Helsinki- Nordkap- Oslo 2026-
8500 Kilometer durch Finnland und Norwegen
Ende Mai steht unsere dreiwöchige Exkursion zum Nordkap an. Wir haben die Fährpassagen, sowie auch einige Unterkünfte vorgeplant und sind sehr gespannt auf diesen Trip, der uns von Helsinki aus hinauf an den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes führen wird. Vor 20 Jahren haben wir den Südwesten Norwegens bereist und haben dort den südlichsten Punkt des Landes am Lyndesnes Fyr passiert. Ein Schild gab dort die Distanz zum Nordkap mit über 2500 Kilometern an. Ich habe am Donnerstag auf einen ruhigen Nachtdienst gehofft, mir waren aber durch einen OP- Einsatz mitten in der Nacht nur vier Stunden Schlaf vergönnt. Mein Job am Freitagmorgen ist es dennoch, bei hochsommerlichen Temperaturen das vorbereitete Gepäck im Auto zu verstauen. Wir haben uns seitens der Ausrüstung auch auf die Option zu Campieren eingerichtet. Ich bin dann aber hundemüde und lasse mich danach für gut eine Stunde in den Tiefschlaf fallen. Gegen 14:00 Uhr hole ich Dorothee von der Praxis ab.

Kurz noch zu Hause vorbei, dann sind wir gegen 14:45 Uhr mitten in der Rush- Hour Wuppertals auf dem Weg Richtung Autobahn. Zum Beginn eines sonnigen Wochenendes wie diesem ist sowohl die Lage auf der Autobahn, als auch bei mir alles andere als entspannt. Über die Asphaltpisten NRWs, dem bevölkerungsreichsten Bundesland der Republik rollt eine nicht enden wollende Blechlawine. Immerhin fahren wir, wenn auch stockend über die A46/A1 bis Dortmund, von wo es zunehmend flüssiger über die A2 bis Hannover geht. Mit der A7 und A1 an Hamburg vorbei nach Lübeck läuft es jetzt. Bei Lübeck tanken wir für derzeitige Verhältnisse günstigen Diesel für 1,82€/Liter. Nach dem Angriff der USA auf den Iran ist es weder zu einem Umsturz des Mullah- Regimes, noch zu einem Ende des Nuklearprogramms des Gottesstaates gekommen, dafür aber bedingt durch die Blockade der Meeresenge von Hormus zu horrenden Spritpreisen. Nach einem Burgerdiner in Reinfeld/Holstein fahren wir durch bis zum Skandinavienkai in Travemünde. Hier checken wir für unseren Fährtransfer nach Helsinki ein und reihen uns gegen 21:30 Uhr in die Warteschlange der Finnlines.

Wir haben nun einen Zettel für die Windschutzscheibe, einen Kabinenschlüssel und einen Stapel Karten für unsere Mahlzeiten an Bord erhalten und sehen zu, wie sich die weiter ankommenden Autos in die Spuren vor dem Fährterminal einreihen. Aus der riesigen Fähre, die wir leider nur aus der Entfernung sehen können werden zahlreiche LKW- Auflieger von blinkenden Zugmaschinen entladen. Es wird dunkel und von Westen her zucken Blitze durch den Abendhimmel. Es ist recht warm und bei einsetzendem Regen müssen wir die Fenster schließen- es zieht sich bis sich um 23:00 Uhr die ersten Autos in Bewegung setzen. Wir fahren begleitet von einem Pilot- Fahrzeug auf das oberste Autodeck (Deck8) der Finnlines- Fähre „Finnmaid“ und parken unser Auto unter Anweisung eng zwischen den anderen Karossen ein. Fremde Kennzeichen an Luxusautos können wir als Landeskennzeichen von Kuwait identifizieren. Bei unerträglichen Temperaturen in ihrer Heimat bietet der Norden sicher die willkommene Abkühlung.

Wir sind beide ziemlich groggy und freuen uns auf unser Bett. Das Reinigungsteam hat die Kabinen auf unserem Deck 9 noch nicht freigegeben. So warten wir geduldig, bis uns der Zugang gewährt wird. Wir haben eine Außenkabine an Steuerbord mit der Nummer 9073. Bevor wir aber schlafen gehen fahren wir nach einer kurzen obligatorischen Sicherheitsunterweisung mit dem Aufzug auf das Passagierdeck 12, wo wir Zugang zum Aussichtsdeck und dem Hubschrauberlandeplatz des Schiffes haben. Wir sehen noch der „Peter Pan“ der TT- Lines beim Auslaufen zu und sind erstaunt über die Massen von LKW- Aufliegern am Ufer, die teilweise auch auf unser Schiff verbracht werden. Die Finnmaid ist eine Fähre der Finnlines, die vorrangig für den Güterverkehr ausgelegt ist und mit einer Länge von 218,8 Metern und einer Breite von 30,5 Metern eine Ladestrecke von 4,2 Kilometern für Fahrzeuge hat. 554 Passagiere können an Bord untergebracht werden. Für ein Bruttogewicht von fast 46000 Tonnen liefern die vier Hauptmaschinen des Schiffes eine Leistung von 65000PS. Wir kommen an der Bar vorbei, wo wir uns noch ein finnisches „Karhu Iva“- Lager gönnen, bevor wir uns um 1:30 Uhr endlich schlafen legen. Wir bekommen das Auslaufen des Schiffs gegen 2:00 Uhr nicht mehr mit. Die Schiffs- Zeit entspricht mit +1 Stunde der Ortszeit von Helsinki.

Den Wecker haben wir durch die an Bord geltende Schiffszeit am Samstag zu früh gestellt. So haben wir bis zum Frühstück um 9:00 Uhr noch Zeit für einen morgendlichen Besuch des Aussichtsdecks. Das Schiff gleitet erstaunlich ruhig mit 25 Knoten über die Ostsee nördlich an Rügen und südlich an Bornholm vorbei. Ab hier liegt Kurs 035 Grad Nord- Nordost an, quer durch die zentrale offene Ostsee. Wir sind fast allein hier oben bis wir mit einem Herrn aus Bayreuth ins Gespräch kommen. Er erinnert uns von seinem gesamten Habitus an unseren Freund Frank, er könnte fast sein Bruder sein. Wir werden auf der Distanz von 611 Seemeilen, also 1132 Kilometern über 30 Stunden bis Helsinki unterwegs sein, Zeit die wir mit dem Durchstöbern des Schiffs, einem Sonnenbad und einem Mittagsschlaf angehen. Am Nachmittag passiert die Finnmaid Öland und Gotland. Am Abend suchen wir um 18:30 Uhr unseren Tisch im Baltic Sea Restaurant auf. Das Buffet- Angebot ist riesig und wirklich lecker. Der Verlockung alles zu probieren sollte man nicht erliegen, denn auch mit einer Auswahl der guten Sachen erreichen wir einen mehr als vernünftigen Sättigungsgrad. Spektakulär beleuchtet die späte Sonne die Wolkenszenerie am Himmel. Wenig später zeichnet der aufgehende Fast- Vollmond eine goldene Straße auf das Meer. Wir schlafen gut in den Kojen unserer Kabine.

Mit dem Wecker um 7:30 Uhr befinden wir uns am Sonntag bereits zwischen den Küsten von Estland und Finnland. Wir bedienen uns am Frühstücksbuffet, während der Skipper im Finnischen Meerbusen zwischen Estland und Finnland den Kurs auf Helsinki richtet. Wir passieren in der Fahrrinne bereits die ersten Inselchen, als wir uns auf der Aussichtsterrasse einfinden. Die Skyline der finnischen Hauptstadt liegt unter einer dichten Wolkendecke. Mit einem gekonnten Wendemanöver parkt der Skipper den über 200 Meter langen Koloss gekonnt rückwärts an den Liegeplatz im Fähr- und Containerhafen ein. Gegen 10:30 Uhr verlassen wir Schiff, Hafen und Helsinki. Der Stadt wollen wir eine separate Reise widmen und machen uns direkt auf den Weg nach Kuopio. Entlang der Strecke werden wir ein paar interessante Locations anschauen. Den ersten Zwischenstopp legen wir in nordöstlicher Richtung über die E18 in Porvoo ein. Am Fluss Porvoonjoki gelegen, ist es ein alter Ort mit mittelalterlicher Kathedrale aus dem 13.Jahrhundert. Am Fluss steht eine Kanone aus dem Winterkrieg 1939-1940, in dem Finnland gegen Russland kämpfte. In einem Lakritzgeschäft kaufen wir ein paar Beutel von den leckeren Süßigkeiten.

Über die E18 zweigen wir in Koskenkylä Forsby auf die 6 ab und machen einen weiteren Halt in Elimäki, da sich hier eine der ältesten Holzkirchen Finnlands von 1638 befindet. Diese Kirche ist aber geschlossen und wir setzen unsere Fahrt fort über die 6 nach Kouvola und über die 46 und 15 bis Mikkeli. Hier steht am Bahnhof ein historischer Eisenbahn- Salonwagen aus den vierziger Jahren, mit dem der finnische Oberbefehlshaber der Armee und späterer Staatspräsident Finnlands Carl Gustaf Emil Mannheimer weit gereist ist. Zwischen den Seen der finnischen Seenplatte bringt uns die 5 immer weiter nach Norden. Die Straßen gehen sehr gerade durch die Landschaft. Die zulässige Geschwindigkeit liegt im Wechsel zwischen 80 und 100 Km/h, was auch gnadenlos überwacht wird. Vor Elchen wird ebenfalls intensiv gewarnt. Kurz halten wir an einem „Lost Place“, einem ausgeschlachteten russischen Kampfhubschrauber. Gegen 17:30 Uhr erreichen wir nach gut 400 Kilometern Anfahrt Kuopio, wo wir auf dem kleinen Hotelschiff „Wuoksi“ im Hafen eine Kabine mit Frühstück gebucht haben. Wir richten uns kurz ein und machen uns auf den Weg zu einem Restaurant in der Nähe.

Das Restaurant „Sampo“ bietet eine lokale Spezialität in vielen Versionen an. Gebratene kleine Maränen, die mit Gräte und Flosse komplett verzehrt werden schmecken wirklich gut. Die freundliche Wirtin schenkt uns dazu das lokale Bier ein und verrät uns neben dem Trinkspruch Kippis! (für Prost) die alternativ gerne verwendete Aufforderung „Höllökyn-Köllekyn“, die für „Hau weg“ oder „Ex und Hopp“ steht. Wir machen eine Runde durch Kuopio an Kirche, Markt und Rathaus vorbei. Der Himmel hat sich geöffnet und die Sonne scheint. Wir setzen uns am Hafen auf eine Relax- Liege und genießen den Blick auf den Kallavesi- See. In unseren Schiffskojen auf der Wuoksi schlafen wir gut- unser Frühstück auf dem liebevoll eingerichteten Dampfer nehmen wir auf dem Oberdeck ein und machen uns gegen 9:00 Uhr auf den Weg. Das Wetter ist wieder recht bedeckt und mit Hauptkurs Nord haben wir als Zwischenziel auf unserem heutigen Weg nach Oulu die schwedische Burgruine in Kajaani anvisiert. Die Fahrt durch Finnland hat ihre Längen. Gefühlt kurvenfrei zieht sich die Trasse durch die Wälder und entlang der unzähligen Seen Finnlands. Wir verlassen zwischendurch den Highway um über kleinere Schotterstraßen näher an den zahlreichen großen und kleinen Seen der mittleren finnischen Seenplatte vorbeizufahren.

Es regnet sich zunehmend ein und bei unserer Ankunft in Kajaani mit der E63 habe ich keine Lust lange zur Burgruine zu laufen. Wir finden einen näheren Haltepunkt an einem Stauwehr am Kajaaninjoki- Fluss. Die Burgruine liegt direkt gegenüber auf einer Insel unter einer Autobrücke. Es ist gerade trocken und so durchstöbern wir die Reste der Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert. Weiter geht es bis Mainua auf der E63 zurück, der 28 West bis Vuottolahti, der 879 Nordwest bis Alakylä, der 800 West bis Nuutila und der 8250 wieder mit Nordkurs bis Muhos. So haben wir die große Seengruppe mit dem Oulujärvi westlich umfahren. Mit der 22 Nordwest erreichen wir gegen 15:00 Uhr Oulu und suchen dort nach einer günstigen Tankstelle. Mit 2,09€/L haben wir einen Schnapper gemacht, bis 2,36€/L hatten andere am heutigen Tag im Angebot. Unser Quartier liegt auf dem Insel- Stadtteil Pikisaari. Unsere vorgebuchte Unterkunft „Turusen Saha“ befindet sich in einem historischen Haus, in dem früher die Arbeiter einer Teerfabrik untergebracht waren. Pikisaari, die Pechinsel war seit dem 17. Jahrhundert international bekannt für die Produktion des begehrten Holzteers für den Schiffsbau. Wir richten uns ein in unserem Zimmer in dem privat geführten Haus und besuchen den Altstadtbereich rund um den Marktplatz.

Oulu liegt an einer Bucht im Bottnischen Meerbusen. In diesem Jahr ist die Stadt mit anderen Orten Kulturhauptstadt Europas. Witzigerweise findet hier jährlich die Luftgitarren- Weltmeisterschaft statt. Am Theater vorbei gelangen wir in den Altstadtbereich rund um den Markt mit seiner alten Markthalle, vor der eines der Wahrzeichen der Stadt, der Toripollisi steht. Die Bronzefigur stellt einen dicken Marktpolizisten dar, der sich sogar als Ampelmännchen auf Ampeln der Partnerstadt Leverkusen wiederfindet. Ein wenig verweilen wir noch auf den Stufen der Kaimauer gegenüber des Theaters in der Sonne, die sich auch heute Abend wieder durchgesetzt hat. Wir laufen zurück nach Pikisaari und kehren ganz in der Nähe unserer Unterkunft in das Restaurant „Sokeri- Jussin Kievari“ ein. Es ist ein historisches Haus, das in früheren Zeiten als Lager und Werkstatt der Schiffbauer diente. Die damals hier eingesetzten Schmierstoffe haben dem Dielenboden sein dunkles fleckiges Kolorit gegeben. Die Speisekarte enthält traditionelle finnische Küche, die unter den alten Holzbalken der Gaststube serviert wird. Dorothee bestellt sich Rentierfilet mit einer Wacholdersauce- ich darf probieren- ein Traum! Das Lakritz-Eis zum Nachtisch hat durch einen speziellen Lakritz- Likör eine leicht rauchige Note, angelehnt an die Geschichte der Pechinsel Pikisaari.

Am Dienstag treffen wir am Gemeinschaftstisch in der Küche auf zwei finnische Paare, mit denen sich ein angeregtes Gespräch ergibt. Die sympathischen Gastgeber Marjatta und Pekka haben das Frühstücksbuffet vorbereitet. Pekka hat ein tolles Käseomelette gezaubert und zu erwähnen ist die selbstgemachte Blaubeermarmelade. Nachdem wir uns ausgiebig mit den anderen Gästen und den Gastgebern ausgetauscht haben ist es fast 10:00 Uhr. Wir verlassen Oulu über die E8 Nord immer an der Küste des Bottnischen Meerbusen entlang. Bei Ii zweigen wir nach Westen ab um bei Karhu an einem Strand einen Blick auf das Meer zu werfen. Auch heute schauert es immer mal wieder etwas, über die E8 fahren wir die Meeresbucht dann ganz hinauf bis Kemi. Wir wollen uns hier den für den Arbeitseinsatz ausgedienten Eisbrecher Sampo ansehen, der sich allerdings wie alle Eisbrecher im Sommer im Süden Finnlands, in Turku auf der Werft befindet. Mit der Sampo werden im Winter auch Touristenfahrten angeboten. Die anderen Eisbrecher bereiten Schiffen eine Fahrrinne durch das zugefrorene Meer.

Hinter Kemi geht es über die E75 mit Nordkurs weiter entlang des Kemijoki- Flusses bis Jaatila, wo wir den Fluss über eine Hängebrücke auf eine kleine Straße überqueren, die uns auf die 926 parallel der E75 nach Norden führt. Es hat den Vorteil einfach anhalten zu können, um die Landschaft besser zu erfassen. Da stehen wir beim Aussteigen aus dem Auto neben großen Ameisenhaufen, sehen unser erstes Rentier am Straßenrand und fahren bei zunehmendem Sonnenschein an Blumenwiesen und Birkenwäldern vorbei durch Lappland. In Rovaniemi erreichen wir am Nachmittag unser nächstes Tagesziel. Rovaniemi ist der offizielle Wohnort des Weihnachtsmannes, der hier auch sein eigenes Postamt betreibt. Santa Claus- Village zieht reichlich Touristen an und liegt unmittelbar am Polarkreis. Bei 66 Grad- 32 Min.- 35 Sek. nördlicher Breite verläuft hier die magische Linie, ab der im Winter weiter nördlich die Sonne nicht auf- und im Sommer nicht untergeht. Den wirklich echten Weihnachtsmann bekommen wir leider nicht zu Gesicht, denn eine Audienz ist nur in Verbindung mit einem kostenpflichtigen Fototermin möglich. Wir schauen uns im Anschluss aber noch das Arktikum im Ort an, ein repräsentatives Naturkundemuseum rund um Lappland und die Arktis. Der Besuch des Kurundi- Kunstmuseums, der uns am Morgen empfohlen wurde passt leider nicht mehr, da wir uns bis 19:00 Uhr in unserem nächsten Quartier angemeldet haben.

Wir kaufen uns noch ein paar Sachen im Supermarkt ein und fahren dann in den nördlichen Ortsteil Vennivaara, wo wir uns im privat vermieteten Reindeer Route- Appartement einrichten. Wir haben uns ein leckeres Stück geflammten Lachs gekauft, das wir uns mit Kartoffelsalat und einem Karhu- Bier schmecken lassen. Ich gehe um 23:45 Uhr noch einmal in den Garten, der direkt in den Wald führt. Es ist taghell draußen und das Thermometer zeigt 6 Grad-C. Es ist unglaublich still und nach dem Duschen schlafen wir im leicht abgedunkelten Zimmer tief ein. Nach dem gestrigen Einkauf bereiten wir uns am Mittwochmorgen selbst ein gutes Frühstück mit Fisch, Ei und köstlicher Waldblaubeer- Marmelade. Die Formalitäten der Anmietung haben wir im Chat mit dem Vermieter abgesprochen. Den Schlüssel legen wir einfach wieder auf den Tisch und ziehen die Türe zu. Gegen 9:00 Uhr sind wir wieder on the Road, über die von Ost- auf Nordkurs eindrehende E75 bis nach Sodankylä. Hier halten wir an einer sehr alten Holzkirche aus dem Jahr 1689. Wir schauen rein in das kleine historische Gotteshaus, das heute nur noch für besondere Anlässe genutzt wird.

Wir rollen weiter Kurs Nord Richtung Inari, machen ein paar Stopps und passieren immer wieder Rentiere, die auch schon mal auf der Fahrbahn stehen. Vorsicht ist angezeigt, da Rentiere immer Vorrang haben. Einer der vielen Seen Finnlands ist der Inarisee. Hier in Inari befindet sich das finnische Parlament der ältesten Bevölkerungsgruppe Finnlands, der Samen, die seit Jahrtausenden als Rentierhirten, Jäger und Fischer die nördlichen Teile Skandinaviens und die heutige russische Kola- Halbinsel bevölkerten. Angepasst an die Extreme des arktischen Winters führten viele Samen ein nomadisches Leben, andere wurden sesshaft. Ihr Lebensraum wurde durch die Gründung von Nationalstaaten stark eingeengt. Ein dunkles Kapitel ist die Flucht vor der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg. Über das Leben der Samen machen wir uns am Nachmittag ein Bild im „SIIDA“- Freilichtmuseum, in dem einige typische Höfe und Gebäude aufgestellt sind. Wir fahren zu einer angemieteten Hütte am Südwestufer des Haraldinjärvi- Sees bei Kaamanen. Leider passen die übermittelten Daten und der Türcode bei unserer Ankunft nicht. Wir teilen dem Vermieter das mit und fahren zurück zum Restaurant Kaamanen Kievari, wo wir uns mit Inari- Fisch und Rentier- Burger sättigen.

Der Wirt des Restaurants Jaakko ist auch der Vermieter unserer Hütte und klärt das Problem mit unseren falschen Zugangsdaten auf. Es gibt unter dem Namen „Revontulen- Tupa“ eine weitere identische Seehütte am Nordufer des Sees. Dort passt dann auch alles und wieder wohnen wir in einem sehr angenehmen Habitat mit Küche, Bad und sogar einer Sauna, die wir leider gar nicht mehr nutzen. Eine solche Hütte mal im Winter bewohnen und Ausschau nach den „Northern Lights“ zu halten geht uns allerdings schon im Kopf um. Am Donnerstag sind wir wieder zeitig auf den Beinen, bereiten uns selbst Frühstück und starten gegen 9:00 Uhr den Motor. Die idyllische Hütte am See verlassen wir über die E75 ein Stück nordwärts, um dann auf die 92 West nach Karigasniemi an der norwegischen Grenze abzuzweigen. Wir legen einen kurzen Stopp am Supermarkt ein, um finnische Blaubeermarmelade zu kaufen. Das Angebot ist allerdings recht klein und so bleibt es bei wenigen Dingen, die wir mitnehmen. Recht unspektakulär geht es über den Grenzfluss Anarjohka in die norwegische Finnmark.

Hier ist es nun die 92 West bis Karasjok, wo die E6 wieder Nordkurs anlegt. Die norwegische Finnmark bietet jetzt landschaftlich mehr Abwechslung. Deutlich kurvenreicher und welliger führt das Asphaltband an Bergen mit Schneeresten vorbei bis wir unser Tagesziel in Lakselv am Porsangerfjord erreichen. In Lakselv findet Doro eine Tankmöglichkeit für 1,78 Euro/L. Die Strecke heute war nicht so lang und die Uhr müssen wir in Norwegen wieder um eine Stunde zurückstellen, so sind wir bereits um 12:30h Ortszeit in Lakselv. Unsere Unterkunft Stenli Retro Guesthouse können wir erst um 14:00 Uhr beziehen. Wir fahren die Ostküste des Porsangerfjords etwa 40 Kilometer entlang auf der Suche nach den Resten einer Geschützbatterie aus dem zweiten Weltkrieg. Diese liegen allerdings nicht in der Nähe der Straße und so kehren wir wieder zurück nach Lakselv. Im Supermarkt Extra kaufen wir für die nächsten zwei Tage ein und werden auch in Sachen Blaubeermarmelade für zu Hause fündig, denn die ist in Skandinavien richtig gut. Über die E6 erreichen wir dann unser Quartier hinter Bevkop. Wir wurden zwar bereits per Mail eingewiesen, unser Vermieter trifft kurz nach unserer Ankunft aber auch selbst an seinem Gästehaus ein.

Er heißt Hans, ist Lehrer, arbeitet aber lieber in der Firma seines Freundes. Da seine Frau den Polarwinter nicht so gut erträgt und beide jobmäßig nicht an einen festen Ort gebunden sind, nutzen sie diese Zeit des Jahres gern zum Reisen. Die Zimmer muss er noch herrichten, da am Vortag eine Gruppe Chinesen zu Gast war. Während wir uns einrichten kommt noch ein Ehepaar aus Stockholm an. Wir kommen schnell mit Mia und Anders ins Gespräch, nutzen nacheinander die Gemeinschaftsküche zum kochen und sitzen nach dem Essen noch eine ganze Weile in der warmen Sonne vor dem Haus, bis uns Moskitos zunehmend attackieren. Für uns ist es in der Nacht immer wieder ungewohnt, dass es draußen taghell ist. Zu denken es wäre Zeit aufzustehen ist beim Blick auf die Uhr immer wieder ein Irrtum, denn auch rund um Mitternacht steht die Sonne über dem Horizont. Wir schlafen aber trotzdem schnell wieder ein bis zum Wecker um 7:30 Uhr. Am heutigen Freitag schaut die Frau von Hans nach dem Rechten. Beide bewohnen den privaten Teil des Hauses nebenan. Wir sind bereits mit dem Frühstück fertig und räumen das Auto ein, als sich Mia und Anders an das Frühstück begeben. Anders verrät mir noch einen geheimen Trick, wie man trotz Mitternachtssonne gut schläft. „Du musst nur die Augen zu machen, dann ist es dunkel“ 😉

Wir verabschieden uns von den sympathischen Schweden und machen uns auf den Weg auf die E6, die uns am Fjord entlang nach Norden bringt. Über dem Fjord liegen Nebelbänke, immer wieder legen wir Fotostopps ein. Bei Kolvik fahren wir einige Kilometer eine Stichstraße Richtung Trollholmsund bis die Straße an einem Parkplatz endet. Von hier könnte man zu Felsformationen laufen, die wie Trolle an der Küste stehen. Wir fahren wieder zur E6 und immer am Porsangerfjord entlang durch einige Tunnels bis zum 1999 fertiggestellten Nordkaptunnel, der mit 6870 Metern den Fjord 212m tief unterquert und uns auf die Insel Magerøya bringt. Hier schauen wir uns etwas in Honningsvåg um, der Ort hat einen Flughafen und liegt auf der Hurtigroute.

Auch heute sehen wir einige Rentiere. Da wir vor 15:00 Uhr nicht in unserer Unterkunft in Skarsvåg erwartet werden zweigen wir noch einmal vom direkten Weg ab und halten uns auf der Fv156 ca. 21 Kilometer nach Westen. Hier liegt der Fischerort Gjesvær. Wir durchfahren die baumfreie arktische Landschaft mit vielen Bächen, Seen und Restschneefeldern. Das Wetter ist heute großartig und wie wir später hören, ist es der erste wirklich sonnige Tag in diesem Jahr. Nach diesem Ausflug fahren wir zu unserer Ferienwohnung, die wir für die nächsten zwei Tage angemietet haben. Auch hier wurde uns mitgeteilt, dass die Türe offensteht und wir uns einfach melden sollen wenn wir da sind.

Wir treffen auf einen älteren Herrn, der sich als Johnny vorstellt und uns zunächst zu einer selbst gekochten Gemüsesuppe mit viel Stangensellerie auf der Terrasse einlädt. Johnny, dessen vollständiger Name laut Visitenkarte wohl Dione Nolsøe ist erzählt uns, dass er in seinem Leben nach dem Abitur vieles gemacht hat. Als Offizier und Seemann ist er in der Welt herumgekommen bis er entschieden hat Fischer in Norwegen zu werden. Er selbst stammt von den Färöer- Inseln. Heute lebt der 71-jährige Witwer, der eine Tochter in Dänemark hat allein in Skarsvåg. Es sei allerdings seine letzte Saison hier, denn er wird zurückkehren auf die Färöer, auch wegen der langen Polarwinter.

Uns treibt es noch einmal hinaus, um bei dem guten Wetter hinauf zum Nordkap zu fahren. 12 Kilometer sind es bis zum Parkplatz an der Nordkaphalle. Das Parken sei heute für 6 Stunden frei teilt uns die Dame an der Schranke mit. Es bläst ein ordentlicher Wind am nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Der touristische Punkt ist der eiserne Globus, der 307 Meter hoch auf dem steil in die Barentssee abfallenden Felsen steht. Wir haben heute nicht nur mit dem Wetter, sondern auch mit dem Touristenansturm Glück. Für ein paar Minuten haben wir den begehrten Fotopunkt sogar für uns allein. Die Nordkaphalle besuchen wir bei dem sehr üppigen Eintrittsgeld von 30 Euro pro Person nicht. Wir drehen eine Runde um das Gelände mit eindrucksvollen Tiefblicken an der Steilküste. Trotz Sonnenschein bläst uns ein heftiger Wind um die Ohren. Wir freuen uns dann auf unser Abendessen, denn Johnny hat uns ein paar Stücke frischen Dorsch in den Kühlschrank gelegt. Dorothee bereitet uns den Fisch in der Pfanne gekonnt zu. Ich weiß nicht ob ich schon mal so tollen Dorsch gegessen habe. Draußen laufen einige Rentiere an der Straße entlang, während ich noch ein paar Zeilen in dieses Tourenbuch schreibe. Gegen 23:00 Uhr ziehe ich das Rollo unserer Schlafkammer hinunter und falle mit den heute gesammelten Eindrücken in einen tiefen erholsamen Schlaf.

Am Samstag werden wir zwar um 8:30 Uhr ohne Wecker wach, bummeln aber in aller Ruhe rum und treffen draußen auf der Terrasse auf Johnny. Es wird spät bis wir uns gegen 13:00 Uhr aufmachen. Direkt von Skarsvåg führt ein moderater Steig hinauf zu einem Sattel, über den der Weg zur Felsformation Kirkeporten führt. Wir folgen aber Johnnys Empfehlung dem ansteigenden Grat der Landzunge ca. 1,5 Kilometer nach Nordosten zu folgen. Wir sehen Schneehühner an dem Weg, der uns an einen gewaltigen Steinmann auf etwa 180 Höhenmetern bringt. Der bedeckte Himmel macht der Sonne zunehmend Platz, wir haben einen tollen Rundumblick auf die beiden Fjordarme und auch den Nordkap- Felsen im Blick. Dieses Szenario lassen wir lange auf uns wirken. Ich hätte im Traum nicht gedacht, dass wir Anfang Juni bereits Temperaturen von 20 Grad in dieser arktischen Region erfahren werden. Auch der Wind ist nicht wirklich kalt. Den Gratweg gehen wir dann am Nachmittag in Gegenrichtung zurück zu dem Übergang zur Kirkeporten. Dafür steigen wir nun nach Nordwesten fast auf Fjord- Niveau hinab. Wind und Wetter haben interessante Felsformationen, wie diese Kirchenpforte geschaffen. Auch Rentiere stehen hier am Ufer und klettern bei unserer Ankunft langsam den Hang hinauf. Abwechslungsreich geht es nun nach Südwesten an das Ende der Bucht, wo sich eine Schutzhütte mit Bänken und einem Grillplatz befindet.

Es ist später geworden als geplant, denn wir haben uns am Nachmittag eigentlich um 17:00 Uhr mit Johnny auf ein Glas Wein verabredet. Mit dem Rückweg zu unserer FeWo wird es 18:00h und wir trinken mitgebrachten portugiesischen Tinto zu einem Topf Nudeln, zu dem wir Johnny heute einladen. Wir erfahren von ihm, dass es wohl in Norwegen, in einer kleinen Gemeinde wie Skarsvåg sehr schwierig sei Anschluss zu finden, was auch ein Grund für seine Rückkehr auf die Färöer- Inseln ist. Er ist ein zu vielen Themen bewanderter Gesprächspartner, den auch die aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland sehr interessieren. Am Sonntag haben wir gegen 9:00 Uhr alles im Auto verladen und so eingeräumt, dass wir Johnny mit nach Honningsvåg nehmen können. Sein Volvo hatte nach der Kollision mit einem herabgestürzten Felsen einen Totalschaden erlitten und ein neues Fahrzeug will er sich in Norwegen nicht mehr kaufen. Zum Einen möchte er uns in Nordvågen sein Boot zeigen, zum Anderen will er heute noch zum Fischen rausfahren. An vier Leinen ködert er den Fisch mit jeweils 250 Haken, so kann ein guter Fang bis zu 600 Kg Fisch einbringen. Einen Blick werfen wir auch in die Kühlhalle, wo die mit Ködern vorbereiteten Hakenleinen liegen. Wir verabschieden uns von dem interessanten Typen und tauschen mit dem Angebot demnächst mit ihm auf den Färöern fischen zu gehen unsere Adressen aus.

Unser Ziel heute ist Europas nördlichster eisfreier Hafen, was dem Golfstrom zu verdanken ist. Ein Teil der Strecke, die uns von Magerøya durch den Nordkaptunnel zurück zum Festland und am Westufer des Pordangerfjords mit der E69 entlang bis nach Olderfjord bringt ist uns ja von der Hinfahrt bekannt. In Olderfjord zweigen wir nach Westen auf die E6 ab, bis nach Kvalsund. Hier liegen zwei Felsen mit prähistorischen Einritzungen, deren Alter auf 8000 Jahre beziffert wird. Bevor wir über die Kvalsund- Brücke nach Hammerfest auf die Kvaløya- Insel hinüberfahren halten wir uns noch gut 13 Kilometer über die Fv8028 bis zur Bucht von Neverfjord. Gegenüber liegt die Seiland- Insel mit dem Seiland- Nationalpark. Über Kvalsund fahren wir dann die 94 hinauf nach Hammerfest.

Wir checken hier im Arctic Sea- Hotel ein und beziehen unser Zimmer. Gegen 16:00 Uhr ziehen wir los und drehen noch eine Runde, um uns die Meridiansäule auf der Halbinsel Fuglenes anzusehen. Der Astronom und Geodät Friedrich Georg Wilhelm Struve errichtete von 1818- 1855 ein Netz von 256 Vermessungspunkten von Nordnorwegen bis zum Schwarzen Meer entlang eines Meridians mit einer Länge von 2800 Kilometern. Mithilfe der Triangulation gelang es ihm mit der nach ihm benannten Bogenvermessung nachzuweisen, dass die Erde eben keine Kugel, sondern ein Rotationsellipsoid ist. Die Meridiansäule von Hammerfest erinnert an diesen Meilenstein der Erdvermessung. Ein Stück weiter blicken wir von einer Schanze mit einer historischen Kanone auf die vorbeifahrenden Schiffe. Die Schanze Skansen på Fuglenes ist ein Relikt aus der Zeit der napoleonischen Kriege und wurde nach dem Überfall durch zwei englische Fregatten im Jahr 1809 zur Abwehr errichtet. Von hier sehen wir nach Norden auch die Insel Melkøya mit der größten Erdgasverflüssigungsanlage (LNG) Europas. Um 18:30 Uhr sind wir zurück im Hotel. Das Restaurant ähnelt einer Kantine und wird von Arbeitern, vermutlich aus der Industrie und der Fischerei auch als solche genutzt. Wir bestellen etwas aus der Karte, der Preis für einen halben Liter Bier tut mit 15€ schon ein wenig weh.

Am Morgen kommen wir erst um 10:15 Uhr los und halten bei sonnigem Wetter noch einmal an der Meridiansäule, tanken günstig am Hafen, fahren die 94 zurück, verlassen Kvaløya über die Kvalsund Brücke und weiter zunächst in östlicher Richtung bis zum Abzweig auf die E6 Südwest. Es ist sehr warm, das Autothermometer zeigt bis zu 21,5 Grad an. Mit zunehmender Bewölkung fahren wir auf eine endlose Hochebene, auf der wir dem Fluss Goahtemuorjohka folgen. An einem Wasserfall vorbei machen wir an der einsamen Aisaroaivi- Kapelle halt. Immer mal wieder kommen die Scheibenwischer zum Einsatz. Absteigend bringt uns die E6 an den Skåfjord nach Alta, wo wir südwestlich der Kåfjordbrua am Kåfjord eine Ferienhütte gemietet haben. Wir sehen uns hier zunächst das kleine Tirpitz- Museum an. Das größte Schlachtschiff das jemals in Europa gebaut wurde und im Februar 1941 vom Stapel lief, hatte seinen Liegeplatz hier im Skåfjord. Es gab einige Aktionen der Royal Navy, den Stolz der deutschen Flotte zu versenken. Die Beschädigungen hier im Kåfjord konnten wieder in Stand gesetzt werden, zuletzt war das Schiff aber so stark beschädigt, dass es als schwimmende Küstenbatterie südwestlich der Insel Tromsøya stationiert wurde, wo es durch eine konzertierte Aktion der Briten im November 1944 zerstört wurde. Eigens für den Angriff auf die Tirpitz wurden 5 Tonnen schwere Bomben, sogenannte Tallboy- Bomben entwickelt, die auch über dem Kåfjord abgeworfen wurden. Ein solcher Bombenkrater am Ufer des Fjords ist heute noch sehr beeindruckend. Das Museum informiert umfassend über das Schicksal der Tirpitz.

In der Robbenbucht (Hjemeluft) westlich von Alta befindet sich eine UNESCO- Welterbestätte mit prähistorischen Felsritzungen, deren Alter zwischen 4000 und 7000 Jahren eingeordnet wird. Wir machen eine Rundwanderung entlang der Bucht, die ältesten Zeichnungen finden sich oberhalb der jüngsten. Sie entstanden allesamt in Ufernähe, wobei sich das Land nach dem Ende der letzten Eiszeit, nach dem Rückgang des kilometerdicken Eispanzers anhob. Rentiere, Elche und Bären sind Motive in Jagdszenen, auch die Fischerei ist ein Thema. Schwangerschaft und Geburt bei Mensch und Tier hat die Menschen der Steinzeit ebenfalls beschäftigt und zu Abbildungen auf den Felsen veranlasst. Es findet sich auch die Abbildung eines Skiläufers- in Russland wurde mit einem Alter von 8000 Jahren der älteste Ski der Menschheitsgeschichte gefunden. Das Museum zu den Felszeichnungen leitet auch über zur Sami- Kultur der Ureinwohner Skandinaviens, die lange unterdrückt wurden. Norwegen hat sich 2024 offiziell dafür entschuldigt und ist als erstes Land mit dem Sami- Gesetz von 1987 weiter gegangen als Finnland und Schweden. Das Norwegische Sami- Parlament hat den größten Einfluss auf die Politik in Skandinavien. Wir gehen noch einkaufen, suchen erst gegen 19:00 Uhr unsere Unterkunft auf und machen uns wieder eine leckere Fischpfanne.

Der Wecker am Dienstag ertönt wie gewohnt um 7:30h. In der Nacht hat sich unsere aufgeheizte Hütte angenehm abgekühlt. Während Doro das Frühstück vorbereitet, räume ich das Auto ein. Gegen 9:30 Uhr fahren wir mit der E6 am Kåfjord entlang Richtung Norden, ab Langenes in Westrichtung über Fjelle und an Fjorden entlang. Zwischen den Fjorden fahren wir mehrfach auf Höhen von 400 Metern, auf denen noch Schnee liegt. Wir haben einen klaren, blauen Himmel und es ist ein Hochgenuss bei diesem Wetter durch den Norden Norwegens zu cruizen. Bis nach Olderdalen folgen wir so der E6. In Olderdalen müssen wir nicht sehr lange auf die Fähre warten, die uns in 40 Minuten über den Lyngenfjord nach Lynseidet bringt.

Ringsherum haben viele Gipfel noch Schnee und auch einige Gletscher können wir ausmachen. Wir müssen nun mit der 91 nicht weit am Ulsfjord entlang in nordwestlicher Richtung fahren, um auch diesen Fjordarm mit der Fähre von Svensby nach Breidvik mit einer 20 minütigen Überfahrt abzuschneiden. Mit der 91 geht es in südwestlicher Richtung in Fagernes auf die E8, die uns mit Kurs Nord nach Tromsø bringt. Tromsø liegt auf der Insel Tromsøya und da die Brücke über den Balsfjord für den Autoverkehr gesperrt ist gelangen wir durch den Tunnel unter dem Fjord hindurch in die Innenstadt. Wir haben eine Wohnung nördlich des Zentrums in der Fogd Drejers Gate 28 gebucht. Um 16:00 Uhr checken wir hier ein und machen uns dann zu Fuß auf den Weg hinunter zum Hafen. An der Kathedrale finden wir ein Restaurant, in dem wir einen angenehmen Tisch in der warmen Abendsonne haben. Wir essen hier ganz gut und wählen Fish & Chips, dazu ein lokales Mack- Bier aus der hiesigen, nördlichsten Brauerei der Welt. Auf dem Rückweg steigen wir noch zur Seefahrts- Schule hinauf und haben von hier einen tollen Überblick über die Stadt.

Unser Nachtquartier im Untergeschoss eines alten Holzhauses ist privat vermietet von einer Familie, die das Obergeschoss bewohnt. Alle Quartiere auf unserer Reise waren zweckmäßig und sauber, über Preise in Skandinavien könnte man natürlich reden, aber wir müssen diese ja nicht dauerhaft bestreiten. Selbst wenn man alkoholische Getränke außen vor lässt liegt das Preisniveau sowohl im Supermarkt, als auch in Restaurants im Vergleich hoch. Bei wolkenlosem Himmel verlassen wir Tromsø nach dem Frühstück am Flughafen vorbei über die westliche Brücke über Kvaløysletta nach Eidkjosen. Von hier nimmt die 862 Süd- Westkurs auf, führt hinauf ins Fjell und wieder hinunter an den Nordfjorden bis zum Fährhafen von Brensholmen.

Wir reihen uns in der 24. Position in die Warteschlange ein. Das Beladen, An- und Ablegen geht fix, abgerechnet wird, wie auch bei der Maut automatisch mit der im Vorfeld angemeldeten E-Pass24- App. Wir gewinnen auf der Überfahrt den Eindruck im Hochsommer auf dem Mittelmeer unterwegs zu sein und nicht in den Fjordarmen des Nordatlantiks. Gut 45 Minuten sitzen wir an Deck in der Sonne, bis die Fähre uns auf der Insel Senja am Anleger von Botnhamn absetzt. Hier geht es weiter mit einer abwechslungsreichen Fahrt durch enge Tunnel, entlang steiler Klippen auf der 863 über die nördlichen Finger der Insel Senja nach Straumsbotn. Die letzten Kilometer in Richtung Südwest über den Gryllefjord nach Torsken am Skipsfjorden bringt uns die 86.

Hier können wir leider noch nicht in unserem nächsten Quartier einchecken. Wir trinken etwas und fahren mit dem Auto zu einer Picknickbank am westlichen Rand von Torsken. Von hier blicken wir hinüber auf die Nordspitze der Vesterålen, dem geplanten nächsten Ziel für morgen und beobachten das Wolkenspiel am Himmel. Eine etwas dunklere Wolke öffnet urplötzlich die Schleusentore, mit der Flucht ins Auto entgehen wir einem ergiebigen Guss. Um 16:00 Uhr bekommen wir dann den Schlüssel für unser Zimmer im Gästehaus Torsken Brygge. Beim leckeren Abendessen im 600 Meter entfernten Haupthaus scheint die tiefstehende Sonne auf den Fjord und auf unseren Tisch.

Heute lasse ich mir ein tolles Stück Rentierfilet schmecken. In der Nacht fängt es dann an zu regnen. Wir stehen am Donnerstag zeitig gegen 7:15 Uhr auf und fahren mit dem fertig gepackten Auto zum Frühstück im Haupthaus, das erst ab 8:00 Uhr bereitsteht. Um 8:30 Uhr sind wir unterwegs zum zehn Minuten entfernten Fähranleger. Obwohl die Saison erst nächste Woche richtig anfängt sind alle sechs Wartespuren bereits gefüllt. Für diese Fähre ist keine Voranmeldung möglich. Vornehmlich Wohnmobile, die sich hier bereits am Vortag oder in der Nacht positioniert haben, sichern sich so das Exklusivrecht der Überfahrt um 11:00 Uhr. Dahinter stehen bereits etliche weiße Kisten für die Fähre um 19:00 Uhr. Na gut- wir sind früh dran und machen uns auf den mit sieben Stunden Fahrzeit angegebenen Landweg zu unserem nächsten Quartier auf den Lofoten.

Ich erlaube mir ein paar Zeilen zum Thema Wohnmobiltourismus. Es gab einmal eine Zeit, in der das Reisen mit einem Bulli etwas Romantisches hatte. Ich gebe zu, die Möglichkeit im eigenen Auto zu übernachten hat sicher etwas Reizvolles. Wenn ich jetzt aber diese Form des Massentourismus sehe, bei der jeder Parkplatz mit fahrenden Eigenheimen in LKW- Größe belagert wird, vergeht mir persönlich die Lust an dieser Form des Reisens. Wenn dann hinten drauf noch kitschige Sonnenuntergänge und Binsenweisheiten präsentiert werden wie:“ Dream Your Dream“- dann ist das für den der hinterherfährt allenfalls ein Alptraum. Nun aber genug ge-disst 😉 Wir fahren die 86 in südöstlicher Richtung quer über Senja und verlassen die Insel über die Brücke hinüber nach Finnsnes. Wir folgen der 86 weiter bis Bardufoss. Hier blicken wir auf die Landebahn des Militärflughafens, der auch zivil genutzt wird. Wir begegnen auch einigen Militärfahrzeugen. Wir finden eine für derzeitige Verhältnisse sehr günstige Tankstelle und tanken für 1,68€ pro Liter Diesel. Auf der E6 geht es bei Regen und Wind Richtung Süden bis Bjervik. Hinweistafeln weisen hier auf die Schlacht von Narvik im 2. Weltkrieg hin. In Bjervik folgen wir der E10 nach Westen bis uns die Tjeldsund- Brücke hinüber nach Hinnøya bringt. Es ist die größte Insel Norwegens, die noch zu den Vesterålen gehört.

Mit der Raftsundbrücke bringt uns die E10 auf das Inselarchipel der Lofoten. Nervig lange Baustellen mit Ampeln und geführten Kolonnenfahrten bei grausigem Wetter bremsen unsere Fahrt immer wieder aus. Auch das Landschaftserlebnis bleibt zunächst aus. Der Sloverfjord- Tunnel unterquert den gleichnamigen Fjord und mit Südkurs passieren wir die steil abfallenden Hänge des wolkenverhangenen 1148 Meter hohen Higravstinden, des höchsten Berges der Lofoten. Immer an der südöstlichen Küste der Lofoten entlang hellt es etwas auf bis wir in Kabelvåg unsere Vorräte auffüllen. An der Gimsøystraumen- Brücke hinüber nach Gimsøya beobachten wir eine heftige Gezeiten- Strömung. Auf den letzten Kilometern hinüber zur Insel Vestvågøy bricht die Sonne auf der kleinen Küstenstraße 815/817 immer wieder dramatisch durch die Wolken und zwingt zu etlichen Fotostopps bis zu unserer Ankunft in Stamsund. Hier erhalten wir im Live Lofoten Hotel den Schlüssel für unsere Fishermans Cabin Nr.61, unser Quartier für die nächsten beiden Nächte direkt am Fischerhafen. Das alte Fischerhaus ist wirklich angenehm geräumig und eigentlich für 5 Personen ausgestattet.

Nach dem Frühstück am Freitag drehe ich eine Runde entlang der Fisch- Trawler im Hafen. Die bunten Schiffe liegen am Kai, es sind aber keine Seeleute zu sehen- haben die Urlaub? 😉 Wir lassen es heute ganz entspannt angehen und fahren bei Sonnenschein die Küstenstraße 817/815 bis zur Sundklakkstraumen- Brücke, wo wir gestern die E10 verlassen haben. Wir begegnen Gänsen und Schafen mit ihrem Nachwuchs an und auf der Straße. Wir zweigen nun ab, um die Küstenstraße bis nach Eggum im Nordwesten zu fahren. An Stockfischgestellen hängen noch die Köpfe der Fische, deren getrocknetes Fleisch bereits geerntet wurde. Wieder sind es die Farben der Wiesen, die bunten Häuser und das blaue Meer, die uns begeistern.

An den Sandstränden leuchtet das Wasser in karibischen Farben. Die Straße endet an einem Rastplatz, wo sich ein Weltkriegsrelikt befindet. Es handelt sich um eine deutsche Radarstation mit dem Namen „Stellung Erbse“ zur Überwachung des Nordatlantiks. Wir trinken hier einen Kaffee und genießen den Ausblick, natürlich auch hier nicht ohne die Wagenburgen der rollenden weißen Kisten. Wir kehren zurück nach Bøstad auf die E10 und kommen am Lofoten- Wikingermuseum vorbei. Wir lassen uns vom bereits recht vollen Parkplatz abschrecken und biegen erst hinter dem Museum ab, um hinauf zur modernen Kirche von Borg zu fahren. Von hier haben wir einen guten Blick auf die Landschaft, hinüber zum Langhaus- Nachbau des Wikingermuseums und nach Südwesten auf die hohe Bergkette auf der Insel Flakstadøya mit dem Stjerntinden 938m. Beim Blick hinunter auf den See Innerpollen sehen wir das zum Museum gehörige Wikingerschiff, auf dem gerade das Segel eingeholt wird.

Mit der E10 durchqueren wir Vestvagøy bis nach Leknes. Hier zweigt nach Osten die 815 ab und über den Steineveien entlang der Küste schließt sich unsere Runde über Steine zurück nach Stamsund. Wir machen noch einen Abendspaziergang durch den Fischerhafen bis zu den vorgelagerten Inselchen Stor- Buøya und Smiholmen. Es ergeben sich einige Foto- Motive aus den alten Pfahlbauten der Fischer und rund um die Hafengebäude, in denen der gefangene Fisch wie bei „Lerøy“ weiterverarbeitet wird. Lerøy ist einer der größten Meeresfrüchte- Konzerne Norwegens. Wir fangen an unsere Sachen für die morgige Abreise zusammenzulegen und duschen noch, bevor wir uns gegen 19:00 Uhr aufmachen, um die Ankunft der Nord- Hurtigruten aus Bodø in Stamsund zu erleben. Der Anlegeplatz ist direkt gegenüber des Life Lofoten- Hotels. Ganz pünktlich ist die Kong Harald nicht und legt mit fünfzehn Minuten Verspätung erst um 19:30 Uhr an. Wir haben nun einen Tisch im Restaurant des Hotels. Die Varianz der Speisenauswahl in den bisherigen Restaurants ist überschaubar und bewegt sich um Burger, Rentier, Lachs oder White Fish. Mit der Armada von Fangschiffen müsste das Angebot des Atlantiks vor Ort doch riesig und preisgünstig sein. Fischer Johnny aus Skarsvåg hat uns berichtet, dass zum Beispiel die riesigen invasiven und nicht seltenen Königskrabben mit bis zu 150 Euro pro Kilo im Restaurant berechnet werden, ein Vielfaches von dem was die Fischer dafür erhalten.

Am Samstag müssen wir früh aus den Kojen im ersten Stock unserer Fischerhütte. Ein schnelles Frühstück um 7:00 Uhr, das Auto einräumen und den Schlüssel im Hotel abgeben haben wir um 8:00 Uhr erledigt. Mit viel Zeitreserve machen wir uns auf den etwa 1,5- stündigen Weg zur vorgebuchten Fährüberfahrt von Moskenes nach Bodø auf das norwegische Festland. Die Fähre geht um 12:00 Uhr und bis 11:15 Uhr müssen wir uns in einer der Wartereihen einordnen. Bei weiter sonnigem Wetter fahren wir konsequent über die E10 in Richtung Süden. An der Fjord- Unterquerung durch den Nappstraumen- Tunnel geraten wir in eine Straßensperre, an der wir uns nach einer viertel Stunde bezüglich der gebuchten Fähre Gedanken machen, ob und wann es wohl weitergeht. Ich frage nach, gegen 9:00 Uhr fährt die nächste geführte Kolonne durch die Baustelle im Tunnel. Wir fahren durch die traumhafte Landschaft der südlichen Lofoten und sehen hier auch noch nicht abgeerntete Stockfisch- Gestelle. Trotz Baustellen- Unterbrechung sind wir sehr früh am Fähr- Portal in der Prepaid- Reihe. Die etwas mehr als dreistündige Überfahrt verbringen wir auf dem Achterdeck mit Mütze und Jacke, was in der Sonne gut auszuhalten ist. Langsam verschwinden die bis gut 1000 Meter hohen Gipfel der Lofoten im Dunst, während hohe teils schneebedeckte Berge am Festland auftauchen.

Gegen 15:15 Uhr öffnet sich das Tor der Fähre und mit Kurs Ost verlassen wir Bodø über die 80. Bei Løding zweigen wir Richtung Süden auf die 17 ab und machen einen Zwischenstopp am Saltstraumen. Es handelt sich hier um den wohl weltweit größten Gezeitenstrom an einer Engstelle, an der sich die abfließenden Wassermassen aus dem Skjerstadtfjord in den Saltfjord ergießen. Dabei entstehen enorme Strudel, Strömungen und Turbulenzen. Es ist eindrucksvoll, reinfallen sollte man hier sicher nicht. Mit der 17 überqueren wir den Sund und zweigen auf die 812 Richtung Osten ab, bei Rognang erreichen wir mit der E6 die Haupt- Nord-Südachse, der wir nun Richtung Süden folgen. Durch Saltdalen und Lønsdalen durchfahren wir einsame Landschaften. Augenmerk erfordert die Möglichkeit von Wildwechsel von Rentieren und Elchen, die wir heute nicht zu Gesicht bekommen, dafür aber etliche Schafe auf der 812. Wir stoppen noch einmal an tosenden Stromschnellen und einer wackeligen Hängebrücke. Über einen fast 700 Meter hohen Pass auf dem Saltfjellet- Hochplateau, erreichen wir wenig später den Polarkreis auf 66 Grad/33 Minuten N, den wir nun Richtung Süden überqueren. Flankiert von schneebedeckten Höhen gibt es hier einen großen Parkplatz am Polarkreiszentrum, wo es alles gibt, was das Touristenherz erfreut.

Es ist nun nicht mehr weit bis zu unserem nächsten Quartier in Krokstrand. Im Hauptgebäude des Campingplatzes am Fjellpark haben wir ein Zimmer und bekommen um 19:00 Uhr auf der sonnigen Terrasse noch etwas zu essen. Wir wundern uns kaum mehr, wenn es draußen mitten in der Nacht hell ist. Wir behalten den Wecker auch heute am Sonntag um 7:30 Uhr bei und frühstücken gut in unserer Unterkunft. Auf der E6 fahren wir am Ranaelba- Fluss entlang nach Mo i Rana zum Tanken. Hinter Mo i Rana halten wir uns nach Westen am Nordufer des Ranafjorden entlang bis uns bei Sjoneidet die 17 an die Küste zum Fähranleger von Nesna bringt. Hier fährt uns die 11:40 Uhr- Fähre vor der Nase weg. Wir müssen eine Stunde warten, bis wir uns an die Überfahrt von Nesna nach Levang über den Ranafjord machen können. Vor uns reiht sich ein Norweger mit seiner Honda Transalp XL750 ein, so dass ein kurzes Gespräch für mich unausweichlich ist, denn eine Motorradreise zum Nordkap?- wer weiß…

Von Levang geht es über die 17 Süd, 78 Südost durch den elf Kilometer langen Toventunnelen. Dahinter zweigen wir auf die 241 NO bis Elsfjord ab, über die 240 bis zur E6. Diese fahren wir ein kurzes Stück nach Ost bis zum Rastplatz Knutila. Hier folgen wir der Passstraße über das Korgfjell mit über 500 Höhenmetern an Seen vorbei nach Korgen. Hier sehen wir mächtige Stromschnellen am Sjøforsen unter einer Steinbrücke der 806, die uns in südlicher Richtung an historischen Bergwerken und am Røsvatnet- Stausee entlang bis Hattfjelldal führt. Hinter dem See ragen schneebedeckte Berge mit mehr als 1400 Höhenmetern und der Oksskolten mit 1912m auf. Die aus Schweden kommende 73 West bringt uns bei Trofors zurück auf die E6. Gut zehn Kilometer fahren wir in Richtung Nord, um den Laksfossen, einen ebenfalls eindrucksvollen Wasserfall am Vegsna- Fluss zu besuchen. Gegen 17:00 Uhr erreichen wir den Svennigdal Camping südlich von Trofors und checken für ein gemütliches Zimmer mit eigenem Bad ein.

Wir sind hungrig, haben nichts eingekauft und fahren daher noch einmal nach Trofors, wo es das weit und breit einzige und gut besuchte Diner „Trixie“ gibt. Hier haben sich Familien aus der Gegend und Durchreisende eingefunden. Das Angebot ist breit aufgestellt und wir entscheiden uns für ein schmackhaftes Kebap. Um 19:00 Uhr sind wir zurück in unserem Zimmer und schalten den Fernseher ein. Norwegisch kommentiert tritt die deutsche Nationalmannschaft zu ihrem ersten Spiel bei der Fußball- WM 2026 gegen die Mannschaft der Karibikinsel Curacao an. Mit 7:1 können unsere Jungs das Spiel für sich entscheiden. In diesem Jahr findet die WM in den USA, Mexico und Kanada statt. Am Montag beginnt unsere dritte Urlaubswoche. In sechs Tagen werden wir Norwegen von Oslo aus verlassen. Übermorgen haben wir ein Quartier in Trondheim festgemacht und heute Abend in Steinkjer, einem Ort von dem wir Trondheim mit nur zwei Stunden Fahrzeit erreichen, um dann dort etwas mehr Zeit zu haben. Das Frühstück bereiten wir uns heute selbst und setzen uns dann noch eine Weile mit dem Kaffee auf die Terrasse mit Blick auf den Fluss Svenningelva und das schneebedeckte Fjell. Der Himmel ist bewölkt und ohne die wärmende Sonne ist es recht frisch.

Erst gegen 10:30 Uhr stecke ich den Zündschlüssel ins Schloss. Auch heute soll es nicht der kürzeste Weg über die E6 sein und wir zweigen auf die 76 Richtung Westen ab. Wir folgen ein Stück dem Tosen- Fjord, bis die 76 nach Nordwesten an die Küste führt. Bei leichtem Regen und nasser Straße ist Vorsicht geboten. Seen ziehen an uns vorbei bis wir an den Skillbotn- Fjord kommen. Über die 17 gelangen wir zum Fähranleger in Vennesund. Im Pendelverkehr mit zwei Fähren wird jetzt in der Saison alle halbe Stunde verladen. Im Hafen an eine Ladestation angedockt ist die achtzehn minütige Überfahrt über den Bindalsfjord nach Holm voll elektrisch. Das Wetter lädt nicht wirklich zum Anhalten und Aussteigen ein, Seeufer wechseln immer wieder die Seite. Wir fahren durch etliche Tunnels, über Brücken, bestaunen Wasserfälle in den Felswänden und gelangen mit der 17 bis Høylandet. Hier zweigt die 775 in südöstlicher Richtung auf die E6 ab. Bevor wir die E6 erreichen fahren wir noch eine Schotterstraße in Gartland zur alten Gløshaug- Holzkirche von 1689 hinauf. Die Kirche steht auf den Fundamenten einer Stabkirche von 1300 am Olavsweg. Hier finden gerade Arbeiten statt, wir dürfen trotzdem kurz reinschauen. Mit der E6 Süd gibt es noch einen Zwischenstopp am tosenden Formofoss. Unser Quartier haben wir heute Nacht in Steinkjer, wo wir im Tingvolt Park Hotel ein günstiges Zimmer mit Halbpension fest gemacht haben.

Steinreihen im Park vor dem Hotel sind die Überreste eines 1000- 1500 Jahre alten Gräberfeldes in Schiffsform aus der Eisenzeit direkt am alten Königsweg. Wir essen am Abend vom reichhaltigen Buffet. Das Haus wurde als Holz- Villa 1870 gebaut, ist seit 1964 ein Gebäude mit Gesellschaftsräumen und seit 1989 ein Hotel. Wir schlafen gut bei offener Terrassentür- es kühlt ordentlich ab, die Sonne steht nachts nicht mehr über dem Horizont wie nördlich des Polarkreises. Am Dienstag lässt auch das Frühstücksbuffet nichts missen und gegen 9:30 Uhr sind wir wieder unterwegs. Direkt nördlich von Steinkjer befindet sich ein Gräberfeld mit einem Grabhügel und zwei Menhiren, die sich auch auf die Eisenzeit datieren lassen. Der Ortsteil heißt Helge und ist durch seine Lage zwischen den Fjorden seit jeher ein heiliger Ort. Auch auf der Weiterfahrt über die E6 Richtung Trondheim lässt mich Doro immer wieder Abstecher machen. Es sind eine romanische Kirche in Mære von 1150-1200, eine Zisterzienser- Kirchenruine des ehemaligen Klosters Munkeby und die romanische Alstadhaug- Kirche aus dem 12. Jh. bei Levanger mit einem benachbarten vorchristlichen Grabhügel.

An der E6 nach Trondheim stoppen wir hinter Åsen an der Location „Vuddu- Valley“. Hier hat ein Amerika- begeistertes Paar eine umfangreiche Sammlung von Autos und Gegenständen in einem Museum zusammengetragen, hier werden auch Kerzen produziert und es gibt ein typisch amerikanisches Diner im Fiftys- Style. Unsere Ankunft in Trondheim fällt auf 13:30 Uhr. Wir wohnen hier in einem Hotel, das sich in einer ehemaligen Großbäckerei, sehr zentral auf der Altstadt- Insel befindet. Nachdem wir endlich das Auto in der Tiefgarage abgestellt haben, können wir unser Zimmer beziehen. Um 14:30 Uhr machen wir uns auf den Weg um Trondheim zu erkunden. Wir halten uns entlang der Krambugata in der sich unser Hotel befindet in südwestlicher Richtung. Hier sind die Fundamente einer Holzkirche zu sehen, deren Ursprung auf die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts zurückgehen. Über 200 Jahre wurde die Kirche mehrfach durch Brände zerstört und immer wieder als Holzkirche um den gleichen Altar aufgebaut. Darunter hat man noch Reste eines Wohnhauses aus der Wikingerzeit gefunden.

Am Ufer der Nidelva laufen wir an alten Holzhäusern und – Speichern entlang zur alten Stadtbrücke. Von hier gehen wir zum Nidaros- Dom, der mittelalterlichen Krönungsstätte auf dem Grab des heiligen Olav II. Haraldsson (995-1030), der als Wikingerkönig das Christentum nach Norwegen brachte und in der Schlacht von Stiklestad fiel. Nidaros ist der alte Name Trondheims als mittelalterliche Hauptstadt Norwegens. Der Nidarosdom war im Mittelalter und von 1818- 1906 die Krönungsstätte Norwegens. Durch Brände, die Reformation im 16. Jh. und durch Steinraub wurde das Hauptschiff des Doms schwer beschädigt und verfiel zur Ruine. Bevor wir den Dom betreten besuchen wir zwei Museen auf dem Gelände des Bischofspalastes. Das erste informiert über die Geschichte Norwegens, hier befinden sich auch die Krönungsinsignien. Der Wiederaufbau des zur Ruine verkommenen Doms im 19. Jahrhundert ist ein weiteres Thema. Das zweite Museum beinhaltet viele archäologische Exponate. In den Fundamenten hat man eine Münz- Präge- Werkstatt gefunden.

Der Dom ist beeindruckend, sowohl seine Hauptfassade, die mit großem Aufwand als Mammutprojekt seit dem 19. bis ins 20. Jahrhundert mit vielen Steinmetzen und Bildhauern wiederhergestellt werden konnte, als auch das wieder aufgebaute Kirchenschiff des normannischen Doms lassen Norwegens Nationalheiligtum mit seinen vielen noch erhaltenen romanischen Elementen im Oktogon und in den Querschiffen im alten Glanz erstrahlen. Durch den Wiederaufbau hat der Nidarosdom seine mittelalterlichen Ausmaße zurück erhalten. Über die Munkegata laufen wir am Rathaus und am Gericht vorbei. Auf dem Marktplatz steht auf einer hohen Steele Olav I. Tryggvason (963-1000), der Gründer der Stadt. Wir passieren ein besonders herrschaftliches Haus, es ist der Stiftsgarden, der heute von der königlichen Familie genutzt wird. Die Straße endet am Kanal, dem wir nach Osten bis zur Jernbane- Brücke folgen. Am anderen Kanalufer befindet sich der Bahnhof, dahinter der Kreuzfahrt- Kai, an dem heute die AIDA- Prima festgemacht hat. Wir haben einen Tisch im Restaurant „Troll“, in dem wir sehr gut essen.

Nachts ist es bei offenem Fenster sehr laut auf der Straße, der Grund für das Spektakel ist vermutlich das Fußballspiel Norwegen gegen Irak, das gegen 2:00 Uhr mit einem 4:1 endet. Wir frühstücken am Mittwoch in der ehemaligen Backhalle direkt neben den riesigen Backöfen. Norwegen, ich habe es bereits erwähnt hat hohe Lebenshaltungskosten. Allein das Parkhaus für eine Nacht in Trondheim schlägt mit zusätzlichen 40 Euro zu Buche. Wir verlassen Trondheim auf der E6 nach Süden bis zum Abzweig der E39 West bei Leinstrand. Wir fahren die gut ausgebaute Straße wieder an Fjorden, Seen und bewaldeten Höhen vorbei. In Halsa können wir direkt auf die Fähre über den Halsafjord nach Kanestraum fahren. Die elektrisch betriebene Fähre bringt uns in 20 Minuten an das andere Ufer. Wir bleiben auf der 39 bis Gjemnes und passieren die Gjemnessund- Hängebrücke mit ihrem hoch ansteigenden Profil.

Erst etliche Kilometer später erkennen wir, dass wir den Abzweig der 70 nach Kristiansund verpasst haben, also- U- Turn und zurück. Endlich auf der 70 geht es nordwärts nach Kristiansund. Wir haben immer gedacht, dass die Schweizer die Weltmeister im Tunnel bauen sind. Es ist aber so, dass wir in Norwegen so viele Streckenkilometer durch Tunnels gefahren sind, dass diese Ehre doch vielleicht den Norwegern gebührt. Auf unserer Route liegen nun zwei Tunnels, die Fjorde unterqueren. Der eine ist der Freifjordtunnel (5 km lang und 130 m unter dem Meeresspiegel), der andere ist der Atlantiktunnel (5,7 km und 250m unter dem Meeresspiegel). Wir sind jetzt auf der 64 in Richtung Südwest unterwegs und nehmen in Bruhagen die kleine Straße nach Kvernes. Nach etwa zehn Kilometern erreichen wir die Stabkirche von Kvernes von 1633. Wir schauen uns dieses Juwel aus einer längst vergangenen Zeit an und kehren zurück auf die 64.

Über Kvarnes erreichen wir die Atlantikstraße. Dieser beeindruckende acht km lange Streckenabschnitt führt direkt am Atlantik entlang über acht Brücken. Die oft fotografierte Storseisund- Brücke erinnert dabei an eine Achterbahnfahrt. Nun nimmt die 64 einen südlichen Kurs und bringt uns zu unserem nächsten Quartier bei Eide auf einem Hof, wo wir eine Ferienwohnung mit eigener Terrasse und Seeblick haben. Es gibt nur ein Restaurant in Eide, es ist ein italienisches Restaurant, das mit Pizza, Kebab und Burgern aber eher ein internationales Angebot auf der Karte hat. Zum Donnerstag stehen die Zeichen auf Regen. Wolken hängen an den Bergen, und aus dem grau verhangenen Himmel nieselt es etwas. Mit der 64 Süd geht es durch den Fannefjord- Tunnel (2,7 km/ 101m unter dem Meeresspiegel) bis Sølsnes. Am Langfjord fahren wir direkt auf die Fähre nach Åfarnes. Die 64 führt uns um den Romsdalsfjord herum über Åndalsnes zum Abzweig der 63 mit der Geiranger- Trollstigen- Straße. Es ist eine großartige Trasse, die sich hier kühn an Wasserfällen vorbei in engen Serpentinen auf 866m in den verhangenen Himmel schraubt. Wir haben Glück, Starkregen bleibt uns erspart und es fallen nur ein paar Tropfen vom Himmel. Auf etwa 700 m befindet sich ein Parkplatz mit einem Weg, an dem einige Aussichtspunkte Tiefblicke auf die kühne Passstraße bieten.

Nach Südwesten geht es jetzt runter an den Norddalsfjord zur zweiten Fähre des Tages, die uns auch bereits erwartet. Nach der Passage hinüber nach Eidsdal sind wir immer noch auf der Geiranger- Trollstigen- Straße unterwegs. Es folgt wieder ein Aufstieg ins Fjell bis auf 624m. Spektakulär ist nun der steile Abstieg mit Blick auf den tief eingeschnittenen Geirangerfjord, in dem das „Mein Schiff 7“- Kreuzfahrtschiff liegt. Dorothee ist vor fast 40 Jahren die Trollstigen- Straße schon einmal gefahren. Vor 20 Jahren sind wir die nun von Geiranger nach Südosten aufsteigende Adlerstraße zusammen mit Anne bis zum Aussichtspunkt Dalsnibba auf 1476m hinaufgefahren. 38 € müssen wir nun 2026 für die Mautstraße zum Aussichtspunkt bezahlen, von dem sich der Tiefblick auf das Schiff im Fjord im Nebel verliert. Auf den heute gefahrenen spektakulären Straßen haben zwei Wohnmobile bereits Probleme aneinander vorbei zu kommen. Noch gruseliger sind die vielen Reisebusse, deren Fahrer schon Nerven haben diese Haarnadel- Trassen zu fahren. Ich kann nicht nachvollziehen, dass solche Fahrzeuge hier überhaupt fahren dürfen. Es ist auch hier Massentourismus, der nicht zuletzt von den Kreuzfahrt- Giganten ausgeht. Die Parkplätze sind rappelvoll, selbst mitten auf der Strecke parken Busse, die Herden von Leuten auf die Fahrbahn entlassen.

Wir verlassen die noch mit Schneefeldern durchsetzten Höhen und fahren an Seen vorbei, an deren Rand noch etwas Eis auf dem Wasser liegt. Die Straße nimmt nun Kurs in östlicher Richtung mit der Bezeichnung 15 und verläuft entlang des Breiddalsvatn zwischen den Breheimen- und Reinheimen- Nationalparks. Auf knapp 909 Metern liegt das traditionsreiche, in sechster Generation familiengeführte Hotel Grotli, in dem wir ein Zimmer mit HP gebucht haben. Bei Grotli hat sich im 2. Weltkrieg am 27. April 1940 ein Luftkampf ereignet, wobei sowohl der britische Skua- Jäger, als auch der deutsche Heinkel- Bomber in den winterlichen Bergen bei Grotli notlanden mussten. In einer Berghütte trafen die erbitterten Gegner in der winterlichen Wildnis Norwegens zusammen- das Ereignis wurde 2012 als Kriegsdrama „Into the White“ verfilmt. Das Abendessen der Halbpension beinhaltet ein leckeres Menü, auch das Frühstück ist breit aufgestellt. Wir plaudern noch etwas mit den netten Leuten vom Hotel und kommen am Freitag so erst gegen 9:30 Uhr los.

Wir fahren bei zunächst sonnigem Wetter durch das lange wasserreiche Ottadalen, machen ein paar Fotostopps, kommen am Gjeilo- Campingplatz vorbei, wo wir 2006 ein Blockhaus gemietet haben und werfen in Fossbergom noch einmal einen Blick auf die damals besuchte Lom- Stabkirche. Wir biegen hier auf die 55 Südwest ab, die als Sognefjellsvegen an der Elveseter- Säule mit der Geschichte Norwegens vorbei langsam ansteigt. Bis zum Abzweig nach Leirvasbu sind wir diese Strecke schon gefahren. Nun kommt eine spannende Passage der 55, die jetzt als Nordeuropas höchste Passstraße steil in das Sognefjell hinauf führt. Die Passhöhe liegt bei 1434m am Fantestein. Hier liegt noch ausreichend Schnee für Ski- Langläufer, die unter vergletscherten Höhen unterwegs sind. Hinter der Passhöhe führen Serpentinen hinunter zum Turtagrø- Hotel 980m, wo die Tindevegen- Mautstraße abzweigt. Diese sind wir 2006 schon einmal in entgegengesetzter Richtung gefahren. Abenteuerlich geht es weiter durchs Fjell, wieder hinauf auf 1300 Meter. 130 Kronen müssen wir auf halber Strecke an der automatischen Mautstation bezahlen (2006 waren es noch 25 Kronen). Es ist eine spannende Route, die durch einsame Landschaft führt mit einem steilen Abstieg nach Øvre- Årdal am Årdalsvatnet. Hier sind wir nun nach dem Tanken auf der 53 Ost, die uns als Tyinvegen mit Kehren und Tunnels wieder aus dem Tal hinauf ins Fjell auf über 1000 Höhenmeter am Tyin- See entlang nach Tyinkrysset bringt.

Nun biegen wir auf die E16 Ost ab und gelangen im oberen Valdrestal an die Stabkirche von Øye. Wir kommen in den Genuss einer engagierten Kirchenführung. Eine gebürtige Braunschweigerin mit viel Liebe zu Norwegen hat gerade eine andere Führung beendet. Es scheint ihr ein Anliegen zu sein, den Besuchern „ihre Kirche“ in allen Facetten näher zu bringen. Die Kirche hat wirklich eine sehr interessante Geschichte. In der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts gebaut und geweiht, stand sie 600 Jahre lang am Ufer des Vangsmjøse- Sees und wurde immer wieder von Überschwemmungen heimgesucht. 1747, wurde eine neue Kirche erbaut, die alte Kirche wurde komplett zerlegt und im weiteren Verlauf war ein Großteil der Bauteile verschollen. Diese Teile wurden erst 1935 bei Handwerksarbeiten zufällig unter dem Kirchenboden der neuen Kirche wieder gefunden. Gudrun Niemeyer heißt die gute Frau, die uns all dies erzählt bis hin zu Details, die man in dem dunklen Innenraum kaum erkennen kann. Mit ihrer Taschenlampe leuchtet sie am Durchgang zum Altarraum eine Rune im Balken an, die den 13. September als Einsegnungsdatum beinhaltet. Man vermutet, dass die Kirche irgendwann zwischen 1150-1180 als ältere Schwester der Stabkirche von Borgund durch denselben Baumeister erbaut wurde. Erst 1955 begann man damit die gefundenen Teile der Stabkirche an einem hochwassergeschützteren Platz mit alten Techniken detailgetreu wieder zusammenzufügen.

Einiges, wie der komplette Dachstuhl musste mit neueren Hölzern ergänzt werden. Der pagodenartige Aufbau mit den typischen Drachenköpfen konnte nicht rekonstruiert werden. Das Kruzifix über dem Altar ist aus dem zwölften Jahrhundert, die Christusfigur stammt, wie auch das hölzerne Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert. Ein eiserner Deckenleuchter wirft Fragen auf, denn seine Verzierung beinhaltet eine burgundische Lilie. Möglicherweise haben ihn migrierte Mönche aus Frankreich mitgebracht. Wir hätten noch Stunden hier verweilen können, da sich aber weitere Besucher einfinden entrichten wir unseren Eintritts- Obolus, bedanken uns und setzen unsere Reise auf der E16 Ost fort. Am Ende des Vangsmjøse- Sees in der Ortschaft Vang befindet sich der Runenstein von Vang. Die Inschrift aus der Wikingerzeit an der Seite des verzierten Steins lautet: „Gåses Söhne errichteten diesen Stein zur Erinnerung an Gunnar, den Sohn des Bruders“ Vor Ryfoss zweigen wir ab zur Høre- Stabkirche, die wie 2006 geschlossen ist und erst ab Sonntag für den Sommer geöffnet wird. Zumindest werfen wir noch einmal einen Blick von außen auf die Holzkirche und finden auch den Runenstein, über den ich in meinem Bericht von 2006 geschrieben habe. Wir bleiben oberhalb der E16 und blicken hinab auf den Talverlauf mit dem Slidrefjord. Hinter der damals besuchten Lomen- Stabkirche gehen wir wieder auf die E16, über die wir wenig später die Ortschaft Røn erreichen.

Hier checken wir ein im Furulund- Pensjonat. Furulund bedeutet Kiefernhain, in dem sich diese Pension befindet. Der Hausherr Dennis Kats zeigt uns unser Zimmer und weist uns soweit ein. Um 19:00 Uhr serviert er uns ein lecker zubereitetes Menu. Auf eine erstklassige Champignonsuppe folgt ein gebratenes Stück Lachs an Gemüse, auch das Möhrenkuchen- Eis überzeugt. Dennis ist Koch und Konditor. Zum Abend meldet sich die Sonne noch einmal zurück. Am Samstag beginnt unser letzter Tag in Norwegen im Frühstücksraum beim liebevoll zusammen gestellten Buffet. Gestern Abend hat sich noch eine kleine Gruppe aus Spanien eingefunden. Um 9:00 Uhr sind wir auf dem Weg auf der E16 Ost. Wir halten in Strand kurz vor Fagernes an dem wunderschön am Strondafjord gelegenen Zeltplatz, auf dem wir vor 20 Jahren zwei Nächte in einer Hütte verbracht haben. Die Hütten sind zugewuchert, und der Platz offensichtlich nicht mehr in Betrieb. In Aurdal verlassen wir die E16 und überqueren den Fluss Begna. Wir folgen der Fv220 Süd und erreichen die Reinli- Stabkirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Holzkirche ist verschlossen, aber auch von außen hoch über dem Begna- Tal ein Augenschmaus.

Wir fahren über kleine Straßen hinunter nach Bagn und überqueren die E16 weiter auf kleinen Straßen bis Bruflat. Mit der 251 Ost überqueren wir die historische Lunde- Steinbogenbrücke. Sie ist mit einem Alter von fast 200 Jahren die älteste trocken gemauerte Natursteinbrücke Nordeuropas. Ein paar Steinskulpturen hat ein Bildhauer hier, am Ufer der Stromschnellen der Etna ausgestellt. Es ist regnerisch und immer wieder schaut die Sonne durch die Wolken. Die 251 Ost führt uns auf die 33, der wir weiter Richtung Osten folgen. Am Møllerstufossen i Etnaelf halten wir für über 6000 Jahre alte Felszeichnungen, die mit elf Motiven bis heute gut auf den Felsen zu erkennen sind. Wir haben Zeit und bleiben auf der 33, auch weil Staus auf der mautpflichtigen E16 gemeldet sind. Ab Fluberg folgt die 34 dem Ufer des Randsfjord bis Jaren, hier übernimmt kurz die 4 bis Gran. Über kleine Straßen geht es weiter über Søre Ålsbygd bis Nordre Oppdalen. Mit der Fv23 Ost durchqueren wir eine Seenplatte und nähern uns bis Maura wieder der E16 an, über die wir den Flughafen Oslo- Gardermoen erreichen. Wegen der Kriegs- Geschichte vom 27. April 1940 bei Grotli besuchen wir hier die Ausstellung der norwegischen Luftwaffe mit Flugzeugen vom Beginn der Fliegerei an bis heute. Wir haben angenommen das Wrack der Heikel He-111 vom Heilstugvatnet hier vorzufinden. Davon sehen wir zwar Bilder, hier in der Ausstellung ist es aber ein anderes, komplett restauriertes Flugzeug dieser Bauart.

Es sind vom Flughafen noch 63 Kilometer bis ins Zentrum von Oslo. Wir checken im Hotel Voksenasen ein, das auf dem gleichnamigen Berg nördlich des Holmenkollen liegt. An der Rezeption werden wir sehr freundlich empfangen. Wir haben einen Tisch im Restaurant reserviert und sind zum einen erstaunt über den kleinen Gastraum, zum anderen über die sehr übersichtliche Karte mit der Wahl zwischen Fisch, Burger oder Pizza. Letztlich ist der Burger und auch Doros Fisch gut auf den Teller gebracht. Beim Essen verdunkelt sich der Himmel und präsentiert nach einem heftigen Regenguss einen tollen Regenbogen. Da Oslo von der Hotelterrasse nicht frei einsehbar ist mache ich mit Doro noch eine Runde zu Fuß, mit dem Ziel eine bessere Aussicht vom Voksenasen auf die Stadt zu erhaschen. Fehlanzeige- Wald oder Privatgrundstücke verhindern jeglichen Blick talwärts. Bei unserer Rückkehr gegen 21:00 Uhr ist der Blick auf den Fjord aufgeklart, die Gewitterwolken haben sich verzogen und die Bay- Area leuchtet jetzt im letzten Sonnenlicht. Wir schauen um 22:00 Uhr noch das Fußball Derby Deutschland gegen die Elfenbeinküste an. Die spannende Partie endet um 0:00 Uhr mit einem zwei zu eins für Deutschland.

Der Sonntag beginnt dann auch mit stahlblauem, wolkenlosem Himmel und einer satten Fernsicht. Trotz des gestrigen Fußballspiels sind wir früh am Start und gegen 9:00 Uhr abreisebereit. Wir entdecken vom Vorplatz des Restaurants Holmenkollen dann doch noch ein tolles Aussichts- Panorama auf Oslo. Hier befindet sich auch die ewige Friedensflamme von Oslo, die 2001 als Symbol für den Weltfrieden vom Friedenslauf- Initiator Sri Chinmoy gestiftet wurde. Dorothee gibt am Fährhafen noch angesammeltes Pfandgut in einem geöffneten Laden ab, während ich draußen kurz auf dem freien Behinderten- Parkplatz halte. Ich erhalte umgehend eine freundliche Belehrung durch eine Patrouille des Ordnungsamtes, danach begeben wir uns zum Fähranleger. Gegen 10:30 Uhr checken wir bei der Color- Line ein, erhalten unsere Bordkarte und stellen uns in die Wartespur. Ohne laufende Klimaanlage wird es ziemlich warm und das Boarding beginnt tatsächlich erst gegen 12:30 Uhr. Wir beziehen unsere Kabine mit der Nummer 10702. Das Ablegen des Schiffs verfolgen wir von der Reling aus, es ist so warm, dass ich meine kurze Hose angezogen habe. Bei der Durchfahrt durch den Fjord sind wir auf der Suche nach einer Sitzgelegenheit. Mittlerweile sind alle Stühle und Liegestühle belegt. Auf meine Anfrage nach augenscheinlich leeren Stühlen erhalte ich mehrfach eine Absage, da angeblich auf allen jemand säße.

Ich frage dann einfach nicht mehr, setze mich auf einen leeren Stuhl und gerate sofort in Streit mit einem Herrn, der mit seinem Bier auf einem Liegestuhl neben mir sitzt. Da sind aber ein weiterer leerer Liegestuhl und eben diese beiden Stühle, auf die wir uns nun gesetzt haben. Um etwas Wind aus den Segeln zu nehmen, biete ich an, den Stuhl zu räumen, wenn tatsächlich jemand diese Sitzplätze begehrt. Seine Frau kehrt daraufhin zurück und belegt den freien Liegestuhl. Ich biete noch an zu tauschen, wenn sie doch lieber den Stuhl hätte- alle blicken aber jetzt zufrieden auf den Fjord. Die Color Magic ist seit ihrem Stapellauf bis heute das größte Kreuzfahrt- Fährschiff der Welt, was die Bruttoraumzahl (BRZ) angeht. Sie wurde 2007 als größere Schwester der Color Fantasy im finnischen Turku gebaut. Das Schiff hat 1016 Kabinen für bis 2998 Passagiere, hat Platz für 550 Autos und bietet 1270 Lademeter für LKW und Busse. Sechs Restaurants, Bars, ein Spa, ein Casino und eine komplette Einkaufspassage bereiten den Reisenden Kreuzfahrtambiente. Die vier Schiffsdiesel erzeugen eine Gesamtleistung von 42420 PS. Bei ihrer Fahrt durch den 120 Kilometer langen Oslofjord passiert das 35 Meter breite und 224 Meter lange Schiff die engste Stelle an der Insel Håøya vor Drøbak.

Hier sehen wir die Festung Oscarsborg aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bei der deutschen Besetzung Norwegens wurde am 9. April 1940 durch den Beschuss von der Festung der schwere Kreuzer Blücher versenkt. Zwischen den Orten Tofte und Son öffnet sich der Fjord etwa auf der Hälfte seiner Länge. Das Erreichen des Skageraks merken wir anhand des zunehmenden Rollens und Schlingerns des schwimmenden Kolosses. Im Oceanic Restaurant essen wir sehr gut und begeben uns vor dem Schlafengehen noch bis zum Sonnenuntergang um 22:30h auf das Achterdeck. Die Einfahrt in die Kieler Förde am Montagmorgen verbringen wir auch an Deck. Wir sehen einige Schiffe im Kieler Marinehafen, eine Regatta hat heute früh im Rahmen der Kieler Woche gestartet. Am Ufer sehen wir ein Riesenrad, Bühnen sind aufgebaut, einige Traditionssegler haben am Kai festgemacht. Die Parade der großen Windjammer steht leider erst am nächsten Wochenende an. Gekonnt wendet der Kapitän den „Pott“ im Hafenbecken, vor dem Anlegemanöver. Gegen 10:30 Uhr können wir nach dem Ablassen der zunächst klemmenden Rampe das Schiff von unserer erhöhten Parkposition verlassen.

Dorothee findet die Bäckerei Steiskal in Kiel- Kronsburg, deren „Meisterfrühstück“ noch einen letzten Akzent auf unserer Heimreise setzt. Hektisches Auffahren, Drängeln und das ungeschriebene „Recht der größeren Motorisierung“ erlebe ich nun wieder auf dem heimischen Speedway. Ich habe das in Skandinavien absolut nicht vermisst, ein besonderes Maß an Rücksicht gegenüber anderen Autos, Fußgängern und Radfahrern wir dort einfach sozial gelebt. Mit einer erheblich besser ausgebauten Elektromobilitäts- Infrastruktur sehen wir auch deutlich mehr elektrisch angetriebene Fahrzeuge auf den Straßen Norwegens. Obwohl ich den defensiven Fahrstil der letzten drei Wochen beibehalte, wirkt sich das nun höher anliegende Tempo bald auch auf den Kraftstoff- Verbrauch aus. Mit dem Elbtunnel bringt uns die A7 hinter Hamburg und die A21/A1 auf die A43 über Münster mit Stauumfahrungen nach Hause.

Gegen 17:00 Uhr zeigt der Trip- Zählerstand vor unserer Haustüre eine Distanz von gut 6700 gefahrenen Kilometern an. Mit der Distanz der drei längeren Fährfahrten von insgesamt 1800 Kilometern liegt eine Reise von über 8500 Kilometern hinter uns. Hinzu kommen noch die aufaddierten Distanzen der vielen Fjordüberquerungen. Unser zehn Jahre alter „Brave old Diesel“ mit einer Laufleistung von 235 TSD Kilometern zeigte auf den Straßen Skandinaviens bei erlaubten 80-100 km/h einen bescheidenen Durchschnittsverbrauch von 5,2 l/100 km. Karsten, der Automechaniker unseres Vertrauens verrät uns jetzt bei unserer Rückkehr, dass die Kupplung beim Check vor unserer Reise bereits einen hohen Verschleiß angezeigt hat- sie hat aber durchgehalten. Ja- wir haben bei dieser Reise viele Stunden im Auto verbracht, in 3,5 Wochen von Helsinki zum Nordkap und über die Lofoten durch Norwegen zurück nach Oslo, das war der Plan. Gerne hätten wir uns an vielen Orten mehr Zeit genommen, was wir gerne nachholen wollen. Einen Dank an all die guten Leute, denen wir auf unserer Reise begegnet sind.

Arnd Korbmacher
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