LaPaDu-Sause 2026- Sport, Spaß und Horror im ehemaligen Thyssen-Hüttenwerk
Mitte Juli ruft Uli mit der LaPaDu- Sause wieder zu einem gemeinsamen Wochenende auf der Nordparkhütte im Landschaftspark Duisburg- Meiderich auf. Die Hütte ist ein Treffpunkt der Bergsportszene über die Grenzen Duisburgs hinaus und bietet ein großes Spektrum an Kletterrouten an den Wänden der ehemaligen Erz- und Kohlebunker rund um den 38 Meter hohen Monte Thysso. Ulis Aufruf nach Duisburg- Meiderich wollen Doro und ich auch diesmal mit dem Fahrrad nachkommen. Im letzten Jahr konnten wir das in eine Urlaubswoche mit einer 200 Kilometer langen „Tour de Ruhr“ von Wuppertal aus einbauen. In diesem Jahr bleibt uns nur das Wochenende, daher haben wir uns überlegt bereits am Freitag ein Quartier nordöstlich von Wesel in Marienthal anzusteuern. Von hier aus fahren wir am Samstag diesmal von Norden zum Treffpunkt mit unseren Freunden am Nachmittag.

Wir kommen am Freitag gut durch nach Marienthal, wo wir einen schönen Abend im Garten des Restaurants verbringen. Das hochsommerliche Wetter hat die Dachkammer unseres Hotels gut aufgeheizt und wegen einer Veranstaltung im Garten kommen wir bei offenem Fenster erst spät in den Schlaf. Nach dem Frühstück geht es gegen 10:30 Uhr los und ich bin sehr überrascht über die weitgehend autofreie Route, die Dorothee mit Hilfe von „Outdooractive“ ausgearbeitet hat. Wir fahren durch Wälder, Moore und die Heidelandschaften des Naturparks „Hohe Mark“, der mit 1978 Quadratkilometern als größter Naturpark Nordrheinwestfalens in meinem Geburtsjahr 1963 vom nördlichen Ruhrgebiet bis an den Niederrhein und in das südliche Münsterland abgesteckt wurde. Durch die Kirchheller Heide fahren wir nordwestlich von Bottrop noch hinauf auf die 184 Meter hohe Halde der ehemaligen Zeche Haniel. Mit der Schließung des Kohle-Bergwerks Prosper-Haniel war am 21. Dezember 2018 die große Ära des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet und somit auch in Deutschland Geschichte.

Den Gipfel der kahlen Halde zieren die „Totems“ der beiden Fotografen Torsten Thies und Jens Herre. Die 100 Eisenbahnschwellen stehen für die Verbindung der scheinbaren Gegensätze aus Industrieraum und Natur. Hier auf Prosper-Haniel waren es zuletzt bis zu 2600 Beschäftigte, die das schwarze Gold des Reviers aus Tiefen bis zu 1253 Metern gefördert haben. Das mitgeförderte unbrauchbare Gestein aus den 3300 Zechen der Ruhrbergbau- Geschichte wuchs zu markanten Bergen heran, die man überall in der Landschaft erkennen kann. Der Blick von Halde Haniel reicht weit, vor uns liegt nach Süden als markante Landmarke der 117 Meter hohe Gasometer an der Emscher in Oberhausen, unser nächstes Zwischenziel. Als Teil der Oberhausener Gutehoffnungshütte blieb der größte Scheibengasbehälter Europas als Industriedenkmal erhalten und ist heute ein beeindruckender Ort für Ausstellungen. Über die alte Zechenbahn Jacobi-Haniel nähern wir uns der Emscher und gelangen durch Duisburger Stadtgebiet zu unserem Ziel am Landschaftspark Meiderich. Der Landschaftspark befindet sich auf dem Gebiet des ehemaligen Thyssen- Hüttenwerkes, aus dessen 5 Hochöfen in 87 Jahren insgesamt 37 Millionen Tonnen Spezialroheisen geflossen sind.

Wir fahren durch das heute touristisch erschlossene Gelände und können uns kaum mehr vorstellen, wie es hier aussah als der „Pott“ noch gekocht hat. Mit direkter Anbindung an den größten Binnenhafen Europas in Duisburg Ruhrort an der Mündung von Ruhr und Emscher in den Rhein ist von den ehemals 5 Hochöfen noch Hochofen Nummer 5 als Industriedenkmal und Aussichtsturm erhalten geblieben. Im hiesigen Gasometer gibt es eine Tauchschule und für den Bergsport hat der Duisburger Alpenverein den Bereich der Erz- und Kohlebunker erschlossen. Wir erreichen die Nordparkhütte, die mit 26 Metern definitiv die niedrigste Hütte des Deutschen Alpenvereins ist. In der ehemaligen Möllerwagen- Werkstatt befindet sich heute der Gastraum, in dem wir auf die bereits eingetroffenen Freunde treffen. Wir begrüßen Uli und Tanja, Marc und Heike, Moni und Bernhard, Jessi und Olli, Nila und Piet, mit denen wir uns zunächst zum illustren Kaffeekränzchen zusammenfinden. Mit Kuchen, Torte und leckerem Gebäck starten wir nun den alpinen Teil des Wochenendes, in das im weiteren noch Oliver, Conny, Jasmin, Nicola und Albert, Uwe, Florian und Noah einsteigen.

Karabinergeklimper läutet den Nachmittag im künstlichen Gebirge der Kletteranlage ein. Die Erzbunker- Wände bieten 400 Routen mit alpinen Schwierigkeitsgraden von II bis XI an, der 450 Meter lange Klettersteig lässt ebenfalls mit Klassifizierungs- Varianten von A-E keine Wünsche offen. Es ist schon toll, was man sich hier ausgedacht hat, um Ruhrpott- Alpinisten ein abwechslungsreiches Outdoor- Trainingsgebiet zu bieten. Das Eintrittsticket in die Anlage kann leicht online erworben werden. So toben wir uns hier alle aus, ob Top-Rope, Vorstieg, Nachstieg oder Klettersteig- das hiesige Ambiente mit dem Geruch der großen Industriegeschichte des Reviers ist absolut einzigartig und wer das Ganze einmal vom Monte Thysso überblickt hat, der weiß wovon ich rede. Ich selbst habe mir ausreichend „dicke Arme“ auf der Ferrata geholt und versuche mich danach noch Top-Rope in einem moderaten „Vierer“, an dem ich mit Krämpfen in beiden Unterarmen aufgeben muss. Zuschauen in geselliger Runde ist aber auch schön und so lasse ich mich von den Kletter- Routiniers weiter inspirieren.

Am Abend finden sich alle zum geselligen Abendessen im Gastraum ein. Jeder hat etwas zum Buffet beigetragen und Gesprächsthemen gibt es reichlich. Eine Story nahm im letzten Jahr auf dem Eifeler Haus Vogelsang ihren Anfang mit der zusammen fantasierten Annahme, dass wir draußen von Zombies belagert werden. Die ganze Geschichte dazu kann unter: >Touren der DAV Allrounder DAV- Sektion Essen/ Zombie- Belagerung unter Sternen im Nazi- Knast 2025< nachgelesen werden. Schon auf der Anfahrt sind uns Foto- Shootings aufgefallen, bei denen skurril bis bizarr gekleidete Models vor den Werks- Kulissen posieren. Ähnlich wie damals in der Ordensburg Vogelsang regt ein abendlicher Rundgang auf dem Gelände des Hüttenwerkes wieder die Fantasie an. Entlang farbig illuminierten Installationen durch ein Labyrinth aus Rohren, Gerüsten und Türmen steigen wir über Eisentreppen hinauf auf den Hochofen mit seiner Aussichtsplattform auf 70 Metern Höhe.

Im Duisburger Westen Richtung Rhein sind noch einige Werke des Stahlkonzerns Thyssen in Betrieb. Nach einem Gruppenfoto setzen wir unseren Rundgang durch die Winkel und Katakomben der Industriebrache fort, die jetzt in der einsetzenden Dunkelheit auch von Fackelträger- Gruppen durchkreuzt wird- dann stehen sie plötzlich vor uns- Kreaturen der Nacht, die uns das Blut in den Adern gefrieren lassen. Der eine mit Schweinskopf und Machete, über und über mit Blut besudelt und offensichtlich nach Menschenfleisch lechzend, sein Kumpel trägt eine Kette aus menschlichen Fingern um den Hals- echt jetzt? Der Schweinskopf- Zombie spricht aber englisch, lässt sich gern fotografieren und kommt wie die anderen aus Holland. So richtig finden wir nicht heraus was die drei dazu bewegt hier als Untote herumzulaufen. Wir wünschen noch einen schönen Abend und kehren zurück zum wahrscheinlich einzigen Zombie- sicheren Ort, dem Gastraum in der Nordparkhütte. Im kultigen Zombie- Klassiker „Shaun of the Dead“ war das ja auch die Kneipe im Ort. Hier lassen wir den Abend gemütlich ausklingen und schlafen später gut in unserem Bettenlager. Das Fenster zum Flur machen wir noch auf „Was war da gerade für ein Geräusch?“- waren das wirklich nur verkleidete Holländer? 😉

Am Sonntag treffen wir uns mit den anderen Nacht- Gästen kurz nach 9:00 Uhr zum Frühstück. Wir klönen noch eine Weile und packen dann zusammen, um uns auf den Rückweg zu unserem Auto in Marienthal zu machen. Wir verabschieden uns von Uli, Tanja und den anderen mit der Gewissheit, dass Uli auch im nächsten Jahr wieder zur großen LaPaDu- Sause blasen wird. Wir freuen uns darauf und machen uns über eine ehemalige Bahntrasse auf den Weg Richtung Westen an den Rhein. In Beekenwerth bildet ein Rheinmäander eine Halbinsel, die wir an einem gigantischen Thyssen- Stahlwerk vorbei umfahren. Nach Westen an der A42 blicken wir auf die Halde Rheinpreussen, auf der eine monumentale Grubenlampe steht. Am Ende dieser Halbinsel gelangen wir an den Alsumer Berg, auf den wir prompt hinauffahren. Nach Norden öffnet sich vom Gipfelkreuz ein spektakulärer Blick über eines der größten zusammenhängenden Stahlwerke Europas mit der Kokerei Schwelgern und den gewaltigen Hochöfen des Stahlwerks Schwelgern/Bruckhausen. Neben dem weißen Dampf beim Koks- Ablöschen steigt Rauch in allerlei Farben auf und die Luft die wir hier atmen ist nicht die beste.

Die Geschichte des Alsumer Bergs geht auf den gleichnamigen ehemaligen Stadtteil Duisburgs zurück. Der Industriestandort wurde im 2. Weltkrieg vollständig zerstört und letztlich nicht wieder aufgebaut, da auch Bergschäden zu einem beständigen Absinken des Ortes führten. 1954 wurde beschlossen die letzten Verbliebenen umzusiedeln und den gesamten Ortsteil unter einer Schutt-Halde, dem heutigen Alsumer Berg zu begraben. Wir folgen dem Rhein nun nordwärts am Kohlekraftwerk Walsum bei Dinslaken vorbei und sehen das Kraftwerk Voerde an der Emschermündung als Industrieruine am Weg. Plänen zufolge soll das Kraftwerksgelände zukünftig mit Technologien zur Wasserstofferzeugung und –Nutzung umgebaut werden. Es ist eine beschauliche Radtour, die uns durch die Auen des Niederrheins führt. Auf Weiden grasen Kühe, Storche, Gänse und Wasservögel finden hier ihr Habitat. Zwischen mehr oder weniger dunklen Wolken scheint wärmend die Sonne auf uns herab, es bleibt bei ein paar Regentropfen an diesem herrlichen Tag.

Östlich an Wesel vorbei geht es mit Kurs Nordost über Voshövel zum Gasthof Marienthal. Seit 1986 sind in Marienthal Mönche des Karmeliterordens ansässig. Die Geschichte eines Klosters an der Issel geht hier bis auf das Jahr 1256 zurück, Marienthal ist bis heute das älteste Kloster der Augustiner-Eremiten mit einer 1345 geweihten Klosterkirche. Wir verladen unsere Räder nach dieser 110 Kilometer- Runde auf dem Auto und lassen uns zum Kaffee noch eine herrliche Waffel mit heißen Kirschen schmecken. Zufrieden rollen wir nach Hause nach diesem Wochenende voller Sport, Spaß und Horror.

A. Korbmacher
©Copyright 2026