Wochenende mit Aaron Durogati, Reinhold Messner und Romanik in Hessen Part 2- 2025

Wochenende mit Aaron Durogati, Reinhold Messner und Romanik in Hessen Part 2- 2025

Das letzte Wochenende im November 2025 macht wenig Hoffnung, was das Wetter angeht. Wir haben uns bei der Flugschule an der Wasserkuppe angemeldet, um uns im Rahmen der Pilotentage interessante Vorträge zum Thema Gleitschirmfliegen abzuholen. Wir fahren am Samstag ganz entspannt vormittags in Wuppertal los und erreichen die Wasserkuppe bei Sprühregen und dichtem Nebel. Wir checken noch mal den Ablauf des Programms in der Flugschule, das erst um 17 Uhr beginnt. So haben wir noch Zeit Brot und Wurstwaren im Bauernladen auf dem Gipfelplateau zu kaufen. Auch eine tolle Erbsensuppe mit Brot lassen wir uns schmecken. Danach beziehen wir erst einmal unser Zimmer im Hotel Berghof in Obernhausen, an der Südseite der Wasserkuppe.

Route der X-Alps 2025
Route der X-Alps 2025

Gegen 17 Uhr finden wir uns dann im großen Raum des Lufttechnischen Betriebs LTB ein, wo sonst die Fluggeräte auf Herz und Nieren geprüft und repariert werden. Nach der Begrüßung durch den Chef Andreas Schubert sehen wir von ihm selbst etwas über seine Reisen zum Gleitschirmfliegen nach China, u.a. an der chinesischen Mauer. Es ist ein wenig Werbung für eine Reise, die er nun auch für Gäste ausschreiben und begleiten wird. Hochinteressant ist dann der Vortrag seines Sohnes Lennard über seine abenteuerliche Reise durch die Mongolei, bei der der Gleitschirm auch mit an Bord war. Soaring entlang von Sanddünen der Wüste Gobi und Flüge an den Basalthängen eines aus der Ebene aufragenden Vulkans bringen Bilder auf die Leinwand, die absolut inspirierend sind diese Region auch ohne Gleitschirm einmal zu bereisen.

Star des Abends- Aaron Durogati
Star des Abends- Aaron Durogati

Nach einem Buffet- Abendessen im Peterchen erwarten wir den Höhepunkt der Veranstaltung mit dem Star des Abends, dem diesjährigen Sieger des X-Alps Hike & Fly Rennens quer durch die Alpen. Es gilt nicht nur als härtestes Gleitschirm- Rennen, sondern auch als härtestes Adventure- Race der Welt. Aaron Durogati heißt der Sieger dieses Rennens, das in diesem, wie auch im vorletzten Jahr in Kitzbühel gestartet wurde und das nach 12 Tagen mit dem Zieleinlauf in Zell am See endete. Die Grundregeln sind einfach- eine durch „Bojen“ vorgeschriebene Route ist zu Fuß, oder mit dem Gleitschirm zu bewältigen. Zwischen 21 und 6 Uhr ist eine mindestens 7- stündige Ruhepause einzuhalten. Mehrere Klettersteige sind eingebaut, Bergbahnen, Autos und Tunnels sind nicht erlaubt. Mit einem Nightpass hat jeder Teilnehmer einmal die Möglichkeit die Nachtruhe auszusetzen.

Champion 2025- Aaron Durogati
Champion 2025- Aaron Durogati

Seit 2009 dominierte der Schweizer Chrigel Maurer diese alle 2 Jahre stattfindende Challenge. Dieses Jahr konnte der sympathische Südtiroler Aaron Durogati (39J.) seinen Vorsprung am Ende durch die ideale Wahl seiner Route sichern. Für die 1283 Kilometer lange Strecke benötigte er 7 Tage, 8 Stunden, 31 Minuten und 33 Sekunden. Es ist ein spannender Vortrag, in dem uns der Allround- Alpinist eine ganze Menge über die Höhen und Tiefen seiner Sportlerkarriere verrät. Verletzungen als Skateboarder und Ski-Rennläufer hat sich der auch beim „Dolomitenmann“ erfolgreiche Athlet einige eingefangen. Schon früh begann auch seine Begeisterung für das Gleitschirmfliegen.

v.l. Niklas und Lennard Schubert, Aaron Durogati, Lüsen Hauptgewinner, Andreas Schubert und Johanna Eller
v.l. Niklas und Lennard Schubert, Aaron Durogati, Lüsen Hauptgewinner, Andreas Schubert und Johanna Eller

Das Ende seiner Karriere als Profisportler wurde ihm bei einer Untersuchung seiner Kniebeschwerden prophezeit. Weder diese Diagnose, noch eine schwere Verletzung des oberen Sprunggelenks konnten ihn davon abhalten ab 2013 an allen X- Alps teilzunehmen. Bei seinem jetzigen Erfolg halfen ihm seine enorme mentale Stärke und seine großen Erfahrungen am Berg und am Gleitschirm auch die Probleme mit dem Knie zu kompensieren. Unterstützend kommentiert auch Lebensgefährtin Johanna, Leiterin der Papillon- Flugschule im Stubaital die dramatischen Tage dieser Challenge.

Abfahrt vom Fliegerberg
Abfahrt vom Fliegerberg

Bei der anschließenden Tombola, die als Hauptgewinn einen Aufenthalt im Tulperhof in Lüsen beinhaltet, haben wir leider kein Glück. Wir nehmen an der anschließenden Party nicht mehr teil und fahren durch dichtesten Nebel zum Hotel zurück. Schlaf ist etwas Schönes, wenn es wie in der letzten Woche mal wieder zu wenig davon gab. Am Sonntag bedienen wir uns vom reichhaltigen Frühstücksbuffet. Wir fahren aus dem Gipfelnebel der Wasserkuppe heraus in den Sprühregen der tieferen Gefilde, wo zumindest die Sicht besser wird. Es geht wieder quer durchs Land zu einem Zwischenziel nordöstlich von Frankfurt, wo wir bei Ortenberg am Kloster Konradsdorf anhalten, das ich mir im Anschluss an eine Gleitschirmaktion im Frühjahr 2024 allein angesehen habe.

Konradsdorf
Konradsdorf

Die Stiftskirche nebst Probstei aus der Stauferzeit, die lange als Scheune herhalten musste möchte sich Dorothee auch gerne anschauen. Über diese Perle der Romanik habe ich unter >Frühere Reisen/Deutschland/Ausflug in die Romanik…< etwas geschrieben. Es ist ein Ort mit einer Geschichte, die uns bis ins 8. Jahrhundert zurück „beamt“ und an dem wir auch heute wieder allein sind. Dorothee hat auf unserer Route über Gießen ein weiteres Kloster in der Wetterau gefunden. Es ist die ehemalige Zisterzienserabtei Arnsburg, die 1174 gegründet wurde. Nach einem Kohortenkastell am römischen Limes aus dem Jahr 90 entstanden 2 Burgen, von denen die Fundamente der Kleineren unter dem Nordwest- Teil der heutigen Abtei liegen. Ein Benediktinerkloster aus dem Jahr 1150 wich dem Reformorden der Zisterzienser.

Ehemaliges Zisterzienserkloster Arnsburg
Ehemaliges Zisterzienserkloster Arnsburg

Mit der Säkularisation 1803 wurde das Kloster aufgelöst. 1810 fiel das Kloster an die Grafen zu Solms-Laubach, die die barocken Klostergebäude bis heute als Schloss nutzen. Uns interessiert die Ruine der Stiftskirche mit ihren spätromanischen Teilen, deren Weihe auf das Jahr 1246 zurückgeht. Im Kreuzgang aus der Entstehungszeit des Klosters befindet sich eine Kriegsgräberstätte. Das Dormitorium ist leider geschlossen. Darunter befindet sich im Refektorium ein kleines Museum zur Geschichte des Klosters, beginnend mit der Stauferzeit. Wir fahren zurück nach Wuppertal und gehen beim Griechen noch etwas essen.

Kloster Arnsburg
Kloster Arnsburg

In der Wuppertaler Stadthalle erwartet uns am Abend ein Bergsteiger mit seinem Vortrag. Nicht irgendein Bergsteiger, es ist die Berginstanz Reinhold Messner, der uns mit der Begrüßung auf die Steine rund um sein imaginäres Lagerfeuer bittet. Unter einfachen Verhältnissen in Südtirol aufgewachsen begann er früh die Berge Südtirols zu durchsteigen. Er spielt in seinem Vortrag mit dem Begriff „ÜbErleben“. Nach der ersten Phase seines Lebens, in der er das Erleben mit seinem Bruder Günter in der Heimat übte, wurde er nach seinen eigenen Worten Horizontsüchtig und suchte Herausforderungen in der ganzen Welt.

Stadthalle Wuppertal
Stadthalle Wuppertal

Mit seinen Extrem- Abenteuern, wozu die Besteigung aller 14 Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff gehörte folgte seine Phase des Überlebens. Sein Bruder Günter verlor sein Leben am Nanga Parbat, während der Abstieg vom Berg für Reinhold ein Überlebenskampf mit Nahtoderfahrung wurde. Wenn jemand behauptet Bergsteigen wäre genauso gefährlich wie Autofahren ist das ziemlicher Quatsch meint Messner. Im Extrembereich hat die Hälfte aller Bergsteiger nicht so viel Glück gehabt wie er. Ich erinnere mich an die Hall of Fame in Messners Museum auf Burg Firmian bei Bozen, wo die vielen Portraits der teils noch sehr jungen Abenteurer nachdenklich machen.

Berglegende Reinhold Messner
Berglegende Reinhold Messner

Nun mit 81 Jahren blickt Messner, als einer der durchgekommen ist zurück auf seine Karriere als Bergsteiger. Zu seinen vielen Expeditionen zu den hohen Bergen dieser Welt kommen seine horizontalen Unternehmungen u.a. zu den Polkappen der Erde. Politisches und soziales Engagement zeigte er als Mitglied des Europäischen Parlaments und mit seinen Schulbau- Projekten in Pakistan. Vor seiner Haustür schuf er einzigartige Museen und zuletzt das Messner- Haus in den Sextener Dolomiten. Der Mann aus Südtirol gab auch mir einige Inspirationen für meine bescheidenen Bergabenteuer.

Reinhold Messner 81J.
Reinhold Messner 81J.

In der letzten Phase seines Lebens blickt Messner nun zurück auf sein Leben als Profi- Abenteurer und – Bergsteiger. Nun spricht er über sein Leben und auch über den Umgang der Menschen mit dem Tod. Sein Vermächtnis wird seine 35 Jahre jüngere Frau weiterführen. Nach Glück kann man nicht streben, man muss nur merken wenn es da ist- so ähnlich habe ich es aus seinem Vortrag in Erinnerung. Mit tiefer Verbeugung verabschiedet sich die graue Eminenz des Alpinismus von seinen Zuhörern und signiert geduldig sein aktuelles Buch, den Spiegel- Bestseller

Über Leben

Danke Reinhold...
Danke Reinhold…

Arnd Korbmacher

Berg- und andere Touren