Allrounder- Kanutour auf der Lahn von Weilburg nach Limburg 2025
Uwe hat uns bereits im Frühjahr seine Idee unterbreitet ein Allrounder- Zeltwochenende an der Lahn zu organisieren. Mit einem Kanu zwei Tage lang dem Flusslauf folgend von Weilburg über Runkel bis nach Limburg zu paddeln so lautet sein Plan. Für uns war es gar keine Frage, denn bei diesem Abenteuer wollen wir natürlich unbedingt dabei sein. Genauso entschieden haben Marc und Heike, Moni und Bernhard und auch Eva.

Uwe reist mit seiner Lebensgefährtin Nicola an und konnte auch noch seinen Neffen Sebastian mit Nadja für sein Projekt begeistern. Die Beiden haben dafür die längste Anfahrt in Kauf genommen, denn sie kommen aus Bautzen. Den letzten Platz hat Eva noch mit ihrer Freundin Silke aufgefüllt. So trudeln am Freitagabend nach und nach alle auf dem Campingplatz in Runkel ein, wo der Kanuverleih seine Homebase hat. Wir kommen früh los am Freitag, zu einer Zeit in der bei Google gleich zahlreiche Staus aufploppen.

Dorothee sucht Alternativen quer durch Köln und so fahren wir zumindest. Wir erreichen Runkel erst nach 19 Uhr und bauen unser neu erworbenes Kleinzelt auf. Es ist schon viele Jahre her, seit wir zuletzt das Zelt als Übernachtungsquartier gewählt haben und so sind unsere Zelte auch schon gut 30 Jahre alt. Es ist einiges los auf dem Zeltplatz, der wie wir hören an diesem Wochenende bis auf den letzten Platz ausgebucht ist. Es gibt ein italienisches Restaurant, wo wir uns gerne ein paar Nudeln to go abgeholt hätten, aber der Laden ist ebenfalls rammelvoll und bei Bestellungen wird uns eine Wartezeit von bis zu 2 Stunden prophezeit.

Meine Laune mit hungrigem Magen nach Arbeit, Anreise und Zeltaufbau hält sich in Grenzen. Na gut wir gesellen uns zu unseren Freunden und essen Brote. Es ist Freitag und rundherum wird feucht fröhlich gefeiert, gesungen und gegrölt. Nicht indianischen Ursprungs sind die aufsteigenden Rauchzeichen rund um das Tipi- Dorf. Mit intensiver Kerosinnote verteilt sich beißender Qualm über das gesamte Zeltlager. Experten am Grill versuchen mit reichlich Grillanzünder schwelende Holzkohle zum Glühen zu bringen. Ein Sicherheitsmann unterrichtet auch uns, dass die Nachtruhe um 23 Uhr einzuhalten sei. Hätte er sich auch sparen können, denn er ward nicht mehr gesehen und erst sehr spät in der Nacht kehrt endlich Ruhe ein. Samstag fängt der Tag sonnig an, Uwe besorgt Brötchen vom Bäcker und inmitten unserer Zelte bereiten wir unser Frühstück.

Unser Camp liegt direkt an der Lahn und hoch über uns thront Burg Schadeck auf einem Felsen. Ich bin gut ausgeruht und genieße mein Frühstück in geselliger Runde in der ersten Morgensonne. Treffpunkt ist um 9 Uhr die Bushaltestelle oberhalb des Lagers beim Nahkauf. Der Bus bringt uns zum Einstieg flussaufwärts bis hinter Weilburg an die Brücke “Ahäuser Weg” bei Flusskilometer 38. Es gibt eine kurze Einweisung zur Technik und zu den Stationen entlang unserer Tour. Doro macht beim Einsteigen ins Kanu den Fehler zu lange zu zögern und drückt es vom Anleger weg. Einen Ausweg suchend lässt Sie sich rücklings in das Boot krachen. Wir können ein Kentern gerade noch verhindern und fassen etwas Wasser. Doro hat sich aber nicht verletzt und mit Schwämmen holen wir das Nass mit Hilfe unserer Freunde wieder raus aus dem Kanu.

Als Team müssen wir beim Paddeln noch zusammenfinden. Wir haben die Kanus jeweils zu zweit, wobei der hinten Paddelnde das Kanu durch Ausgleichschläge auf Kurs hält. In Weilburg geht es sofort spannend mit einer Tunnelfahrt los. Der Schiffstunnel schneidet die Lahnschleife ab, die die Innenstadt von Weilburg umfließt. Am Ende des Tunnels folgt sogleich eine Doppelschleuse bei Flusskilometer 41,3. Wir passieren heute nach der Doppelschleuse noch 4 weitere Anlagen dieser Art unter anderem bei Kilometer 45,1 und 51,1 in Kirschhofen und Fürfurt. Allesamt müssen von Hand mit Muskelschmalz betätigt werden. Immer mit dem gleichen Ablauf- Einfahren in die Schleusenkammer, Tor und Zulauf schließen- dann auf der anderen Seite den Ablauf öffnen bis das untere Flussniveau erreicht ist, Tor öffnen, Rausfahren, Tor und Ablauf schließen. An den Schleusen beträgt der Höhenunterschied, den wir überwinden jeweils einige Meter.

Es ist ordentlich was los auf der Lahn an diesem sommerlichen Wochenende mit Temperaturen an die dreißig Grad. Uwe und Nicola preschen als eingespieltes Team voran, alle anderen arbeiten noch daran das Kanu auf Kurs zu halten. Ein wertvoller Tipp die Strömung optimal auszunutzen kommt von Uwe: “Du must den Fluss lesen!” Die Strecke bis zu unserem Lager in Runkel beträgt 28 Kilometer. Immer wieder gibt es Stellen mit etwas mehr Strömung, an denen es wichtig ist das Kanu in Strömungsrichtung zu halten. Die Teamarbeit läuft immer besser und wir können uns der herrlichen Flusslandschaft zuwenden. Am Ufer gibt es einiges zu entdecken. Wir sehen Wasserschildkröten, ein Reh und auch ein Eisvogel gibt sich die Ehre.

Man tut gut daran sich Schwänen und Gänsen nicht zu sehr anzunähern, sie haben derzeit Junge. Ein Ganter gibt mir das auch unmissverständlich zu verstehen. Ja es ist anstrengend, gleichzeitig aber auch sehr entspannend über das Wasser zu gleiten und nach jeder Kurve tut sich ein neuer Streckenabschnitt vor uns auf. In den Jahren 2017 bis 2018 haben wir die Landschaft entlang der Lahn von der Quelle im Rothaargebirge bis zur Mündung bei Niederlahnstein in den Rhein über den Lahnwanderweg erkundet. Nach gut 16 Kilometern machen wir eine Pause in Aumenau an einer Kanustation. Etwas Kaltes zu trinken und ein Eis bringen mich wieder nach vorn.

So paddelt es sich weg mit weiteren zwei Schleusen bei Kilometer 62,3 in Villmar und kurz vor dem Ziel bei Kilometer 65 in Runkel. Flusskilometer 66 markiert den Ausstieg zu unserem Lager in Runkel. Uns tut der Hintern weh und auch die Beine brauchen einen Moment um sich wieder an den aufrechten Gang zu gewöhnen. Um halb sieben fallen wir noch einmal beim Italiener ein und geben eine Bestellung auf, die heute auch entgegen genommen wird. Wir hinterlassen unsere Telefonnummer und werden schon bald informiert unser Abendessen abzuholen.

Abendessen aus der Pappschachtel, zwar nicht ganz stilvoll, aber mit der leckeren Pizza und einem ausgezeichneten Tinto de Andalucía eine runde Sache. Eine gewisse Müdigkeit macht sich bald bei mir bemerkbar und es fallen erste Tropfen vom Himmel. Gegen neun lege ich mich daher ins Zelt und da bleibe ich auch liegen. Es bleibt im Weiteren trocken, Doro und die anderen Kanuten finden sich noch mal draußen zusammen. Das gestrige Szenario auf dem Platz findet zwar ein Revival, was mich aber nicht mehr interessiert.

Bestens ausgeschlafen lockt mich die Morgensonne zeitig aus dem Zelt. Heute geht es zwar erst um Zehn los, denn die Etappe bis Limburg ist mit etwa 10 Kilometern deutlich kürzer als gestern. Der Wetterbericht hat zum Nachmittag etwas Regen prophezeit und so bauen wir unseren Lagerplatz ab und verstauen alles in den Autos, bevor wir uns zu unseren Kanus begeben, die wir gestern an das Ufer gelegt haben. Sofort treibt uns die Strömung vom Anleger flussabwärts und das paddeln läuft heute fast von selbst. Wir passieren Burg Dehrn und erreichen schon bald Dietkirchen mit seiner dreischiffigen Pfeilerbasilika aus dem Jahr 830 hoch auf einem Felsen. Auch auf dem Lahnwanderweg sind wir hier durchgekommen, ein Besuch des romanischen Bauwerks steht aber immer noch aus.

Es ist ein Katzensprung bis Limburg, wo wir den Ausstieg auf der rechten Flussseite bei Kilometer 75,6 noch vor 13 Uhr erreichen. Mit Blick auf den Limburger Georgsdom fahren wir noch etwas weiter, da sich auf der linken Seite eine Einkehrmöglichkeit auftut. Uwe ist vorgepaddelt und hat einen Gastanleger gefunden wo wir unsere Kanus fest machen. Es ist ein indisches Restaurant, dessen Innenraum eher an eine griechische Taverne erinnert. Da wir noch genügend Zeit bis zu unserer Abholung um 15 Uhr haben essen und trinken wir hier noch was Feines. Gut gesättigt kehren wir zur Slipanlage gegenüber zurück, wo wir noch helfen die Boote zu verladen. Ein Stück zu Fuß laufen wir zum Bus, der uns nun nach Runkel zurückbringt.

Nach diesem gelungenen Paddel- Wochenende verabschieden wir uns von unseren Freunden und kehren ohne wesentliche Staus zurück nach Hause. In Wuppertal ziehen dann doch noch Gewitter mit ordentlichen Regengüssen durch, die uns auf unserer Tour erspart geblieben sind.

A. Korbmacher
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