Rad am Ring- Zwei Runden mit dem Fahrrad durch die „Grüne Hölle“ 2026

Rad am Ring- Zwei Runden mit dem Fahrrad durch die „Grüne Hölle“ 2026

Hier zunächst ein kurzes HD- Video:

Mit einer Wanderung im Januar an der Nürburg waren wir mittendrin in der grünen Hölle an der legendären Rennstrecke durch die Eifel, die unser Interesse geweckt hat. Über diese Wanderung, über die Rennstrecke selbst und über den Besuch des Museums habe ich unter: >wandertouren-deutschland/eifel-auf-den-spuren-der-gruenen-hoelle-2026< einen Bericht eingestellt. Unser Interesse wird aber auch durch die Beobachtung geweckt, dass im Winter Fußgänger und auch Radfahrer auf der Strecke unterwegs sind. Auf Nachfrage erhalten wir die Info, dass dies zwar offiziell nicht ausdrücklich erlaubt sei, der Zugang über die geöffneten Türen an der Strecke aber an vielen Stellen möglich sei. Der Wunsch war geboren den historischen Renn- Parcours auch einmal selbst mit dem Fahrrad abzufahren.

Rad am Ring 2026
Rad am Ring 2026

Die längste permanente und vielleicht auch gefährlichste Rennstrecke der Welt geriet unter den Formel 1- Piloten immer mehr in Kritik, erhielt den Titel „Grüne Hölle“ und das Aus für die Königsklasse des Rennsports nach dem schweren Unfall von Niki Lauda im August 1976 auf der Pistenpassage Bergwerk bei Kilometer 10,6. Mit über 200 Stundenkilometern kam der Ferrari 312T2 von der Piste ab und fing nach dem Aufprall auf einen Fangzaun Feuer. Niki Lauda zog sich schwere Verbrennungen im Gesicht und erhebliche Lungenschädigungen zu. All das hielt ihn nicht davon ab 42 Tage später beim Großen Preis von Italien in Monza wieder ins Cockpit zu steigen. Der 2019 verstorbene Rennfahrer, Unternehmer und Pilot holte drei Weltmeistertitel 1975, 1977 und 1984. Um die Formel 1 zurück in die Eifel zu holen entstand bis 1984 eine zeitgemäße 4,5 Kilometer lange Grand Prix Strecke.

Ausgabe Startunterlagen
Ausgabe Startunterlagen

Bereits im Januar fiel uns die Ausschreibung der Veranstaltung „Rad am Ring“ am letzten Juliwochenende ins Auge. Mit der Anmeldung in der Kategorie Tourenfahren sind neben klassischen Bio- Bikes auch unterstützte Räder zugelassen. Bezüglich der frühen Anreise zur Veranstaltung am Samstag buchen wir uns am Freitag ein Zimmer in Wiesemscheid, nur 5 Kilometer vom Ring entfernt. Bevor wir das Hotel ansteuern fahren wir noch zur Ausgabe der Startunterlagen in der Boxengasse an der Grand Prix- Zielgeraden. Wir erhalten einen Beutel mit allerlei „Goodies“ und die Startnummern für Helm und Fahrrad.

Die Bikes sind startklar!
Die Bikes sind startklar!

Unsere wertungsfreie touristische Tourenfahrt findet morgen im Zeitfenster zwischen 9 und 12 Uhr statt. Der Andrang ist groß, denn 12000 Teilnehmer in den 16 Renn- Disziplinen bis hin zum 24 Stunden Rennen sind an diesem Wochenende registriert. Wir freuen uns auf unsere Möglichkeit den Ring „on the Road“ beim zwanglosen Tourenfahren zu erleben. Der Anreise- Verkehr auf der Zufahrtstraße B258 befindet sich im Vollstau, so sind wir froh in der Gegenrichtung staufrei gegen 19:30 Uhr unser Hotel in Wiesemscheid zu erreichen. Wir beziehen unser Zimmer und verbringen mit der letzten Abendsonne den Abend im Biergarten.

Pünktlich am Start
Pünktlich am Start

Mit der Öffnung des Frühstücksbuffets um 7:00 Uhr beginnt der Samstag und es wird schnell nach 8:00 Uhr bis zum Aufrüsten unserer Räder. Mit der morgendlichen Anreise mit dem Fahrrad entgehen wir auch heute Stau und Parkplatzsuche und sind pünktlich gegen 9:00 Uhr auf dem Veranstaltungsgelände inmitten abertausender Fahrradbegeisterter. Viele ambitionierte Radsportler haben ihre Camps errichtet und an zahlreichen Ständen vorbei arbeiten wir uns an das östliche Ende der Grand Prix- Strecke zum Einstieg in die 20,8 Kilometer lange Nordschleife, die im Uhrzeigersinn befahren wird. Ich habe etwas Bedenken, wie sich die 1750+ Teilnehmer in unserer Kategorie auf der Strecke verteilen werden und wie eng es wohl unterwegs werden wird.

Arnd & Doro unterwegs durch die Grüne Hölle
Arnd & Doro unterwegs durch die Grüne Hölle

Es geht los auf die ersten abschüssigen 8 Kilometer in eine fliegende Schussfahrt, auf der sich eine enorme Begeisterung einstellt. Über 200 Höhenmeter geht es durch die großartige Landschaft der Eifel an Wegpunkten wie Schwedenkreuz, Aremberg, Fuchsröhre und Adenauer- Forst mit rasanten Kurvenfahrten abwärts nach Adenau. Beim Blick auf den Tacho kann ich kaum glauben was ich da sehe, 85 Km/h zeigt mir das Display an. Ich weiß nicht, ob ich eine solche Geschwindigkeit schon mal auf dem Fahrrad erreicht habe. So schnell fahre ich sonst nur mit dem Motorrad in Schutzkleidung.

Anstieg zur Hohen Acht
Anstieg zur Hohen Acht

Im Talboden zwischen Adenau und Breidscheid kommt die Ernüchterung nach diesem Geschwindigkeitsrausch. Es folgt nun der Gegenanstieg über Bergwerk, Klostertal, Steilstrecke und Caracciola- Karussell zum Streckenpunkt Hohe Acht bei Kilometer 15 auf über 600 Höhenmetern. Meine Befürchtung, dass es sehr eng auf der Strecke wird hat sich nicht erfüllt, die Teilnehmer haben sich doch recht gut verteilt. Trotzdem ist umsichtiges Fahren unbedingt zu beachten, denn hier befinden sich Radfahrer mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen, die den Parcours mehr oder weniger ambitioniert und auch konzentriert angehen. Eine ganz witzige Rocker- Truppe, die mir ins Auge fällt sind die „Electric Devils“, die mit entsprechender Aufschrift auf ihren „Kutten“ offensichtlich aus ganz Deutschland angereist sind. Wir arbeiten uns hinauf zur hohen Acht und machen hier am Verpflegungsstand eine Pause mit ein paar Snacks und isotonischen Getränken. Einigen Bio- Bikern hat der Anstieg von annähernd 300 Höhenmetern gut zugesetzt und teilweise wurde auch geschoben. Hier komme ich mit dem Road- Captain eines Electric- Devils- Chapters ins Gespräch. Meine heitere Frage, ob die Electric Devils Parallelen zu anderen Rockergruppen, nur eben mit dem E- Bike haben erhalte ich eine recht ernste Antwort: „ Ja genau- so in etwa!“

Bezwinger der Grünen Hölle 2026
Bezwinger der Grünen Hölle 2026

Von der Hohen Acht geht es über Brünnchen und Pflanzgarten noch einmal 100 Höhenmeter abwärts und nach Galgenkopf mit der Zielgeraden wieder auf 620 Höhenmeter über das Ziel in eine zweite Runde auf der Nordschleife. Noch einmal arbeiten wir uns über das großartige Asphaltband rund um die Nürburg mit einem Gesamtanstieg von 550 Metern an diesem sonnigen Vormittag. Ohne Zeitdruck genießen wir dieses tolle Erlebnis und holen uns bei der Zieleinfahrt unsere imaginäre Auszeichnung „Bezwinger der grünen Hölle“. Auf dem Veranstaltungsgelände ist jetzt einiges los, wir trinken unser alkoholfreies Zielbier am Bitburger- Stand, während auf der Großbildwand die Startschüsse für die Massenstarts der einzelnen Disziplinen übertragen werden. Ich erhalte eine Nachricht von einer ehemaligen Kollegin, deren Nachwuchs hier mit dem Bike an den Start geht. Ein wenig lassen wir den gigantischen Fahrrad- Zirkus noch auf uns wirken, bis wir uns an den Rückweg zum Hotel in Wiesemscheid machen, wo wir freundlicherweise unser Auto stehen lassen konnten.

Rad am Ring 2026- hat uns Spaß gemacht!
Rad am Ring 2026- hat uns Spaß gemacht!

Die gute Adresse werden wir uns merken und in der Mittagssonne lassen wir uns noch einen leckeren Flammkuchen mit einem alkoholfreien Weizen schmecken, bevor wir uns am frühen Nachmittag an den Heimweg machen.

A. Korbmacher

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