Apulien 2018

Apulien 2018- Herbstwoche am Fersensporn Italiens

Am ersten Oktoberwochenende fliege ich mit Dorothee und meiner Mutter noch einmal weit in den Süden Italiens. Der Airbus fliegt uns nach Bari, der Hauptstadt Apuliens. Unter der Region Apulien versteht man die 7 Provinzen, die den Stiefelabsatz Italiens bilden. Unser Feriendomizil haben wir uns 150 Kilometer nördlich von Bari am Fersensporn Italiens in der Provinz Foggia, in Mattinata ausgesucht. Die Ferienanlage liegt unterhalb der Ortschaft mit Zugang zu einer breiten Bucht, in deren Hinterland der Bestand von Olivenbäumen dominiert. Es finden sich aber auch alle möglichen Sorten von Zitrusfrüchten, die hier bestens gedeihen. Ein großer Teil der Provinz Foggia ist als Parco Nazionale del Gargano ausgewiesen.

Blick vom Torre Santa Maria
Blick vom Torre Santa Maria

Gegen 9 Uhr landen wir am Samstag auf dem Flughafen von Bari bei regnerischer Gewitterstimmung. Nach Erhalt unseres Mietautos machen wir uns auf den Weg nach Norden. Wir kaufen in einem Supermarkt das Nötigste für die nächste Woche ein und lassen uns Zeit bei der Anfahrt nach Mattinata. Entlang der Küstenstraße durchfahren wir Molfetta und Barletta und erreichen die weitläufigen Salinen bei Margherita di Savoia. Hoch aufgetürmt auf Halden liegt das dem Meer abgerungene weiße Gold. In den Salinen entdecken wir auch eine Flamingo- Kolonie.

Zitrusfrüchte
Zitrusfrüchte

Die Fahrt geht weiter über Zapponeta nach Manfredonia, wo der Stiefelsporn nach Süden den Golf von Manfredonia im adriatischen Meer bildet. Wir genießen die Fahrt durch die süditalienischen Orte und Landschaften, wobei ich stets auch den Straßenbelag im Blick haben muss, um auf dem Flickenteppich keine unliebsamen Überraschungen zu erleben. Dazu gewinnen wir den Eindruck, dass das Einhalten von Geschwindigkeitsbeschränkungen eher als störend empfunden wird. Die Benutzung des Blinkers, die Beachtung eines Überholverbots oder die Einhaltung eines Mindestabstandes wird als reine Option gesehen. Über die verkehrskulturellen Unterschiede sehen wir aber entspannt hinweg und passen unsere Fahrweise so gut es geht an.

Alter Olivenbaum am Torre Santa Maria
Alter Olivenbaum am Torre Santa Maria

Ein echtes Ärgernis stellt allerdings die wilde Entsorgung von Müll entlang der Straßen dar. Müllberge häufen sich in Nothaltebuchten an und stinken zum Himmel. Nach allem was man über diese schon lange bestehende Problematik hört, scheint Profitgier des organisierten Verbrechens hinter der Umwelt- Sauerei zu stecken.

Mattinata Hafen- Auf dem Berg Monte Sant'Angelo
Mattinata Hafen- Auf dem Berg Monte Sant’Angelo

Der Straßentunnel, der uns von Manfredonia nach Mattinata führt ist derzeit geschlossen. Die Umleitung über eine serpentinenreiche Pass- Straße führt unterhalb von Monte Sant’Angelo hinüber in die Bucht von Mattinata. Wir richten uns in unserer Ferienwohnung ein und fahren am Abend noch einmal hinauf nach Monte Sant Angelo auf fast 800 Höhenmeter. Der Blick von hier oben reicht weit entlang der Küste nach Süden. Heute finden wir uns hier oben nur zum Abendessen ein, geplant ist ein weiterer Besuch des mittelalterlichen Orts im Laufe der Woche.

Kaisergruft Friedrich II- Dom Palermo
Kaisergruft Friedrich II- Dom Palermo

Am Sonntag genießen wir unser Frühstück bei herrlichem Sonnenschein und planen die kommenden 6 Tage. Ein Grund unseres Besuchs in der Region ist die Figur Friedrichs II aus dem Adelsgeschlecht der Staufer, auf dessen Person wir bei unseren drei Aufenthalten in Sizilien bereits mehrfach gestoßen sind. 1194 geboren, war er seit 1198 König von Sizilien, 1212 Römisch-Deutscher König (Krönung in Mainz), 1220 Römisch- Deutscher Kaiser bis zu seinem Tod 1250. Neben seinem Großvater Roger II, seiner Mutter Konstanze von Sizilien und seinem Vater Heinrich VI befinden sich auch die Gebeine Friedrichs II in der Kathedrale von Palermo.

Arte Venandi Cum Avibus- Die Kunst mit Vögeln zu jagen
Arte Venandi Cum Avibus- Die Kunst mit Vögeln zu jagen

Dort befindet sich an der Seitenwand auch der Sarkophag von Konstanze von Aragon, der ersten seiner zahlreichen Ehefrauen. Bei seinen Anhängern erfuhr der Kaiser große Bewunderung. „Stupor Mundis“, das Staunen der Welt errang sich Friedrich II als Förderer von Wissenschaft, Bildung und Wohlstand in einem riesigen, multikulturellem Reich mit verschiedenen Religionen. Sein Werk „Arte Venandi Cum Avibus“, die Kunst mit Vögeln zu jagen zeichnet ihn bis heute als Experten auf dem Gebiet der Falknerei aus. Da er 28 seiner 39 Regierungsjahre in Italien verbracht hat findet man auch in der Region Apulien zahlreiche Spuren und viele Kastelle des Hohenstaufers.

Kathedrale San Nicola Pellegrini
Kathedrale San Nicola Pellegrini

Am Sonntag fahren wir nach Trani, eine sehenswerte Stadt, deren Kathedrale sich in ungewöhnlicher Lage auf einer Landzunge nördlich des Hafens befindet. Die Piazza Duomo und die benachbarte Piazza Re Manfredi grenzen an die Uferpromenade und trennen die Kathedrale San Nicola Pellegrini vom benachbarten Staufer- Kastell ab.

Hallenkrypta Santa Maria
Hallenkrypta Santa Maria

Mit dem Bau der Kathedrale wurde bereits 1097 begonnen. Nach 100 jähriger Bauzeit wurde sie erst Ende des 12. Jahrhunderts fertiggestellt. Von den beiden Vorgängerkirchen bildet die Kirche Santa Maria die Hallenkrypta, in dem sich die Gebeine des namensgebenden heiligen Pilgers Nicola Pellegrino befinden. Die dreischiffige normannische Kathedrale mit ihren dicken romanischen Mauern, Rundbögen und Gewölben wird im Inneren von Doppelsäulen getragen. Im Kircheninneren befindet sich auch die kunstvolle Bronzetür aus dem Jahre 1175.

Kathedrale Trani- Blick von der Gallerie
Kathedrale Trani- Blick von der Gallerie

Wir lassen es uns nicht nehmen den 60 Meter hohen Campanile zu besteigen und auf die Stadt und den Hafen herabzublicken. Von der oberen Gallerie hat man einen idealen Überblick über den Innenraum der Kirche. Wegen Baufälligkeit musste der Turm 1952 komplett abgebaut und auf neuen Fundamenten wieder aufgebaut werden.

Blick auf Trani vom Campanile
Blick auf Trani vom Campanile

Das benachbarte Castello Svevo (Schwaben- Kastell), wie die Staufer- Kastelle hier ausgeschildert sind, wurde 1233 als Repräsentationsbau erstellt. 1265 heiratet Friedrichs Sohn Manfred in der Burg. Von 1832 bis 1979 wurde das Gebäude als Gefängnis genutzt. Beim Betreten der noch vorhandenen fensterlosen Einzelhaft- Zellen kann man sich vorstellen, das dies ein dunkles Kapitel dieses Gebäudes war.

Castello Svevo Trani
Castello Svevo Trani

Am Nachmittag steht die Sonne bereits tief und taucht die Frontseite der Kathedrale mit dem Domplatz in warmes Licht. Wir laufen durch die Gassen des ehemaligen jüdischen Viertels der Stadt.

Trani Hafen
Trani Hafen

Am Hafen treffen wir auf eine weitere, sehr alte Kirche aus dem 12.Jahrhundert, die leider verschlossen ist. Die Chiesa Ognissanti wurde von dem Tempelrittern erbaut. Normannische Ritter des ersten Kreuzzugs legten hier ihren Eid ab. Wir verlassen Trani am späten Nachmittag und erste Gewittertürme bauen sich im Hinterland auf. Bei der Rückfahrt nach Mattinata entstehen hochdramatische Bilder an den Salinen bei Margherita di Savoia. Beim Brot-Kauf in einer kleinen Bäckerei in Zapponeta wird es dann unheimlich dunkel und ein gewaltiges Gewitter regnet sich ab.

Salinen bei Margherita di Savoia- Gewitterstimmung
Salinen bei Margherita di Savoia- Gewitterstimmung

Auch am Montag beginnt der Tag wolkig mit einem schönen Regenbogen über den Bergen. An der Küste bleibt es aber trocken und sonnig. So beschließen wir an der Küste des Gargano entlang nach Vieste zu fahren. Immer mal wieder halten wir an der Küstenstraße, wenn sich der Blick auf schöne Buchten oder Felsklippen mit Grotten und Toren öffnet. Auch die Stadt Vieste steht auf weißen Kalksteinklippen. Am Sandstrand unter den Klippen steht ein hoch aufragender weißer Kalkstein- Zahn.

Küste am Gargano vor Vieste
Küste am Gargano vor Vieste

Wir steigen hinauf in die auf den Felsen thronende Altstadt und durchstreifen die engen, alten Gassen. Das hiesige Kastell ist Sperrgebiet der Marine, die Kathedrale finden wir in der Mittagszeit verschlossen vor. Eine ältere Dame ist im Restaurant „Rocca sul Mare“ damit beschäftigt kleine Orecchiette- (Öhrchen-) Nudeln zu formen. Diese möchten wir kosten und nehmen Platz auf der Terrasse mit Adria- Blick.

Handgemachte Orecchiette- Pasta in Vieste
Handgemachte Orecchiette- Pasta in Vieste

Während unseres Essens taucht ein gewaltiges Kreuzfahrt- Schiff auf. Das Schiff mit bunter Rumpfbemalung und der Aufschrift AIDA blu verlangsamt seine Fahrt und geht in Höhe des vorgelagerten Leuchtturms vor Anker. Offensichtlich holt ein Küstenwachen- Boot jemanden von Bord, denn im Hafen von Vieste wartet bereits ein Rettungswagen. Eine Weile verfolgen wir dieses Schauspiel, bis der schwimmende Ferienpalast seine Fahrt nach Süden und wir unsere Fahrt in nordwestlicher Richtung nach Peschici fortsetzen.

Altstadt Vieste
Altstadt Vieste

Wir halten an einer Holzkonstruktion an der Küste, einem sogenannten Trabucco. Mit diesen komplizierten Konstruktionen aus Holzpfählen, Seilen und Auslegern mit Netzen wurden seit dem Mittelalter von der Küste aus Fische gefangen. Die Tradition des Fischfangs von Trabucchis aus wird heute in der Region wiederbelebt.

Traditioneller Trabucco
Traditioneller Trabucco

Hinter Peschici erreichen wir den Lago di Varano. Die über 60 Quadratkilometer große Brackwasserlagune gilt als größter See Süditaliens und wird von zahlreichen Süßwasserquellen gespeist. Als Teil des Nationalparks Gargano bietet sich sowohl in, als auch über dem See eine große Artenvielfalt. Mir kommen verschiedene Reiher vor die Linse, die hier den Fischern auf dem See Konkurrenz machen. Die Sonne steht bereits sehr tief, als wir über Carpino quer durch den Nationalpark Gargano Richtung Südosten über Monte Sant Angelo nach Mattinata zurückkehren.

Fischreiher am Lago di Varano
Fischreiher am Lago di Varano

Am Dienstag wollen wir noch einmal eine längere Anfahrt in Kauf nehmen, um das berühmteste Kastell Friedrichs II zu besichtigen. Es ist das Castel del Monte, ich glaube es war zu meiner Schulzeit in fast jedem Geschichtsbuch abgebildet und ist seit 1996 als UNESCO Welterbe gelistet. Im Nationalpark Alta Murgia im Hinterland zwischen Bari und Trani im Gemeindegebiet von Andria gelegen, sieht man die wuchtige Burg bereits aus einiger Entfernung.

Castel del Monte
Castel del Monte

Wie eine Krone sitzt das 26 Meter hohe, oktogonale Gebäude einer Anhöhe auf und gestattet einen weiten Rundblick über das umliegende Land. An jeder der 8 Ecken befindet sich ein ebenfalls 8- eckiger Turm. Die Zahl 8 kann dabei für das kosmische Gleichgewicht oder die kaiserliche Vollkommenheit stehen. Welche Funktion die Burg letztlich hatte, darüber besteht heute Uneinigkeit. Es fehlen Wehranlagen, die man bei einer klassischen Festung erwarten würde. Sowohl das Eingangsportal als auch die großzügigen mehrbogigen Fenster sind für eine Festung ungewöhnlich reichhaltig verziert.

Castel del Monte- Raum mit Kamin
Castel del Monte- Raum mit Kamin

Die gesamte Marmorauskleidung im Innern wurde leider während einer Phase des Leerstands im 18. Jahrhundert geplündert. Möglicherweise ziert der kostbare Stein heute so manches Haus in Süditalien. Die Decken werden von Kreuzgewölben geformt, die von marmornen Halbsäulen an den Wänden gestützt werden. Deutungen um die Funktion der Burg bewegen sich zwischen Machtsymbol, Jagdschloss und Aufbewahrungsort des Staatsschatzes. Oder war es doch nur die kaiserliche Sommerfrische Friedrichs ?

Alta Murgia- Blick Richtung Andria
Alta Murgia- Blick Richtung Andria

Nach dem Besuch dieses großartigen mittelalterlichen Gebäudes wechseln wir zum Nachmittag unseren Standort und fahren nach Nordwesten in das kleine Städtchen Troia. Entlang der SS16 hat sich die Straßen- Prostitution etabliert, zahlreiche Damen warten entlang der Landstraße auf eine Mitfahrgelegenheit. Wir erblicken Troia auf einer Bergkuppe des Tavoliere. In unserem Reiseführer wird der Besuch der 1093 erbauten Kathedrale Santa Maria Assunta unbedingt empfohlen. Sie gilt als eine der schönsten Apuliens. Leider treffen wir auch heute während der Mittagszeit auf verschlossene Türen. Zwischen 13-16 Uhr bleiben aber nicht nur die Kirchentüren in Italien zu. Man isst dann zu Mittag, was wir in der kleinen Osteria „d’Avalos“ tun. Nach einem guten Mahl wenden wir uns dann der Kathedrale zu.

Nachmittags in Troia
Nachmittags in Troia

Die prunkvolle Außenfassade mit der kunstvollen Rosette wird nun von der Nachmittagssonne angestrahlt. Zahlreiche Tierfiguren und allerlei seltsame Gestalten blicken auf den Besucher hinab, der die Kirche über das Hauptportal betritt. Das schwere bronzene Hauptportal wurde 1119 von einem der berühmtesten Bronzegießer des 12. Jahrhunderts Oderisius von Benevent geschaffen. Auch die Tür an der Südseite, der heutige Eingang, stammt aus dieser Werkstatt.

Troia- Kathedrale Santa Maria Assunta
Troia- Kathedrale Santa Maria Assunta

Wir betreten den Innenraum eines hochmittelalterlichen Gebäudes. Die steinerne Kanzel aus dem Jahr 1169 ist mit Jagdszenen aus dem Tierreich verziert. Das Lesepult wird von einem Adler getragen. Die 12 Säulen des Mittelschiffs stehen für die 12 Apostel, dabei ist  nur die vordere rechte Säule eine Doppelsäule. Die 13. Säule soll dabei Christus als Eckpfeiler symbolisieren. Im hinteren Teil der Kirche befindet sich das steinerne Taufbecken, links des Altarraums ein Fresko aus dem 15. Jahrhundert mit der Geschichte der heiligen Jungfrau in Form eines Triptychons. Die ältere Kirche Troias San Basilio von 1087 ist auch am Nachmittag verschlossen. Im Rahmen von Streitigkeiten mit Papst Gregor IX wurde das papsttreue Troja 1229 von Kaiser Friedrich II zerstört.

Troia- In der Kathedrale
Troia- In der Kathedrale

Es ist Mittwoch und wir haben beschlossen, an unseren letzten 3 Tagen in Apulien auf lange Autofahrten zu verzichten. So fahren wir heute in den Parco Nationale del Gargano und machen einen Spaziergang um den Laghetto d’Umbra im Foresta Umbra, dem Schattenwald. Inmitten des dichten, schattigen Buchenwalds liegt dieser kleine See, in dem sich zahlreiche Fische und jede Menge Wasserschildkröten tummeln. Im Wald stehen Grüppchen von Alpenveilchen, prachtvolle Schmetterlinge flattern umher. Das notorische Klopfen eines Spechts über unseren Köpfen weckt mein Interesse und mit der richtigen Optik auf der Kamera gelingen mir schöne Bilder eines Buntspechts in Aktion. Verschiedene Schutzzonen von D-A im Park reglementieren das Betreten des Waldes bis zum vollständigen Verbot in der Schutzzone A.

Foresta Umbra- Buntspecht
Foresta Umbra- Buntspecht

Nach diesem Ausflug verbringen wir den Nachmittag in unserer Hotelanlage am Pool. Prachtvolle Zitronen, Limetten, Mandarinen und Orangen hängen an den Bäumen in der Anlage. Es ist Anfang Oktober und der Kiesstrand ist wie leergefegt, viele Restaurants haben unter der Woche bereits geschlossen. Obwohl die Tagestemperaturen immer noch die 25 Grad- Marke halten werden die Nächte bereits kühl. Ein Bad im Meer ist für uns trotzdem immer noch angenehm- „Verrückte Touristen !“- werden sich die Einheimischen denken, die sich gerne schon etwas wärmeres überziehen. Am Abend essen wir im „Scarpetta d’Oro“ in Mattinata.

Kiesstrand in der Bucht von Mattinata
Kiesstrand in der Bucht von Mattinata

Am Donnerstag fahren wir noch einmal hinauf nach Monte Sant’Angelo. Monte Sant’Angelo ist nicht nur wegen seiner Höhenlage an den Südhängen des Gargano sehenswert. Die um 1000 gegründete Stadt war im 11. Jahrhundert zur Normannen- Zeit Hauptstadt eines weitläufigen normannischen Gebiets.

Erzengel- Erscheinung in Monte Sant'Angelo
Erzengel- Erscheinung in Monte Sant’Angelo

In einer Grotte unter der Wallfahrtskirche San Michele Arcangelo ist im 5. Jahrhundert der Legende nach Erzengel Michael mehrfach den Hirten erschienen. Wir nähern uns der Kirche vom Parkplatz am normannischen Kastell aus über die Pilgergasse, die von Souvenir-Läden mit Heerscharen von Erzengeln und Padre Pio- Figuren gesäumt wird. Den ältesten und heiligsten Ort der Kirche erreicht man über Treppen sous- terrain in der Grotte, in der sich die Erscheinung zugetragen haben soll.

Eingang zum Santuario di San Michele
Eingang zum Santuario di San Michele

Ohne Pause werden Gottesdienste in vielen Sprachen für die Gläubigen abgehalten. Die Bronzetür am Eingang der Grottenkirche stammt aus dem Jahr 1076. Aus dem 13.Jahrhundert stammt der 8- eckige Glockenturm und die ebenerdige zweiteilige Eingangshalle aus dem 14. Jahrhundert.

Im Grotten- Heiligtum
Im Grotten- Heiligtum

Der heilige Ort brachte Monte Sant’Angelo seit dem 6. Jahrhundert nicht abreißende Pilgerströme ein. Auch für die Kreuzfahrer war der Ort eine obligate Zwischenstation. Als einer der wichtigsten Pilgerorte des Abendlandes wurde San Michele 2011 in die Liste des UNESCO- Weltkulturerbes aufgenommen.

San Michele Arcangelo- Eingangshalle und Glockenturm
San Michele Arcangelo- Eingangshalle und Glockenturm

Ein ganzes Konvolut von mittelalterlichen Kirchen befindet sich in der unmittelbaren Nachbarschaft der Hauptkirche. Wir betreten einen Hof mit Resten von Säulen der Pfarrkirche San Pietro aus dem 12. Jahrhundert. Diese Kirche ist im 19. Jahrhundert eingestürzt, bis auf den Chorbereich, der mit zwei weiteren Kirchengebäuden in Verbindung steht.

Tomba di Rotari, San Pietro, Santa Maria Maggiore
Tomba di Rotari, San Pietro, Santa Maria Maggiore

Linkerhand des Platzes befindet sich die Tomba di Rotari aus dem 11. Jahrhundert. Die Funktion des hohen Kuppelbaus, in dem sich auch Grablegen befanden wird heute in erster Linie als Baptisterium angenommen. In dem mysteriösem Bauwerk befinden sich romanische Kapitelle, Reliefs und Fresken aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

Tomba di Rotari
Tomba di Rotari

Auf der anderen Seite der eingestürzten Kirche San Pietro befindet sich das schmuckvolle Portal der Basilika Santa Maria Maggiore aus dem 12. Jahrhundert. Geldgeberin soll die Mutter Friedrichs, Konstanze von Aragon gewesen sein. Erst in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Fresken aus dem 13. und 14. Jahrhundert wieder freigelegt. Abseits des Touristenstroms lassen wir diese über 800 Jahre alte Kulisse auf uns wirken.

Freigelegte Fresken in Santa Maria Maggiore
Freigelegte Fresken in Santa Maria Maggiore

Klar- auch das Kastell aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts sehen wir uns noch an. Die Normannen bauten die Torre dei Giganti, unter aragonesischer Herrschaft entstanden die beiden Rundtürme. Friedrich II brachte hier seine Geliebte, die Gräfin von Turin Bianca Lancia unter- ja nu, hätte doch sonst leergestanden 🙂

Castello Monte Sant'Angelo
Castello Monte Sant’Angelo

Es sei noch angemerkt, das die Gegend um Monte Sant’Angelo noch so manches zu bieten hat. So haben wir leider das Tor zur Abbazia Santa Maria di Pulsato verschlossen vorgefunden. Die 1177 eingeweihte Abteikirche mit ihrer laut Reiseführer beeindruckenden Lage bleibt somit ein Ziel für einen weiteren Aufenthalt in der Region. Einen Blick auf die Abtei erhaschen wir von der Küstenstraße bei Manfredonia.

Erkundung des Kastells
Erkundung des Kastells

Ganz in der Nähe befindet sich noch ein weiterer wichtiger Wallfahrtsort, San Giovanni Rotondo. Hier wirkte Padre Pio (1887-1968), der mit Spendengeldern den Bau eines Krankenhauses im medizinisch unterversorgten Süden ermöglichte. Als populärer Wunderheiler wurde er für seine Verdienste 2002 heiliggesprochen. Der Stararchitekt Renzo Piano entwarf einen zeltartigen Tempel für 7000 Pilger, in dessen Krypta heute die sterblichen Überreste Pios liegen.

Abendstimmung in Mattinata
Abendstimmung in Mattinata

Am Abend drehen wir noch eine Runde durch die Gassen von Mattinata, wo wir den Tag dann in der „Locanda del Maniscalco“ ausklingen lassen.
Am Freitag lassen wir es ganz entspannt angehen und genießen unser schönes Resort am Torre Santa Maria.

Pool mit Torre Santa Maria
Pool mit Torre Santa Maria

Kulturhistorisch lässt sich hier noch viel entdecken und mit etwas mehr Zeit hätten wir auch gerne eine längere Wanderung im Gargano eingeplant. Wir haben eine entspannte Woche in Apulien gehabt und werden uns hier sicher noch einmal umschauen. Der Wecker geht am Samstag sehr früh, denn gegen 9:30h sind wir bereits auf dem Weg nach Hause. Und Hallo ?- in Düsseldorf sind die Temperaturen Mitte Oktober noch höher als in Bari.

Schön war's !
Schön war’s !

A. Korbmacher

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