Natursteig Sieg 2022

2022 Natursteig Sieg

Im März 2022 beginnen wir mit unseren Freunden Moni & Bernhard ein neues gemeinsames Projekt, den Natursteig Sieg. Der Weg führt uns in 115 Kilometern von Siegburg entlang der Sieg nach Windeck-Au. Die Sieg entspringt im Jägerhain in Walpersdorf im Rothaargebirge auf ca. 603 Metern Höhe, ganz in der Nähe des Lahnkopfs, wo auch Eder und Lahn ihren Ursprung haben. Mit einem Höhenunterschied von 558 Metern durchfließt die Sieg das Siegerland, das Mittelsieg-Bergland und mündet in der Kölner Bucht in der Köln-Bonner Rheinaue in den Rhein. Der Natursteig Sieg tangiert auch das Bergische Land und verläuft auf seinen ersten Etappen teilweise parallel zum Bergischen Weg.

Krokusse Mitte März
Krokusse Mitte März

Das Jahr 2022 hat einen fast schneelosen Winter bereits hinter sich gelassen, als wir es endlich schaffen das bereits verschobene Projekt Natursteig-Sieg endlich anzugehen. Corona bleibt nun im 3.Jahr in Folge Thema unseres Alltags. Gerade im Moment müssen in den Kliniken Patientenbetten herunter gefahren werden, da viele Mitarbeiter in Pflege und ärztlichem Dienst Quarantänefristen einhalten müssen. Die Kölner Uniklinik vermeldet nach der gerade zu Ende gegangenen jecken Zeit einen Anfall von über 700 infizierten Beschäftigten. In anderen Bereichen sieht es ähnlich aus und die „Never Ending Story“ um Schulen und Kindergärten kann man nur noch mit kompletter Verwirrung zur Kenntnis nehmen.

Zitronenfalter
Zitronenfalter

Wir haben 2 Jahre lang unser gesamtes berufliches und privates Zusammenleben auf dieses Thema abgestimmt und sind darüber nicht depressiv geworden. Die „Daily News“ dieser Tage könnten es aber schaffen den letzten Glauben an unsere Zivilisation zu verlieren. Der russische Präsident Putin, den ich während der „Trump-Show“ der letzten Jahre fast als besonnenen Staatslenker empfunden habe straft uns nun mit einem Vernichtungskrieg auf die Ukraine Lügen. Europa stellt sich mit Wirtschaftsanktionen und Waffenlieferungen gegen dieses Vorgehen und wir beobachten eine eisige Zeitenwende mit schwer zu reparierenden Schäden auf diplomatischer Ebene. Sogar der Einsatz des ABC-Waffenalphabets ist wieder Teil der Drohgebärden und würde das Schicksal der Menschheit auf diesem Planeten besiegeln.

Hönscheid- Nette Geste am Wegesrand - Lichtblick in einer bedrohlichen Zeit
Hönscheid- Nette Geste am Wegesrand – Lichtblick in einer bedrohlichen Zeit

Die heutige Wanderung hilft uns dabei den Kopf frei zu bekommen und wir treffen uns mit unseren Freunden bei Müschmühle nördlich von Hennef an einer Schule an der L478. In etwa auf der Hälfte der ersten 2 Etappen des Natursteigs Sieg können wir hier ein Auto parken und haben so an beiden Tagen eine Wegstrecke um die 14 Kilometer zu gehen. Es ist an diesem Wochenende ein Höhenprofil von 890 Metern im Aufstieg und 791 Höhenmetern im Abstieg zu absolvieren.

Siegburg-Abtei Michaelsberg
Siegburg-Abtei Michaelsberg

Am Rande von Siegburg beginnt die erste Etappe des Natursteigs Sieg. Der Wetterbericht gestattet uns das Regenzeug im Auto zu lassen und dafür die Sonnenbrille zu putzen. Leider lässt der Baumbestand auf dem ersten Stück unseres Wegs nur einen verdeckten Blick auf die altehrwürdige Abtei Michaelsberg zu. Die Abtei des Benediktinerordens bestand von 1064 bis 1803 und wurde nach der Säkularisation und Nutzung als „Irrenanstalt“ seit 1914 wieder von niederländischen Benediktinern besiedelt. Bereits um 800 gab es eine Burg der Ezzonen, der Grafen vom Auelgau.

Weide mit Wegkreuz
Weide mit Wegkreuz

Nach Unterquerung der A3 geht es über freies Feld mit einer Allee an einem Bildstock am Haus zur Mühlen vorbei. Der Bildstock erinnert an einen Mord im Mittelalter. Die mysteriöse Geschichte handelt von „Johänneken“, einem Jungen aus Troisdorf, der auf seinem Schulweg zur Klosterschule der Minoriten in Seligenthal im Jahr 1287 ermordet wurde. Es gab weder Beweise noch Hinweise auf einen Täter und trotzdem wurden die Sündenböcke schnell gefunden. Mit der Legende eines Ritualmordes nebst dem Vorwurf der Verhöhnung Christi wurden 16 Juden in Siegburg, darunter alle Kinder einer Familie Opfer mutmaßlicher mittelalterlicher „Fake News“. Der Chronist Isaak Samuel von Meiningen hat die Geschehnisse dieser blutigen Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung vom 4.September 1287 für die Nachwelt erhalten.

Es geschah am hellichten Tag- Der Mord an Johänneken vor 735 Jahren
Es geschah am hellichten Tag- Der Mord an Johänneken vor 735 Jahren

An Krokussen am Wegesrand entlang tauchen wir in den Wald ein und haben eine Begegnung mit einem Reh. Wir umrunden die Ortschaft Kaldauen und erreichen im Kaldauer Wald den ersten Gipfel mit 169 Metern. Hier oben blicken wir auf eine riesige Rodungsfläche von 4 Hektar, an der eine Tafel mit dem Versprechen „Hier entsteht ein Zukunftswald“ die Neubepflanzung mit 6000 Traubeneichen und 6000 Weißtannen ankündigt. Wir drücken die Daumen für dieses Projekt, es entgeht uns allerdings nicht, dass eigentlich alle Baumarten Schäden aufweisen. Überall in NRW sind die Wälder in einem gruseligen Zustand, mit einem massiven Sterben aller Fichtenbestände.

Bekanntes Terrain auf den ersten Etappen- Gemeinsamer Wegverlauf mit dem Bergischen Weg
Bekanntes Terrain auf den ersten Etappen- Gemeinsamer Wegverlauf mit dem Bergischen Weg

Was sind das eigentlich für Wege, die uns durch unsere Wälder führen? Viele der Wege haben sich aus Trampelpfaden etabliert, die bis zum Ende des 12.Jahrhunderts als Verkehrswege zwischen den Orten dienten. Orientierung gaben Wegkreuze, markante Bäume, Kirchtürme und andere Landmarken. Erst im späten Mittelalter etablierten sich sichere Verkehrswege auf den Höhenlagen. Die Verlagerung der Verkehrswege in die Täler war erst durch Trockenlegung der sumpfigen Uferauen möglich. Vor dem Abstieg zum Kloster Seligenthal haben wir noch einen Fernblick auf die Wahnbachtalsperre, die wir auf dem Bergischen Weg passiert haben.

Seligenthal- Ehemaliges Franziskanerkloster
Seligenthal- Ehemaliges Franziskanerkloster

In der Villa Waldesruh lassen wir uns die Möglichkeit von Kaffee und Kuchen nicht entgehen. Der von der Wahnbachtalsperre kommende Wahnbach hat bei den Hochwassern des letzten Jahres auch hier für Überschwemmung gesorgt. Das im September 2019 eröffnete Hotel hat neben Corona auch diese Widrigkeit überstanden. Mit dem weiteren Weg erreichen wir bekanntes Terrain, denn der Natursteig Sieg trifft nun auf den Bergischen Weg. Im Januar 2019 sind wir daher am ehemaligen Franziskanerkloster in Seligenthal bereits vorbei gekommen. Die Quelle am Wegesrand, das Johannesbrünnchen machte das Kloster wegen seiner Heilkräfte zur Pilgerstätte und brachte den Mönchen einen Quell an Gläubigen.

Steilanstieg hinter Seligenthal
Steilanstieg hinter Seligenthal

Nach einem knackigen Aufstieg öffnet sich der Blick über die Sieg zurück zum Michaelsberg in Siegburg. Die Siedlungsgeschichte der Fluss- und Kulturlandschaft geht mit den ersten Ackerbauern und Viehzüchtern wahrscheinlich bis auf 5000 v.Chr. zurück. Ein Gräberfeld mit Keramikfunden belegt die landwirtschaftliche Bestellung von 1000-400 v.Chr. rund um Geistingen. Der erste Beleg einer Besiedlung im Raum Hennef ist auf das Jahr 885 datiert. Der fränkische König Ludwig III. machte mit der Urkunde einem Abt Heinrich Grundbesitz zum Geschenk. In sonnigen Hanglagen wurde Wein angebaut, was Anfang des 20.Jahrhunderts aufgegeben wurde. Die Weinberge verwilderten und wichen Streuobstwiesen als neuer Einnahmequelle.

Blick über die Sieg nach Westen mit Abtei Michaelsberg
Blick über die Sieg nach Westen mit Abtei Michaelsberg

Obwohl das Frühlingserblühen noch aussteht schwärmen bereits die ersten Bienen von ihren Stöcken aus. Nach einem weiteren Aufstieg erreichen wir den höchsten Punkt unserer heutigen Tagesetappe am Mühlenberg mit 192m, über dessen Hochebene wir den letzten Abstieg zu unserem geparkten Auto an der Schule in Müschmühle nehmen. Den Abend und die Nacht verbringen wir in unserem Hotel im historischen Ortskern von Stadt Blankenberg, dessen Burganlage erstmals im Jahr 1181 erwähnt wurde. Immerhin trägt der Inschriftbalken unseres Fachwerk-Hotels die Inschrift 1735, erbaut von den Eheleuten Bey. Die Gaststätte versorgt hungrige Wanderer bereits seit Beginn des 20.Jahrhunderts. Mit Dorothee habe ich 2019 auf dem Bergischen Weg auch hier logiert.

Auf dem Mühlenberg-Plateau
Auf dem Mühlenberg-Plateau

Wir lassen es uns am Abend mit unseren Freunden gut gehen in der Gaststube und schlafen gut in unseren Kammern mit den knarzenden, schiefen Böden. Vieles ist noch aus der Erbauungszeit erhalten, wie die schweren Eichentüren mit den eisernen Beschlägen. Beim Frühstück am Morgen lassen wir uns Zeit bis wir wieder mit einem Auto zur Schule in Müschmühle zurückkehren. Auf einem Zettel bitten wir ein weiteres Mal um Nachsicht für die Nutzung des leeren Schulparkplatzes als Wanderparkplatz.

Hotel Sonnenschein-Stadt Blankenberg
Hotel Sonnenschein-Stadt Blankenberg

Seit Hennef sind wir nun auf der 2. Etappe des Natursteigs Sieg unterwegs und geraten bald an ein Hinweisschild mit einer Wegsperrung durch einen Hangrutsch am Flussufer der Bröl. Wir ignorieren die vorgeschlagene Umleitung und passieren bald die bereits freigeräumte Stelle problemlos. Der eigentliche Hindernis-Parcours folgt mit ein paar umgefallenen Bäumen.

Müschmühle-Sonntagmorgen an der Bröl
Müschmühle-Sonntagmorgen an der Bröl

Bei Müschmühle mündet die Bröl in die Sieg am westlichen Ende des Nutscheids, dem Höhenzug, dem wir an seinem nordöstlichen Ende in Waldbröl auf dem Bergischen Panoramasteig bereits begegnet sind. Der Nutscheid ist die Wasserscheide zwischen Bröl und Sieg und führte einst eine bedeutende Handelsstraße auf seinem Rücken. Der Verkehrsweg war die wichtigste Handelsverbindung des südlichen Bergischen Landes vom 12. bis zum Anfang des 18.Jahrhunderts. Seit 500 v.Chr. von den Kelten und später von den Römern wurden über diesen Weg bereits Eisenerze aus dem Siegerland in die Rheinebene gebracht. Im Mittelalter wurden Höhensperren als Schutz gegen Feinde und gegen Umfahren angelegt, denn an Schlagbäumen ließen die Grafen Zölle eintreiben.

Der bereits geräumte Hangrutsch
Der bereits geräumte Hangrutsch

Wir steigen durch sonnigen Wald auf bis auf 220 Meter Höhe am Oberhalberg, wo wir vom höchsten Punkt der 2.Etappe einen Fernblick auf das Siebengebirge haben. Immer noch laufen wir parallel mit dem Bergischen Weg. Noch sind die Bäume und Sträucher kahl, die Knospen an den Zweigen verheißen ein baldiges „Frühlingserwachen“.

Bewährtes Team auf dem Nutscheid
Bewährtes Team auf dem Nutscheid

Nach dem Abstieg nach Oberhalbach folgt ein sofortiger Aufstieg nach Hönscheid. Von hier wendet sich der Weg nach Süden zum 210m hohen Stachelberg, dessen Südhang steil zur Sieg abfällt. Mit einem Tiefblick auf Bülgenauel inmitten einer Siegschleife können wir im gleißenden Gegenlicht vor der Kulisse des Siebengebirges auch die Türme unseres Tagesziels Stadt Blankenberg erkennen.

Take Off am Stachelberg
Take Off am Stachelberg

Wir schauen eine Weile respektvoll den Paraglidern zu, die am hiesigen Startplatz zu ihren Höhenflügen abheben. Mein Freund Frank hat dieses Thema für sich neu entdeckt und hat mich motiviert mal mit einem Basiskurs in das Thema Gleitschirmfliegen reinzuschnuppern. Anfang Juni ist es so weit…- ich bin sehr gespannt!

Die Sieg unter der Burganlage von Stadt Blankenberg
Die Sieg unter der Burganlage von Stadt Blankenberg

Der Abstieg entlang der westlichen Rim-Kante führt uns steil hinab an die Ufer-Auen. Nach Überquerung der Sieg folgt ein letzter Aufstieg zur Burganlage von Stadt Blankenberg. Unsere Freunde bringen uns noch zu unserem Auto und in entspanntem Tempo fahren wir nach Hause. Wir erleben derzeit einen Allzeit-Höchststand der Treibstoffpreise (Benzin- 2,30€/L und Diesel- 2,36€/L).

Sheriff von Stadt Blankenberg
Sheriff von Stadt Blankenberg

Arnd Korbmacher

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