Florida 1996

Florida 1996

Die dritte Amerikareise in meinen alten Reisetagebüchern führt uns im Frühjahr 1996 in den sonnigen Südosten der USA. Der Bundesstaat Florida liegt südlich von Georgia als „Panhandle“ zwischen dem Golf von Mexico (seit 2025 per Präsidentenerlass Golf von Amerika) und dem Atlantischen Ozean. Mit den ersten beiden Reisen in den Jahren 1994 und 1995 waren wir in den westlichen Bundesstaaten der USA unterwegs. Nach einem Tauchurlaub in der Karibik im Herbst 1995 in der Dominikanischen Republik lernten wir nicht nur ein paar nette Mitstreiter, sondern auch unseren äußerst sympathischen Tauchlehrer Kurt Huber aus der Schweiz kennen. Die Idee war geboren Kurt gemeinsam in Florida in seinem Tauch- Resort „Devils Den“ bei Orlando aufzusuchen, um mit ihm zusammen unsere Tauchausbildung voranzubringen. Wir verweilen zwei Wochen in Florida und werden bis zu unserem Treffpunkt in der zweiten Woche eine Rundreise auf der Halbinsel unternehmen.

Köln- Fort Myers
Köln- Fort Myers

Neun Tage vor unserem Abflug ereignete sich am 11.04.1996 am Düsseldorfer Flughafen ein schweres Brandunglück nach Schweißarbeiten im Bereich des Terminal A. Mit 17 getöteten und 88 verletzten Menschen wurde der Sachschaden damals auf bis zu 1 Milliarde DM beziffert. Zivilrechtliche Klagen waren auch nach 10 Jahren noch anhängig. Die Brandsanierung dauerte bis 2001 an. Unser Flug startet deswegen ab Köln, wo wir bei meiner Mutter und ihrer Freundin Inge übernachten. Die Beiden bringen uns nach einem kurzen Frühstück am Samstagmorgen zur Abflughalle des Köln Bonn Airports. Um 7:15 Uhr stehen wir in der Warteschlange am Check-in- Schalter. In dem Trubel um uns herum erscheint die Abflughalle recht beengt. Das Einchecken beginnt erst um 9:00 Uhr, was uns bei der Boarding- Time um 9:30 Uhr sehr knapp bemessen erscheint.

Welcome to the Sunshine-State
Welcome to the Sunshine-State

Wir machen eine äußerst unangenehme Bekanntschaft mit einem blasierten Golf- Clown, der wie einige andere Langschläfer versucht sich an den Wartenden vorbei in eine günstigere Position zu schieben, was (nett umschrieben) in einem peinlichen Wortgefecht endet. Mal angenommen er wäre als Golfer zu Gast im Trump‘schen Mar-a-Lago, könnte er mit einem solchen Verhalten vielleicht sogar punkten 😉 In der Boeing 767 der damaligen Fluggesellschaft LTU nehmen wir unsere Plätze in der 30. Reihe am rechten Fenster ein und atmen tief durch. Mit gut einer Stunde Verspätung verlassen wir die Domstadt am Rhein mit Kurs entlang der Südküste Englands über den Atlantik nach Neufundland und entlang der US- Ostküste zum Southwest International Airport an der Südwestküste Floridas bei Fort Myers.

Estero-Island- Outrigger Beach- Resort
Estero-Island- Outrigger Beach- Resort

Nach zehn Stunden Flugzeit verlassen wir die Maschine um 14:30 Uhr Ortszeit und erledigen die Einreise- und Zollformalitäten. Nachdem wir am Avis- Schalter endlich unseren Economy- Car, einen dunkelgrünen Chevrolet Cavalier erhalten fahren wir gegen 15:30 Uhr los Richtung Küste nach Estero-Island. Die schmale Insel, die die Estero-Bay südlich von Fort Myers von der Golf- Küste trennt, erreicht man über San Carlos- Island. Ebenfalls über mehrere Brücken gelangt man nach Süden erst bei Bonita Springs wieder auf das Festland. Über den Estero- Blvd erreichen wir das Outrigger Beach- Resort, wo wir ein Zimmer gebucht haben. Das Motel mit Pool liegt direkt am Strand, an dem wir einen ersten Spaziergang unternehmen. Viele Stachelrochen liegen tot am Strand und schlurfend gehen wir barfuß auch ein Stück ins Wasser. Auf einen im Sand liegenden Rochen zu treten gilt es dabei zu vermeiden.

Fort Myers und Sanibel-Island
Fort Myers und Sanibel-Island

Ein Stück den Estero- Blvd zurück finden wir auf der Terrasse von „Anthonys“ einen schönen Tisch am Meer und essen leckeren Fisch (Grouper). Nach einem sehr langen Tag fallen wir todmüde ins Bett. Am Sonntag sind wir um 7:15 Uhr früh am Frühstücksbuffet und schon um 9 Uhr auf dem Weg nach Fort Myers. Am Mc. Gregor- Blvd (Palm Alley) liegen die schmucken Winterdomizile von Thomas Edison und Henry Ford. Leider öffnen heute am Sonntag beide Häuser erst am Nachmittag für Besucher. So fahren wir auf der Straße weiter nach Westen über die mautpflichtige Brücke nach Sanibel- Island. Wir ziehen hier im Kona Kai- Motel ein, ein nettes Motel mit einem Pool inmitten eines schönen Gartens. Den Tipp habe ich von einem damaligen Kollegen bekommen. Wir fahren Sanibel- Island einmal ganz nach Norden hinauf bis Captiva. Am Ende der Insel bleibt uns nur umzukehren und alles wieder zurückzufahren, wo wir im südlichen Inselteil das J.N. „Ding“ Darling National Wildlife Refuge besuchen.

J.N. „Ding“ Darling National Wildlife Refuge
J.N. „Ding“ Darling National Wildlife Refuge

In den Mangroven sehen wir bald die ersten Alligatoren. Auch mit den hübschen Vögeln Floridas machen wir Bekanntschaft. Wir suchen am Nachmittag wieder etwas weiter nördlich Bowmans Beach auf. Zum „Shelling“, dem Suchen von Muscheln wäre der Strandabschnitt ideal, meint die Wirtin des Motels. Nach einer Springflut wird hier einiges auf den Strand geworfen, unter den vielen Muscheln auch zahlreiche gestrandete Fische, dabei auch Kugel- und Kofferfische. Hier machen wir eine Strandwanderung von der wir nach zwei Stunden zurückkehren. In der tiefstehenden Sonne durchfahren wir noch einmal das Wildlife Refuge auf dem Weg zu unserer Unterkunft, wo wir uns im Pool abkühlen. Gegessen wird dann im Mc T‘s Restaurant & Shrimphouse, ebenfalls ein sehr guter Tipp. Im Angebot auch Alligator in delikater Zubereitung mit recht fester Konsistenz.

Naples- Am Pier
Naples- Am Pier

Um 8:00 Uhr sind wir am Montag auf Hwy41 (Tamiami-Hwy) unterwegs nach Süden Richtung Naples. Dort parken wir im Bereich 5th Ave/ 3rd Street, inmitten schöner alter Häuser und netter Geschäfte. Es ist nicht weit bis zum Pier, wo viele Angler entlang des Stegs ihre Ruten ausgebracht haben. Da holt einer einen ordentlichen Brocken aus dem Wasser. Es ist ein kleiner Hai- „it‘s a nurse-shark“ antwortet mir der Angler unaufgeregt und gibt ihm rasch wieder die Freiheit. Ausgewachsen kann ein solcher Ammenhai eine Länge von über 4 Metern erreichen. Wir schauen eine ganze Weile auch den braunen Pelikanen zu, die sich mit den Möwen um jeden Happen streiten. Auf dem Weg zurück zum Auto essen wir an der Ecke 12th Ave/3rd St bei „Tommy Bahama“. Auf dem Tamiami Hwy41 fahren wir in südöstlicher Richtung bis Carnestown. Hier zweigen wir nach Norden ab und fahren über den Janes Memorial Scenic- Drive in den Fakahatchee Strand Preserve State- Park ein.

Naples und Fakahatchee Strand Preserve State- Park
Naples und Fakahatchee Strand Preserve State- Park

Die Straße führt uns in die Wildnis Südfloridas mit schier undurchdringbarem Dickicht zu beiden Seiten. Vor uns läuft ein Alligator auf der Straße und ich halte an, um ein Bild aus dem Auto zu machen. Mit einem Zischen kommentiert das Reptil meine Aufdringlichkeit. Ein Stück weiter rennt ein Racoon (Waschbär) über die Schotterpiste. Nach diesem Ausflug kehren wir auf Hwy41 zurück und fahren weiter in Richtung Südosten zum Shark Valley Visitor- Center des Everglades-NP. Es ist hier bereits 16:00 Uhr und für einen ersten Eindruck machen wir eine Ranger- begleitete, zweistündige Rundfahrt mit einer Tram- Bahn bis zum Observation- Tower des Shark Valley. Unzählige Alligatoren, Schildkröten, aber auch alle möglichen Vogelarten können wir an den Ufern ausmachen. Wir sehen rosa Löffler, Storche, Moorhühner und verschiedene Reiherarten.

Everglades-NP- Shark Valley
Everglades-NP- Shark Valley

In der Nähe des Observation Towers haben wir einen guten Blick auf das Nest eines „Red shouldered Hawk“- Pärchens, das seinen flauschigen Nachwuchs (zwei Küken) emsig mit Futter versorgt. Die Fahrt hat sich für einen ersten Eindruck in das Ökosystem Everglades sehr gelohnt. Wir wollen uns am morgigen Tag weitere Eindrücke der Everglades abholen, machen uns nun auf den Weg nach Homestead an den südlichen Zipfel der urbanisierten Ostküste südlich von Miami. Hier finden wir im „Bel Air Motel“ ein einfaches Zimmer und direkt nebenan das Family- Restaurant „Sam‘s Country Kitchen“. Ein Bier zum Essen gibt es hier leider nicht. Am Dienstag sind wir wieder früh auf den Beinen und fahren gegen 8:00 Uhr über Hwy1 Süd bis Florida City und dann auf die 9336 West zum Everglades-NP Visitor- Center (Ernest F. Coe). Das Eingangsgebäude ist recht klein und wir erfahren, dass Hurricane „Andrew“ im August 1992 mit seinen verheerenden Verwüstungen auch das alte Visitor- Center hinweggefegt hat. Seit 2010 steht der Park auf der Liste des gefährdeten Welterbes.

Im Everglades-NP 1
Im Everglades-NP 1

Die 9336 durchzieht den Park in einem Bogen bis an das Südende der Halbinsel nach Flamingo. Wir biegen allerdings an einigen Kreuzungen von der Parkstraße ab und wenden uns zunächst dem Royal Palm Visitor- Center zu. Von hier starten zwei kurze Trails, von denen wir zunächst den 1,3 Kilometer langen Anhinga- Trail begehen. Ein erhöhter Steg bietet Schutz vor den teilweise beeindruckenden Alligatoren, von denen hier sehr viele herumliegen und uns vielleicht mit knurrendem Magen im Visier haben. Auf Schritt und Tritt entdecken wir Vögel, Schildkröten und Schlangen in den Sümpfen. In einem Teich befinden sich zahlreiche Fische. Invasiv eingeschleppte Arten, allen voran die mächtige dunkle Tigerpython aus Asien bedrohen heute die Artenvielfalt vor allem der Vögel.

Im Everglades-NP 2
Im Everglades-NP 2

Ein kürzerer Trail ist der 0,6 Kilometer lange Gumbo Limbo- Trail. Er führt uns zu Haddocks, das sind manchmal nur ein paar Zentimeter höher gelegene Inseln in den Sümpfen, die nicht dauerhaft überschwemmt werden. Hier wachsen tropische Bäume, wie der Gumbo Limbo- Baum. Man nennt ihn auch Touristenbaum, da sich seine rote Rinde abschält wie die Haut sonnenverbrannter Touristen. Die Everglades sind eigentlich ein gigantischer Fluss aus Gras, der langsam dem Meer entgegen fließt. Jetzt im Mai hat sich das Wasser in kleineren Wasserläufen und Tümpeln zurückgezogen bis Mitte Mai die feuchtere Jahreszeit Einzug hält. Wir fahren weiter zum Ling Pine Key, wo eine größere Fläche von Kiefernwald bedeckt ist. Ein weiterer kurzer Rundweg ist der Pa- Hay Okhee (Grasfluss)- Trail mit einem weiten Rundumblick.

Im Everglades-NP 3
Im Everglades-NP 3

Der Mahagony Hammock- Trail führt uns auf einen Rundweg durch dichten Urwald, in dem noch einige alte Mahagoni- Bäume stehen. Die Bäume haben die Zeiten überstanden, da man ihre schweren Stämme ohne Straße früher gar nicht abtransportieren konnte. Der West- Lake- Trail führt uns entlang verschiedener Mangrovenbäume zum West- Lake, dessen Brackwasser eine Mischung aus Süß- und Salzwasser ist. Hier fühlen sich besonders Krokodile wohl, während ihre Artgenossen die Alligatoren das Süßwasser bevorzugen. Wir sehen leider keine Krokodile, die sich durch eine braunere Farbe, eine spitzere Form des Mauls und durch die bei geschlossenem Maul sichtbaren Zähne auszeichnen. Im hübschen Ort Flamingo essen wir etwas im Flamingo- Lodge Dining- Room mit Südblick auf die Florida- Bay und die vorgelagerte Inselgruppe der Keys.

Im Everglades-NP- Flamingo
Im Everglades-NP- Flamingo

Es ist 14:30 Uhr und wir entschließen uns spontan zu einer 1,5 Stunden Bootstour in Richtung Oyster- Keys. Delphine sehen wir nicht, aber möglicherweise ganz kurz die Rückenflosse eines Hais. Erst gegen 16:30 Uhr fahren wir zurück nach Florida City. Von hier fahren wir über Hwy1 hinüber auf die Keys, die vorgelagerte Inselgruppe vor der Südküste Floridas. Über Key Largo fahren wir nach Islamorada und checken hier im La Jolla Resort- Motel ein. Ein Stück weiter nach Westen gibt es ausgezeichnetes Seafood im Restaurant „Lorelei“. Die Bar nebenan liefert die stimmungsvolle Lifemusik zum Sunset.

Key Largo
Key Largo

Am Mittwoch geht es auf Hwy1 mit Kurs West über viele Brücken, von denen die längste die Seven-Mile- Bridge ist. Wir fahren bis nach Key West, wo der Southernmost Point das südliche Ende der kontinentalen USA markiert. Aus den vielen Motels und B&B’s wählen wir das South Beach Motel in der Nähe der Duval Street aus. Nach einem Seafood- Lunch am South Beach verbringen wir den frühen Nachmittag am Strand und im Pool und machen uns gegen 15 Uhr auf den Weg Key West zu erkunden. Entlang der Duval Street biegen wir zum Hemingway- Haus an der Whitehead- Street ab. Es ist bereits 16:30 Uhr als wir mit der letzten Gruppe durch das Haus geführt werden, in dem der Schriftsteller und Abenteurer Ernest Hemingway gelebt hat. Wir durchstreifen die Räume und den Garten noch einmal ohne die Gruppe. Hemingway hatte viele Katzen, deren Nachkommen auf seinem Anwesen bis heute ein gutes Auskommen haben.

Seven-Mile- Bridge- Key West
Seven-Mile- Bridge- Key West

Kurz nach 17:00 Uhr werden wir heraus komplimentiert und laufen entlang der Duval Street mit ihren hübschen Häusern und zahlreichen Shops nach Nordwesten bis zum Mallory Square. Hier ist einiges los zwischen dem Shipwreck-Museum, einem Aquarium und vielen Souvenir- Shops. Es gibt zahlreiche Darbietungen von Künstlern und Artisten, so dass die Zeit bis zum Sonnenuntergang rasch vergeht. Am Sunset Pier finden wir uns mit vielen anderen Leuten zu einem „Sundowner“ ein. Das tägliche Event, bei dem die Sonne glutrot im Meer versinkt kommt „absolutely for free“ dazu. Ein Künstler jongliert in der einsetzenden Dunkelheit mit brennenden Fackeln und begeistert damit sein Publikum.

Key West- Hemmingway Haus- Duval Street
Key West- Hemmingway Haus- Duval Street

Um 20:30 Uhr wollen wir in der Nähe des Piers noch etwas in einem der Restaurants an der Duval Street essen. Den Namen habe ich mit nicht vermerkt, wir werden hier mit den Speisekarten an einen dunklen Tisch hinter der Bar, neben eine brummende Eismaschine gesetzt und im Weiteren nicht mehr beachtet. So ist dann vermutlich auch unser Exit unentdeckt geblieben, der uns wieder auf die belebte Duval Street zurückbringt. Bei Hausnummer 525 erleben wir das Ganze noch einmal freundlich und zuvorkommend in „Barfoot Bob’s“. Mit wiedergefundener guter Laune essen und trinken wir hier sehr gut. Auf dem Weg zurück zum Motel bleiben wir noch im Kuriositätenkabinett „Ripley’s believe It or Not!“ hängen. Zu den bizarren und unglaublichen Ausstellungsstücken gehören auch skurrile Exponate, wie Schrumpfköpfe der Indigenen aus dem Amazonasgebiet. Als schier unglaublich habe ich auch einen auf ein Reiskorn geschriebenen Bibeltext in Erinnerung. Es ist fast Mitternacht, als wir todmüde die Zimmertür aufschließen.

Key West- Sunset
Key West- Sunset

Am Donnerstag haben wir etwas mehr Schlafbedarf und machen uns erst gegen 11:00 Uhr auf Hwy1 auf den Weg über die Keys zurück nach Key Largo. Hier kaufe ich mir in einem Divers- Outlet einen Tauch Shorty und Füßlinge. Gegen 13:30 Uhr geht es weiter über Florida City, wo wir unseren Chevy betanken und uns einen King- Burger genehmigen. Wir fahren nun die Ostküste rauf bis Miami und halten uns auf der A1A, die als Ocean Drive auf die vorgelagerte Insel Miami Beach in das berühmte Art & Deco District führt. Wir sehen uns am recht vollen Strand um, von dem die pastellfarbenen Häuser hinter grünen Palmen im Kontrast mit dem türkisblauen Meer ein besonderes Flair erzeugen. Neben uns Touries laufen hier viele betont schöne, aber auch suspekte Gestalten herum. In einer Bar trinken wir noch eine Coke und tun das, was hier offensichtlich alle tun- Sehen und gesehen werden.

Miami Beach
Miami Beach

Ich erinnere mich, dass wir uns im Bereich Miami tatsächlich einmal dort verfahren haben, wo uns allein die Endzeit- Kulisse aus Mülltonnen und Autowracks Warnhinweis genug war hier auszusteigen oder nach dem Weg zu fragen. Vielleicht durch Meldungen in den Medien nach dieser Reise besonders sensibilisiert, hörten wir immer wieder von Raubüberfällen, auch mit tödlichem Ausgang. Ein prominenter Mord ereignete sich am 15. Juli 1997 am berühmten Modedesigner Gianni Versace auf der Treppe vor seiner Villa am Ocean Drive N°1116. Bei unserer Durchfahrt entlang der A1A geben Hinweisschilder die Frequenzen eines Radiosenders in verschiedenen Sprachen an, im Radio erhalten wir so in deutscher Sprache Sicherheitsratschläge für die Durchfahrt durch den Ballungsraum Miami und bleiben brav auf der A1A. Miami scheint auch für die „Bad Boys“ ein heißes Pflaster zu sein.

Cruizing East-Coast Florida
Cruizing East-Coast Florida

Wir lassen North Miami hinter uns und fahren durch Fort Lauderdale. Auf einer Strecke von gut 60 Kilometern bis hinauf nach Palm Beach durchfahren wir einen dicht bebauten Küstenstreifen. Auf Privatgrundstücken mit Anwesen, deren Ausmaße uns an Barockschlösser in unserer alten Welt erinnern, haben sich die Gewinner des amerikanischen Traums eingerichtet. Auch das Privatanwesen des aktuellen Sonnenkönigs im Weißen Haus befindet sich hier. Der Prunk erreicht in Palm Beach seinen Höhenpunkt. In Jupiter fahren wir dem Sonnenuntergang entgegen und checken im Paja Villas Motel ein. Der freundliche Portier gibt uns die Schlüssel für ein geräumiges Zimmer für 50 Dollar die Nacht. Bei „Schooners- Seafood“ gibt es köstliche Stone Crabs. Den Krabben wird nur eine Schere entfernt, die innerhalb weniger Jahre wieder nachwächst. Mit Limettenbutter ist das weiße Fleisch im Innern der Scheren eine echte Delikatesse.

J.F. Kennedy Space- Center auf Cape Canaveral
J.F. Kennedy Space- Center auf Cape Canaveral

Am Freitag um 8:30 Uhr fahren wir die Küstenstraße weiter nach Norden. Die Ostküste Floridas ist auf unserer Route über Fort Pierce weiterhin stark urbanisiert. Das heutige Ziel ist das J.F. Kennedy Space- Center auf Cape Canaveral. In Cocoa Beach machen wir vor unserem Besuch des Weltraumbahnhofs gegen 11:30 Uhr noch ein Zimmer im Ocean Star- Motel klar. Über die A1A und Hwy1 erreichen wir den NASA- Causeway, der uns über eine Brücke auf Merrit Island bringt. Seit meiner Kindheit verfolge ich fasziniert die bemannten Raketenstarts von der Startrampe des Kennedy Space- Centers, die seit 1968 bis 1975 mit der gigantische Saturn V- Rakete ausgeführt wurden. 1969 war ich 6 Jahre alt und lauschte den Ausführungen Heinrich Schiemanns, der als Wissenschaftsjournalist dem deutschen Publikum die Apollo 11 Mission live kommentierte.

Space Shuttle "Explorer"
Space Shuttle „Explorer“

„Es ist ein kleiner Schritt für einen Menschen…“- diesen berühmten Satz sprach Neil Armstrong am 21.7.1969 als er beim Verlassen der Landefähre den ersten Fußabdruck eines Erdlings in den Staub der Mondoberfläche setzte. Ich war noch ein Knirps, als ich dieses Ereignis am heimischen Schwarzweiß- Röhrenbildschirm in der damals noch gruseligen Bild- und Tonqualität verfolgt habe. Auf Cape Canaveral folgte ab 1981 der erste Start des Space-Shuttle- Programms, das nach zwei katastrophalen Unfällen 1986 (Challenger) und 2003 (Columbia) durch George W. Bush im Jahr 2004 eingestellt und 2011 endgültig beendet wurde. Seit 2020 finden die bemannten Raumflüge zur internationalen Raumstation mit der wiederverwendbaren Rakete Crew Dragon des privaten US- Raumfahrtunternehmens Space X statt.

Bild aus dem IMAX- Film „The Dream is Alive“
Bild aus dem IMAX- Film „The Dream is Alive“

Den Astronauten der Challenger- Katastrophe ist ein mechanisch zur Sonne ausgerichtetes Denkmal gewidmet. Auf dem Gelände sind die Raketen, allen voran eine Saturn Ib im Original ausgestellt. Die noch größere Saturn V wird leider gerade restauriert. Das Space- Shuttle „Explorer“ darf begangen werden. Auch die Bilder des IMAX- Films „The Dream is Alive“ auf der großen Leinwand sind beeindruckend. Mit der „Red-Tour“ befahren wir das Gelände des Space- Centers und sehen dabei das Headquater, die NASA- Industrial- Area und das 180 Meter hohe VAB (Vehicle Assembling Building). Alle Raketen und Space- Shuttles wurden und werden hier montiert. Von hier führt eine Raupenspur, auf der die montierten Raumschiffe mit 2mi/h von der Montagehalle zum Launch- Complex 39A oder B rollen. Derzeit sind leider keine Starts geplant, der nächste Shuttle- Start findet erst am 16. Mai statt. Es ist 17 Uhr als wir durch den Raketenpark das Gelände verlassen und zurück nach Cocoa Beach fahren. Wir erfrischen uns mit einem Bad im herrlich kühlen Wasser des Atlantiks und drehen noch eine Runde am Strand. Gegen 20 Uhr gehen wir zum Duschen ins Motel, um uns dann in Cocoa Beach ein Restaurant zu suchen. Am belebten Pier trifft sich die Beach- Szene und wir finden einen Tisch im „Marlin“ auf dem Boardwalk. Zum vorzüglichen Essen ist die laute Lifemusik leider etwas störend.

Daytona Beach
Daytona Beach

Es ist Samstag und gegen 9 Uhr fahren wir los über die A1 und die Interstate 95 bis Port Orange. Dort befahren wir über eine Beach- Ramp den Strand mit 10mi/h nach Norden bis Daytona Beach. Hier trifft man sich mit mehr oder weniger aufgemotzten Karren am Strand. Wir nehmen hinter Daytona Beach nun Kurs über die I95 Süd und weiter über die I4 nach Orlando. In Orlando decken wir uns für unsere zweite Woche in Florida mit Vorräten ein. Es ist 17 Uhr als wir über die I95, 17, 44, 75 und 27 nach Williston südwestlich von Gainsville fahren. Nordwestlich von Williston liegt „Devil‘s Den“, das Gelände mit der Tauchschule von Kurt, wo wir gegen 20 Uhr ankommen. Nach herzlicher Begrüßung zeigt uns Kurt unsere Cabin. Es ist eine hübsche Ferienwohnung mit einer Veranda davor. Wir wollen noch ein paar Sachen besorgen und treffen im kleinen Ort Williston im großen Win Dixie- Supermarkt auf unsere Tauchkollegen aus der Dominikanischen Republik. Wir haben viel zu erzählen und sitzen nach dem Einkauf noch lange auf der Veranda vor unserer Cabin.

Devil's Den- Williston
Devil’s Den- Williston

Am Sonntag ziehen wir in eine andere Cabin um, die mit einer gemeinsamen Terrasse direkt neben der von Andi, Stefan und Robert liegt. Zusammen haben wir in der Padi- Tauchschule in Maspalomas in der Dom-Rep die Tauchausbildung zum Open Water Diver absolviert. Hier mitten in Florida wollen wir nun den Advanced- Kurs angehen. Getaucht wird hier in den Springs, die aus der Karstlandschaft in Form von Seen, Caves und Caverns entspringen. Um 9 Uhr ist Treffpunkt mit Kurt an der der Tauchschule, wir tauchen heute hier im Devil’s Den in einer nach oben offenen Grotte, in die wir über einen hölzernen Treppenabgang einsteigen. Das klare Quellwasser tritt aus dem Kalk- Untergrund Floridas zu Tage und bietet enorme Sichtweiten unter Wasser. Wir werden uns nur in Caverns begeben, also Bereiche mit Tageslichteinfall. Das Eintauchen in Caves ist ein hochgefährliches Unterfangen und Kurt berichtet uns von erfahrenen Tauchern, die kürzlich in die hiesigen Caves eingetaucht sind, dabei die Orientierung verloren haben und in dem Labyrinth- System ertrunken sind. Sie konnten nach langer Suche nur noch tot geborgen werden.

Cavern- Diving im Devil's Den
Cavern- Diving im Devil’s Den

Nach einem halben Jahr haben wir noch nicht alles verlernt, was wir in der Karibik verinnerlicht haben. Das Austarieren des Jackets unter Wasser bedarf allerdings bei unserem ersten Tauchgang noch etwas mehr Feingefühl. Obwohl zur Leihausrüstung ein langarmiger und -beiniger Tauchanzug gehört ist uns nach einer Stunde schon etwas kühl. Dorothee ist bisher noch nicht mit Gerät getaucht. Nachdem sie am Nachmittag einen Schnuppertauchgang im Pool absolviert hat unternimmt sie einen ersten Tauchgang mit Kurt im Devil‘s Den. Danach steht auch für Dorothee fest, dass sie in dieser Woche das Brevet zum OWD angehen wird. Da sie gleich um 18:00 Uhr mit der Theorie in der Tauchschule beginnt, gehe ich mit meinen „Buddys“ für 1 Stunde in Williston Tennis spielen. Am Abend fahren wir alle etwa 15 Meilen über die 27 nach Süden Richtung Ocala und essen zusammen im „Homestretch“- Restaurant, auf das ich beim Schreiben dieses Berichts 30 Jahre nach unserer Reise keinen Hinweis mehr im Netz finde. Ich weiß aber noch genau, dass es hier sauleckeren Key Lime Pie zum Nachtisch gab.

Manatee State-Park
Manatee State-Park

Am Montagmorgen geht es mir zunächst nicht gut, vielleicht war eins der Biere gestern Abend schlecht? :-)- in jedem Fall plagen mich Kopfschmerzen und Übelkeit. Treffpunkt ist wieder 9:00 Uhr an der Tauchschule, von wo wir heute mit Kurts Van zum Manatee State-Park fahren. Hier widmen wir uns den für den AOWD erforderlichen Kurspunkten Kompassnavigation, Suchen und Bergen. Der Ort ist das „Catfish-Hotel“, ein See dessen Wasseroberfläche von Wasserpflanzen (Entengrütze?) bedeckt ist. Das Wasser darunter ist allerdings kristallklar, zumindest bis Andi, Stefan, Robert und ich uns daran machen, den von Kurt erteilten Auftrag im See auszuführen. Das Austarieren bleibt ein Thema und Kurt teilt uns nach unserem Tauchgang mit, dass er diesen See lange nicht mehr so aufgewühlt und trübe erlebt hat. Dorothee unternimmt dann mittags einen Tauchgang im Manatee Springs. In der Zwischenzeit miete ich mir mit Robert für 4,75 Dollar pro Stunde ein Kanu und paddele aus dem Seitenarm bis zur Einmündung in den Suwannee- River. Wir sehen viele Wasserschildkröten am Ufer, vor Alligatoren wurden wir gewarnt, gesehen haben wir keine.

Manatees in der Auffangstation
Manatees in der Auffangstation

Hier im Manatee State-Park halten sich die Seekühe (Manatees) im Bereich der Flüsse und Quelltöpfe eher im Winter auf, zurzeit ziehen sie die Nähe zum Meer vor. Vor diesen Tieren braucht man keine Angst zu haben, es sind gutmütige Geschöpfe, die als reine Pflanzenfresser die Seegrasweiden abgrasen. Es muss ein Erlebnis sein mit den Tieren zusammen zu tauchen. Die Frau vom Kanuverleih berichtet uns gestern eine Mutter mit einem Jungtier im gerade noch besuchten Fluss gesehen zu haben. Am Mittag gehen wir zusammen mit Kurt etwas essen, wonach wir uns zu unserem nächsten Tauchgang im Manatee Springs rüsten. Für die geplanten Tauchgänge in den Caverns sollen wir hier in aller Ruhe noch einmal das Austarieren trainieren, was in geringer Tiefe Fingerspitzengefühl erfordert. Beim Auftauchen am Ufer bin ich Auge in Auge mit einer Schlange- einer eher ungiftigen Southern Water Snake, die allerding auch schmerzhaft beißen kann.

Manatee Springs
Manatee Springs

Gut 40 Minuten fahren wir zurück zum Devil’s Den, wo wir die Sachen abladen, das Material abwaschen und einräumen. Während Doro sich ihre nächsten theoretischen Einheiten abholt vergnügen wir uns im Pool. Um 20 Uhr suchen wir in Williston das „Fugates- Country Gourmet“- Restaurant auf. Man wollte gerade schließen und nur für uns wird der Herd noch mal angeworfen. Wir essen sehr gut, Bier oder andere alkoholische Getränke gibt es in einem Family- Restaurant wie hier nicht. So trinken wir auf unserer Veranda noch etwas kalifornischen Wein, während es in der Ferne kräftig gewittert. Die Frosch- Comunity im Lake unterhalb unserer Veranda intoniert dazu ein lautstarkes kakophones Quakkonzert in diversen Tonlagen.

Williston Fugates- Country Gourmet- Restaurant
Williston Fugates- Country Gourmet- Restaurant

Am Dienstag ist das Wetter leider immer noch regnerisch, wobei uns Kurt versichert, dass sich eine solche Wetterlage in Florida nicht lange hält. Wir verschieben die heutige Abfahrt zum nächsten Tauchspot um zwei Stunden auf 11 Uhr. Auf der kurzen Anfahrt nach Westen auf Hwy 27 wird es deutlich heller und beim Eintreffen an der „Blue Grotto“ westlich von Williston scheint schon wieder die Sonne. In dieser Grotte werden wir heute unseren für den AOWD geforderten Tieftauchgang bis auf 90 Fuß, also ungefähr auf 30 Meter unternehmen. Wir haben Aufgaben erhalten, wie zum Beispiel eine Mutter auf eine Schraube zu drehen. Der Tauchgang läuft super, allerdings mache ich bei diesem tiefen Tauchgang die Erfahrung, dass ich offensichtlich meine Aufgabe mit der Schraube komplett vergessen habe. Der enorme Wasserdruck verändert auch die kognitiven und motorischen Fähigkeiten, hätte ich dran gedacht hätte ich wohl gemerkt, dass das Gehirn eine so einfache Aufgabe in 30 Metern Tiefe nicht so einfach erledigt.

Grafik der Cavern "Blue Grotto"
Grafik der Cavern „Blue Grotto“

Das Auftauchen mit dem Blick zum Tageslicht, das die Grotte in blaues Licht taucht ist traumhaft. Dort wo die aufsteigende Atemluft sich unter den Felsen fängt glitzert es wie Quecksilber. Während wir im oberen Teil der Grotte noch unsere letzte Luft aus der Flasche verbrauchen steigt Kurt mit Doro zu ihrem dritten Tauchgang ein. Unter einer luftgefüllten Plexiglasglocke treffen wir uns zum Smalltalk, ich tauche auf, lege Jacket und Flasche ab und tauche noch einmal auf 3 Meter hinunter zu Doro. Während sie ihre Tarierübungen durchführt atme ich an ihrem Oktopus (2.Lungenautomat) bis wir zusammen auftauchen. Den Nachmittag verbringen wir am Pool und vergnügen uns mit „Lady“, dem hier ansässigen Hund. Nach Doros Theorieeinheit rüsten wir uns für den Nachttauchgang im Devil’s Den. Einstieg in das dunkle Loch ist um 20:30 Uhr im Schein unserer Lampen, mit denen wir den schon bekannten Tauchplatz noch einmal völlig neu erkunden. Felsspalten und Löcher sind mit Gittern und Warntafeln versehen, aus den Gründen die ich bereits oben erwähnt habe.

BBQ bei Kurt und Bea
BBQ bei Kurt und Bea

Höhepunkt bei diesem Nachttauchgang ist Kurts Magic Light- Show, bei der er Leuchtstäbe in der Dunkelheit zündet. Eine unglaubliche Wirkung entfaltet der freigelassene fluoreszierende Inhalt eines Leuchtstabs. Bei ausgeschalteter Unterwasserlampe schweben wir scheinbar in einem funkelnden Universum aus Sternen. Kurt lädt uns heute Abend mit seiner Frau Bea und Sohn Sandy zum BBQ ein. Es wird ein langer geselliger Abend, an einem langen Tisch unter dem Vordach des Pferdestalls. Bea hat hier ihre Pferde untergebracht, mit denen sie auch Ausritte anbietet.

Ginnie Springs
Ginnie Springs

Am Mittwoch haben wir sonniges Wetter und treffen uns nach dem gemeinsamen Frühstück auf der Veranda zur Abfahrt nach Ginnie Springs. Dieser Park liegt mit einer Anfahrt von etwa 40 Minuten nordwestlich von Gainsville. Heute fahren wir mit drei Autos, da noch zwei Taucher aus Berlin dazu gekommen sind. Auch sie haben im letzten Jahr mit dem Tauchen in der Dom-Rep angefangen. Wir beginnen mit einem Cavern- Tauchgang im Devil’s Ear. Hier müssen wir uns gegen die Strömung am Fels entlang in die Tiefe ziehen, bis ein waagerechter Gang in einen größeren Raum führt. Ab hier endet unser Cavern- Bereich, in dem noch das Tageslicht wahrnehmbar ist. Ein Verbotsschild zeigt den Einstieg in den Cave- Bereich an, wo das Tageslicht verschwindet. Mit enormer Strömung tauchen wir aus Devil`s Ear auf. Doro hat in der Zwischenzeit zusammen mit den beiden Berlinern eine Runde mit dem Kanu gedreht.

Ginnie Springs- Unglaublich klares Wasser
Ginnie Springs- Unglaublich klares Wasser

Wir verlagern uns am Nachmittag zum nach oben offenen Quelltopf Ginnie Springs, mit so klarem Wasser dass wir eine erstaunliche Sichtweite bei unserem Tauchgang haben. Hier macht Doro zusammen mit Kurt und den Berlinern ihren nächsten OWD- Tauchgang. In der OWD- Ausbildung muss jederzeit ein direktes Auftauchen nach oben möglich sein. Auch ich mache mit meinen Buddys nach dem Mittagessen einen weiteren Tauchgang an diesem Platz. Wir tauchen in die 17 Meter tiefe Höhle bis zu einem Gitter ein, aus der das Quellwasser mit enormem Druck aus den Tiefen des Karsts entspringt. Kurt lässt mich mit Robert und Andy zu unserem ersten eigenverantwortlich durchgeführten Tauchgang unter Wasser. Stefan zieht es heute Nachmittag vor die Seele baumeln zu lassen, denn es ist einfach traumhaft schön im Wald von Ginnie Springs. Auch Dorothee taucht mit Kurt zusammen an das vergitterte Mundloch der Quelle, obwohl das aus genannten Gründen kein offizieller OWD- Tauchgang ist. Es war ein langer Tag und nach unserer Rückkehr zum Devil`s Den gegen 19 Uhr muss Doro noch einmal auf die Schulbank in der Tauchschule. Um 20:15 Uhr holen wir sie dort ab und fahren zum schon bekannten „Fugates“- Family- Restaurant in Williston. Wieder essen wir hier sehr gut bei den freundlichen Leuten.

Orlando- MGM-Studios und Lake Eola
Orlando- MGM-Studios und Lake Eola

Den Donnerstag haben wir dann zur freien Verfügung und Dorothee und ich fahren nach Orlando in einen der zahlreichen Vergnügungsparks. Da wir in Kalifornien bereits die Universal- Studios und Sea World besucht haben, entscheiden wir uns hier mit den MGM (Metro Goldwyn Meyer)- Studios für einen der Disney- Parks. Ab 11 Uhr verbringen wir den Tag mit abgefahrenen Shows und Attraktionen wie der Indiana Jones Stunt- Show, den Muppets in 3D-Vision, einem Star Wars Weltraumflug und einer Fahrt durch den Katastrophen- Canyon. Was mich allerdings am meisten beeindruckt ist der Tower of Terror. Völlig naiv stellen wir uns bei dieser Attraktion an und gelangen in einen Hoteleingang, wo wir durch verschiedene Räume den Liftbereich erreichen. Als die Aufzugstür sich öffnet nehmen wir Platz auf den darin befindlichen Sitzplätzen. Nachdem sich ein Sicherheitsbügel schließt wünscht uns der skurrile Liftboy mit einem sadistischen Grinsen: „Enjoy- if you can!“. Na gut- nachdem sich die Aufzugtüren geschlossen haben fahren wir laut Anzeige in den 13. Stock und rumpeln mit dem Eindruck einer psychodelischen Geisterbahnfahrt mit wirklich tollen Effekten durch einen virtuellen Raum. Womit ich ehrlich nicht gerechnet habe ist, dass uns plötzlich das grelle Sonnenlicht Floridas ins Gesicht scheint. Während tief unter uns der Park und das Umland von Orlando liegen, reißt gefühlt das Aufzugseil und wir stürzen in die Tiefe. Heute kennt man sowas natürlich auch bei uns als Freifallturm, 1996 war eine so krasse Attraktion zumindest in Deutschland noch nicht bekannt.

Stellina Diving- Williston Florida
Stellina Diving- Williston Florida

Wir machen einen kurzen Abstecher nach Orlando Downtown zum Lake Eola- Park und kehren gegen 19 Uhr zum Devil’s Den zurück, wo Doro sich wieder der OWD- Theorie widmet. Auch die Nachbarjungs sind von ihrem Trip zurück. Wir besorgen bei KFC alles für ein Fastfood- Bankett auf unserer Veranda und haben uns viel zu erzählen von den heutigen Ausflügen. Am Freitag habe ich einen Termin auf dem Williston- Airport. Kurt macht hier gerade seine Ausbildung zum Piloten und da ich an dem Thema sehr interessiert bin rät er mir doch mal bei seinem Ausbilder Bob vorbeizuschauen. Wir müssen früh aufstehen, denn ich werde mit Dorothee und Andy bereits von Bob Pratt erwartet. Bob ist ein älterer Herr, der gerade mit seinen Fliegerkollegen an dem Motor einer Maschine im Hangar arbeitet.

Williston- Arnd mit Piper Cherokee
Williston- Arnd mit Piper Cherokee

Nach einem kurzen Briefing zeigt mir Bob seine Piper Cherokee und erklärt mir Grundsätzliches über die Funktionen des einmotorigen Viersitzers, in dem auch Doro und Andy Platz haben. Um 8 Uhr rollen wir zur Runway des kleinen Flughafens. Bob startet die Maschine und erreicht schnell die Höhe von 1000 Fuß, also etwas mehr als 300 Höhenmetern und einer Reisegeschwindigkeit von 85mi/h (138 km/h). Ich übernehme das Ruder der Maschine und habe eigentlich nur die Aufgabe die Piper auf 1000 Fuß zu halten. Die Route, auf der ich von Bob zu gelegentlichen Kurskorrekturen aufgefordert werde führt uns über Williston, den Devil’s Den und den Rainbow River, wo wir morgen tauchen werden. Weiter geht es mit Kurs Südwest bis an die Golfküste bei Yankeetown. Von hier fliegen wir ein Stück die Küste in nördlicher Richtung bis zur Wacasassa Bay hinauf.

Flugstunde über Florida
Flugstunde über Florida

Mit der Insel Cedar Island auf der linken Seite folgen wir ein Stück dem Wacasassa River landeinwärts. Wir überfliegen eine sehr wasserreiche Gegend und sehen auch ein Kraftwerk mit Kühltürmen. Bob kennt die Gegend wie seine Westentasche und lotst mich entlang der Highways unter uns, die wir zur Navigation zurück nutzen. Kurs und Höhe halten ist meine Aufgabe bis wir das Airfield von Williston links unter uns ausmachen. Bob übernimmt wieder das Ruder, nimmt Schub weg, fährt die Landeklappen aus und setzt nach einer Landekurve sanft auf der vor uns liegenden Piste in südwestlicher Richtung auf. Wir hatten einen angenehmen Flug mit Bob, der mir in seinem Büro mein Pilot’s Logbuch überreicht. Leider ist diese Flugstunde, die damals 67 USD (100 DM oder heute 50 Euro) gekostet hat bis heute der einzige Eintrag geblieben.

Arnd und Dorothee auf Candy
Arnd und Dorothee auf Candy

Am Nachmittag treffen wir uns am Pool, wo wir ordentlich Sonne abbekommen. Doro, Andy und Stefan treffen sich mit Beatrice zum Ausritt. Ich reite nicht zusammen mit Doro, da uns vom Körpergewicht der etwas robustere Wallach Candy zugeteilt ist. Doro ist begeistert von ihrer Erfahrung hoch zu Ross als sie nach etwa 1 Stunde wieder zurück ist. Ich reite dann danach auf Candy zusammen mit Bea und Robert. Nach einer Unterweisung in dieser für mich völlig neuen Fortbewegungsart auf dem Pferderücken erlebe ich bald den immensen Unterschied zwischen Trab und Galopp, der den ungeübten Reiter wie mich leicht aus dem Sattel hauen kann. Ich merke schnell, dass der Hintern aus dem Sattel muss, damit das nicht passiert. Eine tolle erste Erfahrung und stolz wie einer der „Leute von der Shiloh Ranch“ kehren auch wir zurück zu Bea‘s Stall.

Die Leute von der Ranch
Die Leute von der Ranch

Doro hat heute ihre letzte Theoriestunde und legt direkt im Anschluss erfolgreich die Prüfung zum Open Water Diver ab. Am Morgen nach dem Flug haben wir zusammen eingekauft, da wir heute Abend Bea und Kurt zum BBQ einladen. Kurt hat den Manager der Anlage, den wir selbst nie zu Gesicht bekommen haben gebeten zwei Grills und einen Tisch an unseren Cabins aufzustellen. An unserem Grillevent nehmen auch die beiden Berliner teil, denn Kurt händigt uns allen heute unsere Brevets aus. Er mahnt uns allerdings auch als frischgebackene Advanced- OWD zu bedenken, dass wir uns die noch fehlende Erfahrung nur durch weitere Tauchgänge holen können. Der Abend ist ein vorweg genommener Abschluss dieser Woche mit Kurt und unserer Zeit in Florida, allerdings haben wir morgen noch einen ganzen Tag mit Programm vor uns.

BBQ mit Brevet- Überreichung
BBQ mit Brevet- Überreichung

Am Sonntag treffen wir uns auch wieder um 9 Uhr, wobei ich mit Robert heute den ersten Ausritt mit Bea mache, die die Pferde bereits gesattelt hat. Candy ist sehr gutmütig und wechselt gerne auch mal auf den weiten Wiesen und Weiden aus dem schnellen Trab in den Galopp, wobei ich mich leicht aus dem Sattel erhebe und mich gut am Sattelknauf festhalte. Auch diesmal hat es mir wieder viel Spaß gemacht und Bea sieht bei mir durchaus Reitertalent ;-). Ich übergebe Candy an Doro, die sich nun mit Bea und den anderen Beiden auf ihren Ausritt begibt. Ich bleibe noch etwas an unserer Cabin und nachdem die Gruppe vorbeireitet begebe ich mich an den Pool. Es dauert eine Weile bis alle vom Stall zurückkehren und ich ahne Ungutes, als Doro mit dem Auto gebracht wird und humpelnd aussteigt. Kurz und bündig ist Doro beim Galopp aus dem Sattel gestürzt, als das Pferd nach links ausgeschert ist. Hart auf Gesäß und Rücken aufgeschlagen hatte sie erst Kreislaufprobleme und nun starke Schmerzen im rechten Bein.

Frühstück auf unserer Veranda
Frühstück auf unserer Veranda

Nach diesem Schreck und einer orientierenden Untersuchung beschließen wir, dass zumindest nichts gebrochen ist. Wir essen mittags auf unserer Veranda einen Haufen Chicken- Strips vom Hühner- Bräter Colonel Sanders. Es steht ein letztes Tauch- Event an, zu dem wir uns um 13:30 Uhr mit Kurt treffen. Mit dem Van geht es zum Rainbow- River, den wir auf unserem Flug bereits von oben gesehen haben. Wir werden einen Strömungstauchgang in dem Fluss unternehmen, nachdem wir vom Rainbow Springs- State-Park mit dem Boot ein ganzes Stück stromaufwärts gebracht werden. Wir sind nicht unter uns, denn auf dem Boot befinden sich noch einige andere Taucher. Am Boot schnorcheln wir etwas umher und legen dann die Ausrüstung an. Mit der Strömung des Rainbow Rivers lassen wir uns fast eine Stunde lang über den Grund des Flusses treiben und sehen dabei auch große Fische mit spitzem Maul, die man Garfish (Hornhecht) nennt. Interessant sind Stellen im Flussbett, an denen etwas Sand aufgewirbelt wird, es sind Zuströme die durch Karstspalten den Rainbow River nähren.

Mit dem Tauch-Boot auf dem Rainbow-River
Mit dem Tauch-Boot auf dem Rainbow-River

Kaum haben wir die Tauchgeräte auf dem Boot abgelegt fängt es fürchterlich an zu hageln. Mit dem Boot fahren wir zum Auto zurück und dann weiter zu unserem Domizil bei Williston. Das Tauchen war für Doro ganz ok was ihr Bein angeht, sie ist jetzt wieder arg geplagt von Schmerzen, die aus der Leiste Richtung rechtem Bein ausstrahlen. Auch unseren letzten Abend in Williston haben wir Tauch- Azubis zusammen mit Kurt, Bea und Sandy verplant. Dafür fahren wir über Hwy27 in nordwestlicher Richtung nach Bronson, wo am heutigen Samstag ein Speedway- Rennabend stattfindet. Wir decken uns mit Getränken und Essen ein und verfolgen das Geschehen von der Tribüne aus, wo sich die ersten Rostlauben auf dem Oval mit seinen angeschrägten Kurven immer links herum eine Hatz liefern.

Sonnenuntergang auf dem Highway
Sonnenuntergang auf dem Highway

Mit jedem Lauf werden die Autos größer und die Motoren lauter, wobei der Zustand der Fahrzeuge in den höheren Klassen auch besser erscheint. Ein Aufschrei geht durch die Zuschauerränge, als eins der Fahrzeuge im Kurvengerangel geradeaus in eine Betonwand kracht. Um keine schlechte Stimmung aufkommen zu lassen wird uns versichert, dass alles gut sei und dass wir einfach weiter Spaß haben sollen. Dabei wird aber zunächst eine Hubschrauberlandung angekündigt, während der Fahrer von der Feuerwehr aus seinem Auto geschnitten wird. Der Transport ins Krankenhaus geschieht dann doch mit dem Rettungswagen. Kaum abtransportiert geht das Spektakel mit der nächsten Hubraum- Klasse weiter. Zurück an unserer Cabin schlafen wir heute ein letztes Mal begleitet vom Chor der Frösche ein.

Candy
Candy

Am Sonntag haben wir noch nichts zusammengepackt und müssen daher zeitig aufstehen. Wir erledigen das nach dem Frühstück und sind gegen 11 Uhr abfahrbereit. Wir treffen uns noch einmal alle zusammen in der Tauchschule und überreichen Kurt und Bea bei der Verabschiedung ein Geschenk. Es war eine tolle Woche mit fantastischen Eindrücken, die wir hier in Florida nicht nur beim Tauchen und beim Reiten gesammelt haben. Bei unseren sympathischen Gastgebern haben wir uns mehr als wohlgefühlt. Um 11:30 Uhr geht es dann für Doro und mich zurück zum International Airport südöstlich von Orlando. Um 13:15 Uhr geben wir den Chevy bei Avis ab und begeben uns nach reibungslosem Check-in zum Gate. Wir haben noch ein gutes Zeitpolster bis zum mit fünfzehn Minuten leicht verspäteten Boarding um 16:30 Uhr. Es wird bis zum Betreten der Boeing 767 der LTU doch 17 Uhr und 17:30 Uhr bis zum Take-off, diesmal Richtung Düsseldorf.

Orlando- Düsseldorf
Orlando- Düsseldorf

Wir haben locker geplant Kurt im nächsten Jahr in seiner neuen Tauchschule auf Sansibar zu besuchen. Den Reiseführer haben wir bereits gekauft, als Doro mir im Spätherbst nach dieser Reise mitteilt, dass wir Eltern werden. Im Juli des folgenden Jahres ist es dann unsere Tochter Anne, die in den Mittelpunkt unseres Lebens tritt.

Arnd Korbmacher

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