Radtour im Bergischen Städtedreieck 2025
Anfang August lockt uns der Samstag mit sommerlichen Temperaturen nach Draußen. Dorothee hat einen Rundkurs mit dem Fahrrad ausgetüftelt, der uns mit 46 Kilometern über Trassen und Wanderwege über das landschaftlich abwechslungsreiche Terrain des Bergischen Landes führt. Gegen elf Uhr machen wir uns auf den Weg und fahren unsere steile Sackgasse hinauf, am Uni- Campus Freudenberg vorbei, entlang der L418 nach Küllenhahn. Über Rigi- Kulm erreichen wir die freiwillige Feuerwehr Hahnerberg an der Theishahner Straße. Vor der Feuerwache erinnert die restaurierte Uhr des ehemaligen Gebäudes an der Hahnerbergerstraße von 1931 an die mittlerweile schon über 140- jährige Geschichte der hiesigen Feuerwehr. 2005 wurde hier an dieser Stelle ein modernes Gebäude errichtet.

An der Müllverbrennungsanlage auf Korzert finden wir den Einstieg in die Sambatrasse. Auf der ehemaligen Eisenbahntrasse nehmen wir aus 330 Höhenmetern ordentlich Fahrt auf, vorbei am zunehmend verfallenden Bahnhof Küllenhahn hinunter zum Wuppertaler Zoo. Kurz können wir im Wald des Tigergeheges eine der Großkatzen erblicken. Durch das Zooviertel mit seinem hübschen Märchenbrunnen, am Wuppertaler Fußballstadion vorbei erreichen wir die Talachse mit der B7 in Sonnborn auf etwa 140 Höhenmetern. Nach Überquerung der A46 mit Blick auf das Sonnborner Kreuz halten wir uns nun auf dem Radweg entlang der Bahnanlagen des Vohwinkler Bahnhofs bis zur dortigen Filiale des Supermarktes Akzenta.

Immer weiter in südwestlicher Richtung erreichen wir die L357 in Haan-Ost. Mit Kurs Ost überqueren wir die A46 und auch die L357 um an den Einstieg der Korkenziehertrasse zu gelangen. Diese Trasse aus der Epoche der Industrialisierung verbindet seit Ende des 19. Jahrhunderts Solingen, Gräfrath und Haan mit Wuppertal. Heute ist die Trasse ein 15 Kilometer langer Fahrradschnellweg auf dem wir gut Strecke machen. Werkzeuge, Messer und Klingen aus Solingen haben seit dem Mittelalter bis heute Weltruhm erlangt und über die Geschichte dieser Industrie kann man sich im Deutschen Klingenmuseum, im historischen Zentrum von Gräfrath ein umfassendes Bild machen. Wir sausen heute hier nur durch und machen auch für den Fabrikverkauf des Süßwarenherstellers HARIBO keinen Umweg.

Auch die Solinger Innenstadt lassen wir rechts liegen und fahren in östlicher Richtung hinunter an die Wupper zu den gut besuchten Parkplätzen des Müngstener Brückenparks an der L74. Der nun folgende Anstieg schraubt sich mit gut 120 Höhenmetern in den Hang links des Morsbachtals, der Steilheit geschuldet müssen wir immer wieder absteigen und schieben. Auf der Höhe erreichen wir einen Pausenplatz mit Bänken an einem Mirabellenbaum, an dem es mir trickreich gelingt einen noch nicht abgeernteten Zweig zu mir zu ziehen. Wir machen hier auf 221m Höhe eine Pause mit Blick auf unser nächstes Zwischenziel Cronenberg.

Über Sudberg geht es noch einmal hinab nach Aue ins Morsbachtal, von wo uns ein letzter Aufstieg an Fischteichen vorbei hinauf auf die Höhe von Cronenberg bringt. Wir befinden uns auf dem Bergischen Weg und treffen erneut auf forderndes Gelände. Eine Bank lädt ein das Remscheider Panorama nach Osten zu betrachten, bevor wir die Cronenberger Anhöhe erreichen. Am alten, leider ebenfalls etwas runter gekommenen Bahnhofsgebäude von Cronenberg beginnt die Sambatrasse an ihrem südlichsten Punkt. Diesen Teil sind wir bislang noch nicht gefahren.

Eine Tafel weist auf die lange Geschichte Cronenbergs hin. So ist der „Krähenberg“ bereits im 11. Jahrhundert in einer Urkunde des Werdener Stifts erwähnt. Als Croynsberge taucht der heutige Stadtteil zwischen 1218 und 1231 in einem Herbergsregister der Hoefe des Gerresheimer Stifts auf und später um 1312 als Kirchspiel „Villa Seu Parochia Cromberg“

Am Doppelflügelsignal geht es los auf die Trasse, auf der wir bereits nach etwa einem halben Kilometer anhalten müssen. Da steht der knallrote Schienenbus VT 95, der von 1955 bis 1981 die Strecke befahren hat. Mit dem 130 PS LKW- Diesel (Büssing U10) konnte der Triebwagen mit seinem ZF-6- Gang- Getriebe zwar eine Spitzengeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern erreichen, über die kurvenreiche Sambatrasse musste er aber wohl gemütlicher tanzen.

Hier in Cronenberg informiert das Werkzeug- Unternehmen Knipex über seine Firmengeschichte. 1882 übernahm Carl Gustav Putsch den väterlichen Betrieb. Mit einem Gesellen und zwei Lehrlingen produzierte er in seiner Schmiede Zangen – 8 Stück in einer Stunde. Der Grundstein für ein wachsendes Unternehmen war gelegt. Heute produziert das Familienunternehmen Knipex in vierter Generation mit seinen 800 Mitarbeitern 45000 Zangen pro Jahr. 100 verschiedene Modelle werden in 100 Länder der Erde exportiert.

Wiederum 500 Meter weiter werden wir auf ein Café an der Trasse aufmerksam. Es ist die Rückseite einer gut besuchten Konditorei mit einer stattlichen Auswahl an Kuchen und Torten. Es wäre unvertretbar da einfach durchzufahren, so genießen wir Jeder ein Stück von den hausgemachten Torten.

Das Schwimmbad Neuenhof wird ganzjährig von der benachbarten Verbrennungsanlage auf Korzert beheizt. Hier schließt sich unsere Runde im Bergischen Städtedreieck. Wir kehren über den Friedenshain mit dem Von-der-Heydt-Park zurück zum Freudenberg. Eine Fels- Steele erinnert an den Frankfurter Frieden von 1871 am Ende des Deutsch- Französischen Krieges. Wir sind zeitig zu Hause und bereiten uns ein schmackhaftes Abendessen auf dem Gasgrill. Die Tranchen einer perfekt gegrillten Entenbrust auf einem Gemüse- Nudel- Wok mit einem gut gekühlten Rosé schließen den gelungenen Tag wunderbar ab.

A. Korbmacher
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