dicker Schneemann Fotomotive abgeben. Shetland Ponys stehen im Schnee vor ihrem Stall. Mit dieser Extrarunde bringen wir es heute auf 15,7 Kilometer. Erst auf der Rückfahrt quer durchs Bergische durchbricht die tiefstehende Sonne die graue Wolkendecke und erhellt die schneebedeckten Hügel mit ihrem rötlichen Licht.

A.Korbmacher

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