USA- Nordwest- Von Seattle nach Denver 1995
Nach unserem ersten USA- Abenteuer 1994 im Südwesten der USA beginnt unser zweites USA- Kapitel in meinem Tourenbuch am Montag, dem 26. Juni 1995 mit dem Wecksignal um 3:15 Uhr. Wir haben unseren Flug diesmal bei der holländischen Fluggesellschaft Martin-Air gebucht und fahren mit dem Taxi zum Essener Hauptbahnhof, von wo wir mit dem Martin-Air- Shuttle- Bus um 4:10h nach Amsterdam gebracht werden. Den Amsterdamer Flughafen Schiphol erreichen wir um 7:00 Uhr.

Es läuft alles glatt, nach Check-in und Security frühstücken wir am Flughafen. Das Boarding der Boeing 767 beginnt um 9:30 Uhr. Um 10:00 Uhr heben wir ab und landen nach 10 Stunden um 11:12 Uhr Pacific- Time (-9 Std.) auf dem internationalen Flughafen Seattle-Tacoma. Am Alamo Schalter stellt sich die gebuchte Kompaktklasse tatsächlich als sehr kompakt dar. Ein Upgrade, für das wir uns dann entscheiden schlägt mit schmerzhaftem Aufschlag für unsere 3- wöchige Reise zu Buche. Es ist ein Hundai Sonata ohne ABS, ohne Zentralverriegelung und ohne Tempomat- kein Vergleich zum Buick im letzten Jahr.

Über die Interstate 5 fahren wir vom Flughafen Tacoma nach Seattle zum gebuchten Hilton-Downtown- Hotel. Das Zimmer ist noch nicht bezugsfertig und so fahren wir erst einmal zum Kinnear- Park. Hier haben wir einen schönen Blick nach Südost auf die Seattle Space Needle vor der Kulisse des 4392 Meter hohen, vergletscherten Vulkans Mount Rainier. Nordöstlich der Space- Needle essen wir am Yachthafen am Lake Union Fish & Chips und kehren dann zum Hotel zurück. Von unserem Zimmer im 20. Stock blicken wir nach Westen über den Puget- Sound auf die Olympic- Mountains. Noch nicht müde genug ziehen wir am Nachmittag noch einmal zu Fuß los zu den Piers an der Eliott- Bay. Hier besuchen wir das Seattle- Aquarium und die Markthallen am Pikes-Place. Beeindruckend sind hier die kapitalen Lachse in der Fischhalle.

Zurück an den Piers durchstöbern wir noch einen Kuriositätenladen wonach wir das Restaurant „Fisherman’s“ an der Waterfront aufsuchen. Ich esse „White King- Salmon“ vom Grill und Dorothee futtert gefühlt stundenlang an einem Riesenkrebs herum, während die Sonne hinter der Bucht nach Westen versinkt. Zurück in unserem Zimmer ist es 23:00 Uhr- wir sind restlos alle und krachen nur noch in die Federn. Am Dienstag machen wir uns nach dem Frühstück gegen 9:00 Uhr auf den Weg über die 2nd Ave Richtung Pioneer- Place. Hier befinden sich unter der heutigen Stadt Überreste von historischen Gebäuden aus der Zeit des Goldrauschs in Alaska, durch den auch Seattle an Bedeutung gewonnen hat. Über die 1st Ave laufen wir zum Pikes- Place, wo heute deutlich mehr los ist.

Wir begeben uns weiter zum Seattle- Science- Center, wo wir mit dem Aufzug auf die Space-Needle hinauffahren. Der 184 Meter hohe Aussichtsturm wurde zur Weltausstellung 1962 errichtet. Der Blick auf Seattle ist schon lohnend. Die Monorail, die die Space-Needle mit Downtown verbindet nutzen wir um zum Hotel zurückzukehren. Wir holen unser bereits gepacktes Auto aus der Tiefgarage und kehren noch einmal im „Fishermans“ von gestern ein, bevor wir Seattle über den Freeway der Interstate 5 nach Süden verlassen.

Entlang der Küste am Puget-Sound fahren wir bis Tacoma. Hier sehen wir einen großen Totempfahl an, der 1903 zum Besuch des Präsidenten Theodore Roosevelt errichtet wurde. 2021 wurde er aus unterschiedlichen Gründen entfernt. Konservatorisch war er nur sehr kostenaufwendig zu erhalten und auch die Authentizität und kulturelle Bedeutung für die Indigenen der Region selbst war sehr fraglich, was ich jetzt erst bei dieser Recherche erfahre. Es geht weiter in süd-südöstlicher Richtung über den Mountain Hwy E und den National Park Hwy am Alder Lake entlang bis Elbe. Wir müssen von Longmire noch einmal zurück um etwas zu Essen einzukaufen, bevor wir am Fuße des Mount Rainier den Campground „Cougar-Rock“ aufsuchen. Mit dem Zeltaufbau wird es dunkel und nach dem Essen 23:00 Uhr, bevor wir in unsere Schlafsäcke kriechen.

Am Mittwoch bauen wir nach dem Frühstück das Lager ab und kommen gegen 10:00h los. Wir passieren einen ersten View-Point des Nationalparks an den Narada Falls. Entlang der Parkstraße erreichen wir den Parkplatz von „Paradise“ (1500m). Wir starten von hier eine Wanderung über den Skyline-Trail und arbeiten uns oberhalb des Visitor-Centers über eine noch fast geschlossene Schneedecke 500 Höhenmeter hinauf zum Panorama- Point. Es ist sehr warm und die Mühe lohnt sich. Der Blick auf den Mount Rainier 4392m, den am stärksten vergletscherten Berg südlich von Alaska ist grandios. Der schlafende Vulkan hatte seine letzten Ausbrüche bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Egal ob von unserem Standpunkt oder aus der Ferne von Seattle, der Berg hat ein gigantisches Erscheinungsbild. Als höchster Berg des Bundesstaates Washington ragt er konkurrenzlos aus der Landschaft.

Nach dem dreistündigen Aufstieg gehen wir über unsere Aufstiegsspur zurück und mir gelingen schöne Bilder von raufenden Murmeltieren und von Schneehühnern in der Nachmittagssonne. Um 15:00 Uhr sind wir zurück am Visitor-Center. Wir hatten nichts zu essen dabei und genehmigen uns hier noch einen Burger. Mit dem Auto passieren wir den Reflection-Lake und den Box-Canyon als Fotopunkte. Über die 123 verlassen wir am Stevens- Canyon- Entrance den Mount Rainier- NP nach Süden, fahren über Hwy 12 bis Randle, wo wir am Ortsausgang im Randle-Motel übernachten. Nebenan im Restaurant gibt es etwas auf die Gabel.

Am Donnerstag kommen wir früh aus den Federn und nach dem Frühstück bereits um 8:00 Uhr los mit dem Ziel des Mount St. Helens National-Monument. Der Mount St. Helens liegt südwestlich vom Mount Rainier, wobei beide zur Kaskadenkette der nordamerikanischen Westküste gehören, die wiederum Teil des pazifischen Feuerrings ist. Der Mount St. Helens hatte einen fulminanten Ausbruch im Jahr 1980. Am 18. Mai des Jahres kam es nach mehrmonatiger, zunehmender seismischer Aktivität zu dem Ereignis. Die komplette nördliche Bergflanke des ehemals 2950 Meter hohen Berges rutschte bei der Eruption ab und minderte die Gipfel- Höhe auf heute 2539 Meter. Gas und Asche wurden 18 Kilometer hoch bis über die Troposphäre hinaus in die Atmosphäre geschleudert. Ein Gebiet von 500 Quadratkilometern war betroffen. Mit 400 Stundenkilometern rasten pyroklastische Ströme mit 600 Grad Celsius Temperatur durch die Täler. Trotz der langen Vorwarnzeit starben 57 Menschen bei dem Ausbruch.

Wir fahren die Straße bis zum Windy Creek hinauf, von wo wir einen guten Blick auf den Berg haben. Ein Treppenweg führt auf einen Hügel, von dem uns das enorme Ausmaß der Verwüstung der ehemals idyllischen Landschaft auch nach 15 Jahren noch sehr beeindruckend erscheint. Ein Teil des Spirit Lakes ist bedeckt von den fahlen Stämmen des ehemaligen Waldes, der den See einst eingerahmt hat. Ein Stück an der Straße zurück lassen wir das Auto stehen und machen uns an den Harmony-Trail, der uns in 20 Minuten an das Seeufer bringt. Alles wirkt postapokalyptisch wie nach der Zündung einer Atombombe. Wiederum ein Stück unterhalb an der Straße führt uns der Independence- Trail in etwa 45 Minuten zu einem weiteren View-Point. Auf dem Berg und auch im Krater auf dem Lava-Dome liegt noch Schnee. Der Vulkan schläft seit 1986, nach einer erneuten Phase seismischer Aktivität gab es am 1. Oktober 2004 noch einen kleineren Ausbruch.

Wir verlassen Mount St. Helens in Richtung Pazifikküste über Hwy 12 und I5 Nord nach Chehalis, über Hwy 6 nach Raymond und Hwy 105 bis Grayland, wo wir im Grayland- Motel an der Pazifik- Küste einchecken. Eine halbe Meile nach Norden gehen wir im „Sea Star“ essen. Während wir auf unser Essen warten bekomme ich Übelkeit und Kopfschmerzen, so dass ich mein Essen halb zurückgehen lassen muss. Möglicherweise habe ich heute zu viel Sonne ab bekommen. Am Freitag schlafen wir aus, mir geht es wieder gut und nachdem Doro ihr Geburtstagsgeschenk ausgepackt hat frühstücken wir vor unserem Häuschen in der Sonne.

Wir machen uns auf den Weg nach Norden über die 105 bis Aberdeen und die 101 über Quinault und Clearwater an die Küste. Hier passieren wir Beach 1 und Beach 2 im Olympic- Nationalpark, wo wir uns umsehen. Deutlich felsiger wird der Strand weiter nördlich am Ruby Beach. Die Tidenbecken selbst liegen gerade unter der Flut, trotzdem machen wir uns auf den Weg entlang des begehbaren Teils der Küste. Wir erfahren hier von Leuten dass die Zeltplätze sehr voll sind, denn Amerika hat einen Brückentag am Montag zum „Forth of July“ am Dienstag und somit ein langes Wochenende über den Nationalfeiertag. Durch die Feuchtigkeit, die der Pazifik an die Küste bringt sind die Bäume des Küstenwaldes behängt mit Flechten und Moosen. Wir fahren die 101 weiter nach Norden und finden im Bogachiel State- Park eine Parzelle für unser Zelt.

Um 15 Uhr brechen wir dann noch einmal auf zum Hoh- Rain-Forest, wo wir den kurzen „Hall of Mosses-Trail“ durch das regenwaldähnliche Biotop am Hoh-River, an den unteren Hängen der Olympic-Mountains begehen. An der Küste nördlich von Ruby-Beach befindet sich die Hoh- Indian-Reservation. Wir werden hier ordentlich von Mücken attackiert und fahren mit dem Auto am Bogachiel State-Park vorbei zum weiter nördlich an der Küste gelegenen Rialto Beach. Wir erreichen den Strand erst um 19 Uhr und laufen nun bei Ebbe in nördlicher Richtung zum Hole-in-the-Wall- Felsen. Es gibt einiges zu entdecken an den freigelegten Felsen. Seesterne, Seeanemonen, Krebse und seltsame Schalentiere bieten wie auch der Felsbogen selbst schöne Fotomotive. Die Sonne steht tief und hüllt die Küste mit den vorgelagerten Felsen in ein tolles Licht.

Während wir auf den Sonnenuntergang warten, patrouilliert ein Seehund entlang der Küste. Direkt südlich von hier befindet sich die Quileute-Indian- Reservation. Hinter einer Felsinsel versinkt die Sonne glutrot hinter dem Pazifik. Wir kehren zurück zu unserem Camp und feiern Dorothees 31. Geburtstag bei BBQ und Bier. Seelig kriechen wir in unsere Schlafsäcke. Um 9 Uhr beginnt der Samstag mit dem Zusammenpacken nach dem Frühstück. Über die 101 fahren wir zu den Sol Duc- Hot Springs am gleichnamigen Fluss. Die touristisch erschlossenen heißen Quellen schauen wir uns nicht an, es ist sehr voll und wir finden hier nicht einmal einen freien Parkplatz. Dafür halten wir noch einmal auf dem Rückweg zur 101 an den Salmon-Cascades, wo im Herbst die Lachse zu ihren Laichplätzen aufsteigen. Das Wetter ist heute sehr verhangen und diesig.

Über die 101 Nord erreichen wir den Lake Crescent, an dessen Südufer wir einen Trail durch den flechtenbehangenen Regenwald zu den Marymere Falls gehen. Wir haben hier eine Begegnung mit einem Reh. Über die 101 Nord erreichen wir die Küste der Juan de Fuca- Wasserstraße als natürliche Grenze zu Kanada. Direkt gegenüber liegt Vancouver-Island mit den gleichnamigen Mountains. Wir fahren nun über den nördlichen Parkeingang zurück in den Olympic-NP hinauf zur Hurricane Ridge. Von hier überblicken wir das Olympus-Gebirge mit seinem höchsten Punkt, den Mount Olympus 2432m. Wetterbedingt liegen die Berge von Vancouver-Island, wie auch die Olympic-Mountains im Dunst. Auch hier tummeln sich zahlreiche Ausflügler, an die die fast handzahmen Rehe offensichtlich gewöhnt sind. Mitten in diesem Ausflugs-Rummel lassen wir uns einen Burger auf der Aussichtsterrasse der Lodge schmecken.

Am Visitor-Center vorbei verlassen wir Olympic-NP über die 101 entlang der Juan de Fuca- Küste nach Port Townsend. Hier erreichen wir über die 20 die Fähre hinüber nach Whitbey-Island, wo wir uns gegen 17:30 Uhr in die Warteschlange für die nächste Überfahrt einreihen. Mit der nächsten Fähre setzen wir dann über zu dem nördlich von Seattle gelegenen Eiland. Auf der Suche nach einer Bleibe für die Nacht werden wir in einem Motel in Coupeville an der Westküste der Insel fündig. Das „Countryside Inn“ ist ein liebevoll eingerichtetes Motel, in dem wir unser Zimmer beziehen. Direkt an der Waterfront essen wir im Fischrestaurant „Captain‘s Galley“. Draußen geht die Sonne stimmungsvoll hinter der Juan de Fuca- Straße unter. Die historischen Holzhäuser geben dem Ort ein besonderes Flair.

Am Sonntag verlassen wir die Koje gegen 9:00 Uhr und nach dem Frühstück auch Whitbey-Island über die Deception Pass- Brücke mit der 20 hinüber auf das Festland nach Rockport. Von Oktober bis Februar finden sich hier viele junge Adler aus Alaska und British Columbia in ihrem Winterquartier ein, um sich an den aufsteigenden Lachsen fett zu fressen. Zu dieser Zeit ist am Skagit- River allerdings nichts los. Die 20 bringt uns nun in Richtung des North-Cascades- NP, dessen Gipfel in Wolken gehüllt sind. Am Gorge-Lake machen wir einen Stopp an den Gorge-Creek-Falls. Entlang des Diabolo-Lakes fahren wir den Scenic-Drive nordwärts am Ross-Lake vorbei zum Washington-Pass 1669m. Der Ausblick auf die teils noch vergletscherten bis zu 2800m hohen Gipfel von der Passhöhe bleibt uns leider verwehrt.

Wir fahren weiter über die 20 hinunter nach Mazama, von wo wir uns auf das Abenteuer einlassen die unbefestigte Pass-Straße hinauf zum 2100 Meter hohen Harts-Pass zu nehmen. Bei dichtem Nebel befahren wir diese schmale kurvenreiche Schotter-Straße entlang tiefer Abgründe hinauf, bis die Weiterfahrt zum Slate-Peak gesperrt ist. Wir befinden uns an der Passhöhe in dichtem Nebel und fahren wieder runter auf die asphaltierte 20, die uns nun weiter nach Osten, nach Winthrop bringt. Die Häuser von Winthrop entlang der Straße wirken auf uns, als ob der Gold-Rush Ende des 19. Jahrhunderts noch gar nicht so lange vorbei ist. Die nächsten Orte, die wir auf unserem Weg entlang der 20 nach Osten durchfahren sind Okanogan und Tonasket. In Republic checken wir im Clondike-Motel ein und essen in einer benachbarten Kneipe American-Food.

Am Montag geht es nach dem Frühstück wieder auf den Hwy 20, der uns über den Sherman-Pass 1699m führt. Verheerende Schäden hat ein durch mehrere Blitzeinschläge entfachtes Feuer in den Wäldern ringsum verursacht. Ein Reh steht plötzlich hinter einer Kurve am Straßenrand und ich bemerke es erst, als ich eigentlich schon fast vorbei bin. Wie ich, hat sich auch das Tier erschrocken und beginnt neben dem Auto panisch loszurennen. Dabei schlägt es mit seinem Hinterteil Haken und knallt einmal heftig in den hinteren Kotflügel des Autos. Wir bleiben stehen und ich sehe noch wie das Reh verängstigt zurückschaut, um dann offensichtlich unversehrt im Wald zu verschwinden. Den Kotflügel unseres Leihwagens ziert danach allerdings eine dicke Beule.

Weiter auf dem Hwy 20 geht es über Kettle-Falls nach Colville. Ab hier nehmen wir Hwy 395 in südöstlicher Richtung nach Spokane. Es regnet und wir essen etwas zu Mittag bei Taco-Bell. Von Spokane aus nehmen wir nun den Interstate 90 Ost nach Post Falls in Idaho. In einem Levis-Fabric-Outlet erwerben wir ein paar „Schnapper“, bevor wir gegen 16:00 Uhr wieder auf der Interstate 90 unterwegs sind. Vorbei am Städtchen Silverton mit seiner Silber- Bergbaugeschichte erreichen wir am Lookout-Pass 1436m den Bundesstaat Montana. Hier müssen wir unsere Uhr mit einer Stunde plus auf Mountain-Time umstellen. So ist es beim Einchecken im „Red-Lions-Inn“ in Missoula bereits 20:30 Uhr. Morgen ist Feiertag und so gehen wir noch etwas für unser nächstes geplantes Camp einkaufen. Der nette Portier des gehoben ausgestatteten Motels hat uns das Restaurant „The Depot“ in der Nähe empfohlen- ein guter Tipp!

Am höchsten amerikanischen Feiertag, dem „Forth of July“ feiert Amerika den Indepence-Day. Am 2. Juli 1776 hatte der Kongress die Unabhängigkeitserklärung von England angenommen und zwei Tage später unterzeichnet. Es ist heute Dienstag, an dem wir etwas länger schlafen, wodurch wir erst um 10:30 Uhr wieder „On the Road“ sind. Es geht weiter mit der Interstate 90 Ost über Butte Richtung Bozeman. Obwohl ich die vorgeschriebenen 70 Meilen pro Stunde gerne ein wenig überschreite kommen mir die 300 Meilen (483 Kilometer) bis zu unserem Tagesziel, dem Yellowstone-NP unglaublich lang vor.

Vor Bozeman zweigen wir bei Belgrade auf Hwy 191 Süd ab und erreichen um 15:15 Uhr West-Yellowstone. Es gibt hier ein Gehege mit Grizzly- Bären, wo wir uns die gewaltigen Tiere gefahrlos aus der Nähe anschauen können. Es gibt im Ort sogar eine kleine Independence-Day- Parade, von der man uns freundlich zu winkt. Bei der Einfahrt in den Yellowstone- NP am West-Entrance erfahren wir, dass alle Campgrounds im Park „Full“ sind. Etwas abgenervt fahren wir über Hwy 20 ein Stück nach Westen, wo wir unser Zelt auf dem privaten Zeltplatz „Madison Arm- Resort“ aufbauen. Als unser Zelt dann steht sind wir über unser Quartier gar nicht mehr so enttäuscht. Wir blicken beim abendlichen BBQ auf einen wunderschönen See und beim Tourenbuch- und Kartenschreiben wird es spät an diesem Abend.

Am Mittwochmorgen entdecken wir die Wasservögel am See, unter die sich auch ein paar Pelikane gesellt haben. Um 10 Uhr machen wir uns auf den Weg in den Yellowstone- NP. Für den ältesten Nationalpark der Welt, der 1872 gegründet wurde und heute zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört haben wir zwei volle Tage eingeplant. Wir fahren in den Park und nehmen die Straße in südlicher Richtung zum Upper- Geyser-Basin. Hier parken wir am „Old Faithful Inn“, einem schicken Hotel im Blockhaus- Stil. Eine der Attraktionen ist der gleichnamige Geysir, der derzeit alle 65 min eine 50 Meter hohe Wasserfontäne in die Luft schießt. Der alte Getreue ist ein Touristenmagnet, dessen halbrunde Zuschauertribüne hunderten von Observanten Platz bietet, beim Warten auf seine nächste Vorstellung.

Yellowstones Nationalpark- Fläche von 8987 Quadratkilometern liegt zu 96 Prozent in Wyoming, wobei im westlichen Teil 3 Prozent in Montana und 1 Prozent in Idaho liegen. Hier im Gebiet der Rocky Mountains liegt der Park auf einer durchschnittlichen Höhe von 2440 Metern. Der höchste Punkt ist der Eagle Peak mit 3462 Metern. Weite Teile des Gebietes befinden sich in der Caldera eines Supervulkans mit einer in 8 Kilometern Tiefe liegenden Magmakammer, die eine Ausdehnung von 80 x 40 Kilometern bei einer Mächtigkeit von 10 Kilometern hat. Supervulkane haben bei einem Ausbruch das Potenzial für globale Auswirkungen auf das Leben auf unserem Planeten.

Die vulkanogene Landschaft Yellowstones tritt in Form von 500 Geysiren und etwa 10000 heißen Quellen zu Tage, was über 62 Prozent aller weltweit vorkommenden heißen Quellen entspricht. Andere geothermale Erscheinungsformen sind die unzähligen Fumarolen und Schlammtöpfe, die durchaus Gefahren beim Betreten des Geländes außerhalb der Bohlenwege darstellen. Nachdem wir Zeugen der für 12:50 Uhr vorhergesagten Eruption von Old Faithful geworden sind, gehen wir den Trail durch das Upper Basin. Beauty Pool und Glory Morning Pool sind heiße Quelltöpfe, die in wunderbaren Farben erstrahlen. Es sind thermophile Algen und Bakterien, die den Becken ihre Farben verleihen und um deren Erforschung und Nutzung sich Bio-Tech- Unternehmen rangeln. Das Patent auf ein isoliertes Enzym aus „Thermus aquaticus“, einer Taq-Polymerase zum Einsatz in der Gentechnik hat dem Schweizer Unternehmen Roche Einnahmen in Milliardenhöhe eingebracht. So hat man auch entdeckt, dass spezielle Cyano- Algen giftiges Arsen aus der Umwelt binden können, womit zum Beispiel Arsen aus Trinkwasser extrahiert werden kann.

Überall kocht, dampft und brodelt es bei unserem Rundgang durch das Upper Basin. Stationen sind der Castle-Geyser und der Beehive- Geyser, der nur etwa zweimal pro Woche ausbricht- heute, nur für uns sogar zusammen mit Old Faithful 😉 Am Nachmittag wenden wir uns dem benachbarten Black Sand- Basin zu, wo bis 1888 der Excelsior- Geyser eine 90 Meter hohe Wasserfontäne hervorbrachte. Heute erstrahlt hier Grand Prismatic Spring als ein in mehreren Farben erscheinender Pool. Auf dem Weg zurück ist es dann noch das nördlichere Lower Geyser- Basin, wo wir uns bei bereits tief stehender Sonne umschauen. Wunderbar wirft der Spasm-Geyser gerade sein kochendes Wasser in das gleißende Gegenlicht.

Auf dem Firehole Lake- Drive werden wir von stinkenden Schwefeldämpfen eingehüllt und zurück auf der Parkstraße müssen wir immer wieder anhalten, um Büffel, Rehe, Elche und auch Erdmännchen zu beobachten. In West Yellowstone kaufen wir für ein abendliches BBQ am Zelt ein und sitzen noch lange draußen am See. Mitten in der Nacht schrecken wir auf, da wir beide einen lauten Knall oder Schuss vernommen haben. Wir vernehmen auch Stimmen und eine Weile Unruhe auf dem Campground. Nachdem Ruhe eingekehrt ist schlafen wir wieder ein. Die Antwort auf die Frage, ob die nächtliche Ruhestörung von einem Wildtier oder gar Bären ausging blieb leider aus.

Donnerstagmorgen verlassen wir unser Zelt gegen 9:30 Uhr. Das Wetter ist heute nicht so traumhaft wie gestern. Es ist zwar warm, allerdings weisen die Wolken auf Gewitter hin. Am Abzweig Madison Junction fahren wir heute in nördlicher Richtung zu dem Mammoth Hot Springs. Bei einem großen Waldbrand 1988 ist viel Wald in Yellowstone zerstört worden. Sehenswert sind hier die Kalksinterterrassen. Kalkhaltiges, etwa 70 Grad heißes Wasser hat hier die unzähligen verschiedenfarbigen Becken gebildet, die im Bereich der Minerva-Terrassen besonders schön in Erscheinung treten. Andere Areale sind ihrer Schönheit durch Austrocknung beraubt. Wir fahren noch den Scenic Drive durch die oberen Terrassen ab, um dann die Parkstraße weiter in südöstlicher Richtung zum Yellowstone-Canyon zu nehmen.

Wir kommen am Petrified Tree vorbei, einem durch mineralhaltiges Wasser versteinerten Baumstamm, dessen Alter Millionen Jahre zählen soll. An den vom Tower-Creek gebildete Tower- Fall steigen wir eine Meile zum Fuß an diesem tosenden Wasserfall ab. Etwas weiter südlich hinter dem Dunraven-Pass 2700m erreichen wir den Yellowstone-Canyon und nehmen den North Rim- Drive zum Inspiration Point, von dem wir die Lower Falls noch nicht ganz einsehen können. Ein toller Blick öffnet sich dann ein Stück weiter vom Lookout Point. Mit dem Brink of the Falls-Trail steigen wir zu dem Punkt ab, wo das Wasser der Lower Falls aus 90 Metern Höhe in den Talgrund herabstürzt.

Mit dem Auto überqueren wir oberhalb der Upper Falls den Yellowstone-River zum South Rim und parken an Uncle Toms Parking-Area. Hier haben wir einen guten Blick auf die Upper Falls, die nicht so beeindruckend sind wie Lower Falls. Über den Uncle Toms-Trail steigen wir über Stahlleitern in der Felswand zu einem weiteren spektakulären Ausblick auf den unteren Yellowstone- Wasserfall. Eine nette Begegnung haben wir mit zwei Wieseln am Weg. Auf dem Weg zurück zum Canyon-Village halten wir an einer Wiese, auf der es sich Hirsche gemütlich gemacht haben.

Wir fahren den gleichen Weg über den Dunraven-Pass, wo sich der Himmel zunehmend mit Gewitterwolken verdunkelt zurück und halten noch einmal am Norris Geyser-Basin. Hier wirft der in unregelmäßigen Abständen von 35-75 Minuten ausbrechende Echinus- Geyser gerade sein Wasser in die Luft. Ein tolles Bild, wie sich die von der tiefen Sonne angestrahlte Wassersäule vor der schwarzen Gewitterwand erhebt. Nun setzt auch der bislang ausgebliebene Regen ein und erste Blitze zucken vom Himmel. Ein trockenes Abendessen gönnen wir uns in West Yellowstone im „Ranch“- Restaurant. Zurück am Zelt kriechen wir nur noch in die Schlafsäcke.

Es ist Freitag und nach dem Frühstück um 8:00 Uhr bauen wir unser Lager ab. Dorothee gratuliert ihrer Mutter telefonisch zum Geburtstag, bevor wir das Auto betanken. In Madison biegen wir noch einmal ab, auf die südliche Parkstraße am Upper- Geyser-Basin mit „Old Faithful“ vorbei bis zum West Thumb Geyser-Basin am Yellowstone Lake 2357m. Black Pool und Fishing Cone sind Geysire, die unter der Wasseroberfläche des Sees liegen. Am Ufer erblicken wir eine Elchkuh. Etwas weiter nördlich besticht Mud Vulcano mit seiner heißen stinkenden Matsche. Am Dragon Mouth kann man den Geräuschen aus dem Erdinneren lauschen. Am Black Dragon’s Caldron liegen zwei Büffel, denen der Gestank offensichtlich nichts ausmacht, vielleicht genießen sie den warmen Boden.

Die nächste Station unterhalb der Straße ist Sulphur Caldron, ein Tümpel mit kochender tiefgelber Schwefelbrühe. Nachdem wir auch hier genug von den übelriechenden Dämpfen aus dem Erdinneren aufgenommen haben, fahren wir noch einmal in nördlicher Richtung über Tower-Roosevelt- Junction weiter zum nordöstlichen Park- Ausgang. Im Yellowstone-NP haben wir eine einzigartige Naturlandschaft erlebt, mit großartigen vulkanischen und geothermalen Erscheinungen. Eine große Anzahl von Wildtieren ist in Yellowstone beheimatet, einige haben wir angetroffen. Beeindruckend sind die vielen Bisons, die bei unserer Ausfahrt aus dem Park durch das Lamar-Tal auf den grünen Hügeln stehen. Sie waren die frühere Nahrungsgrundlage der indigenen Völker und wurden von den weißen Eroberern fast ausgerottet- nur so aus menschlicher Profitgier oder einfach zur Freizeitbeschäftigung. Einige tausend Bisons leben heute wieder in Yellowstone und geben dem Besucher nur eine ungefähre Vorstellung von den riesigen Herden die einst den nordamerikanischen Kontinent durchzogen.

Mit Hwy212 verlassen wir Yellowstone über den Beartooth Pass 3337m nach Red Lodge in Montana. Die Passstraße schraubt sich mit herrlichen Aus- und Tiefblicken hinauf zur Passhöhe, wo noch einiges an Schnee liegt. In Red Lodge checken wir gegen 19:30 Uhr im „Red Lodge-Inn“ ein. Essen gehen wir in Natalies & Pius International Room. Die mutmaßliche Inhaberin ist sehr stolz auf ihre Deutschkenntnisse und bringt diese auch in unüberhörbarer Lautstärke zum Einsatz. Das Essen hat sehr gut geschmeckt, was sich Natalie (??) mit der Frage „Hat‘s denn g’schmeckt?“ auch bestätigen lässt. Nach mehreren Tagen im Zelt widmen wir uns der Körperpflege und mit einigen Zeilen mehr füllt sich das Buch, dessen Inhalt mir die wertvolle Grundlage auch für diesen Reisebericht bietet.

Es ist Samstag, seit 2 Wochen sind wir nun schon unterwegs. Wir frühstücken auf dem Zimmer und kommen gegen 10:15 Uhr los. Hwy212 bringt uns auf die I90 Ost nach Billings. Wir landen ungewollt auf der I94 bis nach Custer, um dann mit der 47 in Hardin wieder auf die I90 Süd zu gelangen. Mit der Ausfahrt „Little Bighorn Battlefield“ verlassen wir den Interstate-Highway zum National Monument auf dem Gelände, auf dem die Schlacht am Little Bighorn im Sommer des Jahres 1876 stattfand. Unter dem Kommando George Armstrong Custers wurden am Little Bighorn fünf Kompanien des 7. US-Kavallerie-Regiments vernichtend geschlagen. 950- 1200 Krieger der Sioux und Cheyenne- Natives standen knapp 600 Soldaten der Vereinigten Staaten gegenüber. Neben weiteren Häuptlingen waren die Anführer der „First Nation“ Sitting Bull und Crazy Horse. Bei der vernichtenden Niederlage der US- Kavallerie starben 268 Soldaten, 55 wurden verwundet. Auf der indigenen Seite fielen 40 Krieger und 80 wurden verwundet.

Die Schlacht am Little Bighorn steht für einen der wenigen größeren Erfolge der Natives im Kampf gegen die Eroberer ihres Kontinents. Ich muss an einen T-Shirt-Spruch, den ich in Seattle zur 500-Jahresfeier der Entdeckung Amerikas 1492 gelesen habe denken. Übersetzt stand da sinngemäß:
„Wir haben Amerika nicht entdeckt, sondern wir haben es besetzt!“

Für die Ureinwohner begann ein Überlebenskampf, dessen Ausgang heute hinlänglich bekannt ist. Hollywood allerdings hat mit immerhin mehr als 50 Filmen seinen Teil dazu beigetragen den Untergang der Ureinwohner hinter einer revisionistischen Sicht auf die Geschichte zu verbergen. Die Witwe des gefallenen Befehlshabers Custer arbeitete unermüdlich an einer Märtyrer-Saga um ihren Mann und seine Soldaten, die als Helden in einem heroischen Kampf gefallen sind. Memorials gedenken der hier gefallenen Soldaten der US-Kavallerie, ein Memorial für die gefallenen indigenen Krieger sehen wir nicht. Ein solches wurde, wie mir meine Recherche zeigt erst 2003 eingeweiht. Das zeigt, dass erst in jüngerer Zeit die lange vermisste Perspektive der Indigenen in der Betrachtung der amerikanischen Geschichte eine Aufwertung erhält.

An der Trading Post essen wir zu Mittag, heute befindet sich hier das Crow- Reservat. Gegen 15:20 Uhr fahren wir weiter über die Interstate 90 Süd bis Sheridan in Wyoming und ab Buffalo mit Ostkurs weiter über Gilette bis Meile 153 in Moorcraft. Es ist recht heiß heute und das Thermometer bringt es bis 38 Grad. Wir verlassen den Interstate und fahren am West- Rand der Black Hills über die 14 und 24 Nord zum Devils Tower- National-Monument. 264 Meter hoch ragt der Felsturm als erloschener Magma- Kern eines Vulkanschlots aus der Ebene auf. Das harte Basaltgestein des magmatischen „Hartlings“ hat der Verwitterung im Laufe der Erdgeschichte getrotzt und ist für 20 indigene Stämme als „Bear Lodge“ bis heute eine heilige Stätte. Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ fand an diesem Felsturm statt. Die Basaltsäulen bieten sich für unzählige, nicht unbedingt einfache Kletterrouten an, für die man ein Permit einholen kann.

Die Sonne steht bereits tief, als wir den östlichen Parkeingang passieren. Black Tailed Prairie Dogs haben hier mit der „Prairie Dog Town“ am Devils Tower eine weitläufige Kolonie gebildet. Es ist lustig den possierlichen Tieren zuzuschauen, wie sie aus ihren Löchern auftauchen, die mit unterirdischen Gängen verbunden sind. Klapperschlangen nutzen die Gänge gerne, um sich tagsüber vor der Hitze zu schützen. Auch hier am Devils Tower gibt es eine große Artenvielfalt, u.a. mit dem „White Tailed Deer“ einer besonderen Rehart. Die Basaltsäulen stammen einer indianischen Legende nach von den Kratzspuren eines Riesenbären, der zwei Kinder verfolgt hat. Der Berg hob sich, womit der Bär die Kinder nicht mehr erreichen konnte. Wie bestellt steht der Mond über dem surreal wirkenden Felsturm- es ist ein absolut mystischer Ort.

Der Campground am Devils Tower ist bis auf zwei Plätze am Toilettenhaus belegt. Wir fahren ein paar Meilen weiter auf der 24 bis Hulett und checken im Hulett- Motel für 40 Dollar ein. Abendessen gibt es im Ponderosa- Café. Die Leute sind nett und das Essen ist gut. In dem Diner finden wir uns am Sonntag auch kurz nach neun zum Frühstück ein. Wir sitzen bei Eggs, Bacon und Sausages in dem Raum, der mit seiner typischen Saloon- Tür vom Ambiente her auch als Drehort für einen Western herhalten könnte. Draußen nähert sich der untrügliche sonor hämmernde Sound eines fetten Harley-V-Motors, der direkt vor der Tür verstummt. Nach dem „Klack“ des Seitenständers wirft eine Gestalt ihren Schatten durch die Saloon-Tür. Ich glaub ich sehe nicht recht- Auf Westernstiefeln schreitet ein Kerl in den Raum, an seiner rechten Hüfte ein Colt im Holster. Während ich kurz schlucke und auf seine Ansage „Brieftasche raus!“ warte, grüßt der „Desperado“ freundlich, setzt sich hin und bestellt einen Kaffee.

Mit der 24 Ost kommen wir nach Aladdin, einer 50-Seelen-Gemeinde, wo wir uns ein Kohle-Bergwerk aus dem 19. Jahrhundert ansehen. Das Gebiet der Black Hills war bereits als Reservat für die Indigenen ausgewiesen, als man hier Bodenschätze wie Kohle fand. Europäische Aussiedler fanden auf ihrer Suche nach dem Glück eine Anstellung wie hier auf der Kohlenmine in Aladdin. Die Indigenen wurden ohne Anstand und Respekt kurzerhand wieder aus ihrem eigenen Reservat vertrieben. Hinter Aladdin überqueren wir mit der 34 die Staatsgrenze nach South Dakota und kommen wieder auf die I90 Ost. Nördlich von Rapid City fahren wir in die Kleinstadt Sturgis ein, in der einmal im Jahr, in der ersten Augustwoche im Rahmen der Sturgis Motorcycle- Rally der Ausnahmezustand verhängt wird. Neben der Daytona Beach Bike- Week ist Sturgis mit einer halben Million Motorradbegeisterter und -Verrückter aus aller Welt die größte Motorradveranstaltung weltweit.

Uns präsentiert sich der Ort in sonntäglicher Stille und nach dem Einkauf von ein paar Souvenirs, T-Shirts und Lebensmitteln für das nächste Camp fädeln wir uns wieder auf der I90 Ost ein und verlassen den Interstate bei Cactus Flat, wo wir mit der 240 Süd den Nordost-Eingang des Badlands- NP erreichen. Es ist mittlerweile 15 Uhr und wir fahren entlang einiger Overlooks durch das „Schlechte Land“. Die von Erosion zerfurchten Hügel aus Vulkanasche erwecken zwar den Eindruck, dass hier kaum etwas wächst, schaut man aber genau hin gibt es hier und da Bereiche mit Grasland. Der Badlands- NP liegt inmitten einer der größten Grasflächen der Welt. Vom südlichen Alberta und Saskatchewan bis fast nach Mexico und von den Rocky Mountains bis nach Indiana bedeckte das Grasland der Prärie einst fast ein Viertel der USA.

Schon vor 12000 Jahren siedelten Mammutjäger in der Region. Die Arikara waren die ersten indigenen Stämme, die in der Region des White River ansässig wurden. Mitte des 18.Jahrhunderts kamen die Lakota (Sioux), die von der Büffeljagd lebten. Sie bekamen Konkurrenz von den ersten Neuankömmlingen aus Europa. Es waren französische Pelzjäger, die dem Land den Namen „Les Mauvaises Terres à Traversez“ gaben. Es folgten Bergleute, Viehzüchter, Siedler und Soldaten, die den Lakota ihre Lebensgrundlage entzogen. Nach dem Sieg der „First Nation“ über das 7. US-Kavallerieregiment am Little Bighorn 1876 kam es hier am 29.Dezember 1890 etwas weiter südlich bei der gleichnamigen Ortschaft zum Massaker von Wounded Knee. Es war hier aber kein Kampf auf dem Schlachtfeld, sondern ein wenig ehrenvolles Massaker, bei dem 300 wehrlose Angehörige der Sioux ermordet wurden.

Es ist mit 40 Grad im Schatten sehr heiß, als wir dem Cliff-Shelf- Nature-Trail entlang einer grünen Oase folgen, wo eine wasserspeichernde Schicht sattes Grün in die Landschaft zaubert. In den Badlands sind viele Pflanzen und Tierarten zu finden, wobei Büffel und Dickhornschafe heute in diesem Naturpark nicht mehr vorkommen. Der Film „Der mit dem Wolf tanzt“ mit Kevin Costner in der Hauptrolle wurde zu großen Teilen hier im Badlands- NP gedreht. Am Abend fahren wir westlich aus dem Park heraus und folgen der Sage Creek Rim-Road, die auf die 590 in südlicher Richtung auf Hwy44 einmündet. Mit Hwy44 West fahren wir durch Rapid City und über Hwy385 Süd bis zum Pactola Lake in den Black Hills, wo wir unser Zelt auf dem National-Forest- Campground aufbauen. Wir haben Büffel-Steaks eingekauft, die auf den Punkt gegrillt mit Gemüse und Folienkartoffel auf den Teller kommen. Blitz und Donner kündigen das nahende Gewitter an, das auch etwas Regen mitbringt. Nach dem Schauer trinken wir noch ein Glas Wein im schönen kühlen Wald der Black Hills.

Am Montag stehen wir zwar auch wieder früh auf, lassen uns aber viel Zeit auf unserem idyllischen Platz. So wird es 12:30 Uhr bis wir alles abfahrbereit verstaut haben. Das nächste Ziel ist der berühmte Mount Rushmore, den wir über die 385 und 16a erreichen. Das berühmte National-Monument, das in einer Felswand die etwa 18 Meter hohen Köpfe der vier Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln zeigt entstand mit einer 14-jährigen Bauzeit zwischen 1927 und 1941. Der 1745 Meter hohe Berg ist ein heiliger Ort für die Lakota-Sioux. Seinen Namen verdankt der Berg einem New Yorker Anwalt, der die Goldschürfer-Rechte für den Berg erworben hatte. Schon aus der Ferne imponiert die bildhauerische Meisterleistung über den Hügeln der Black Hills. Entlang von Fress- und Souvenirbuden laufen wir vom großen Parkplatz zum Aussichtspunkt am Fuß des Nationalheiligtums. Es ist ein Pilgerort, an dem sich die Touristen aus Nah und Fern an den Ferngläsern rangeln.

Wir verlassen Mount Rushmore nach Süden über die 16a und die Iron Mountain- Road zum Custer- State-Park. Auf dem Wildlife Loop sind wir zunächst etwas enttäuscht, da wir auf den grünen Hügeln nur wenige Büffel sehen. Wir stellen uns die riesigen Herden vor, die einst die Prärie und die Black Hills durchzogen haben. Ein Stück weiter treffen wir dann doch noch auf eine etwas größere Herde. So gutmütig und schwerfällig die Tiere wirken, vor einer Annäherung wird überall gewarnt. So ein ausgewachsener männlicher Bison kann bis an die 1000 Kilogramm Gewicht erreichen und diese Masse kann er auch sehr schnell beschleunigen. Wir verlassen den Custer- State-Park über die 385 Nord noch einmal nach Hill City am Rand von Rapid City. Unser Tank will hier zunächst befüllt werden, bevor wir auf dem gleichen Weg etwas südwestlich von Mount Rushmore ein weiteres bildhauerisches Großprojekt aufsuchen.

Es ist das Crazy Horse Monument, mit dem der Bildhauer Korczak Ziolkowski bereits 1948 begonnen hat. Als Anführer der Ogala-Sioux kämpfte Crazy Horse selbst in einigen Auseinandersetzungen mit der US-Armee, u.a. am Little Bighorn. Er starb am 5.September 1877 in Fort Robinson- Nebraska. Das Kunstwerk soll mit einer Länge von 195 Metern und einer Höhe von 172 Metern den großen Häuptling hoch zu Ross zeigen, als indigener Gegenpol zu den Präsidenten am Mount Rushmore. Der Bildhauer, der auch am Mount Rushmore mitgewirkt hat verstarb 1982. Fortgesetzt wird das Projekt von seiner Frau und seinen 10 Kindern. Ohne Fördergelder vom Staat beruht die Finanzierung aus den Einnahmen der Crazy Horse- Memorial-Foundation aus Eintrittsgeldern und Spenden. Bis heute 2025 ist das Projekt weiter vorangeschritten, das Gesicht ist fertig und der nach Osten ausgestreckte Arm annähernd. Die Indigenen sehen das Memorial aber kritisch, da es ebenfalls ein Einschnitt in die heiligen Berge der Black Hills darstellt. Ferner ließ sich Crazy Horse wohl nie fotografieren oder abbilden, hätte somit vielleicht auch ein solches Denkmal abgelehnt.

Gegen 18:30 Uhr fahren wir Hwy385 Süd über Custer nach Hot Springs, wo wir im „Historic Log Cabin- Motel“ einchecken. Im „Hills Family Restaurant“ gibt es noch was Gutes zu essen. Am Dienstag kommen wir gegen 10 Uhr los und fahren westlich von Hot Springs am Südrand der Black Hills zu den Ausgrabungen von „The Mammoth Site“. Die heißen Quellen mit ihren Kalksinterterrassen von Hot Springs wurden von den Eroberern erst 1871 entdeckt. In dem warmen Quellgebiet entstand wohl bereits vor 140000 Jahren eine karstische Doline, ein sogenanntes „Sinkhole“. Die wassergefüllte Senke lockte Tiere an, die wie die Mammuts vor 26000 Jahren die Nähe zu den Quellen suchten. Die Skelette von etwa 60 Mammuts, vorwiegend junger Bullen hat man aus den Sedimenten dieses Sinklochs freigelegt. Ein Bad in dem warmen Wasser wurde für die Tiere offensichtlich zur Todesfalle, da die glatten feuchten Wände den Ausstieg verhinderten.

Nach dieser interessanten Exkursion verlassen wir die Black Hills über Hwy 18 West nach Wyoming, hier dann in südlicher Richtung bis Lusk. Von hier geht es über Hwy85 Süd bis Lingle und über Hwy26 West bis zur Ortschaft Fort Laramie. Hier widmen wir uns dem historischen Fort, das 1834 als Pelzhandelsposten mit dem Namen Fort William gegründet wurde. Als Zufluchts- und Versorgungsstätte der Siedler auf dem Oregon-Trail wechselte der Name in Fort John. Ab 1849 übernahm die US-Army die Verwaltung des nun als Fort Laramie benannten Militärpostens. Auch der Pony-Express machte bis zum Aufkommen der Telekommunikation über Telegraphen in den 60er Jahren des 19.Jahrhunderts hier Halt.

Fort Laramie gilt als eines der bedeutendsten Forts in der Geschichte Amerikas, auch bezüglich der Auseinandersetzungen mit den Ureinwohnern. Mit Eröffnung der transkontinentalen Eisenbahn verlor Fort Laramie zunehmend an Bedeutung und wurde 1889 als Militär- Stützpunkt aufgegeben. Die nationale historische Stätte wurde mit seinen historischen Gebäuden aufwendig wieder aufgebaut. Mit viel Liebe zum Detail sind die Unterkünfte der Truppen, der Offiziere, des Postenkommandanten und des Arztes eingerichtet. Einige Statisten beleben Räume, wie den Lebensmittelladen und flanieren über die Plätze des Forts in zeittypischer Kleidung.

Wieder einmal ist es spät, als wir um 18 Uhr mit etwas mehr Gas als erlaubt nordwestlich auf die Interstate 25 Süd über Cheyenne und über Fort Collins in Colorado bis Loveland fahren. Hier, nördlich von Denver (CO) checken wir auf Hwy 34 Ost am Ende des Ortes im „Sands Motel“ ein und haben im „Summit“- Restaurant nebenan auch ein feines Abendessen. Am Mittwoch frühstücken wir schon vor 8 Uhr und machen uns ebenfalls zeitig auf den Weg über Hwy34 West zum Rocky Mountain- NP, wo wir durch die noch mit Schnee bedeckte Hochgebirgslandschaft nordwestlich von Denver cruizen. Am Beaver Meadows sehen wir die von Bibern errichteten Dämme, deren Erbauer wir aber nicht zu Gesicht bekommen. Im Park fahren wir über Pässe von bis zu 3700 Metern Höhe. Wir sehen kapitale Hirsche in den Bergwiesen liegen und verlassen den landschaftlich tollen Nationalpark, dem wir gerne noch mehr Zeit gewidmet hätten über Hwy 34 West, dann in südlicher Richtung mit Hwy 40 zum Interstate 70 Ost bis Idaho Springs.

Auf der Suche nach einem Quartier für die letzten Tage unserer Tour rund um Denver werden wir in Idaho Springs nicht fündig und fahren über Hwy6 weiter auf Denver zu nach Golden. Auch hier haben die begehrtesten Motels „No Vacancy“, möglicherweise weil einige Veranstaltungen zu Ehren Buffalo-Bills am Wochenende hier stattfinden. Das Grab des berühmten Büffeljägers, der mit bürgerlichem Namen William Frederick Cody (1846-1917) hieß, befindet sich ganz in der Nähe auf dem Lookout Mountain nahe Golden. Mit seiner Wild-West- Show ging der spätere Showstar auch auf Europa-Tournee. Am 19. April 1890 präsentierte er seine Show in einem 6000 Zuschauer fassenden Zelt auf der Theresienwiese in München. Bei den dargebotenen Kämpfen zogen „Indianer“ grundsätzlich den Kürzeren. „Ochsen-Willi“, wie der Westernheld bei seiner Deutschlandtournee scherzhaft genannt wurde, legte einen Grundstein für das moderne Show-Business.

Der nächste Vorort von Denver ist Lakewood, wo wir um 16 Uhr in der „Econo-Lodge“ ein Zimmer für 52 Dollar/Nacht finden. Wir beziehen unser Quartier mit einem Pool vor dem Haus für die nächsten drei Nächte bis Samstag. Wir haben aber heute noch ein Ziel, wir fahren über Morrison und Evergreen mit der 103 auf die Straße, die uns auf den höchsten befahrbaren Berg Nordamerikas hinaufbringt. Die Auffahrt auf den Mount Evans mit seinen 4348 Metern führt über eine kurvenreiche, komplett asphaltierte Straße. Schilder warnen Personen mit Einschränkungen des Herz-Kreislaufsystems vor der Auffahrt auf den Berg. Die Warnung sollte man ernst nehmen, denn obwohl wir bereits von 1600 Höhenmetern kommen, verursacht der motorisierte Höhensprung ohne echte Akklimatisation auch dem Herzgesunden eine gewisse Luftnötigkeit.

Zum Gipfel gelangt man über einen 50 Meter hohen Treppenweg. Wir sind herzgesund und auch trainiert, trotzdem schleppen wir uns pustend mit raschem Puls den Weg hinauf zu der atemberaubenden Aussicht auf Denver und die umliegenden Berge, wie den Pikes Peak. Hier oben messe ich am Abend noch eine Temperatur von 21 Grad Celsius. In der späten Sonne präsentieren sich Dickhornschafe am Straßenrand. Über die ausgesetzte, kurvenreiche Straße geht es wieder runter bis zum Echo-Lake. Von hier fahren wir nördlich nach Idaho Springs, wo wir im „Buffalo“- Restaurant essen gehen. Büffel-Steaks sind neben einigen anderen Sachen leider aus. Die Standard-Steaks sind aber auch sehr gut, Doro fährt uns danach gut gesättigt zurück zu unserem Basislager in Lakewood.

Am Donnerstag hat Inge, die gute Freundin meiner Mutter Geburtstag und als erstes erledigen wir das Telefonat mit unseren Geburtstags- Glückwünschen. In Golden besuchen wir danach das Railway- Museum. Das hübsche Museum informiert über die Denver & Rio Grande Railroad, die Ende des 19. Jahrhunderts als Schmalspurbahn von Colorado durch die Rocky Mountains durch Leadville nach Salt Lake City führte. Wir schauen uns den historischen Fuhrpark mit den Dampfloks an, die diese Strecke befahren haben. Auch die Dampflokomotive, die die Zahnrad- Strecke auf den Pikes Peak bediente ist hier ausgestellt. Eine der riesigen „Big Boy“- oder Challenger-Lokomotiven finden wir leider hier nicht. Wir haben heute Morgen noch nichts gefrühstückt und essen erst einmal einen Burger im „Wendys“ in Golden. Am Rand von Denver bei Morrison liegt das Red Rock- Amphitheater, eine Naturbühne, die von roten Felsen eingerahmt ist, wo wir einen Zwischenstopp machen, bevor wir auf dem Hwy 470 nach Süden auf die I25 fahren. In Colorado Springs nehmen wir Hwy 24 West bis Cascade.

Von Cascade führt eine Maut- Straße hinauf auf den 4330 Meter hohen Pikes Peak. Die Straße ist eine Sand- Schotterpiste und wird seit 1916 jedes Jahr zum Austragungsort eines der berühmtesten Bergrennen der Welt. Die knapp 20 Kilometer führen über 156 Kurven vom Start auf 2862 Meter zum Gipfel hinauf. Der damals in Deutschland bekannte Rallye- Pilot Walter Röhrl stellte 1987 mit 10:47,850 Minuten einen Weltrekord mit seinem 600PS starken Audi Sport Quattro S1 auf. Nicht nur die Leistungsfähigkeit der Menschen lässt in der Höhenluft nach, auch Verbrennungsmotoren erhalten bei dem reduzierten Sauerstoff-Partialdruck in der Höhe einen deutlichen Leistungsverlust. Der heutige Streckenrekord der anliegt wurde 2018 von Romain Dumas mit dem elektrischen Volkswagen I.D. R Pikes Peak (680 PS) mit weniger als 8 Minuten aufgestellt. Auf der superbreiten Sandpiste hole auch ich mir den Kick und lasse unseren Hundai quer durch die Kurven driften. Mein „Race to the Clouds“ endet aber hinter einer Kurve mit der Ermahnung eines Rangers, der mich mit freundlichem Nachdruck bittet meinen Fahrstil zu disziplinieren. Schade- hat voll Bock gemacht 😉

Am Gipfel des Pikes Peak ist deutlich mehr Touristenrummel, als am Mount Evans, an dem heute nur noch die Ruine einer Touristenbude steht. Hier oben endet die Zahnradbahn, mit der man von Manitou Springs bei Colorado Springs den Gipfel mit dem Zug erklimmen kann. Nach ein paar Fotos fahren wir die vielen Kurven wieder hinab nach Colorado Springs, wo es beim Blick auf die Uhr bereits 17 Uhr ist. Wir fahren über Hwy115 in südwestlicher Richtung nach Penrose und über Hwy 50 über Canyon City bis Royal Gorge. Hier zweigen zu beiden Seiten Straßen ab, Zufahrten zu jeweils großen Gefängnis-Komplexen für Männer und Frauen. Die Attraktion bei Royal Gorge ist die 1929 erbaute Hängebrücke über den Royal Gorge Canyon.

Sie überspannt auf einer Strecke von 385 Metern in einer Höhe von 291 Metern die Wildwasser des Arcansas-Rivers. Entlang des Flusses führt auch die ehemalige Eisenbahntrasse der Denver & Rio Grande Western Railroad. Mit der Luftseilbahn „Aerial Tram“ von 1969 überqueren wir parallel zur Brücke den Canyon zum ermäßigten Nachmittagstarif. Es ist ein gigantischer Tiefblick unter die bis 2003 höchste Hängebrücke der Welt. Zu Fuß laufen wir zurück über die Brücke zwischen deren Holzbalken der Blick in den Abgrund fällt. Es war damals noch erlaubt die schwankende Brücke mit dem Auto zu befahren, was wir dann auch noch einmal machen. Am 11. Juni 2013 zerstörte ein Feuer Teile der Anlage rundum und auf der Brücke. Nach Erneuerung der Holzbohlen auf der Brücke im Jahr 2014 ist das individuelle Befahren nicht mehr erlaubt. Es ist 20:30 Uhr und in die Dunkelheit hinein gehen wir in einem Restaurant am Hwy 50 etwas essen. Erst um 23:45 Uhr erreichen wir unser Motel in Golden nach einem langen Tag.

Am Freitag fahren wir gegen 9 Uhr nach Denver und besuchen hier das Transportmuseum „Forrey“, in dem allerhand zu besichtigen ist was Räder hat. Der eigentliche Grund für unseren Besuch ist allerdings die legendäre Dampflokomotive „Big Boy“ mit der Achsfolge 4-8-8-4, die hier ausgestellt, aber nicht mehr betriebsbereit ist. In Cheyenne, wo wir vor 3 Tagen durchgekommen sind gibt es noch eine funktionsfähige Lokomotive dieser Bauart wie wir erfahren. Diese extrem leistungsfähigen Lokomotiven zogen schwere Güterzüge über Bergpässe. Wir fahren nach Denver hinein und parken in einem Parkhaus am Latimer-Square. Das Wetter ist bedeckt und nicht so heiß, in einem französischen Restaurant „La Bonne Soup“ gehen wir etwas essen. An den Geschäften der 16. Straße entlang laufen wir zum Capitol. Vom Umlauf der Kuppel blicken wir auf die Stadt. Mount Evans und Pikes Peak haben sich in dunkle Wolken gehüllt. Beim Verlassen des Capitols fängt es dann auch an zu regnen. Über den I25 Nord fahren wir zu einem „Factory Outlet“ nach Loveland wo wir noch letzte Einkäufe tätigen. Hier besuchen wir das Restaurant „Summit“ noch einmal, wo wir vor 3 Tagen schon zu Gast waren. Um 21 Uhr sind wir zurück in Golden und packen an diesem letzten Abend unserer Reise unsere Sachen für den Heimflug.

Am Abreisetag trödeln wir ziemlich herum bis zu dem Punkt, an dem wir uns unsere Flugtickets noch einmal anschauen und uns irgendwie selbst verrückt machen weil es in Denver mehrere Flughäfen gibt. Tragbares Internet gab es noch nicht, so führen wir ein paar Telefonate für die Gewissheit, dass es tatsächlich der internationale Flughafen von Denver ist, bis heute der größte Flughafen der westlichen Hemisphäre und der zweitgrößte der Welt. Das Wort „International“ wäre ja eigentlich schon die Lösung unserer Verwirrung gewesen. Gegen 10:45Uhr fahren wir über Hwy6 East, Hwy25 North, Hwy70 East zum Airport nordöstlich von Denver. An der Alamo- Rental Car- Abgabe nimmt ein Mitarbeiter unseren Wagen in Empfang. Er fragt uns wo wir in Deutschland wohnen und berichtet stolz, dass sein Bruder auf einer US-Army Base bei Frankfurt Dienst tut. Beim Rundgang ums Auto übersieht er bei diesem Smalltalk die Beule unserer Reh-Begegnung am rechten hinteren Kotflügel, und drückt uns mit den besten Wünschen das abgehakte „Recipe“ in die Hand.

Mit dem Shuttle geht es zum Martin-Air- Schalter und mit einem 90- minütigen Zeitfenster passt auf dem Weg zum Gate auch noch ein Besuch bei Burger King. Gegen 13:15 Uhr gehen wir an Bord der Boeing 767, die mit leichter Verspätung gegen 13:50 Uhr von der Piste abhebt. Mit 9,5 Stunden Flugzeit legen wir auf der Route über Kanada, die Behring-Straße, Süd-Grönland, südlich an Island vorbei über Schottland nach Amsterdam etwas mehr als 7000 Kilometer zurück. Diese Distanz haben wir in den letzten Wochen auf unserer Tour auch mit dem Auto zurückgelegt. Durch die Zeitzonen nach Osten landen wir mit einem Zeitsprung von +8 Stunden am Sonntagmorgen um 7:15 Uhr Ortszeit in der holländischen Hauptstadt. Mit dem Bus der Fluggesellschaft werden wir nun noch zurück zum Essener Hauptbahnhof gebracht, wo dieses erlebnisreiche Abenteuer vor 3 Wochen begonnen hat.

A.Korbmacher
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