Andalusien 2022

Andalusien 2022

Unsere Herbstreise 2022 steht Ende Oktober an. Nach vorausgegangenen ereignisreichen Wochen verlasse ich am Freitagmorgen die Intensivstation und erlebe beim Umziehen aus dem Fenster in der 4. Etage meiner Arbeitsstätte einen prächtigen Sonnenaufgang hinter dem Elberfelder Rathaus. Doro holt mich ab und bis mittags baue ich erstmal mein entstandenes Schlafdefizit ab.

Wir haben unsere Reise nach Andalusien ursprünglich als pauschale Wanderreise geplant, die durch den Umstand, dass wir die beiden einzigen Teilnehmer waren auf sehr wackeligen Füßen stand. Letztlich haben wir uns dann entschieden die Buchungen individuell vorzunehmen und die Provinz in Südspanien auf eigene Faust zu erkunden.

Nach mehr als zweieinhalb Jahren hat auch uns 2 Wochen vor unserer Abreise die Covid-Pandemie erwischt. Nachdem ich mutmaßlich nach Patientenkontakt ein paar Tage ausgeschaltet war zeigte auch der Schnelltest bei Dorothee bald zwei rote Striche. Ich konnte mich bereits nach 5 Tagen freitesten, was Dorothee nicht gelang. Sie musste ihre hausärztliche Gemeinschaftspraxis schließen, da sich ihre Kollegin ausgerechnet in dieser Woche im Urlaub befand.

Dann erreicht uns noch die Nachricht, dass die Piloten unserer Fluggesellschaft die vulnerable Phase der zweiten Herbstferienwoche nutzen um einen 3-tägigen Streik anzuzetteln. Unser Abflugtermin ist zwar am Ende der Ferien nicht mehr betroffen, eine Mail der Fluggesellschaft schwört uns allerdings auf lange Wartezeiten bei der Abfertigung am Samstagmorgen ein. Wir folgen neben dem >Online-Check-In< der Empfehlung unser Reisegepäck bereits am Freitagabend in Düsseldorf aufzugeben.

Dabei wird unsere Geduld enorm auf die Probe gestellt, denn wir reihen uns in eine lange Schlange ein. Ein einziger Mitarbeiter der Fluggesellschaft fertigt die wartenden Reisenden ab und nach gut einer Stunde haben wir es geschafft. Mir geht kurz der Hut hoch, dass dieser situativ empfohlene Service zusätzlich berechnet wird. Billigheimer- Politik, mit der dem Kunden neben viel Geduld auch Bares on top abverlangt wird- ganz zu schweigen von den Arbeitsbedingungen des offensichtlich personell unterbesetzten Luft- und Bodenpersonals entsprechen dem gängigen Zeitgeist. Die aberwitzigen Gehälter von Bossen und Vorständen bleiben dabei sicher unberührt. Bei einem Flug von Oslo nach Hause haben wir sogar schon mal unser Fluggepäck selbst einchecken müssen. Einen Gehaltscheck haben wir dafür allerdings nie erhalten 🙂

Samstagmorgen kräht um 2 Uhr der Wecker und mehr als 2 Stunden vor Abflug erreichen wir die Abflughalle. Mit Bordkarte und Handgepäck begeben wir uns direkt zum Sicherheitscheck, wo Personalengpässe in Ferienzeiten gerade in Düsseldorf immer wieder Schlagzeilen machen. Eigentlich geht alles glatt, außer dass Dorothees neue Jacke mit dem Ärmel in der Fließbandmechanik hängen bleibt. Den Schaden geben wir noch zu Protokoll, um uns dann mit einem guten Zeitpolster zum Gate zu begeben.

Pünktlich öffnet das Gate zu unserem Airbus A 320 nach Málaga und mit einer Flugzeit von gut 3 Stunden erreichen wir den dortigen Flughafen „Pablo Ruiz Picasso“. Der namensgebende berühmte Maler wurde in Málaga am 25.Oktober 1881 geboren. Wir haben einen Leihwagen gebucht, den wir in der Tiefgarage des Autovermieters entgegennehmen. Es ist ein brandneuer Opel-Corsa, mit dem wir uns bald auf der Autobahn Richtung Granada befinden. Mit seinen 100 PS und einem 6-Ganggetriebe geht unser Gefährt gut voran, auch wenn der zulässige Tempobereich auf den hiesigen Speedways bei 120 Km/h endet.

Unsere Unterkunft mit dem Namen „Alojamiento Rural El Valle“ liegt westlich von Dúrcal am Rand der Sierra Nevada, etwa 30 Kilometer südlich von Granada. Bevor wir uns unserer Unterkunft zuwenden suchen wir noch einen großen Supermarkt in Granada auf, in dem wir für die kommende Woche unsere Grundversorgung in der Ferienwohnung sicher stellen. Wir erreichen die Anlage über eine enge Zufahrt, für die wir von unseren Vermietern eine Anfahrtsbeschreibung erhalten haben.

Freundlich werden wir von Rogier empfangen, der uns unseren Wohnbereich zeigt, der in der nächsten Woche unser zu Hause sein wird. Mit Freund und Lebensgefährten Alfons bewirtschaftet Rogier seit 4 Jahren die Appartementanlage, in der sich 4 Gäste-Wohnungen befinden. Die Beiden stammen aus den Niederlanden aus der Nähe von Antwerpen. „Alphonso y Rojielio sind die Namen die wir in Spanien verwenden“ meint Rogier, da man sich wenn hinten kein „O“ angehängt ist hier schwer tut mit der Aussprache. Das ist ähnlich wie in Italien, wo Arnaldo einfach besser über die Lippen kommt als Arnd- denke ich mir.

Unsere Wohnung ist stilvoll und zweckmäßig eingerichtet, die kleine Küche bietet alles für die Zubereitung von Frühstück und Abendessen. Wohn- und Schlafraum sind geräumig und vom Schlafzimmer gelangen wir auf eine eigene Terrasse mit einem runden Tisch. Ehemals war „Rural El Valle“ ein Bauernhaus, das am Rande einer Schlucht liegt durch die der Dúrcal- Fluss fließt. Über Treppen gelangt man zu den einzelnen Wohnbereichen, zu verschiedenen Sitz-Bereichen und dem hübschen Pool. Alles ist eingebettet in einen sehr gepflegten Garten mit Dattelpalmen, Citrus-Bäumen und Blumenbeeten.

Obwohl die Sonne scheint ist es seit unserer Ankunft in Málaga sehr dunstig und ich stelle mir die Frage ob es vielleicht mit dem Südwest-Wind zusammenhängt. Die Tagestemperaturen liegen tagsüber in Granada immer noch bei über 25 Grad, wobei es nachts angenehm abkühlt. Wir richten uns ein und lassen den Tag bei einem guten andalusischen Tinto und einem selbstbereiteten Abendessen ausklingen. Lammkoteletts mit Bauernsalat, Brot und Käse- das reicht erstmal zum glücklich sein.

Am Sonntag wenden wir uns Granada zu, fahren mit dem Auto ins Zentrum und parken im Parkhaus „Trifuno“ an der Av. de la Constitutión. Wir passieren eine Parkanlage, die Jardines del Trifuno und den bronzenen Kopf von Gonzalo Fernández de Córdoba. Es handelt sich um einen spanischen Feldherrn, der unter anderem im dreißigjährigen Krieg agierte. Über die Puerta Elvira betreten wir die Altstadt. Durch das Albacín-Viertel suchen wir zunächst die Kathedrale von Granada auf, die allerdings erst um 15 Uhr wieder ihre Pforten öffnet. Wir nutzen die Zeit für einen Kaffee-to-go und setzen uns auf eine Bank an der Plaza de la Romanilla. Wie bestellt beginnt der argentinische Musiker Diego Mauas mit einem spontanen Gitarrenkonzert, das wir durchaus genießen.

Das Christentum hielt erst Ende des 15.Jahrhunderts Einzug in Andalusien. Anfang des 8.Jahrhunderts eroberten die Mauren das damalige Westgoten-Reich. Es folgten Jahrhunderte der Reconquista, der Rückeroberung der iberischen Halbinsel durch die Christen. Erst nach 800 Jahren wurde Granada unter der Herrschaft des Königspaares Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón zurück erobert. Es ist das Jahr in dem Christoph Columbus Amerika entdeckt. Statt mit einer Kathedrale begann man zunächst mit dem Bau der heute benachbarten Grabkapelle Capilla Real, die 1517 vollendet wurde. Die Grundsteinlegung für die Kathedrale fiel auf den 25.März 1523 an der Stelle, an der sich vorher die große maurische Moschee befand.

Wir sind beeindruckt von dem gewaltigen Innenraum, auf dessen gotischem Grundriss mit dem Wechsel des Baumeisters seit 1528 eine Kathedrale im Stil der italienischen Renaissance heranwuchs. 1704 wurde das Gebäude fertiggestellt, 180 Jahre nach der Grundsteinlegung, nachdem die Hauptfassade Ende des 17.Jahrhunderts noch einen barocken Entwurf erhielt. Das fünf-schiffige Gotteshaus hat eine Länge von 180 Metern, eine Breite von 60 Metern und die Kuppel der Capilla Mayor erreicht eine Deckenhöhe von 47 Metern. Geweiht ist die Kathedrale der „Santa María de la Encarnación“. Getragen wird das Gewölbe von einem Wald mächtiger weißer Säulen, zum Altar hin wird das Hauptschiff von 2 spektakulären barocken Orgeln aus dem 18. Jahrhundert flankiert, deren 4000 Pfeifen wir leider nicht zu Gehör bekommen. Es gibt viel zu entdecken in der reichhaltig ausgestatteten Bischofskirche.

In der Capilla Real befindet sich die Grablege der katholischen Könige. Durch ein geschlossenes gotisches Tor besteht eine Verbindung mit der Kathedrale. Hier ruhen in schlichten Särgen die sterblichen Überreste von Ferdinand II. und von Isabella I. Ihre Tochter Johanna (die Wahnsinnige), Schwiegersohn Philipp (der Schöne) und der mit 2 Jahren verstorbene Kronprinz Miguel da Paz haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Wesentlich eindrucksvoller als die Gruft sind die darüber befindlichen Grabmale aus Carrara- Marmor. In der benachbarten Museumssakristei befinden sich unter anderem Krone und Zepter Isabellas und das Schwert König Ferdinands.

Wir verlassen die Kathedrale und wenden uns nun dem Albacín, dem ältesten Stadtviertel Granadas zu. Unser Ziel ist der Aussichtspunkt „Mirador de San Nicolás“, der auf einer Anhöhe gegenüber der Burganlage der „Alhambra“ (Die Rote) liegt. Durch die engen Gassen steigen wir hinauf und so manche Haustür gibt noch Zeugnis der muslimischen Epoche Granadas. Sehr viele Menschen treffen sich zum Sonnenuntergang an diesem Ort und genießen den Blick auf eine der am meisten besuchten Touristenattraktionen Europas, die Stadtburg (Kashba) auf dem Sabikah-Hügel von Granada.

Seit 1984 ist die 740 Meter lange und 220 Meter breite Burganlage UNESCO-Weltkulturerbe und beinhaltet die Palastanlagen der letzten maurischen Herrscher. Wir haben bereits zu Hause Karten für den Besuch am Mittwoch gebucht, was für den Besuch der Nasriden-Paläste wohl dringend zu empfehlen ist. In diesem Bereich wird die Anzahl der Besucher sinnvollerweise in verschiedenen Zeit-Slots eingeschränkt. Wir lassen den Anblick der Burg vor der Kulisse der Sierra Nevada auf uns wirken und kehren auf ein Getränk in eines der Terrassen- Lokale ein.

Die San Nicolás-Kirche hier oben an dem beliebten Aussichtsplatz wurde 1525 auf den Grundmauern einer ehemaligen Moschee errichtet. Seit 2003 versammelt sich die muslimische Gemeinschaft Granadas in der nebenan neu gebauten Mezquita Major. In der gleißenden Abendsonne steigen wir vom Hügel des Albacín am Konvent der heiligen Königin Isabel vorbei, durch enge Gassen hinab ins Zentrum Granadas und in die blaue Stunde hinein zurück zum Auto. In unserer Wohnung bereiten wir uns ein paar Nudeln mit Tomatensauce und Thunfisch. Dazu öffnen wir eine Flasche regionalen Weißweins, den unsere Gastgeber uns zur Begrüßung in den Kühlschrank gestellt haben.

Am Montag zieht es uns hinauf in die Berge der Sierra Nevada. Mit einer Höhe von bis zu 3479m am Mulhacén, dem höchsten Gipfel des spanischen Festlandes erhebt sich dieses karge Gebirge mit den vorgelagerten Alpujarras im Südosten Andalusiens hinter der Mittelmeer-Küste zwischen Motril und Almería. Von Monachil südöstlich von Granada führt eine gut zu fahrende Bergstraße mit Tiefblick auf den Stausee „Embalse de Canales“ zum Nationalpark-Besucherzentrum „El Dornajo“, das wir auch im Weiteren immer verschlossen vorfinden.

Ausgestellt ist hier ein Triebwagen der ehemaligen Eisenbahnstrecke, der „Ferrocarril Elétrico de la Sierra Nevada, die Anfang des 20.Jahrhunderts Touristen von Granada in das Vorgebirge der Sierra Nevada nach El Charcón brachte. Mit Pferdekutschen konnte man dann das Hotel de la Sierra auf 1500 m erreichen. Heute bietet sich die ehemalige Trasse als Wanderweg an.

Wir fahren hinauf bis zur Endstation der Bergstraße im Skiort Pradollano auf 2100m an der Nordwest-Seite der höchsten Erhebungen. Am Parkplatz von Hoya de la Mora endet die Straße an einem Schlagbaum. Das Befahren der sich hier fortsetzenden Passstraße ist touristisch nur noch mit dem Fahrrad gestattet. Mit einer Passhöhe in fast 3400m war die GR-411 von Granada hinüber nach Capileira im Südosten die höchste Pass-Straße Europas. Ich habe mich im Vorfeld informiert und von der Möglichkeit gehört, mit Voranmeldung per Kleinbus bis in eine Höhe von 3100m an die ehemaligen Gefechtsstände des spanischen Bürgerkriegs zu gelangen. Der „Servicio de Interpretacíon de Altas Cumbres“ der andalusischen Landesregierung bietet diesen Service an.

Die Berge haben hier oben sehr kargen Charakter und wir sind nicht abgeneigt diese Aufstiegshilfe zu nutzen. Gut 1000 Höhenmeter Aufstieg am Rande des hiesigen Skigebiets können wir uns so ersparen. Die Reservierung per Telefon und Email hatte sich schwierig gestaltet und in der Albergue Universitario de Sierra Nevada werden wir an das benachbarte Büro der Nationalpark-Verwaltung verwiesen, wo wir mit der Rangerin Ima in Kontakt kommen. Die freundliche Nationalpark-Hüterin reserviert uns für Donnerstagmorgen eine Bergfahrt mit Abholung am Nachmittag und mit Vorfreude darauf verabschieden wir uns von ihr und ihrem netten Hund.

Wir fahren zurück talwärts und halten am Mirador Monte Ahí de Cara, von wo wir nach Westen einen großartigen Blick auf Granada haben. Der Wind bläst gewaltig und hat Potential uns aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ima hatte uns deswegen für unseren Aufstieg den Donnerstag empfohlen. Wir fahren noch einmal zum Einkaufen nach Granada und besuchen dann unseren Pool in der Nachmittagssonne. Viele Schmetterlinge finden sich auf den Blüten der Pflanzen ein. Wieder haben wir ein köstliches Abendessen auf unserer Terrasse. Mit etwas Tomaten-Gurkensalat braten wir uns ein paar Ärmchen vom Polpo und leeren den Rest des Weißweins vom Vortag.

Am Dienstag werden wir den südöstlichen Teil Andalusiens bis hinter Almería durchqueren und über die Küstenautobahn über Motril nach Dúrcal zurückkehren. Wir fahren entlang der Südhänge der Sierra Nevada durch die Alpujarras und besuchen hier zunächst das Bergdorf Capileira an der Südseite der höchsten Erhebungen der Sierra Nevada. Kurz vor Capileira haben wir Blick auf die hohen Summits, den Pico Veleta und den Mulhacén. Unsere Straße bietet auf der Weiterfahrt mit mehreren Miradors immer wieder tolle Ausblicke in die Landschaft.

Unser Weg durch die Alpujarras führt uns auch durch den hübschen Ort Mecina-Fondales. Im hiesigen Hotel wären wir zu Gast gewesen, wenn unsere zuvor geplante Wanderreise geklappt hätte. Es ist ein beschaulicher Ort, in dem wir ein historisches Waschhaus vorfinden. Die Gegend hat traditionell geringe Wirtschaftskraft und die Uhren scheinen hier ein wenig langsamer zu ticken.

Das Bergdorf Trevélez ist ein Hotspot der Schinkenproduktion, denn die hiesige Bergluft soll sich besonders gut für das Trocknen der Schinken eignen. Das Museum zum Thema ist bei unserer Ankunft leider geschlossen. Wir kaufen im Laden aber ein paar Probier-Stücke vom Jamón Iberico aus Trevélez für zu Hause. Ein Jahr vor der Schlachtung fressen die Tiere in den Wäldern vorwiegend Eicheln was dem Schinken einen geschmacklichen Akzent geben soll.

Wir verlassen den Parque National Sierra Nevada über Alcútar weiter durch die Alpujarras nach Osten. Immer wieder bieten sich tolle Blicke in die sich ständig verändernde Landschaft. Über die kurvenreiche A-348 haben wir wiederholt den Eindruck irgendwo im Südwesten der USA unterwegs zu sein. Die Hügel werden zunehmend karger und sind da, wo keine Oliven-, Citrus- oder Obstbäume stehen, nur noch von Buschwerk bewachsen.

Die Wasserläufe in den Tälern scheinen ausgetrocknet. Mehr und mehr windet sich die Asphaltschlange durch die Hügel nach Osten und über Santa Cruz de la Marchena beschreiben wir noch einen Bogen nach Norden um uns dann in südlicher Richtung mit der Fahrt durch die Wüstenlandschaft Desierto de Tabernas der Küste zu nähern. Unser Ziel ist der Parque Natural del Cabo de Gata-Níjar am östlichen Ende des Golfo de Alméria.

Auf dem Weg dorthin mehren sich gigantische Zeltflächen in der Landschaft, unter denen das angebaut wird, was mit viel Sonne gut gedeiht- aber wo kommt eigentlich das Wasser her um diese riesigen Flächen zu bewässern ?- frage ich mich. Irgendwo in dieser Gegend treffen wir auf eine andere Zeltstadt, in der die Menschen leben die hier arbeiten. Man kann es nicht wirklich als „Wohnen“ bezeichnen- hier hausen Menschen unter unwürdigen Bedingungen, unter Brettern und Plastikplanen. Ob legal oder illegal- so sollte niemand leben müssen, der einen gerechten Lohn für seine Arbeit erhält- hier leiden Menschen unter den Sonderangeboten in unseren Regalen. Rogier hat uns von der Plastik- Küste zwischen Motril und Almería erzählt, deren Hinterland sich aus der Luft als riesige weiße Fläche darstellt.

Bei San José nähern wir uns der Küste und mit der ALP-822 befahren wir eine Schotterstraße in den Naturpark, der wir bis zum Strand von Ensenada del Mónsul folgen. Eingebettet zwischen einer Sanddüne und den bizarren Felsen der Steilküste lädt der Strand zu einem Spaziergang in der späten Nachmittagssonne ein. Ein Künstler hat seltsam anmutende Skulpturen aufgestellt, die ein wenig an Skulpturen Dalís erinnern. Die Rückfahrt über die Autobahn entlang der Küste bestätigt uns die Sache mit der Plastik-Küste, an deren Anblick wir wenig Gefallen finden.

Wir kehren erst spät zurück zu unserem Quartier, lassen heute Abend die Küche kalt und belassen es bei einem kleinen Salat mit regionalem Käse, etwas Brot und Wein. Morgen geht es schon wieder früh los, denn am Mittwoch haben wir bereits um 10:00h unseren Zeit-Slot für den Besuch der Hauptattraktion der Alhambra, die Nasriden Paläste.

Der Burgberg Granadas war schon in vorrömischer Zeit besiedelt, die Erbauung einer Burg geht auf die Eroberung der iberischen Halbinsel durch die Mauren seit Anfang des 8.Jh. zurück. Nach unruhigen Zeiten waren es berberische Dynastien, die nach dem Zusammenbruch des Kalifats von Córdoba 1031 die Herrschaft übernahmen. Zur Zeit der Almoraviden und Almohaden ist über das Aussehen der Burg nichts überliefert.

1238 verlegte dann der erste Nasridenherrscher Muhammad ibn Yusuf ibn Nasr seine Residenz von Jaén nach Granada und begründete als Mohammed I. in Granada die Dynastie der Nasriden, die bis 1492 über das Emirat von Granada herrschte. Er veranlasste den Bau der Zitadelle auf dem Gelände der heutigen Alhambra. Gut 250 Jahre herrschten die Kalifen im Emirat von Granada. In dieser Zeit war Al-Andalus ein reiches blühendes Land. Es gab neben einer beeindruckenden Infrastruktur einen Luxus, der in großen Teilen des christlichen Europas unbekannt war. Es gab Schulen für alle Kinder, Kunst und Wissenschaft waren weltberühmt. Das erinnert uns ein wenig an die Blütezeit in Süditalien und Sizilien unter Kaiser Friedrich II.

Der letzte maurische Herrscher Granadas Muhammed XII. (Boabdil) kapitulierte nach langer Belagerung im November 1491 und übergab die Festung am 2. Januar 1492 an die katholischen Könige.

Nach dem sogenannten Alhambra-Edikt der spanischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón folgte eine dunkle, wenig ruhmreiche Zeit in Andalusien. Unter der Schreckensherrschaft der christlichen Inquisition wurden Juden und Ketzer verfolgt, arabische Bücher verbrannt und die islamischen wie auch Teile der jüdischen Bevölkerung zwangschristianisiert.

Im 16. Jahrhundert plante König Karl I. (als Karl V. zugleich Kaiser des HRR) Granada zu seinem Regierungssitz zu machen und ließ einen großen Renaissance-Palast auf der Alhambra errichten. Es ist heute ein Klotz mit einem runden Innenhof, der nie fertiggestellt wurde und auch nicht dauerhaft die Funktion als Königspalast erfüllt hat.

Das Juwel der Alhambra sind bis heute die Privaträume der maurischen Herrscher, die als Herzstück der Burganlage mit ihren Gärten Besucher aus aller Welt begeistern. Trotz der Zerstörungswut der Reconquista und der Inquisition im Land mit dem Versuch der Auslöschung der islamischen Kultur haben die Nasriden-Paläste die Zeiten überdauert. Eine Erklärung wäre, dass einfach auch die christlichen Herrscher von der Schönheit dieser Anlagen begeistert waren.

Wir parken auf den großen Parkplätzen an der Alhambra und tauschen die zu Hause erworbenen Voucher im Büro des Anbieters in Tickets. Wir betreten das Gelände der Alhambra von Osten und kommen am Torre del Agua vorbei, dem Turm der als Wasserspeicher diente. Reste des Aquäduktes, der die Altstadt mit Wasser versorgte kann man noch gut erkennen. Über die Königsstraße gelangen wir auf das Areal der Medina, den ältesten Teil der Alhambra. Archäologische Ausgrabungen haben hier ehemalige Gebäude, wie den Palast der Abencerragen freigelegt. Die Abencerragen sind ein edles maurisches Geschlecht, das bereits im 8.Jahrhundert nach Granada kam.

In diesem Teil der Alhambra befindet sich auch der Konvent des heiligen Franziskus. Bevor wir in den weiteren nordwestlichen Teil vordringen liegen noch die erhaltenen Bäder der Mezquita auf dem Weg. Inspiriert von der römischen Badekultur übernahm die muslimische Welt diese Form der Entspannung. Direkt nebenan befand sich zu Beginn des 14.Jahrhunderts die Mezquita (Moschee), auf deren Fundamenten Ende des 16.Jh. die Kirche Santa Maria de la Alhambra gebaut wurde.

Es folgt der Königspalast der christlichen Epoche auf der Alhambra, der mit seinen Ausmaßen den Anspruch erhebt alles andere in den Schatten zu stellen. Das Bauwerk wirkt irgendwie fehl am Platze, bietet aber heute Raum für das Museum de las Bellas Artes und das Museo de la Alhambra. Dagegen wirkt die Hauptsehenswürdigkeit der Alhambra, der Herrschaftssitz der letzten maurischen Herrscher nach außen recht unscheinbar.

Die im 11.Jh. am Westende des Hügels Sabikah angelegte Alcazaba (Ziriden-Festung), die als rote Burg der Alhambra ihren Namen (Quasr-al-Hamra) gab müssen wir uns für den Nachmittag aufheben. Pünktlich finden wir uns am Zugangsportal zu den Nasriden-Palästen ein. Der erste Raum, den wir betreten ist der Mexuar-Raum mit der angrenzenden nach Mekka ausgerichteten Kapelle. Spätere Veränderungen in der christlichen Epoche berücksichtigten die Einhaltung der Ornamentik der Nasriden.

Wir betreten im Weiteren eine Welt aus Palasträumen und Innenhöfen, deren Schönheit und kunstvolle Ausgestaltung nicht nur uns in ihren Bann zieht. Im goldenen Raum wurden Botschafter empfangen, fanden Besprechungen statt und es wurde Gericht gehalten. Er gilt als Verbindungspunkt des Herrschers zum Volk.

Über den Patio del Mexuar gelangen wir in den Palast von Comares. In der Außenfassade befinden sich mit Jalusien abgedeckte Fenster, hinter denen sich die Wohnbereiche der Konkubinen befanden. Besucher wurden in der Empfangshalle des >Palacio de Comares< empfangen. Die Anlage stammt aus der Mitte des 14.Jh. Im Comares Turm befindet sich der >Salón de los Embajadores<, der Aufenthaltsraum der Botschafter, denen hier neun Alkoven als Bettnischen zur Verfügung standen.

Dieser repräsentative Thronsaal wird in 18 Metern Höhe von einer kunstvollen Holzdecke überspannt, die eine Darstellung der sieben Himmel des islamischen Glaubens wiedergeben soll. Der siebte Himmel ist die letzte Stufe vor dem Paradies. Das Paradies selbst wird durch die zentrale Kuppel über dem Herrscher-Thron symbolisiert. Die Wände sind vollständig mit Ornamentik und Kalligraphien verziert.

Das physikalische Zentrum des maurischen Palastes ziert der >Patio de los Arrayanes<. Wunderbar spiegeln sich die angrenzenden Arkadengänge in der spiegelglatten Wasserfläche des zentralen Wasserbassins.

Ein Höhepunkt der Besichtigung ist der private Wohnbereich des Sultans und seiner Familie im Palacio de los Leones aus dem ausklingenden 14.Jh. Der Innenhof mit seinen auf filigranen Säulen gestützten Arkaden und dem zentralen Löwenbrunnen ist eine Augenweide. Um den kleinen Brunnen im mutmaßlichen Schlafzimmer des Sultans rankt sich eine blutrünstige Legende.

Aus der Konfrontation der granadischen Familien der Abencerrajes und der Zegries entstand der Vorwurf, ein Ritter der Abencerrajes habe mit der Lieblingsfrau des Sultans geschnakselt… Der gehörnte Sultan setzte eine Befragung aller 32 Ritter an. Alle 32 wurden nacheinander über dem Brunnen enthauptet- da das Blut wegespült wurde ahnte der nächste Kandidat nicht was ihm droht. Mann- war der Sultan sauer- wenigstens hat er alle mal gefragt. Alle vielleicht doch nur Opfer von Fake-News?

Bemerkenswert sind die original erhaltenen kolorierten Gipsbrennereien in den Deckengewölben. Dieses typische Stilmittel wird im Reisefürer mit abtropfenden Honigwaben verglichen, was ich recht zutreffend finde. Der größte und längste Raum des Palastes ist der Raum des Königs. Im Deckengewölbe befinden sich Gemälde, unter anderem die Darstellung der 10 Könige der Alhambra. Es ist nicht klar ob diese Gemälde bereits zu muslimischer Zeit entstanden sind, denn der Koran verbietet die bildliche Darstellung von Menschen.

Angrenzend an den Palast der muslimischen Herrscher hat sich auch Kaiser Karl V. einen christlichen Flügel mit eher abendländischen Konzepten eingerichtet. Im Weiteren gelangt man in den Bereich des Partal, wo die besser betuchten adeligen Familien in ihren schönen Palästen und Villen lebten. Der Palacio de las Damas ist ein noch erhaltenes Gebäude, andere Paläste sind den heutigen Gartenanlagen gewichen.

Wir verlassen die Nasriden-Paläste und besuchen nun den ältesten Teil der Alhambra, die Alcazaba (Zitadelle), die bereits im 9.Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde. Vor dem Bau der Anlage lebten die ersten Könige gegenüber auf dem Albacín-Hügel. Der besseren strategischen Lage folgend bauten die Herrscher eine Zitadelle im nordwestlichen Bereich der heutigen Alhambra. Die Festung, die sich mit dicken Mauern und trutzigen Türmen hoch über Granada erhebt wurde nie erobert.

Hier entwickelte sich das militärische Zentrum der Stadt mit den noch erkennbaren Resten der Kaserne, in der die Soldaten untergebracht waren. Am Pulverturm vorbei steigen wir auf den mit 27 Metern höchsten Turm der Anlage, den „Torre de la Vela“ hinauf. Der Rundumblick über die Alhambra, über Granada und die umherliegenden Hügel bis in die Sierra Nevada mit ihren hohen Gipfeln ist großartig. Der Pico Veleta als unser morgiges Gipfelziel ist von hier gut erkennbar. Sicher ein toller Anblick, wenn im Winter Schnee in den Bergen liegt.

Wir verlassen die Anlage der Alhambra und wenden uns den Gartenanlagen am gegenüberliegenden nordöstlichen Hügel zu, die uns an einen weiteren Ort aus „Tausendundeiner Nacht“ führen. Es ist der Sommerpalast der Kalifen, dessen Errichtung auf das 13.Jahrhundert zurückgeht. Das Wasser aus den Bergen speist hier die vielen Wasserläufe in den Gärten und den Höfen des Palastes. Auch hier in den Arkaden und Räumen des „Generalife“ treffen wir auf wunderschöne maurische Ausgestaltung.

Mit dem vielen Wasser ist der Generalife ein erfrischender Ort mit einem tollen Blick hinüber auf die Alhambra. Die Frauen des Kalifen waren auch hier in separaten Räumlichkeiten, dem Harem untergebracht. Eine Wassertreppe, flankiert von wasserführenden Handläufen führt in den oberen Bereich des Gartens. Wasser hat in orientalischen Gartenanlagen offensichtlich eine besondere spirituelle Bedeutung.

Den Kopf gefüllt mit den Eindrücken der wundervollen Orte, die wir heute im Bereich der Alhambra und des Generalife besucht haben freuen wir uns am späten Nachmittag auf ein gutes Abendessen. Wir wechseln dafür mit dem Auto in ein Parkhaus im Stadtteil San Antón und laufen von hier über die Calle Reyes Católicos in nördlicher Richtung. Hier treffen wir gegenüber der Kathedrale in einer Seitenstraße auf den „Corral del Carbón“. Es ist ein erhaltenes maurisches Gebäude aus dem 14.Jahrhundert, dessen Innenhof wir durch ein schmuckvolles orientalisches Portal betreten. Es ist eine ehemalige Karawanserei, die später als Kohlespeicher und Theater genutzt wurde.

Ein Stück weiter kommen wir an der „Plaza Isabel la Católica“ vorbei. Umgeben von Wasserfontänen setzt eine Bronzeplastik Königin Isabella I. von Kastilien in Szene, der kein geringerer als der Seefahrer Christoph Columbus seine Aufwartung macht. Das Denkmal wurde 1892, 400 Jahre nach der Entdeckung Amerikas enthüllt. Isabella gab dem großen Entdecker ihr Einverständnis in die neue Welt aufzubrechen.

Unser Restaurant liegt in der Gasse „Cuesta de Gomérez“ unterhalb der Alcazaba. Es ist das Restaurant „Faralá“, in dem wir einen gelungenen kulinarischen Abend erleben. Unter dem Restaurant befindet sich ein kleines Theater, in dem Tanzvorführungen des klassischen Flamencos stattfinden. Akustisch dringt etwas bis zu uns durch, auch der frenetische Applaus am Ende der Darbietung. Durch die nächtlichen Straßen und Gassen genießen wir den Rückweg zum Auto und sind an diesem Abend wirklich froh auf unser Nachtlager in Dúrcal zu fallen.

Auch am Donnerstag geht es zeitig los, denn wir haben heute eine Verabredung mit Rangerin Ima in Pradollano. Ich gebe unserem Corsa tüchtig die Sporen hinauf über die kurvigen Straßen in die Sierra Nevada. Wir sind pünktlich am Naturpark-Büro und werden dort bereits von Ima erwartet. Um 09:30h steigen wir in ihren Kleinbus und werden von ihr über die spektakuläre Bergstraße bis auf eine Höhe von 3100m gefahren. Der Endpunkt liegt an den „Posiciones del Veleta“, Ruinen von Gebäuden und Gefechtsständen aus dem spanischen Bürgerkrieg. Ima wird uns um 15:30h hier wieder abholen.

Wir machen uns auf den Weg und halten uns zunächst entlang der Passstraße. Es sind nur knapp 300 Höhenmeter hinauf zur Pico Veleta und so gehen wir diesen Aufstieg ganz entspannt an. Dorothee tut sich etwas schwer, was möglicherweise der fehlenden Höhenakklimatisation als auch der Tatsache geschuldet sein kann, dass ihre Corona- Infektion keine 2 Wochen zurückliegt. Es ist angenehm frisch in der Höhe und die noch flach stehende Sonne wirft unsere langen Schatten in die Hänge.

Die Sierra Nevada ist zu großen Teilen Naturpark, dessen Grenzen außerhalb des Skigebietes verlaufen, das sich mit seinen Liftanlagen unterhalb der Pico Veleta erstreckt. Die Landschaft mutet hier oben an wie eine Steinwüste. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts gab es unterhalb des Gipfels noch den südlichsten Gletscher Europas, den Corral de la Veleta.

Vereinzelt werden wir von Fahrradfahrern überholt. Mit zunehmender Höhe verschlechtert sich der Fahrbahnbelag der Straße. Der Blick nach Westen ist unglaublich, tief unter uns liegt die Großstadt Granada. Ein weißes Radioteleskop mit einem Schüsseldurchmesser von 30 Metern wird hier oben als europäisches Gemeinschaftsprojekt betrieben.

Südlich der Pico Veleta erreichen wir die Passhöhe der ehemaligen Trasse nach Capileira und blicken auf den nach Südosten steil abfallenden Gipfelgrat, den wir von hier in Angriff nehmen. Trittspuren entlang des Grates führen hinauf zu ein paar Gipfelaufbauten auf 3394 m. Einige nicht allzu scheue Gämsen halten sich im Gipfelbereich auf. An der Passhöhe liegt eine Biwak- Hütte, die Carihuela-Hütte auf 3224m.

Der Rundumblick ist unglaublich und genau östlich erhebt sich der Mulhacén, der mit 3482 m höchste Berg des spanischen Festlandes. Blickt man in den Dunst Richtung südlichem Horizont scheinen sich Berge hinter dem gleißenden Mittelmeer zu erheben, die meine Peakfinder-App als bis zu über 2000m hohe Gipfel in den marokkanischen Küstengebirgen lokalisiert. Die ehemalige Passstraße windet sich durch die karge Landschaft entlang der Schiefer-Hänge unter dem Mulhacén Richtung Süden.

Wir haben viel Zeit hier oben und genießen dieses Panorama in der sonnigen Gipfelregion der Sierra Nevada. Ich habe mein 300mm Teleobjektiv im Gepäck und mache tolle Fotos von den Gämsen, die sich von uns nicht großartig stören lassen. Iberiensteinböcke lassen sich leider nicht blicken, auch keine Adler die es laut Ima hier oben auch gibt.

Nachdem wir uns nach dem Abstieg noch die Ruinen der Bürgerkriegsstellungen angeschaut haben begeben wir uns um 15:30h an den Abhol-Punkt, wo Ima uns pünktlich einsammelt. Wir kehren zurück nach Dúrcal und bereiten uns etwas zu essen in unserer Küche. Der Wein zum Essen fällt aus, denn ich habe mir vorgenommen in der Dunkelheit noch einmal in die Sierra Nevada zurückzukehren, um mich dem Thema Astro-Fotografie zu widmen. Dafür fahren wir die Bergstrecke hoch bis zum Mirador Monte Ahí de Cara.

Hier sind wir vom starken Wind am Montag fast weggeblasen worden. Heute Abend ist es sehr ruhig an diesem Platz. Die Dunkelheit ist jedoch getrübt durch das Lichtermeer der tief unter uns liegenden Großstadt Granada. Der Himmel ist leider nicht ganz klar und obwohl unzählige Sterne über uns funkeln ist die Milchstraße vom störenden Licht der Stadt und von Wolken verschleiert. Ein Nacht-Biwak an der Carihuela Hütte unter dem Gipfel des Pico Veleta wäre sicher ein lohnenderer Ort für mein Unterfangen gewesen.

Den Freitag wollen wir an einem Strand verbringen. Wir befragen Rogier, wo er uns einen ruhigen und landschaftlich schönen Strand empfehlen kann. Er schickt uns eine kleine Auswahl von Möglichkeiten an der Küste westlich von Motril auf unseren Messenger. Wir entscheiden uns für den Strand >Cala Torre del Pino< östlich von Nerja. Ein Wachturm steht hoch über dem Strand, den man über einen steilen Abstieg von der Küstenstraße erreicht. In beiden Richtungen reihen sich solche Türme in Sichtweite entlang der Küste.

Es ist ein Kiesstrand, an dem wir einen erholsamen Tag am Meer verbringen. Beim Baden sehen wir einige Fische im klaren Wasser um uns herum. Außer uns haben sich heute vielleicht noch 6 andere Gäste an dem einsamen Strand verteilt. Gegen Mittag zieht vom Meer her dichter Nebel an die Küste, den wir erst für Rauch gehalten haben. Dieses Schauspiel löst sich dann aber rasch auf, so dass wir die Sonne wieder genießen können.

Rogier hat uns am Abend auch einen Tisch im Restaurant „El Molino del Puente“ in der Nachbarschaft unserer Ferienanlage reserviert. Das Lokal liegt etwas Schlucht-aufwärts an der gegenüberliegenden Seite der Brücke >Puente de Piedra<. Obwohl Freitag, haben sich nicht viele Gäste eingefunden. Das Menü, das wir hier auf den Teller bekommen übertrifft bei weitem unsere Erwartungen. Spezialitäten vom Land und aus dem Meer hat der Koch wunderbar auf den Teller gebracht. Auch der offene Wein ist nicht von „schlechten Eltern“. Ein toller Tipp von Rogier, der hier auch selbst gerne isst.

Am Samstag wollen wir Pool und Garten unserer Unterkunft noch einmal richtig auskosten. Diesmal geht unser Rückflug erst am Sonntag und so haben wir noch einen Tag, an dem wir uns einfach mal nichts vornehmen und uns treiben lassen. Den letzten Abend verbringen wir auf unserer Terrasse mit einem leckeren selbstbereiteten Abendessen.

Nach Verabschiedung von unseren beiden Gastgebern fahren wir am Sonntag zeitig los nach Málaga. Unser Flug geht um 13:35h zurück nach Düsseldorf, wo wir nach 3 Stunden Flugzeit landen. Um 18:00h sind wir zurück zu Hause. Der Montag erwartet uns mit dem Wecksignal bereits um 6:00h. Wir wollen mehr sehen von Andalusien und haben die Einlösung dieses Vorhabens bereits für das nächste Jahr terminiert.

A. Korbmacher

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