Island 1996

Island 1996

Hier habe ich einen Reisebericht unserer zweiwöchigen Reise nach Island vor dreißig Jahren anhand der handschriftlichen Aufzeichnungen meines Tourenbuchs und meiner Erinnerungen erstellt. Geplant haben wir diesen Trip Mitte August zusammen mit unseren Freunden Moni und Bernhard. Da die angesetzten Preise für die Flugtickets nach Reykjavik bei den größeren Airlines ganz ordentlich zu Buche schlagen, hat Bernhard sich um eine möglichst günstige Verbindung bemüht und ist dabei auch fündig geworden. Moni und Bernhard holen uns am Samstag um 4:00 Uhr in Essen ab. Auf dem Weg laden wir zu dieser frühen Stunde auch unseren damaligen Freund Scott ein, der sich bereit erklärt hat, das Auto wieder zurück nach Essen zu fahren.

Köln/Bonn-Zürich-Keflavik
Köln/Bonn-Zürich-Keflavik

Wir treffen kurz vor 5 Uhr am Köln- Bonner Airport ein, perfekt für den geplanten Abflug um 7:20 Uhr. Gegen 6:00h erfahren wir aber, dass das Flugzeug der isländischen Fluggesellschaft Air Atlanta noch in Reykjavik am Boden steht. Besonders ärgerlich empfinden wir die Tatsache, dass der Abflug ursprünglich erst für 10:35h geplant war. Gegen 7:00 Uhr können wir dann zwar einchecken, verbringen aber gefühlt endlose Stunden am Flughafen bis die L1011 Tristar dann um 11:05 Uhr abhebt. Wir haben in der 20. und 21. Reihe die Plätze H und J und damit jeweils einen Fensterplatz.

Landeanflug Keflavik
Landeanflug Keflavik

In der Erwartung bald das Meer zu erreichen traue ich meinen Augen nicht, als sich am Horizont das Alpenpanorama erhebt. Den günstigen Preis haben wir uns offensichtlich durch einem Stopover- Flug über Zürich erkauft. Nach einer Stunde landen wir also zunächst in Zürich und müssen hier die Maschine verlassen um neu zu boarden. Um 13:50 Uhr starten wir dann mit Nordkurs und einer vierstündigen Flugzeit zum Flughafen Keflavik vor den Toren Reykjaviks. Island hat keine Sommerzeit, was auf der Uhr ein Minus von 2 Stunden und somit eine Ortszeit von 15:50 Uhr bedeutet. Im Großraum Reykjavik leben gut 60 % der isländischen Bevölkerung (ca.400000 Einw.). Der Rest verteilt sich entlang der Küste mit 5 % in Akureyi und den größeren und kleineren Orten entlang der Ringstraße. Das Inland Islands ist weitgehend unbesiedelte Wildnis.

Erstes Zeltlager am Pingvallavatn
Erstes Zeltlager am Pingvallavatn

Wir nehmen unseren 4×4 – PKW, einen Mitsubishi Lancer- Kombi entgegen. Ich erinnere mich, dass diese Anmietung ganz erheblich auf unser Reisebudget gedrückt hat. 40000 Kilometer hat der Wagen auf dem Tacho, den wir bei der Autovermietung mit unserem Gepäck beladen. Wir tauschen noch Geld und fahren los über Reykjavik nach Thingvellir, wo wir am Pingvallavatn- See auf dem Vatnskot- Campground, direkt am Nordufer des Sees unsere Zelte aufbauen. Wir bereiten uns noch etwas zu essen und während die Sonne untergeht haben wir wolkenlosen Himmel und es wird bald empfindlich kalt bei 9 Grad Celsius. Es ist zu dieser Jahreszeit noch lange hell auf der Insel, deren Nordküste etwa 50 Kilometer südlich des Polarkreises liegt.

Thingvellir
Thingvellir

In der Nacht sinken die Temperaturen gegen den Gefrierpunkt ab und beim Verlassen des Zeltes gegen 5:00 Uhr ist der Tau auf dem Zeltdach gefroren. Um 8:00 Uhr am Sonntagmorgen zeigt das Thermometer 3 Grad beim Frühstück. Wir entrichten unsere Übernachtungsgebühr an der Information des Campgrounds, der nur für Zelte zugelassen ist. Gegen 11:00 Uhr parken wir in Thingvellir auf dem Parkplatz an der Almannagjá, einer Felsschlucht, die als Verwerfungslinie zwischen der auseinanderdriftenden amerikanischen und eurasischen Platte klafft. An diesem Ort hielten die Wikinger seit der Landnahme von Norwegen im Jahr 930, während zwei Wochen im Juni ihren traditionellen Althing ab. Diese parlamentarische Versammlung hatte gerichtliche und gesetzgeberische Funktion und im Jahr 1000 wurde hier die Annahme des Christentums beschlossen. Hier sehen wir auch unseren ersten sehenswerten Wasserfall, den Öxarávoss.

Geysir Strokkur
Geysir Strokkur

Um 13:00 Uhr fahren wir weiter über die S36/S35 Richtung Gullfoss, besuchen aber vorher auf dem Weg noch das geothermale Gelände in Geysir. Nachdem wir gerade ein Jahr zuvor noch den Yellowstone-NP in den USA besucht haben können wir auf dem hiesigen Gelände durchaus Ähnlichkeiten mit den dort besuchten Pools, Mudpots und Geysiren erkennen. Hier ist es der Strokkur (Butterfass)- Geysir, der in recht kurzen Abständen immer wieder in den blauen Himmel schießt. Island liegt als Hotspot auf dem mittelatlantischen Rücken und ist eine aus Feuer geborene Insel mit immenser vulkanischer Aktivität.

Am Gullfoss
Am Gullfoss

Gegen 15:30 Uhr geht es weiter Richtung Gullfoss (Goldener Wasserfall). Direkt in der Nähe des Wasserfalles errichten wir unser Lager auf einer Zeltwiese, wofür wir dem Bauern einen Obolus entrichten. Um 17:00 Uhr stehen wir vor den tosenden Wassermassen dieses großen Wasserfalls, über dem sich in der Nachmittagssonne ein Regenbogen spannt. Eine Weile genießen wir dieses Schauspiel vom Felsplateau oberhalb der Schlucht, in die sich der Fluss Hvítá spektakulär ergießt. Zwei Abenteurer haben ihre Transalp- Motorräder am Weg geparkt, die gleichen Modelle wie Freund Arnd und ich sie fahren. Island mit den Reiseenduros zu befahren wäre natürlich der Oberkracher. Erst um 20:00 Uhr bereiten wir uns das Abendessen vor dem Zelt. Uns erscheint es heute Abend nicht ganz so kalt wie gestern, vielleicht wegen der Thermo- Unterwäsche.

Wanderung zum Gjárfoss i Gjánni
Wanderung zum Gjárfoss i Gjánni

Am Montagmorgen kommen wir nach dem Zeltabbau gegen 10:15 Uhr los und fahren über die 30 Süd und 32 Ost bis zum Abzweig Stöng-Hof etwa einen halben Kilometer westlich von Gjáin. Hier gibt es die Ausgrabung der Fundamente eines Wikinger- Hofes zu sehen, der um 1104 fluchtartig verlassen wurde, da der Vulkan Hekla erstmals nach der Besiedlung Islands ausbrach und das Gelände mit Asche verschüttete. Neben dem Langhaus mit Schmiede und Kuhstall wurde auch eine Kirche aus der gleichen Zeit gefunden. Da das Gelände leider verschlossen ist kommen wir der Empfehlung eines Isländers nach, eine kleine Wanderung oberhalb des Hofs zu unternehmen, die uns durch eine zauberhafte Landschaft an den hübschen Gjárfoss i Gjánni führt. Flankiert von Basaltsäulen ergießt sich hier das Wasser in einen kleinen See.

Hjalparfoss- Wikingerhaus- Haifoss
Hjalparfoss- Wikingerhaus- Haifoss

Um 14:15 Uhr sind wir wieder am Auto und fahren nun zunächst auf der 32 ein Stück zurück nach Árnes, wo wir noch einmal volltanken. Wir fahren heute noch Richtung Hochland und da gibt es eher keine Möglichkeiten zu tanken. Die Piste bis zu unserem Ziel in der Landmannalauga wäre gut zu befahren wurde uns in Árnes versichert. Auf der 32 fahren wir nun bis zum Abzweig, der uns zum Hjalparfoss, einem ebenfalls sehr schönen Wasserfall führt. Zurück auf der 32 besuchen wir am Abzweig Pjodveldisbaer den anschaulichen Nachbau des verschütteten Wikingerhofes von Stöng. Weiter auf der 32 biegen wir auf eine sehr holperige Stichstraße ab, die uns zum Haifoss bringt. Von der gegenüberliegenden Klippenkante blicken wir auf den hohen Wasserfall, der sich in den 120 Meter tiefen Canyongrund stürzt. Wir folgen wieder der 32 und 26 in nordöstlicher Richtung bis zum Abzweig auf die F22. Die Piste führt uns durch weite Lavawüste entlang der Hekla, dem 1491 Meter hohen Zentralvulkan einer 40 Kilometer langen Vulkanspalte. Er gehört zu den 3 aktivsten Vulkanen Islands und wird einen Ausbruch im Jahr 2000 haben.

Fahrt ins Hochland- Landmannalauga
Fahrt ins Hochland- Landmannalauga

Kurz vor der Landmannalauga stehen wir vor einer Furt, die wir mit unserem Miet- PKW nicht befahren dürfen. Selbst mit einem speziell umgebauten Geländewagen ist das Durchfahren einer Furt nur mit zwei Fahrzeugen zulässig. Deswegen suchen wir uns einen Lagerplatz ein Stück an der Piste zurück. Es sieht arg nach Regen aus, bleibt aber dann doch trocken. Unglaublich ist das dicke Polster aus isländischem Moos auf den Felsen, auf dem man durchaus bequem liegen kann. Ordentlich warm eingepackt probieren wir das nach dem Essen natürlich ausgiebig aus.

Landmannalauga- Am Bláhnúkur 950m
Landmannalauga- Am Bláhnúkur 950m

Am Dienstag ist das Wetter nicht wirklich einladend, was ein gemütliches Frühstück angeht, so packen wir die noch feuchten Zelte ins Auto. Wir parken an der Furt und können trockenen Fußes über eine schmale Mole das Ufer wechseln. Wir wollen hier in der Landmannalauga unbedingt eine kleine Wanderung unternehmen. Mit etwa 5,7 Kilometern Gesamtlänge führt uns der Weg auf den 950 Meter hohen Bláhnúkur, von dessen Gipfel sich ein tolles Panorama über die endlosen pastellfarbenen Aschehalden öffnet, aus deren Flanken überall Dampf aufsteigt. Die Sonne lässt sich heute leider nicht blicken. An der Rückseite des Berges steigen wir durch geothermal hochaktives Gelände ab in ein breites Flusstal, das soweit das Auge reicht mit Wollgras bewachsen ist. Der absolute Höhepunkt am Ende der Wanderung ist ein Bad in einem Badegumpen mit Wasser in Badewannen- Temperatur.

Naturtherme in der Landmannalauga
Naturtherme in der Landmannalauga

Gegen 16:00h fahren wir die Hochlandpiste über die F22/26 zurück auf die Ringstraße 1 Richtung Hella, wo wir ein paar Einkäufe tätigen. In südöstlicher Richtung passieren wir die Hekla nun südlich und haben bald Blick auf die steilen Klippen der vorgelagerten Westmänner- Inseln. Südlich der Hekla befindet sich Eyafjallajökull, ein Vulkan der im April 2010 ausbrechen wird. Wir nehmen den Abzweig nach Skógar und erreichen gegen 19:00 Uhr den Zeltplatz auf einer großen Wiese am Fuße des Skógafoss. Wir kochen einen Topf Nudeln mit sehr viel Knoblauch und schlafen gut unter den rauschenden Wassern.

Am Skogafoss
Am Skogafoss

Am Mittwoch haben wir nach dem Frühstück gegen 10:00h alles im Auto verstaut, als ein Filmteam sich auf „unserer Wiese“ positioniert. Wir erfahren, dass der Skógafoss die Kulisse für ein „Commercial“ sein soll. Bevor wir weiterfahren laufe ich mit Bernhard aber noch den steilen Treppenaufstieg zum oberen Rand des Wasserfalls hinauf, für ein paar spektakuläre Bilder. Gegen 11:00 Uhr sind wir unterwegs auf der Ringstraße in Richtung Kap Dyrhólaey, dem Südkap Islands. Zunächst laufen wir östlich des Kaps ein Stück am schwarzen Lavastrand mit seinen Basaltklippen umher. Den Felsbogen im Meer können wir von hier nicht gut einsehen, wir fahren hinauf zum Leuchtturm und haben von hier einen großartigen Blick darauf. Wir gehen vom Leuchtturm hinüber auf den Felsbogen, dessen Felswände bis zu 120 Meter senkrecht ins Meer abfallen. Der August ist nicht die Brutzeit der Wasservögel, so dass wir leider nur einige Möwen in den Felswänden sehen.

Kap Dyrhólaey
Kap Dyrhólaey

Gegen 13:00 Uhr fahren wir nach Vik um dort einzukaufen. Durch den Mýdalssandur, einer weiten Wüste aus schwarzem Lavasand in Richtung Skaftafell- Nationalpark geht es dann in östlicher Richtung weiter. Schon von weitem sehen wir die Gletscher rund um die höchste Erhebung Islands, den Hvannadalshnúkur 2110m mit dem Vatnajökull als größtem Gletscher Islands. 1996 erreichen seine Gletscherzungen noch fast das Meer. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wissen- nach unserem Besuch Islands kündigen Erdbeben im September 1996 den Ausbruch des Vulkans Gjálp (Vulkansystem Grimsvötn) unter der gigantischen Eisdecke des Vatnajökull an. Bis Mitte Oktober bildet sich eine gigantische Wasserblase unter dem Eis, die sich am 5. November mit einem gewaltigen „Jökulhlaup“ entleert. Bei diesem Gletscherlauf ergießen sich schlagartig 50000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde und reißen große Teile der Ringstraße mit einigen Brücken ins Meer.

Skaftafell-NP- Auf dem Skaftafellsjökull
Skaftafell-NP- Auf dem Skaftafellsjökull

Um 16:30 Uhr beziehen wir unser Lager auf dem Zeltplatz im Skaftafell- NP. Der Zeltplatz, auf dem wir für zwei Nächte einchecken bietet mit seiner Infrastruktur auch Duschen an, die wir erst einmal ausgiebig nutzen. Gegen 17:30 Uhr machen wir uns dann noch auf einen etwa 3 Kilometer langen Rundweg zur Gletscherzunge des Skaftafellsjökull auf. Ein Stück laufen wir über das Gletschereis und kehren um 20:00 Uhr zurück zum Zelt, wo wir uns etwas kochen. Heute war das Wetter den ganzen Tag bedeckt und scheint am Abend etwas aufzulockern. Am Donnerstag packen wir nach dem Frühstück unsere Rucksäcke für eine Tageswanderung. Der Zeltplatz liegt am Südrand der Skaftafells- Heide, die sich zwischen 2 Gletschertälern erhebt. Zunächst steigen wir in nördlicher Richtung zum Svartifoss auf, einem hübschen Wasserfall, der sich über eine Basaltwand ergießt. In nordwestlicher Richtung laufen wir über die Heidelandschaft, die über und über mit Blaubeersträuchern bedeckt ist. Selten war Blaubeeren sammeln so ergiebig und so pflücken wir auch noch fleißig eine Dose voll für das morgige Frühstück.

Wanderung im Skaftafell-NP 1
Wanderung im Skaftafell-NP 1

Der Weg fällt in das breite Gletschertal Morsáldalur ab, das es über etwa 1 Kilometer zu queren gilt. Der Morsáljökull hat sich hier weit zurückgezogen und immer wieder geben Wolkenlücken den Blick auf seine Gletscherabbrüche frei. Über eine Brücke queren wir den Gletscherfluss und erreichen die Gegenseite des Tals mit der Bezeichnung Baejarstadarskógur (Wald bei einem Hof). An diesem Birkenwald genießen wir die Mittagssonne bei einer ausgiebigen Pause. Oberhalb am Hang gibt es eine 70 Grad heiße Quelle, an der Dampf aufsteigt. Gegen 14.30 Uhr gehen wir weiter und bemerken in östlicher Richtung zum Meer hin dunkle Wolken, von denen wir uns nicht beirren lassen. Gut eine Stunde gehen wir noch weiter bis zum ausgewiesenen Gletschertor des Skeidarárjökull, das wir nicht mehr vorfinden. Möglicherweise ist es an der Stelle zusammengestürzt, an der der Gletschersee kräftig unterströmt wird.

Wanderung im Skaftafell-NP 2
Wanderung im Skaftafell-NP 2

Unsere Tour haben wir als Streckenwanderung mit dem gleichen Weg zurück durch das Gletschertal geplant, wo uns bei einem strammen Geh- Tempo dann doch die Regenwolken einholen. Bis zu unserem Zelt laufen wir durch steten Nieselregen. Wir treffen dabei noch auf Schneehühner in ihrem sommerlichen Tarnkleid. Hin und zurück ermitteln wir eine Wegstrecke von etwa 16 Kilometern. In Anbetracht der Nässe gehen wir im Restaurant des Camping- Platzes essen. Wir essen hier Burger, deren Patties wohl aus Lamm-Hack bestehen. In jedem Fall trocknen unsere Sachen in der warmen Stube und wir nutzen die Gelegenheit zum Kartenschreiben.

An den Gletscherseen 1
An den Gletscherseen 1

Am Freitagmorgen hat der nächtliche Regen nachgelassen und das Frühstück gelingt uns einigermaßen trocken. Gegen 10:30 Uhr fahren wir los zu den Gletscherseen am Breidamerkurjökull, einer der Gletscherzungen des Vatnajökull die am Ende des 19. Jahrhunderts noch das Meer erreichten. Heute sind es bereits einige Kilometer landeinwärts, mit der Klimaerwärmung gehen auch die Gletscher Islands zurück. Am Gletschersee Breidarlon schwimmen einige Eisberge auf dem Wasser, die von der Gletscherzunge regelmäßig abkalben. Es ist leider sehr bedeckt und wir fahren zu einem weiteren See, zum Jökursarlon. Hier werden Rundfahrten durch die Eisberge mit einem Amphibienfahrzeug angeboten. Wir lassen auch wegen des Regens davon ab und fahren weiter auf der Ringstraße Richtung Höfn, wo wir am Hafen auf eine staatlich lizensierte Verkaufsstelle für Spirituosen treffen.

An den Gletscherseen 2
An den Gletscherseen 2

Wir wollen uns für die kalten Abende am Zelt gerne eine Flasche vom isländischen Brennivin kaufen, von dem wir im Reiseführer gelesen haben. Die Isländer nennen ihn auch Svarti Daudi, was übersetzt so viel wie „Schwarzer Tod“ bedeutet. Der Kauf von Hochprozentigem auf Island unterliegt besonderen Regeln und ich muss mich beim Betreten der „Bretterbude“ am Hafen zunächst einmal ausweisen. Gegen umgerechnet 55 DM (heute 27,50 €) erhalte ich 750 ml des legendären isländischen Elixiers. Es stellt sich letztlich als eine Art Aquavit dar, von dem wir uns abends gerne einen Schuss in unseren Tee geben. Alkohol ist wie in allen skandinavischen Ländern auch in Island hochversteuert und selbst Bier mit normalem Alkoholgehalt (4,5%) ist sehr teuer.

Südostküste- Auf dem Weg nach Breidalsvik
Südostküste- Auf dem Weg nach Breidalsvik

Aus dem Reiseführer erfahren wir auch von einer traditionellen „Delikatesse“, die aus einer Zeit stammt, in der das Fermentieren von Fisch eine Form der Konservierung war. Es nennt sich Hákari, wobei Grönlandhai durch einen mehrmonatigen Gärungs- und Trocknungsprozess haltbar gemacht wird. Mit hohen Ammoniak- und Harnstoffgehalt ist sein frisches Fleisch sowohl giftig, als auch ungenießbar. Ich war fest entschlossen das mit Bernhard zu probieren, wir haben leider oder vielleicht auch Gott sei Dank keine Gelegenheit erhalten es zu testen. Gereicht wird die Hardcore- Delikatesse heute eher als Mutprobe mit einem ordentlichen Schluck Brennivin. In Schweden habe ich mal durch ein akzidentelles Missverständnis im Supermarkt eine Dose Surströmming gekauft und mich noch über den etwas gewölbten Deckel gewundert. Der Gestank der nordschwedischen Spezialität, bei der es sich um vergorenen Hering handelt hat mich beim Ansetzen des Dosenöffners für alle Zeiten tief beeindruckt. Ja- Wikinger waren harte Burschen 😉

Eskifjödur
Eskifjödur

Auf der Ringstraße 1 fahren wir immer an der Küste entlang im Wechsel zwischen Asphalt und Piste, mit erheblichen Steigungen mit bis zu 16% hinter Höfn. Kurz vor Hvalnes sehen wir uns die verfallenen traditionellen Torfhütten an, in denen die Menschen früher unter einfachsten Bedingungen gelebt haben. Über exponierte Schotterpisten entlang der ins Meer abfallenden Bergflanken fahren wir mit bereits warnender Tankanzeige den tief eingeschnittenen Fjord Berufjödur entlang und schaffen es noch bis Breidalsvik, wo wir dann die dringend ersehnte Tankstelle finden. Wir tanken 38 Liter, hätten also bei dem angegebenen Tankvolumen von 50 Litern noch Spielraum gehabt. Seltsamerweise fehlt uns seit dem letzten Tankstopp der Tankverschluss. Mit vollem Tank geht es nun mit voller Kraft auf der sagenhaften Küstenstraße weiter fjordein, fjordaus nach Rejdarfjödur. Hier zweigen wir von der Ringstraße ab und fahren auf der 92 entlang des Rejdarfjödur- Fjords nach Eskifjödur, wo wir das Hotel Askja aufsuchen und unser Quartier beziehen. Bis hierher sind wir 1300 Kilometer gefahren, wobei sich ein Teil der Distanz aus den Fjordumfahrungen im Osten der Insel ergibt.

Eskifjödur- Warme Stube im Hotel Askja
Eskifjödur- Warme Stube im Hotel Askja

Das Hotel ist familiengeführt und der Hausherr kocht hier selbst. Auf die Frage ob wir gerne Pizza essen stellen wir angesichts des Fischerhafens im Ort die Gegenfrage, ob es denn vielleicht auch Fisch gibt. Daraufhin verschwindet der Chef in der Küche und serviert uns wenig später ein köstliches Mahl. Es gibt in der Pfanne gebratenen Katzenfisch (Catfish) und wir genießen es frisch geduscht am Tisch zu essen. Zum Nachtisch gibt es Obstsalat und Kaffee, gefolgt von einem traditionellen isländischen Brennivin als Absacker vor dem Schlafengehen. in Eskifjödur leben 1900 Menschen und es gibt zwei Fischfabriken, was für isländische Verhältnisse schon einer kleinen Stadt entspricht. Wir schlafen wunderbar in einem richtigen Bett 🙂

Blindhaedir
Blindhaedir

Am Samstag ist auch das Frühstück im Hotel ein Highlight, bevor wir uns in Eskifjödur noch etwas umschauen. Um 10:30 Uhr fahren wir am Fjord zurück über die 92 bis zur Ringstraße, die wir nun in nördlicher Richtung nach Egilstadir fahren. Über Schotterpiste fahren wir hier durch Ödland in nordwestlicher Richtung bis Grimstadir, wo eine heftige Offroad- Piste abzweigt, die uns zum Wasserfall Dettifoss bringt. Heute hat Bernhard hier seinen Spaß und lässt den Lancer über Wasserlöcher und Blindheads fliegen. Es ist kalt und wir erreichen den beeindruckenden Dettifoss, einen der größten Wasserfälle Europas. Auf einer Breite von 100 Metern stürzt sich der Fluss Jökulsa á Fjöllum, der den nördlichen Teil des Vatnajökull in die Schlucht Jökulsárglijúfur drainiert in die Tiefe. Es ist eine grimmige, unwirtliche Atmosphäre am Abgrund der hier tobenden Naturgewalten bei drei Grad Plus.

Am Dettifoss
Am Dettifoss

Über die gleiche Holperpiste geht es um 14:30 Uhr wieder zurück auf die Ringstraße, über die wir bald in Richtung Westen das Gebiet des Mývatn, des großen Mückensees erreichen. Der See befindet sich im Krafla- Vulkansystem im Norden Islands und überall sehen wir Dämpfe aufsteigen, als Hinweis auf geothermal hochaktives Gelände. Nach der letzten komfortablen Nacht im Hotel können wir uns auch heute nicht so richtig aufraffen im Zelt zu schlafen. Wir machen uns entlang des Ostufers des Sees auf die Suche und fragen leider erfolglos an Häusern und Höfen nach einem Nachtlager. Am Nordufer des Sees in Rejkjahlíd gibt es das Hotel „Reinhild“, wo wir Zimmer zu Sonderkonditionen angeboten bekommen. Für das Doppelzimmer mit Frühstück zahlen wir mit 130 DM/ Nacht nur den halben Normalpreis, dafür loggen wir gleich für 2 Nächte ein. Wir genießen das Bad und das gute Essen am Abend und schmieden Pläne für die nächsten zwei Tage, während es draußen regnet.

Auf dem Weg zum Mývatn
Auf dem Weg zum Mývatn

Am Sonntag frühstücken wir bereits um 8:15 Uhr und bedienen uns vom reichhaltigen Angebot des Buffets, das auch mit seiner Fischauswahl keine Wünsche offen lässt. Um 10:00 Uhr fahren wir los nach Norden in das Gebiet der Krafla. Krafla ist die Bezeichnung für ein Vulkansystem, das sich über eine Länge von 100 Kilometern und eine Breite von 10 Kilometern in Nord-Süd- Richtung erstreckt. Seit 200000 Jahren formt die Krafla mit ihrer Magmakammer in nur 3 Kilometern Tiefe die Landschaft. Mit einem geothermalen Kraftwerk nutzen die Isländer hier seit 1964 die enorme Energie aus dem Erdinneren über 22 Bohrlöcher, die bis zu 2200 Meter in die Tiefe reichen. Die höchste Erhebung ist der Zentralvulkan mit 818 Metern Höhe, der sich über einer Einbruchs- Caldera erhebt. Wir wollen den Berg besteigen und starten von etwa 560 Höhenmetern in einer leicht angeschneiten Landschaft mit in der Sonne funkelnden Eiskristallen entlang des wassergefüllten Seitenkraters Viti. Wir blicken von hier bis zum Mývatn- See im Südosten und sehen sowohl vom Kraftwerk, als auch verstreut in der Landschaft Dampf aufsteigen. Es sind von hier nur 250 Höhenmeter bis zum Krafla- Gipfel mit einer kleinen Messstation, von dem der Rundumblick über das Krafla- Terrain absolut überwältigend ist. Der Himmel ist bedeckt, wir messen hier oben eine Temperatur von 0 Grad und haben eine tolle Fernsicht.

Aufstieg Krafla 818m
Aufstieg Krafla 818m

Wir steigen wieder ab zum Auto und wechseln unseren Standort etwas weiter westlich zum Hang des Leirhnjúkur. Nachdem sich die Krafla Anfang des 18. Jahrhunderts in ihrer Caldera nach 1000 Jahren im Bereich des Viti- Kraters mit einer Ausbruchserie, dem Mývatn- Feuer zurückgemeldet hat, war es von 1975 bis 1984 am Leirhnjúkur das Krafla- Feuer. Nun 12 Jahre danach erkunden wir das Gebiet, und steigen über noch warme Lavafelder, die überall entgasen. Es raucht und stinkt aus allen Löchern und es ist ein wenig unheimlich in dieser Gegend, die an das furchteinflößende Land „Mordor“ aus Tolkiens Fabelwelt erinnert. Ein weiteres Hochtemperaturgebiet erreichen wir am Ostrand des Krafla- Systems über die Ringstraße 1 am Vulkan Námafjall. Hier sind die Solfataren, Fumarolen und Schlammtöpfe absolut sehenswert.

Die Gefährten auf dem Weg nach Mordor
Die Gefährten auf dem Weg nach Mordor

Wir nehmen einen Snack und wenden uns an der Ostseite des Mývatn in Dimmuborgir einer mystischen Landschaftsform zu. Hier, zwischen den Türmen aus bizarr erstarrter Lava leben nach der Isländischen Mythologie Trolle und Elfen. Das Wetter hat sich deutlich geöffnet und so ist es in der Nachmittagssonne ein Genuss das Gelände zu erkunden. Eine letzte Aktion für diesen Tag ist noch der Besuch des Pseudokraters bei Skútustadir. Durch Wasserkontakt führten Krafla- Ausbrüche vor 3600 und 2500 Jahren hier zu phreatischen Explosionen. Wir stehen vor dem mit 37 Quadratkilometern größten See Islands mit einer spiegelglatten Oberfläche. Ein paar Enten ziehen ihre Bahnen und nebenan stehen Islandpferde auf einer Koppel. Fliegen und Mücken umschwirren uns, wir bleiben aber von Stichen verschont. Wir kehren über das Westufer des Sees zurück zum Hotel und schaffen es nach blitzartigem Duschen uns zu unserem Dinner um 19:00 Uhr im Gastraum einzufinden. Laut meinem Tourenbuch haben wir noch gemeinsam die Flasche Brennivin aus Höfn geleert.

Rund um den Mývatn
Rund um den Mývatn

Seltsamerweise kommen wir am Montag schlecht aus dem Bett. Wir frühstücken noch einmal ausgiebig in unserer Unterkunft und packen dann das Auto für die Weiterfahrt. Das willkommene Angebot hinter dem Hotel das Auto mit einer Waschbürste zu reinigen nehmen wir gerne an. Der Blick aus den Fenstern ist jetzt nicht mehr durch eine Lehmschicht blockiert. Vor der Abfahrt sehen wir uns noch die Kirchenruine von Rejkjahlíd an. Anfang des 18.Jahrhunderts haben die Leute hier Zuflucht beim Ausbruch des Mývatn- Feuers gesucht. Die alte Kirche blieb damals zwischen einigen zerstörten Gebäuden verschont, heute stehen nur noch die Grundmauern. Daneben wurde später ein neues Gotteshaus gebaut. Bei heute sonnigem Wetter machen wir uns dann gegen 11:00 Uhr in Richtung Nordwesten auf der Ringstraße 1 auf den Weg.

Godafoss und Torfhof in Laufás
Godafoss und Torfhof in Laufás

Zwischenstopp vor Akureyi, der zweitgrößten Stadt Islands ist ein Besuch des Godafoss. Der Skjálfandafljót, dessen Wasser vom Vatnajökull kommend weiter nach Norden abfließen, stürzt sich hier auf einer Breite von 30 Metern 12 Meter in die Tiefe. Seinen Namen verdankt der Wasserfall der Entscheidung des Althings (Ältestenrats) zur Christianisierung Islands im Jahr 1000 (n.Chr.). Der Gode (Häuptling) soll hier die letzten heidnischen Götterbilder in den Wasserfall geworfen haben. In Akureyi fahren wir über die 83 den Fjord Eyafjödur hinauf nach Laufás, wo wir ein Freilichtmuseum anschauen. Hier wurde ein Torfhof nebst Kirche erhalten und museal hergerichtet, um die Lebensbedingungen der Isländer Ende des 19. Jahrhunderts darzustellen. Die Wände der Gebäude bestehen aus Torfziegeln. Schon seit der Landnahme Islands vor der Christianisierung war Laufás Sitz mächtiger Clanchefs. Wir fahren an der Ostküste des Fjords zurück und über Akureyi hinauf an der Westküste bis Ólafsfjödur.

Unser trautes Heim bei Hofsós
Unser trautes Heim bei Hofsós

Von Ólafsfjödur geht die wunderschöne Piste 802 über einen Pass hinüber in den Fjord Skagafjödur zur Küstenstraße 76. Während der Fahrt haben Moni und Doro in einem Unterkunftsverzeichnis eine Ferienwohnung gefunden, die zu einem Hof gehört, der auch Reitausflüge anbietet. An den beiden einsamen Holzhütten treffen wir leider niemanden an, so fahren wir etwas weiter südlich nach Hofsós, wo wir die angegebene Telefonnummer wählen. Ein Handy haben wir 1996 schon dabei, allerdings nur mit der Funktion zu telefonieren oder eine SMS abzusetzen. Eine Dame meldet sich und bittet uns einen Moment zu warten, damit sie uns abzuholen kann. Sie möchte uns ein Quartier in Hofsós selbst zeigen, wir berichten ihr aber von den beiden Hütten, die wir bereits nördlich in Augenschein genommen haben. Auch das wäre kein Problem und so fahren wir zusammen dort hin, mieten die Hütte für zwei Nächte für insgesamt 250 DM und gehen in Hofsós etwas einkaufen.

Insel Pórdahöfdi- Erkundung 1
Insel Pórdahöfdi- Erkundung 1

Leider müssen wir die Dame noch einmal kontaktieren, da sich die Gasheizung nicht in Gang bringen lässt. Sie kommt prompt noch einmal vorbei und hat auch nicht mehr Erfolg damit. Kurzerhand weist sie uns die andere Hütte zu, die sogar über zwei getrennte Schlafräume verfügt. Über eine kleine Veranda blicken wir aus dem Fenster nach Westen über den Fjord auf die vorgelagerte Insel Pórdahöfdi, die nördlich und südlich durch einen Steindamm mit dem Festland verbunden ist und so den Höfdavatn als See umschließt. Wir fühlen uns sehr wohl in unserer einsamen Hütte am Meer und bereiten uns ein Chili Con Carne, zur Hälfte aus Fertigfutter und zur Hälfte aus frisch eingekauften Sachen. Wir haben keinen Strom, nur Gas und Petroleumlampen. Mit genügend Platz um die noch feuchten Zelte zu trocknen genießen wir den Abend und die Nacht, während draußen der Wind pfeift und der Regen ans Fenster prasselt. Für morgen Nachmittag haben wir einen Reitausflug geplant.

Insel Pórdahöfdi- Erkundung 2
Insel Pórdahöfdi- Erkundung 2

Am Dienstag entsteht beim gemütlichen Frühstück die Idee, die vorgelagerte Insel zu erkunden. Am Ufer liegt ein Ruderboot, damit zu viert hinüberfahren? Ich probiere es aus und versuche mit ein paar Ruderschlägen Abstand vom Ufer zu gewinnen. Da schlägt mir bereits die erste Welle eiskalt in den Rücken, ein Vorhaben was ich schnell verlasse, denn auch auf dem See sind die Wellen nicht zu unterschätzen, ein Kentern wäre ohne Rettungswesten lebensgefährlich. Plan B ist eine Wanderung, die uns über die nördliche Mole hinüberbringen soll. Begleitet werden wir auf dem etwas beschwerlichen Weg über dicke Kiesel von einem (oder zwei?) Seehunden. Auf der Insel angelangt halten wir uns quer über die Erhebungen des Eilandes durch die herrliche Landschaft mit Wollgraswiesen, zwischen denen wir auch ein paar Schafe antreffen.

Ausritt an der Küste bei Hofsós
Ausritt an der Küste bei Hofsós

Spannend wird es am Südpol der Insel, an dem wir tief unter uns den geplanten Rückweg über die südliche Mole erblicken. Es ist 14:30 Uhr und um 16:00 Uhr haben wir unseren Reit- Termin am Hof Vatn. An dem sehr steilen, grasbewachsenen Hang neben der angrenzenden Steilküste könnte ein Sturz erhebliche Folgen haben. Es kostet etwas Überwindung in einer Höhe von etwa 80 Metern in den Steilhang einzusteigen, in dem wir uns vorsichtig und langsam abwärts auf Küstenniveau hinunter arbeiten. Glücklich unten angekommen, bietet der südliche Deich zurück zum Festland noch einige Hindernisse in Form von Wasserläufen, die zu queren sind. Unsere Verabredung um 16:00 Uhr am Hof können wir einhalten und unsere Pferde stehen auch schon gesattelt bereit. Gut 75 Minuten bin ich mit Moni und Bernhard am Fjord nach Norden an unserer Hütte vorbei und zurück unterwegs. Dorothee ist nach ihrem Reitunfall in Florida, der ihr noch lange zugesetzt hat diesmal nicht mit geritten. Ich fahre mit Bernhard einkaufen und wir besorgen eine Tüte mit tiefgefrorenem Fisch, den wir am Abend vor unserer Hütte auf dem Holzkohle- Grill zubereiten. Draußen versinkt gegen 21:00 Uhr die Sonne hinter unserer Lagune. Es war wieder ein toller Tag.

Sunset im Skagafjödur
Sunset im Skagafjödur

Mittwoch bereiten wir uns noch mal ein schönes Frühstück in unserem Heim, das wir leider heute verlassen. In Hófsos begleichen wir unsere Rechnung und machen uns dann auf den Weg fjordeinwärts nach Saudárkrókur, wo wir in südlicher Richtung am Torfgehöft Glaumbaer vorbeikommen. Hier halten wir nicht, da wir ein solches Gehöft bereits in Laufás angesehen haben und fahren weiter bis Varmahlid, wo wir wieder auf die Ringstraße 1 stoßen. Am Ende des Hrútafjödur nehmen wir den Abzweig auf die 68, die uns nun in nördlicher Richtung zu den Westfjorden bringt. Bei der Umfahrung des Köllarfjödur sehen wir einige Robben, die allerdings sehr scheu sind und sich verdrücken, sobald man aus dem Auto aussteigt. Weiter über die Küstenstraße 61 tanken wir in Hólmávik das Auto auf, und nehmen den Abzweig auf eine Piste mit der Kennzahl 608. Wir befinden uns bei Regen und Nebel auf einer Schlaglochpiste, der wir bis zur 60 an der Südküste der Westfjorde folgen. Auch diese rutschig-holprige Piste, die uns nun in einem gefühlten endlosen auf und ab, fjordein- fjordaus weiter nach Westen bringt ist vom Abenteueraspekt kaum zu überbieten.

Unterwegs in die Westfjorde, Fjallfoss, Patreksfjödur
Unterwegs in die Westfjorde, Fjallfoss, Patreksfjödur

Südlich von Flókalundur im Vatnsfjödur an der 62 liegt der kleine Fährhafen von Brijanslaekur, von dem aus eine Autofähre über den Breidafjödur, den etwa 50 Kilometer breiten Fjord über die Insel Flatey nach Stykkishólmur auf der Halbinsel Snaefellsness verkehrt. Die Fähre fasst nur 20 Autos, da für morgen noch Platz ist kaufen wir ein Ticket und besprechen was wir an den Westfjorden heute noch unternehmen wollen. Bernhard würde sich gern den größten Wasserfall der Westfjorde anschauen, laut meinem Tagebuch den Fjallfoss, zu dem wir über die 60 ein Stück nach Norden fahren. Der Fjallfoss ist aber eher unter dem Namen Dynjandi bekannt, da es der Dynjandisá- Fluss ist, der sich hier über sieben Kaskaden um mehr als 100 Meter herabstürzt. Das Wetter ist weiterhin regnerisch, wir fahren über die 60 zurück bis zum Abzweig auf die 63 West und rappeln über Bídudalur nach Patreksfjödur. Wir erfahren, dass die Straßen der Westfjorde eher selten asphaltiert sind.

Am Westkap Islands- Die Vogelfelsen von Látrabjarg
Am Westkap Islands- Die Vogelfelsen von Látrabjarg

In Patreksfjödur wollen wir im Gästehaus „Erla“ übernachten, das wir gegen 20:00 Uhr erreichen. Die Leute sprechen nur isländisch und scheinen völlig erstaunt zu sein, dass wir nach einem Zimmer fragen. Was wir aber verstehen, ist dass man etwa dreißig Minuten Zeit bräuchte um uns Gästezimmer herzurichten. Man empfiehlt uns ein kleines, sehr einfaches Restaurant im Hafen. Wir bestellen Fish & Chips aus der übersichtlichen Karte und trinken ein Bier, bevor wir zurückkehren zu unserer Unterkunft, wo unsere Betten im Souterrain des Hauses hergerichtet sind. Am Donnerstag frühstücken wir gut bei den freundlichen Leuten und machen uns um 8:00 Uhr auf den Weg zu den Vogelfelsen von Látrabjarg. Allerdings will der Tank wieder befüllt werden und die einzige Tankstelle im Hafen von Patreksfjödur öffnet erst gegen neun, Gelegenheit das Auto noch mal von seiner Schlammschicht zu befreien.

Westfjorde- An der Südküste
Westfjorde- An der Südküste

Es ist noch mal ein Ritt über die 612 bis wir um 10:00 Uhr das Westkap Islands erreichen. Das Wetter bleibt eher grimmig und wie auch gestern sehen wir wenig Sonne, bekommen aber dafür immer wieder eine Dusche ab. Ich hätte gerne Papageientaucher (Lundis) gesehen, deren Brutzeit aber längst vorbei ist. Eigentlich sitzen nur Möwen in den Felsnischen. Die Steilküste hier am westlichsten Zipfel Islands ist allerdings spektakulär. Nach einer kurzen Runde von etwa einer halben Stunde an den Vogelfelsen müssen wir uns an die Weiterfahrt machen, die uns zurück über die 612 und mit der 62 zum Fährhafen Brijanslaekur bringt. Hier stellen wir uns in die Schlange bereits wartender Autos, mit deren Verladung um 12:30 Uhr begonnen wird. Ein Auto wird per Kran noch aufs Deck gestellt.

Überfahrt nach Stykkishólmur auf der Halbinsel Snaefellsness über den Breiten Fjord
Überfahrt nach Stykkishólmur auf der Halbinsel Snaefellsness über den Breiten Fjord

Gut 2,5 Stunden dauert die Überfahrt über den Breiten Fjord mit einem Zwischenstopp auf der kleinen Insel Flatey. Die Fähre stampft ordentlich durch die Wellen des Fjords, der sich breit in den Nordatlantik öffnet. Der Fahrstuhleffekt ist nicht jedermanns Sache, was man den teils versteinerten Mienen an Deck entnehmen kann. Von Stykkishólmur geht es dann mit Südkurs über die 55 und 54 nach Borgarnes, wo wir wieder auf die Ringstraße 1 gelangen. 1996 gibt es noch nicht den 5,77 Kilometer langen Hvalfjödur- Tunnel, der den gleichnamigen Fjord unterquert und die Fahrstrecke nach Reykjavik erheblich abkürzt. Nach der Umrundung des Fjords erreichen wir die nördlichste Hauptstadt Europas um 19:00 Uhr. Telefonisch haben wir Zimmer im Hotel „Odinsve“ in der Porsgata 1 bestellt. Das angenehme Hotel liegt zentral, ganz in der Nähe der Hallgrimskirche. Wir essen am Abend ein wunderbares Fünf-Gang- Menü, angeführt von einem schönen Stück Lamm. Nach dem Essen bereiten wir noch unser Gepäck für den Rückflug vor, der morgen Abend, aber erst nach Mitternacht startet.

Ankunft in Reykjavic
Ankunft in Reykjavic

Nach einem letzten ausgedehnten Frühstück wollen wir den Freitag noch für Erkundungen in Reykjavik nutzen. Das Gepäck dürfen wir im Hotel lassen und so begeben wir uns mit dem Auto zunächst zur Avis- Autovermietung, wo wir den „Lancer“ ohne Schäden nach 3000 Kilometern Hardcore- Einsatz zurückgeben. Im Hafen schauen wir eine Weile Fischern zu, die einen Fang an Land gebracht haben. Auch der Nachbau eines Wikinger- Langschiffes weckt unser Interesse. Entlang der Hafnarstraeti und der Austurstraeti durchstöbern wir allerlei Geschäfte und decken uns mit isländischen Wollpullovern und T- Shirts ein. Ein besonders abgesicherter Geschäfts- Eingang lässt an eine Bank denken, weit gefehlt es ist ein großer Spirituosenladen. Hochbesteuert ist der Verkauf von Alkohol staatlich monopolisiert. Die verschließbaren Stahlgitter werden wohl zweckdienlich sein.

Sólfar- Sonnenfahrt- Skulptur im Hafen von Reykjavik von Jón Gunnar Árnason (1986)
Sólfar- Sonnenfahrt- Skulptur im Hafen von Reykjavik von Jón Gunnar Árnason (1986)

Um 13:00h suchen wir das schicke Restaurant Laekjabrekka in der Bankastraeti auf. Ich esse sehr leckeren Monkfisch und Doro lässt sich einen Salat mit Meeresfrüchten schmecken. Nach einem Kaffee laufen wir wieder durch die Straßen im Zentrum Reykjaviks und gelangen am Hellusund 6A an das Red Rock Cinema. Hier kommen wir mit Villi Knudson ins Gespräch, der uns gerne zur nächsten Vorführung seiner Volcano- Show um 17.30 Uhr in sein kleines Filmtheater einladen möchte, was wir zunächst ausschlagen. In zweiter Generation dokumentiert der engagierte Filmemacher seinem Vater nachfolgend alle Vulkanaktivitäten Islands in Wort und Bild. Ich nehme mir aber sein Buch und auch ein Video mit.

Wikinger- Schiff im Hafen von Reykjavik
Wikinger- Schiff im Hafen von Reykjavik

An der Skólarvördustígur entlang laufen wir zur Hallgrimskirche, die auf einer Erhebung der Stadt mit einer Turmhöhe von 74,5 Metern als höchstes Kirchengebäude Islands errichtet wurde. Der expressionistische Entwurf von 1937 wurde ab 1945 umgesetzt und die Krypta 1948 geweiht. 1974 wurde der Kirchturm und erst 1986 das Kirchenschiff vollendet. 1930 erhielt Island von den Vereinigten Staaten zur 1000-Jahr- Feier ihres Althings eine Statue Leif Erikssons geschenkt, die heute vor der Kirche steht. Er war wohl der erste Europäer, der seinen Fuß auf den amerikanischen Kontinent gestellt hat. Nordmänner haben auch die Küsten Grönlands besegelt und besiedelt, bevor ein völlig aus dem Ruder laufender amerikanischer Präsident die fixe Idee entwickelt, Grönland wäre Teil der USA. Wir fahren mit dem Aufzug hinauf in den Glockenturm und haben leider nur eine recht vernebelte Aussicht über Reykjavik, es beginnt zu regnen. Wir kommen dann doch noch auf Villi Knudsons Angebot zurück, wo wir von den Filmaufnahmen seiner Vulkanexcursionen nicht enttäuscht werden.

Unterwegs in Reykjavik
Unterwegs in Reykjavik

Im Hotel verbringen wir den Abend noch einmal bei einem guten Essen. Ich esse noch einmal leckeren Catfish und mit einem Kaffee vertreiben wir uns noch die Zeit bis 22:30 Uhr. Für uns wurde die Abholung durch den Flughafenbus nach Keflavik organisiert, der pünktlich um 22:45 Uhr vor der Tür steht. Am Flughafen Reykjavik, an dem nur Inlandsflüge starten und landen müssen wir umsteigen und sind um 0:00 Uhr am internationalen Flughafen, der weiter südlich auf der Halbinsel Reykjanesskagi liegt. Wir können dort sofort einchecken, die Tristar der Air Atlanta ist nicht ausgebucht und so wird auch unser Übergepäck nicht bemängelt. Der geplante Abflug um 1:00 Uhr verzögert sich auf 2:15 Uhr und mit 2 Stunden Plus erreichen wir Köln-Bonn gegen 7:00 Uhr.

Hallgrimskirche mit der Statue Leif Erikssons
Hallgrimskirche mit der Statue Leif Erikssons

Island ist ein ganz besonderes Reiseziel, das wir mit einer bis dahin nur rudimentären Tourismus- Infrastruktur besucht haben. Wir haben gastfreundliche Menschen angetroffen, die hier in den rauhen Landschaften und Fjorden leben. Das Naturerlebnis inmitten von Vulkanen, Gletschern und der vielen tosenden Wasserfälle ist großartig. Ich habe mit diesem Bericht das Gesehene und Erlebte noch einmal aufgearbeitet und mir ist dabei bewusst geworden, dass diese Reise mit unseren Freunden ein tolles Abenteuer war, dem ich hier ein kleines Denkmal setzen möchte. Leider ist mir bei meinen Recherchen auch aufgefallen, dass der Pauschaltourismus Island längst erreicht hat.

Vernebelte Aussicht über Reykjavik vom Glockenturm der Hallgrimskirche
Vernebelte Aussicht über Reykjavik vom Glockenturm der Hallgrimskirche

A. Korbmacher

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