Gressoney-la-Trinité 2026
Mitte März geht es wieder los in den Schnee? Ja- wie es aussieht meldet sich der Winter noch einmal zurück, nachdem wir bereits sehr milde Tage mit Temperaturen bis an die 20 Grad hatten. Zu Hause fängt bereits so einiges an zu blühen. Ich hatte Anfang Februar ein paar Fortbildungstage in St. Anton am Arlberg, die ich auch zum Skifahren nutzen konnte. Wir kommen am Freitagnachmittag gegen 14:30 Uhr los und fahren bei regnerischem Wetter über die A3 nach Frankfurt, über die A67/A6 Richtung Süden nach Karlsruhe auf die A5 nach Achern, wo wir uns ein Zimmer in einem Landgasthof reserviert haben. Das Traditionshaus in der südlichen Ortenau erreichen wir nach 400 Kilometern. Das Gasthaus “Wagen” ist seit 300 Jahren in Familienhand und bewirtet seit 200 Jahren Gäste. Wir werden freundlich von der Chefin empfangen und erhalten ein sehr schönes Zimmer in dem gerade vor 4 Jahren mit Anbau sanierten Haus. Das Essen ist herausragend, der Koch ist Italiener und wir sind sehr zufrieden dieses Quartier ausgewählt zu haben. Dorothee und ich hatten gestern unseren 32. Hochzeitstag, an den wir beide nicht gedacht haben. An diesem Abend holen wir das mit einem guten Tropfen nach.

Am Samstagmorgen blicken wir über Obsthaine hinweg auf die vernebelten Höhen des Schwarzwalds. Der Chef ist als ehemaliger Bänker Quereinsteiger im Gastgewerbe und erzählt uns so einiges rund um das Haus, während er uns mit Ei nach Wunsch ein tolles Frühstück bereitet. Er kann mit Zahlen umgehen und weiß, dass der nahe Europa- Park in Rust auch für seine Investitionen eine sichere Bank ist. Wir sind vor 9:00 Uhr im Dauerregen auf der Autobahn- Piste und fahren über Basel und Bern am östlichen Teil des Genfer- Sees entlang ins Rhonetal und weiter mit Südkurs zum großen St. Bernhard- Tunnel. Auf den Höhen fällt ordentlich Schnee. Der Tunnel verbindet auf einer Distanz von 5,8 Kilometern das schweizerische Wallis mit dem italienischen Aostatal. Wir folgen dem Tal in zunehmend südlicher Richtung bis Pont Saint Martin, wo wir in nördlicher Richtung hinauf nach Gressoney-la-Trinité im oberen Valle del Lys fahren. Der Regen wechselt bald in munteren Schneefall und wir erreichen die Seilbahn am Talende gegen 15:40 Uhr. Wir springen in die Tourenstiefel, schnappen uns die leichten Tourenski sowie das gut vorbereitete Gepäck und schweben mit der vorletzten Seilbahn zur Bergstation Sant’Anna auf 2180 Meter hinauf.

Hier stehen wir nun im Schneetreiben und haben die Info, dass wir die Albergo, die wir neben dem Sessellift etwa 100 Höhenmeter über uns ausmachen kontaktieren sollen. Wegen des starken Schneefalls hat der Sessellift, über dessen Piste wir die Unterkunft erreichen könnten den Betrieb eingestellt. Wir rufen oben an und wenig später werden wir in wilder Fahrt von Chef Giuseppe selbst mit dem Skidoo abgeholt. Wir sind ruck-zuck da und beziehen unser Zimmer mit der Nummer 1. Wir ruhen etwas aus und begeben uns nach sieben Uhr hinauf in den Gastraum. Wir erhalten ein sehr gutes Dreigang- Menü und trinken dazu einen Torette aus den Trauben Petite Rouge und Fumin aus den Weinbergen rund um Aosta.

Frühstück gibt es zwischen 8 und 9 Uhr. Der Blick aus dem Fenster fällt am Sonntag in das Whiteout des anhaltenden Schneetreibens, das insgesamt gut 150 cm Neuschnee bringen wird. Das angerichtete Frühstücksbuffet bietet ein gutes Angebot und Matteo bringt uns den Caffe Latte an den Tisch. Die Seilbahnen bleiben heute geschlossen und so belesen wir uns über unser Urlaubsgebiet an der Rückseite der Viertausender des Monte Rosa- Gebiets. Die Region ist historisch interessant, so weisen die Namen im italienischen Gressoney- Tal auf die ehemalige Anbindung an das französische Herzogtum Savoyen hin, das sich bis 1847 vom Genfer See bis ans Mittelmeer erstreckte. Das Valle del Lys wurde seit dem 13. Jahrhundert auch durch die Ansiedlung der Walser geprägt. Die deutschsprachigen Siedler aus dem Oberwallis entgingen durch die Migration in hochgelegene Alpentäler dem Joch der Leibeigenschaft in ihrer Heimat. Der Tag nimmt seinen Lauf mit Faulenzen, am Nachmittag bilden sich erste Wolkenlöcher und mit zunehmender Sicht und sistierendem Schneefall macht sich der Heli ans Werk die angesammelten Schneemassen aus den Rinnen zu sprengen, die dem Skigebiet gefährlich werden können. Giuseppe hat wenig Verständnis für ankommende Tourengeher, die die Lawinenstufe 4 ignorieren und zur Hütte aufsteigen. Nach den Sprengarbeiten machen sich die Pistenraupen bis spät in die Nacht ans Werk.

Vor dem Frühstück setzt der Hubschrauber am Montagmorgen noch einmal Detonationen. Nicht alle Liftanlagen werden heute freigegeben. Nachdem die ersten Sessel der Bahn zum Colle Bettaforca 2727m an uns vorbeischweben fahren wir über rote Abfahrten hinunter nach Staffal, denn den Skipass erhalten wir nur ganz unten an der Talstation der Sant‘Anna- Seilbahn auf 1818m. Etwas ärgerlich ist die Tatsache, dass der günstigere Online- Kauf der Skipässe wegen der Einschränkungen im Skigebiet heute nicht möglich ist. An der Kasse zahlen wir so zusammen gute 50 Euro mehr. Da wir nun quasi direkt an unserem Auto sind planen wir die Tourenausrüstung gegen die Pistenausrüstung zu tauschen.

Wir machen große Augen, denn der Golf ist unter einem Meter Schnee begraben. Leider habe ich den Autoschlüssel nicht dabei und während Doro mit den Händen die Heckklappe frei räumt schnappe ich mir die Ski und fahre mit Seilbahn und Sessellift von 1818 Meter hinauf zum Colle Bettaforca auf 2727 Meter. An unserem Quartier hole ich den Autoschlüssel aus dem Zimmer und fahre zügig zurück zum Auto hinab. Nachdem wir das Auto mit der Lawinenschaufel freigelegt und die Ski getauscht haben fahren wir mit den Gondelbahnen der anderen Seite zum Passo Salati auf 2971 Meter hinauf.

Bei der Talfahrt suchen wir die Skibar Adler‘s Nest auf und nehmen eine kleine Stärkung auf der Terrasse. Es ist sehr windig und daher trotz Sonnenschein alles andere als behaglich. Nach einer kurzen Bergfahrt mit dem Sessellift fahren wir mit der G6 über schwarzes Terrain talwärts nach Staffal. Ein kurzer Zubringer- Sessellift bringt uns mit folgender Abfahrt zurück an die Talstation der Sankt Anna- Seilbahn, mit der wir in Richtung unseres Basislagers schweben. Es schaukelt und der Führer der Seilbahn blickt besorgt, denn die maximale Windgeschwindigkeit für den Betrieb ist mit 60 km/h erreicht. Mir ist nicht entgangen, wie heftig der Neuschnee an den Graten verfrachtet wird. An der Bergstation stürmt es enorm und der Sessellift wurde bereits abgeschaltet. Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns wieder bei Giuseppe zu melden, mit dem wir ein weiteres Mal einen heißen Ritt auf dem Skidoo hinauf zur Albergo unternehmen. Auf dem Zimmer lassen wir den Tag bis zum Abendessen ausklingen, die herrliche Dusche ist ein Highlight. Beim Schneeräumen am Auto bin ich auf Eis ausgerutscht und hart auf Ellenbogen und Schulter aufgeschlagen, da ist das heiße Wasser absolut willkommen.

Der Dienstag bietet wieder Kaiserwetter und Starkwind wird heute nicht mehr erwartet. Wir fahren erst gegen 10:00 Uhr mit dem Sessel rauf zum Colle Bettaforca. An der Albergo nehmen wir dann die schwarze Talabfahrt, die auf die rote Piste zu den Seilbahn- Talstationen mündet. Mit den beiden Kleinkabinenbahnen schrauben wir uns hinauf auf den Passo Salati. Nach Südosten können wir die Bernina und den Gipfelaufbau der Presanella ausmachen. Wir fahren nach Südosten ab Richtung Alagna- Valesia, aber nur bis zur Mittelstation der Seilbahn an der Cima Legna. Unterhalb des Passo Salati befinden wir uns bereits im Piemont. Die komplette Abfahrt ins Tal bis auf 1212 Meter schenken wir uns, denn der Schnee wird weiter unten am Nachmittag zunehmend sulzig.

Wir wechseln wieder zurück ins Lystal und fahren an die südöstlichen Liftanlagen oberhalb von Gressoney. Die Pisten am Seehorn- und am Punta Jolanda- Lift sind landschaftlich sehr schön und wenig befahren. Die Mittagspause an der Punta Jolanda- Hütte ist in der Mittagssonne recht chillig. Wir blicken hinüber zum Lyskamm und zu den Liftanlagen an unserem Quartier. Zuletzt wechseln wir noch einmal die Talseiten und machen die letzten Abfahrten oberhalb unserer Hütte bei deutlich geleerten Pisten. Der Lyskamm mit seinen mächtigen Gletschern leuchtet im warmen Licht der Nachmittagssonne. Nach diesem perfekten Skitag kehren wir zur Albergo zurück.

Im letzten Sonnenlicht fange ich das Licht-Schatten- Szenario am Lyskamm noch einmal mit einem Zeitraffer ein. Die ermatteten Beine auszustrecken und die heiße Dusche bringen etwas Wellness nach den heute abgefahrenen 5000 Höhenmetern. Nach dem Abendessen gegen 21:00 Uhr ziehe ich noch einmal los und fange mit meinem neuen Spielzeug, einer Insta 360 X5- Actionkamera den nächtlichen Sternenhimmel ein. Nach einer sternenklaren Nacht beginnt der Mittwoch nebelig und beim Frühstück setzt zunehmend Schneefall ein, auch der Wind meldet sich wieder zurück. Wir verweilen im Gastraum, liefern uns ein Duell am Tisch- Kicker und schauen immer mal wieder raus. Am Mittag macht es auf und wir denken darüber nach in die Skischuhe zu steigen. Die Beine bremsen aber irgendwie jede Motivation und als wir noch mal aus dem Fenster schauen ist es schon vorbei mit der Sonne. Es bleibt ein fauler Tag, denn wir freuen uns auf feinstes Skiwetter am morgigen Tag.

Am Abend lesen wir eine Nachricht aus Engelberg in der Schweiz. Hier ist es heute Mittag bei starkem Wind zum Absturz einer 8- Personen- Umlaufgondel gekommen. Der Absturz der Gondel ereignete sich an der Seilbahn Engelberg- Stand oberhalb der Mittelstation Trübsee auf etwa 2000 Höhenmetern. In der Gondel befand sich als einzige Person eine 61-jährige Frau aus der Region, die dabei in den Tod gerissen wurde. Wir diskutieren das mit Giuseppe wegen unserer schaukligen Bergfahrt am Montag. Ab 40km/h Wind ertönt ein Alarm, bis 60 km/h ist ein Betrieb möglich, ab 70km/h stoppt das System automatisch. Besonders problematisch ist das heftige Aufschaukeln in der Vertikalachse- dabei kann sich die Klemmvorrichtung auf dem Drahtseil lösen. Nach dem Aperitif wird es jeden Tag einsam auf unserer Hütte. Das Tagespersonal fährt mit den letzten Tagesgästen ins Tal. Ich baue vor dem Essen wieder meinen Zeitraffer auf der Terrasse auf und genieße mit Doro die leckeren Sachen aus der Küche. Draußen lassen die schwindenden Wolken auf bestes Wetter für morgen hoffen.

Am Donnerstag trübt nichts den stahlblauen Himmel. Mit einem reichhaltigen Frühstück rüsten wir uns für einen langen Skitag. Direkt vor der Hütte springen wir in die Bindung und stürzen uns in die noch jungfräulich präparierte schwarze Talabfahrt hinunter zur Seilbahn, in die wir sofort wieder einsteigen können. Mit der Sesselbahn wechseln wir heute über den Colle Bettaforca hinüber zu den Liftanlagen oberhalb von Champoluc 1579m. Die erste Annahme, der Teil des Skigebietes sei klein verwerfen wir bald. Es ist ein Hochgenuss die gut präparierten Pisten nach dem üppigen Schneefall vom Wochenende zu befahren.

Immer wieder öffnen sich Horizonte und ein Berg taucht vom Colle Sarezza vor uns auf, dessen Profil ich auch von seiner Südseite einordnen kann. Das Matterhorn 4478m präsentiert sich von Süden in einer anderen Form und zeigt nicht seine bekanntere elegant- spitzgipfelige Ansicht, in der es sich über Zermatt erhebt. An seiner Südseite über dem Aostatal liegt ein Tal weiter Cervinia, dessen Skigebiet mit Zermatt verbunden ist. Sowohl die Verbindung nach Zermatt als auch den Pass- Übergang nach Cervinia können wir ausmachen. Eine 20 Kilometer lange Abfahrt mit fast 2000 Höhenmetern kann man vom kleinen Matterhorn 3820m bis hinunter nach Cervinia auf 2003 Höhenmeter machen.

Die Pisten oberhalb von Champoluc 1579m sind auch nicht von schlechten Eltern und mit zwei Kleinkabinenbahnen hinauf zur Alpe Ostafa 2420m und einem Sessellift weiter zum Sarezzapass 2702m toben wir uns bis Mittag auf den 1100 Höhenmetern bis ins Tal aus. Im oberen Teil grüßt kurz der beeindruckende Gipfel des Mont Blanc 4806m. Vom Sessellift aus sehen wir Steinböcke im Schrofengelände, die zwischen den Schneefeldern nach Fressbarem suchen. Essbares für uns bietet die Küche der Alpe Ostafa, wo ich mir mit Doro eine Portion Spaghetti mit Hirschragout schmecken lasse. Das herrliche Bergpanorama lässt uns eine Weile auf der Sonnenterasse innehalten. Die Hammerabfahrt am Nachmittag ist die schwarz gesteckte C3, die mit ordentlicher Steilheit zwischen Felsen talwärts führt. Wir hangeln uns mit Liftanlagen zurück über den Mont Ros 2457m zum Sessellift an der Alpe Forca, der uns hinauf zum Übergang am Colle Bettaforca bringt. Hier fahren wir in der Nachmittagssonne noch zweimal ab, bevor wir wieder auf die Gegenseite wechseln. Auch hier fahren wir noch einmal an unserer Unterkunft vorbei, bevor wir den perfekten Ski- Tag nach 7700 Höhenmetern mit einer letzten Abfahrt beschließen.

Draußen schwindet das Tageslicht und wir freuen uns auf das gute Abendessen, das uns das Küchenteam an jedem Abend schmackhaft und reichhaltig zubereitet. Die anbrechende Nacht ist sternenklar und am 19. März bei Neumond ideal um das Licht der Sterne einzufangen, so baue ich nach dem Essen zusammen mit Doro die Kameras oberhalb der Hütte auf. Nach der halbstündigen Aktion bei 10 Grad minus sehen wir uns die Ergebnisse in unserem warmen Zimmer an. Am Freitag erteilt uns der Wetterbericht das Privileg eines weiteren großartigen Skitags. Wir haben uns in den letzten Tagen einen guten Überblick über die drei Täler des Skigebiets verschafft, das mit immerhin 140 Pistenkilometern auch einige anspruchsvolle Abfahrten bietet. Wir wollen heute noch einmal alle Bereiche abfahren und beginnen mit der schwarzen Talabfahrt von unserem Quartier hinüber zu den Seilbahnen hinauf zum Passo Salati 2971m.

Schwarz gesteckt geht es mit der V3 von hier zur anderen Seite durch tolle Landschaft talwärts bis Pianalunga 2046m. Wir fahren hier aus genannten Gründen nicht weiter zum Talort Alagna- Valesia 1212m ab und nehmen den Sessellift zum Bochette delle Pisse 😉 Zurück ins Gressoney- Tal kommen wir aber nur mit der Seilbahn über den Passo Salati. Von hier geht es 1100 Höhenmeter hinunter nach Staffal 1830m. Mit Zubringerlift, Seilbahn und Sessellift wechseln wir über den Colle Bettaforca hinüber in das Tal von Champoluc. Hier hangeln wir uns noch einmal hinauf zum Colle Sarezza und kehren nach einer kompletten 1000- Meter- Talfahrt erneut an der Alpe Ostafa ein. Mit der herrlichen „Schwarzen“ am Colle Sarezza läuten wir den Rückweg zum Colle Bettaforca ein. Die Nachmittagsabfahrten bieten Hochgenuss. Wir haben es unseren Beinen gut besorgt und sind froh unsere Albergo Sitten zu erreichen. Heute genießen wir noch eine halbe Stunde Sonne bei einem Feierabendbier auf der von den Tagesgästen geleerten Terrasse und schießen ein Selfie mit unserem Gastgeber Giuseppe.

Wir haben bei Giuseppe, seinem Sohn Marco und dem gesamten Team auf der Albergo Ristoro Sitten eine tolle Woche verbracht. Unter dem Lyskamm im Skigebiet von Gressoney hat uns die gemütliche Unterkunft alles geboten, was uns im Skiurlaub am Herzen liegt. Am Morgen auf die Piste, bevor die Seilbahn die ersten Tagestouristen ausspuckt ist ein Erlebnis wie auch die unglaubliche Ruhe, die am Abend einkehrt wenn das Tageslicht schwindet. Aus der Küche werden wir mit regionalen Spezialitäten verwöhnt und schlafen bestens in unserem geräumigen Zimmer. Während unseres Aufenthaltes sind eher wenige Übernachtungsgäste auf der Hütte zu Gast. Neben der italienischen Sprache hören wir hier und im Skigebiet sehr häufig Unterhaltungen in englischer und skandinavischer Sprache. Gäste aus Schweden berichten über recht günstige Möglichkeiten der Anreise über Mailand. Wir genießen unseren letzten Abend in unserem Quartier an der Südseite der Westalpen.

Am Samstag sind wir zeitig am Start und packen unsere Sachen für die Abreise zusammen. Nach dem Frühstück bringt uns Giuseppe vor 9:00 Uhr hinunter zur Seilbahn, die bereits den ersten Ansturm der Skiläufer aus dem Tal bedient. Gut dass wir das Auto bereits am Montag freigelegt haben, so kommen wir zügig los zu unserem ersten Einkaufs- Zwischenziel. Einen Beutel befüllen wir noch mit Schnee für unsere Kühlbox, denn Giuseppe hat uns eine Käserei in dem hübschen Ort Fontainemore im Lys- Tal genannt. Hier kaufen wir erstklassigen Toma de Gressoney zu einem sehr guten Preis. Jeden Morgen gab es den tollen Käse zum Frühstück und auch dem Winzer, dessen Wein wir oben getrunken haben statten wir in Aoste noch einen Besuch ab. Die Sonne scheint auf unserer Fahrt durch das Aostatal, Kirschbäume und Magnolien entfalten ihre Pracht und nachdem wir ein Sortiment verschiedener Rebsorten am Kontor von „Les Crêtes“ im Auto verstaut haben wenden wir uns der Auffahrt zum Tunel de Grand Saint Bernard zu.

Über die gleiche Route wie auf der Hinfahrt geht es am Genfer See an Montreux vorbei auf die A12 über Fribourg nach Bern. Hier zweigen wir in westlicher Richtung ab über Biel- Bienne durch den Jura hinauf nach Mülhausen im Elsass. Wir nehmen uns noch die Zeit und fahren die Bergstrecke zum Grand Ballon mit seiner markanten Radarkuppel der Flugsicherung auf 1424 Metern Höhe hinauf, von der man bei guter Sicht die schneebedeckten Alpengipfel sehen kann. Es ist aber recht bedeckt und so laufen wir das letzte Stück nicht mehr hinauf bis zum Gipfel des großen Belchens, wie der Berg von deutscher Seite auch genannt wird. Wir haben heute Abend etwas weiter nördlich ein Nachtquartier bei Soultzmatt fest gemacht, das wir gegen 19:00 Uhr erreichen. Es ist ein etwas in die Jahre gekommenes Hotel aus den Siebzigern, wo wir freundlich empfangen werden. Der günstige Preis für die Übernachtung könnte sich mit der anstehenden Komplettsanierung bald ändern. Der Koch versteht sein Handwerk und an den Elsässer Köstlichkeiten in Begleitung eines gut gekühlten Rieslings gibt es nichts auszusetzen. Ist es eigentlich möglich im Elsass schlecht zu essen?- wir haben es noch nicht erlebt.

Nach dem Frühstück am Sonntag fahren wir linksrheinisch über Colmar entlang der Vogesen und wechseln südlich von Strasbourg die Rheinseite nach Offenburg in der Ortenau und mit der A5 zum heutigen Tagesziel, dem Technikmuseum in Sinsheim. Zusammen mit dem Technikmuseum in Speyer ist Sinsheim ein Mekka für alle technikbegeisterten Menschen. Beim Betreten der ersten Halle mit Fahrzeugen droht mein beschleunigter Puls bereits in eine handfeste Tachykardie überzugehen. Was hier an Automobil- Ikonen, Motorrädern, Flugzeugen, Lokomotiven und anderen Exponaten zusammengetragen wurde lässt niemanden unberührt, der auch nur etwas Benzin im Blut hat.

Die absoluten Highlights im Außenbereich sind die beiden Überschall- Passagierflugzeuge Concorde und Tupulev TU-144, die gerade über dem Museumsdach abzuheben scheinen. Die Concorde der Air France war von 1976 bis 1988 im Einsatz. Die russische Tupulev stellte mit Mach 2 den ersten Rekord eines Verkehrsflugzeuges bereits im Jahr 1970 auf. Mit dem letzten Flug einer Tupolev TU-144 endete die russische Überschall- Ära von Verkehrsflugzeugen nach zwei Abstürzen von Maschinen dieses Typs bereits am 1. Juni 1978, wobei mangelnde Wirtschaftlichkeit als Hauptargument angeführt wurde. Das europäische Prestigeobjekt endete bald nach dem tragischen Unglück einer vollbesetzten Concorde am 25. Juli im Jahr 2000 in Paris. Der Luxus eines Fluges von London nach New York in 3 Stunden war mit einem 4-5-mal höheren Kerosinverbrauch pro Passagier gegenüber einer Boeing 747 nie wirtschaftlich, geschweige denn klimaschonend. Ein Flugticket kostete hin und zurück um die 10000 US- Dollar (Inflationsbereinigt heute 15-20000 US- Dollar). Das Flugzeug selbst ist eine Schönheit und wir reihen uns in die Warteschlange ein, um uns selbst ein Bild vom beengten Innenraum und dem Cockpit des legendären Luxus- Liners zu machen.

Auch der Besuch der Kriegsmaschinen im Innen- und Außenbereich ist eindrucksvoll. Ein begehbarer Koloss ist das U- Boot U17 der Klasse 206A, das seit 1973 vierzig Jahre seinen Dienst bei der Bundesmarine verrichtet hat und nach seinem spektakulären Transport nach Sinsheim seit Mai 2025 besichtigt werden kann. Auch hier müssen wir warten, denn das Boot hat auch seiner 22-23- köpfigen Besatzung bei einer Länge von 48,6 Metern nur sehr beengte Räume und Durchgänge geboten. Wir zwängen uns durch den mit Technik vollgestopften Leib des Bootes. Der Gedanke hier Wochen, gar Monate Dienst zu verrichten ist bedrückend.

Mit zunehmender Ermattung betreten wir die nächste Halle mit einem nicht endenden Füllhorn an Sport- und Rennwagen und anderen absoluten Hinguckern. Da steht neben großen Dampfloks ein Exemplar des legendären Schweizer Krokodils, die historische Elektrolokomotive die schwere Güterzüge über den Gotthard gezogen hat. Wir können heute nicht mehr alles schaffen, eine letzte Ausstellung unter dem Motto „Opel vs. VW“ ist für mich allerdings ein „Must-See“. Mit meinem leider früh verstorbenen gleichnamigen Freund Arnd war die Geschichte der beiden Automarken Teil meiner Jugend. Was haben wir zusammen an unseren Kisten geschraubt, und da stehen sie wieder nebeneinander, mein Golf 1 und Arnds Kadett C Coupé GT/E.

Der Tag ist um und schweren Herzens muss ich mich losreißen von all diesen wunderbaren Zeitzeugen. Jetzt setzt das warme Licht der späten Nachmittagssonne die Außen- Objekte auf dem Gelände noch einmal perfekt in Szene. Über die A6 fädeln wir uns auf die A61 bei Hockenheim, umfahren Speyer nördlich, um dann auf Landstraßen auf den Pfälzer Wald zuzusteuern, hinter dem die Sonne glutrot versinkt. Klar- wir hätten heute auch noch nach Hause fahren können, die Aussicht auf gute Pfälzer Küche an unserem letzten Urlaubstag verschlägt uns so in den hübschen Weinort St. Martin. Wir haben ein Zimmer im St. Martiner Castell, einem historischen Gebäude im Ort festgemacht. Das Abendessen ist ein Volltreffer und der Wein kommt vom benachbarten Weingut. Es ist der krönende Abschluss dieser Skireise. Am Montag machen wir noch ein paar Einkäufe in der Pfalz und fahren dann die A3 hinauf bis nach Breitscheid im Süden von Mülheim an der Ruhr. Hier geben wir die Ski zum Ski- Service ab und erreichen über die A46 am Nachmittag nach 2200 Kilometern unser zu Hause.

A. Korbmacher
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