Jahreswechsel 2025 im Val di Sole bei unseren Freunden in Vermiglio
Nachdem wir den letzten Jahreswechsel in der Heimat bei Tina gefeiert haben, werden wir uns in diesem Jahr bei unseren italienischen Gastgebern und Freunden im Val di Sole in Vermiglio einfinden. Wir haben einen Jahreswechsel nun bereits über sechzig Mal in unserem Leben feiern dürfen. Eine große Party und die Nacht durchfeiern steht für uns nicht mehr an erster Stelle, auch Walter und Sylvana gehen das neue Jahr eher ruhig an. Ich arbeite am zweiten Weihnachtstag bis zum Samstagmorgen im Krankenhaus. In der Nacht hatte ich ausreichend Schlaf, so dass wir uns am Vormittag auf den Weg Richtung Alpen machen können. Da unser Auto uns mit einer Motor- Warnmeldung am Vortag einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, musste ein Notfallplan an den Start.

Mit der Buchung eines Leihwagens am Düsseldorfer Flughafen für die nächsten neun Tage haben wir das Problem gelöst. Wir erhalten einen Mercedes A 180 und mit Auslands- Aufschlag sind die 350 Euro für die Anmietung in Anbetracht der Option gar nicht zu fahren überschaubar. Da wir deutlich weniger Platz an Bord haben, lassen wir einfach einiges zu Hause und nehmen nur die Pistenausrüstung mit. Die 150 PS bringen uns gut voran und so erreichen wir unser vorgebuchtes Quartier in Oettingen im bayrischen Schwaben am frühen Abend. Das Hotel selbst ist ein Fachwerkhaus, das kernsaniert mit modernem Anbau als Tagungshotel mitten im hübschen Ortskern liegt. Bekannt durch die hiesige Brauerei hat die Stadt auch ein Schloss. Wir essen gut im einfachen Restaurant, im Kellergewölbe gibt es auch einen Fine- Dining- Bereich für den es aber eine Vor- Anmeldung braucht.

Zeitig geht es am Sonntag entlang der Donau über Donauwörth durch vernebelte Auen mit reifbelegten Bäumen. Am Kloster Ettal, an Garmisch mit der Zugspitze und an Mittenwald vorbei überwinden wir auf dem Weg zum Brenner den Scharnitz- Pass 955m und den Seefeld- Sattel 1185m ohne Stau. Mit der Wahl unserer Reiseroute haben wir alles richtig gemacht, denn die Meldungen vom Fernpass mit bereits laufender Blockabfertigung sind eher ernüchternd. Es ist eine sehr entspannte Fahrt mit einer zulässigen Geschwindigkeit von 110 km/h auf der Brennerautobahn. Allerdings entwickelt sich eine unschöne und zuletzt hochgefährliche Verkehrssituation durch ein aggressiv von hinten drängelndes BMW- SUV (rotmetallic Lackierung aus GAP), der während meines Überholvorgangs mehrfach kriminell von hinten aufschiebt. Dabei wirkt die bedrohlich nahe BMW- Niere im Rückspiegel wie ein riesiger Arsch, möglicherweise der treffliche Avatar dieses Fahrers- denke ich mir noch- da fliegt der rote Spähpanzer mit massiv erhöhter Geschwindigkeit durch eine sehr enge Lücke rechts an mir vorbei und nötigt dabei auch noch das von mir gerade überholte Fahrzeug. Mit meiner bereits gesetzten Anzeige für den geplanten Spurwechsel nach rechts geht dieser Psychopath damit bewusst das volle Risiko für einen folgenschweren Unfall ohne Plan B ein (kein Pannenstreifen) und bläst mit seiner Amokfahrt zur nächsten Attacke.

Wir erreichen das Val di Sole über das Nonstal und gehen in Malè noch einkaufen, bevor wir unser Domizil im Ortsteil Cortina in Vermiglio erreichen. Über das B&B Magnini von Walter und Sylvana habe ich bei unseren früheren Aufenthalten eigentlich schon alles geschrieben. Nach einem ersten Austausch mit den Beiden treffen wir uns um 19 Uhr mit Mirco, dem Hüttenwirt der Denza- Hütte und seiner Frau Erika in der Pizzeria „Dossi“, wo wir auch freudig von Valentina und Fabio empfangen werden. Es ist ein kurzweiliger Abend mit einer erstklassigen Pizza aus Fabios Ofen. Am Montag fahren wir ganz entspannt gegen 10 Uhr zum Passo Tonale, wo wir einen bislang unbekannten Trubel und rappelvolle Parkplätze vorfinden. Zwischen den Feiertagen am Jahresende erfährt der Passo Tonale einen enormen Ansturm. Wir stellen uns die vollen Pisten im Skigebiet vor und ergreifen die Flucht zurück nach Vermiglio. In Anbetracht der Menschenmassen bereuen wir unsere Entscheidung die Tourenausrüstung nicht dabei zu haben.

Erika hat uns berichtet, dass Tageskarten in Madonna di Campiglio an solchen stark frequentierten Tagen erstmals auf 15000 Stück pro Tag limitiert werden, um eine Überfüllung der Pisten zu vermeiden. Ich hatte vor ein paar Jahren eine schmerzhafte Kollision mit einem Snowboarder, der aus dem Off auf die Piste gequert ist. Das Material ist sehr schnell geworden und es werden auch von weniger routinierten Piloten hohe Geschwindigkeiten auch auf vollen Pisten gefahren. Wir schnüren daher lieber die Wanderstiefel und fahren über Malè ins Val di Rabbi. Hier parken wir auf einem Wanderparkplatz und machen einen kurzen Rundkurs von 2,5 Kilometern. Der Weg führt steil durch den Wald hinauf zu einer Hängebrücke, die ein tiefes Bachtal mit Wasserfall überspannt. Das Problem ist der recht glatte Untergrund, der auch mit Trittsicherheit grenzwertig ist. Aber nicht nur Grödel für die Schuhe haben wir diesmal vergessen, auch der Akkulader für die Kamera liegt zu Hause.

Am Abend essen wir zusammen mit Walter und Sylvana, die eine Tortellini- Suppe vorbereitet hat. Bei uns gab es am ersten Weihnachtstag Graved- Lachs, den Dorothee selbst gebeizt hat. Eine gute Restmenge davon gibt noch einmal ein leckeres Abendessen mit Röstitalern und Salat als Beilage. Am Dienstag sind wir bereits um 9 Uhr auf dem Weg ins Pejo- Tal und finden so noch einen Parkplatz im Parkhaus an der Talstation der Gondel. Wir fahren mit der Seilbahn ganz hinauf nach Pejo 3000 und haben ein wunderbares Panorama von den Dolomiten bis zu Presanella und Adamello. Die Piste ist nicht überfüllt und wir toben uns am Vormittag mit 3 Bergfahrten auf den jeweils 1000 Höhenmetern Abfahrt aus. Über uns liegt kühn der Monte Vioz mit der gleichnamigen Hütte.

Unsere Mittagspause machen wir auf der Dos dei Cembri- Hütte, die einen modernen Anbau erhalten hat. Hier hat Sylvanas Bruder Fausto an der Umsetzung des Projekts mitgewirkt. Am Nachmittag machen wir noch eine Bergfahrt und addieren mit der Talfahrt bis hinunter nach Pejo 4500 abgefahrene Höhenmeter. Bei unseren Gastgebern haben wir wieder unser schönes Zimmer mit einer kleinen Sauna im Badezimmer, die wir gerne am Nachmittag nutzen. Heute Abend haben wir eine Reservierung in der Agritur Volpaia. Wir waren schon einmal hier, haben es aber nicht mehr auf dem Schirm, dass man einen Teil der angebotenen Spezialitäten vorbestellen muss. So haben wir nur eine kleine Auswahl der einfachen traditionellen Gerichte, die mit authentischen Zutaten lecker auf den Teller kommen. Beim nächsten Mal werden wir etwas von der Karte vorbestellen.

Wir nehmen uns am Morgen des letzten Tages des Jahres 2025 ein paar Einkäufe vor und arbeiten die Käserei in Mezzana, den Supermarkt und den Spezialitätenladen Matteotti in Cusiano ab. Die gestern abgefahrenen Höhenmeter quittieren die Beine mit einem ordentlichen Muskelkater. Wir machen heute Nachmittag nur einen ganz gechillten Spaziergang durch Vermiglio. Im ältesten Ortsteil Cortina beginnen wir mit dem Besuch eines kleinen privaten Heimatmuseums. Es ist ein Zeitsprung in das karge Leben der Menschen in den Alpentälern, wie hier in Cortina im Val die Sole, bevor Konsum und Tourismus Einzug gehalten haben. Wir haben gerade zu Hause noch den 2025 hier gedrehten Film „Vermiglio“ in der zuletzt erschienenen deutschen Übersetzung gesehen. Der Film handelt von einer Familie in der Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs. Das einfache Leben und die alten, in tiefem Glauben verwurzelten Traditionen stellt die Regisseurin Maura Delpero in dem Streifen toll in Szene. Wir erkennen einige Drehorte des Filmes wieder.

Bei unserem Rundgang verraten uns Tafeln etwas über die Geschichte der Häuser, die teilweise aus dem 16. Jahrhundert stammen. Der harten Geschichte der Menschen im Val di Sole während des Großen Krieges, womit der WWI gemeint ist, habe ich in meinen früheren Berichten immer wieder Beachtung geschenkt. Ein schweres Schicksal war die Zwangsevakuierung aus dem Kriegsgebiet, in dem sich Vermiglio im weißen Krieg wiederfand. Das Museum im Ort zu diesem Thema haben wir mehrfach besucht. Der heutige Silvestertag stimmt mit Rückblick auf das nun ausklingende Jahr nachdenklich. Auf unserer Bank vor der kleinen Kapelle im Ortsteil St. Christina genießen wir an diesem friedlichen Nachmittag die letzten Sonnenstrahlen des Jahres. Mit den europäischen und weltpolitischen Entwicklungen gewinne ich den Eindruck, dass Despoten zunehmend das Völkerrecht und diplomatische Verhandlungen ausblenden. Das Streben nach einem friedlichen Zusammenleben liegt vielleicht gar nicht in der Natur der Menschen, mit Neid und dem Streben nach Macht und Reichtum hat sich die Menschheit dagegen schon eher in die Geschichtsbücher geschrieben, Europa lag allerdings nach den beiden Weltkriegen zwei Mal in Schutt und Asche.

Wir begehen einen absolut entspannten Silvesterabend und dürfen uns in Sylvanas Küche etwas Leckeres zubereiten. Es gibt mit Käse und Specko überbackene Röstitaler mit Gurken- und Nudelsalat. Sylvana und Walter sind gegen 21:00h zurück von ihren Mamas, bei denen sie jeweils zu Abend gegessen haben. Später treffen Massimo und Barbara, die ebenfalls hier aus Milano zu Gast sind dazu und so sitzen wir in geselliger Runde zusammen bis der Countdown für das Jahr 2026 beginnt. Es wird auch hier in Vermiglio geböllert und ein wenig Feuerwerk ist über den Dächern zu sehen. In Deutschland wird aktuell zunehmend ein Verbot von privatem Feuerwerk diskutiert. In jedem Jahr hantieren Heerscharen alkoholisierter Menschen in der Silvesternacht mit Sprengstoff herum, was eigentlich noch nie eine gute Kombination war. Gezielte Angriffe auf Polizisten mit Raketen und illegal beschafften Granaten, die in Menschenansammlungen gezündet werden geben der Forderung nach einem Verbot Auftrieb. Diese Tradition hält Rettungsdienste und Feuerwehren leider jedes Jahr auf Trab.

Die morgendlichen Nachrichten am Neujahrstag berichten von Haus- und Waldbränden und von chaotischen Zuständen in der deutschen Hauptstadt im Zusammenhang mit Feuerwerk und Silvester- Feierlichkeiten, was das gerade genannte noch einmal aktuell dokumentiert. Die berühmte Vondelkirche in Amsterdam ging in der Silvesternacht in Flammen auf. Wohl durch ein Tischfeuerwerk hat ein Brand in einer Bar im schweizerischen Crans- Montana 40 Todesopfer und 118 Verletzte gefordert. Am Passo Tonale stehen am Morgen nur wenige Autos auf dem Parkplatz an der Seilbahn. Wir fahren hinauf zum Passo Presena auf 3000 Meter und genießen den Blick nach Süden auf die Gletscher zwischen Lobbia Alta und Adamello. Die Gletscherpiste fahren wir am Vormittag gleich fünf Mal bis zum Passo Paradiso auf 2587m hinab und kehren im Capanna Presena zur Mittagspause ein. Bereits auf der Dos dei Cembri- wie auch hier auf der Capanna- Hütte sind wir über den mittäglichen Alkoholkonsum einiger Wintersportler erstaunt.

Auch am Nachmittag fahren wir noch zwei Mal hinauf zum Passo Presena. Zu dieser Jahreszeit erreicht die direkte Sonne den Gletscher nicht, was auch die deutlich winterlicheren Bedingungen an der Nordseite erklärt. Gegenüber im Skigebiet an der Südseite sieht es mit Schnee abseits der Piste deutlich magerer aus. Nach zwei Saunagängen haben wir heute einen Tisch in der Maso Celesta, wo wir Deborah wieder antreffen, die bei unserem letzten Besuch am Passo Tonale beschäftigt war. Die Bude ist rappelvoll und wir essen gute Sachen in der Gaststube des Milchhofs mit seiner eigenen Käserei. Hinterher bekommen wir im „Magnini“ von Sylvana noch einen Absacker mit der Wahl eines Aufgesetzten aus Enzianwurzel oder aus Lorbeerblättern.

Am Freitag lassen wir die Ski trocken und schlafen noch einmal aus. Sylvana hat uns eine Rundwanderung oberhalb von Cortina empfohlen, die an einem aussichtsreichen Parkplatz mit einer kleinen Kapelle beginnt. Dieser Weg wurde allerdings wegen der Sichtung einer Bärenmutter mit zwei Jungbären zuletzt gesperrt. Wir fahren auf jeden Fall einmal hinauf zum Parkplatz, von dem sich ein schöner Blick über das Tal öffnet. Ein großes Schild weist auf die mögliche Präsenz von Braunbären hin. Das Bärenprojekt „Life-Ursus“ begann 1999 mit der Ansiedlung von zehn Bären aus Slowenien. Ich war oft im Naturpark Brenta-Adamello unterwegs, wissend dass es auch Bären gibt. Im Mai 2023 wurde ein junger Bergläufer allerdings Opfer einer tödlichen Bärenattacke. Seitdem ist das Thema in aller Munde, da sich die Population der Bären wohl mehr als verzehnfacht hat. Wir machen diese Runde heute nicht, allerdings können sich die gesichteten Bären mittlerweile auch schon an einem ganz anderen Ort befinden. Wenn der Bär Kontakt sucht, dann soll man sich mit den Händen im Nacken mit dem Gesicht nach unten auf den Boden legen und sich ganz ruhig verhalten.

Wir fahren talauswärts nach Mezzana und zweigen dort auf eine schmale Bergstraße ab, der wir über Ortisé bis zur Zufahrt der Malga Stabli folgen. Leider ist die Zufahrt zur Alm wegen einer Baustelle nicht möglich. Wir fahren zum kleinen Dorf Menas, wo wir oberhalb das Auto parken und hier eine kleine Runde über die Höhe machen. Sylvana hat uns geraten in Ortisé in der Apicoltura Tripodi vorbeizuschauen. Hier produziert Familie Tripodi Honig, von dem wir uns eine Auswahl mit nach Hause nehmen. Mit seinem Vater hat Sohn Matteo kalabrische Wurzeln und dort sammeln die Bienen den Citrus- Honig (Agrumi). Ein letztes Mal genießen wir unsere Sauna am Nachmittag und am Abend mit Sylvana und Walter noch eine leckere Pizza im „Dossi“. Mit unseren Gastgebern und mit Barbara und Massimo finden wir uns noch auf dem Sofa in der Gaststube zu einem Gruppenfoto und einem letzten „Enzian“ ein und gehen in Anbetracht der morgigen Rückfahrt zeitig schlafen.

Am Samstag schaffen wir es uns um 8.45 Uhr von Sylvana und Walter zu verabschieden und so zeitig über das Val di Non auf die Brennerautobahn aufzufahren. Doro hat den Stau- Radar per Google- Maps auf dem Schirm, so wechseln wir teilweise auf die alte Brennerstrasse bis Schönberg, wo wir uns wieder auf die Autobahn nach Innsbruck einfädeln. Die gleiche Route wie auf der Anfahrt führt uns nun zurück über den Seefeldsattel und den Scharnitzpass über Mittenwald nach Garmisch-Patenkirchen. Über Ettal und Oberammergau folgen wir den Landstraßen B23/ B472/B17 über Landsberg am Lech nach Augsburg und über die B2 bis Donauwörth. Auf der B25 halten wir uns bis hinter Feuchtwangen und folgen kleinen Straßen bis Wörlitz, am gleichnamigen Fluss. Hier fahren wir wieder auf die Autobahn A7 bis zur Ausfahrt 107 Bad Windsheim.

An der Alpennordseite liegt deutlich mehr Schnee, mit schwindendem Tageslicht beginnt es zu schneien und bei lebhaftem Wind bilden sich rasch Verwehungen. Unser sportlicher Leihwagen hat mit seiner Niederquerschnitts- Bereifung nur sehr wenig Bodenabstand und ist für tiefen Schnee nicht wirklich gut geeignet. Auf der kleinen Straße über Endsee nach Ohrenbach folgen wir einem Schneepflug und machen uns im zunehmenden Schneetreiben Gedanken über ein Nachtquartier, das Dorothee in einem Hotel am Main in Sommerhausen festmacht. Über Reichhardsroth, Langensteinach, Adelhofen, Gollachostheim, Rodheim und Oberickelsheim bringt uns die B13 über Ochsenfurth über den Main nach Sommerhausen. Das Hotel Ritter Jörg befindet sich mitten in der historischen Altstadt des Ortes, in den wir durch eines der Stadttore einfahren.

Mit Italienisch- Fränkischer Küche genießen wir den Abend im Restaurant, bevor wir uns zur Nachtruhe auf unser Zimmer begeben. Unseren ursprünglichen Plan heute noch bis zu Hause durchzufahren haben wir mit dieser Übernachtung situationsbedingt abgeändert und damit die bessere Entscheidung getroffen. Am nächsten Morgen sind wir gut ausgeschlafen und schauen uns noch in den Gassen rund um unsere historische Unterkunft um. Bereits im 15. Jahrhundert bestand das Gasthaus als „Holzhäuser’sche Wirtschaft zum Bären“. Später umbenannt mit dem Namen „Zum Löwen“ erhielt das 1981 modern umgebaute Anwesen seinen heutigen Namen „Ritter Jörg“. Direkt vor dem Hotel ehrt der historische Jörgensbrunnen den namensgebenden Ritter, der 1574 das Marktrecht der Stadt durchsetzte. Direkt hinter den Dächern der hübschen Fachwerkhäuser ragen die Weinberge entlang des Mains auf, an denen laut einer Urkunde bereits seit 1147 Frankenwein angebaut wird.

Wir wollen heute auf dem schnellsten Weg nach Hause und fahren bei Würzburg auf die A3. Mit Blick auf den Stau- Radar verlassen wir die Autobahn bei Neuwied und halten uns nach Norden auf Altenkirchen zu. Vor Altenkirchen weist ein Hinweisschild auf die hübsche spätromanische Kirche von Almersbach hin, die auf einem Bergrücken über der Wied liegt. Ihr eigentlicher Schatz liegt in ihrem Inneren verborgen, es sind Fresken des 13. und 14. Jahrhunderts. Das reformierte Bekenntnis der Grafschaft Sayn im Jahr 1606 duldete keine bildlichen Darstellungen, worauf diese Zeugnisse unter Farbschichten verschwanden. Erst 1915 wurden die mittelalterlichen Malereien wiederentdeckt und 2006 restauriert. Wir haben Glück, der Gottesdienst ist zu Ende und der Küster gibt uns noch hochinteressante Informationen zu den biblischen Darstellungen.

Von Siegburg aus läuft es dann wieder auf der Autobahn und gegen 13:30 Uhr sind wir dann endlich zu Hause, bevor heute noch ein wichtiges Ereignis auf uns wartet. Meine Mutter begeht heute ihren 88. Geburtstag, den wir mit ihr, Anne und Jan am Nachmittag zusammen feiern. Mit einem schönen Essen in einem nepalesischen Restaurant in Essen lassen wir den Abend ausklingen und setzen für uns damit den Schlusspunkt unserer kurzweiligen Reise am Ende eines erlebnisreichen Jahres.

A. Korbmacher
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