Eifelsteig 2019/2020 Teil 2

Erst nach zweieinhalb Monaten passt wieder ein gemeinsamer Termin mit Moni und Bernhard auf dem Eifelsteig. Wettertechnisch sieht es für dieses Wochenende Anfang Oktober aber eher ernüchternd aus. Da wir mit 2 Autos unterwegs sind, stellen wir eins am Zielpunkt von Sonntag in Neroth ab. Gemeinsam fahren wir zum Bahnhof in Gerolstein, unserem heutigen Tagesziel. Dorothee hat mit dem netten Gastwirt in Dohm telefoniert um auf sein Angebot zurückzukommen uns von hier zum Hotel und gleichzeitigen Startpunkt zu chauffieren. Bei dem nasskaltem Wetter genehmigen wir uns noch einen heißen Kaffee in der Gaststube unseres Quartiers.

Immer schön fröhlich bleiben
Immer schön fröhlich bleiben

Mit Regenschirm bewaffnet raffen wir uns auf und im stetigen Nieselregen verlassen wir den hübschen Weiler Dohm. Geplant haben wir die 9. Etappe bis Gerolstein zu komplettieren und von dort morgen die 10. Etappe zu beginnen, womit wir bis Neroth weitere 30 Kilometer auf dem Eifelsteig voran kommen werden.

Bergbau- Krater am Rother Kopf
Bergbau- Krater am Rother Kopf

Die erste Höhe, die wir am heutigen Tag angehen ist der 561m hohe Vulkankegel des Rother Kopfs. Ähnlich entlang einer Caldera führt der Weg mit Blick in einen tiefen Krater hinauf zum höchsten Punkt. Es ist jedoch ein Bergbau- Krater, aus dem vulkanisches Gestein abgebaut wurde. Im Wald befinden sich Zeugnisse einer sehr alten Industrie, der Herstellung von Mühlsteinen. Seit dem 13. Jahrhundert werden aus dem vulkanischen Basaltgestein Mühlsteine geschlagen. Wegen seiner porösen Struktur eignet sich Basalt besonders gut als Mühlstein. Die Freilegung der Mühlsteine entlang der Basaltbänder haben Höhlen hinterlassen, die weit in den Berg hineinreichen.

Unvollendeter Mühlstein
Unvollendeter Mühlstein

An den Decken und Wänden kann man die Nischen sehen, aus denen die schweren Blöcke herausgeholt wurden. Besondere Freude hat Bernhard mit seiner neuen Stirnlampe, deren Lichtstrahl sicher noch am Ende unserer Galaxie wahrgenommen werden kann 🙂

Einstieg in die Mühlsteinhöhle
Einstieg in die Mühlsteinhöhle

Die Rother Eishöhlen haben ihren Namen aus der Zeit, als sich aufgrund luftdichter Gesteinsschichten noch ganzjährig Eis in ihrem Innern befand- das ist heute nicht mehr der Fall. Nach dem Abstieg vom Rother Kopf arbeiten wir uns über die verhangenen Höhen der Eifel in südöstlicher Richtung auf Gerolstein zu. Unglaublich dicke reife Schlehen laden ein weiteres mal zum Sammeln ein.

Eifel- Regen
Eifel- Regen

Nordwestlich von Gerolstein erreichen wir eine interessante Felsformation am 456 Meter hohen Auberg. Der Fels gehört zu den Gerolsteiner Dolomiten, ein 400 Millionen Jahre altes devonisches, heute verkarstetes und dolomitisiertes Riff, das sich mit der gegenüber liegenden Munterley als durchgehende Klippe nördlich des Kylltals an Gerolstein entlang zieht. Der Prozess der Dolomitisierung hängt mit dem Austausch von Calcium- gegen Magnesiumionen in der Molekülstruktur des Gesteins zusammen. Vom Auberg haben wir einen ersten Blick auf das nahe Gerolstein und es hört endlich auf zu regnen.

Selfie am Auberg
Selfie am Auberg

Nach dem Abstieg windet sich der Weg erneut aufwärts auf die Munterley und weiter entlang und über die Dolomiten- Zinnen mit einer Abfolge spektakulärer Tiefblicke. Erste Sonnenstrahlen fluten die Landschaft mit Licht und lassen das Herz auf gehen. Es wird Herbst und die ersten Blätter wechseln ihre Farbe.

Auf der Munterley
Auf der Munterley

Ein weiteres landschaftliches Highlight ist die 30 Meter lange und 4 Meter breite Buchenlochhöhle, die vor Millionen von Jahren durch die Kraft des Wassers entstand. Jungsteinzeitliche Funde weisen auf eine Nutzung als Wohnhöhle hin. Vom Gerolsteiner Felsenpfad kann man sich über einen Leiterzustieg in der Höhle umsehen.

Auf dem Felsenpfad
Auf dem Felsenpfad

Beim Verlassen der Höhle öffnet sich der Himmel und die Sonne begleitet uns auf dem weiteren Weg über die nördlichen Höhen Gerolsteins. Wir steigen hinab ins Kylltal und überqueren den Fluss am östlichen Ortsausgang. Das Vorkommen von kohlensäurehaltigem Tiefenwasser unter dem Kylltal bringt das hiesige Mineralwasser hervor. Auf Freiflächen werden die Mineralwasser- Kästen und -Flaschen gelagert, die auf ihre Befüllung in der Fabrik warten. Durch das Zentrum Gerolsteins gelangen wir zum Auto am Bahnhof und fahren zu unserem Quartier nach Dohm.

Buchenloch- Höhle
Buchenloch- Höhle

Der Sonntag beschert uns ähnliches Wetter und nach einem reichhaltigen Frühstück fahren wir zum Einstieg der 10.Etappe ins Zentrum von Gerolstein. Gerolstein hatte eine Burg, deren Name auf ihren Erbauer Gerhard VI. von Blankenheim (1314-1350) zurückgeht. Von der ehemaligen Burg Gerhardstein, die heute Löwenburg genannt wird zeugen noch Mauer- und Häuserreste. Hoch über der Stadt gelegen bietet das Gelände einen wunderbaren Blick hinüber auf die Dolomitfelsen und das Kylltal.

Blick von der Löwenburg auf Gerolstein mit Auberg und Gerolsteiner Dolomiten
Blick von der Löwenburg auf Gerolstein mit Auberg und Gerolsteiner Dolomiten

Auch diesseits des Kylltals passieren wir im weiteren Anstieg durch den Wald hohe Felsklippen. Ein letzter Blick nach Nordosten fällt auf die nahe Kasselburg über dem Flusstal. Daneben klafft eine der vielen Bergbau- Narben in der Landschaft der Vulkaneifel. Westlich am Fuße des Heidkopfes in einem Quellgebiet erreichen wir die Büschkapelle aus Kyll- Sandstein, eine der „Maria zum klaren Bronnen“ geweihte Waldkapelle. Eine gräfliche Familie errichtete die Kapelle als Dank für die Verschonung bei einer Unwetterkatastrophe 1670 und die Unversehrtheit aller Beteiligten bei einem räuberischen Überfall im Jahr 1680.

Räuberwald
Räuberwald

Wenig weiter ist es dann noch einmal ein Grafenkreuz der selben Familie, auf dem die folgende Inschrift zu lesen steht :

„Carl Ferdinand Graf von Manderscheid Blankenheim Gerolstein, Herr zu Cronenburg Bettigen und Dhaun haben das Denkmal wegen des großen Unglücks errichten lassen“.

Das Grafenkreuz von 1680
Das Grafenkreuz von 1680

Besiegelt mit seinem Wappen und der Inschrift „1680“ am Sockel geht es wohl um einen Überfall auf die gräfliche Kutsche auf ihrem Weg zur Löwenburg in Gerolstein. Der Überlieferung nach kam das gräfliche Paar unverletzt davon, da es die Kutsche bereits verlassen hatte, um das letzte Stück zu Fuß zurückzulegen.

Schwamm oder Pilz ?
Schwamm oder Pilz ?

Ein weiteres Wegkreuz, das Davitskreuz aus dem 18. Jahrhundert, steht am Wegesrand und wurde möglicherweise von einem Fuhrmann errichtet, der trotz frevelhafter Arbeit an einem christlichen Feiertag mit seinem Ochsengespann glücklich heimkehrte. Überall wachsen Pilze auf dem feuchten Waldboden, auf einer Fichte sitzt ein Greifvogel. Erstes Herbstlaub liegt auf dem Waldboden.

Es wird Herbst
Es wird Herbst

Am Davitskreuz wendet sich der Weg in östliche Richtung und beginnt auf das Basaltplateau der Dietzenley anzusteigen. Die höchste Erhebung des Gerolsteiner Landes ist mit 617,8 Metern ebenfalls vulkanischen Ursprungs und entstand vor 620000 Jahren. Vor 5000 Jahren siedelten auf der Bergkuppe Menschen, heute steht ein 9 Meter hoher Aussichtsturm hier oben mit einer großartigen Aussicht.

Blick von der Dietzenley auf die Kasselburg
Blick von der Dietzenley auf die Kasselburg

Die Basaltfelsen im Wald geben der Dietzenley etwas mystisches, um so mehr als die Nachmittagssonne durch das Blätterdach bricht. Ein ordentliches Stück gilt es noch zu marschieren bis Neroth, wo wir unser geparktes Auto vorfinden. Wir bringen unsere Freunde noch zu ihrem Auto nach Gerolstein und machen uns dann auf die Heimfahrt. Es ist der Nachmittag der Regenbögen, der uns noch zu mehreren Fotostops zwingt.

Nachmittag der Regenbögen- Gerolstein
Nachmittag der Regenbögen- Gerolstein

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