Hamburg 2025

Wochenende mit Anne und Jan in Hamburg 2025

Das erste Wochenende Anfang Juli haben wir mit Anne und Jan in einem Hotel südlich von Hamburg, in Seevetal-Hittfeld eingeloggt. Wir holen die Beiden am Freitag in Dortmund ab und schaffen es ausreichend zeitig anzureisen. Den Abend verbringen wir auf der Restaurant- Terrasse. Das Hotel ist ein familiengeführter Betrieb und die entgegengebrachte Freundlichkeit bei der Ankunft bestätigt uns, eine gute Wahl getroffen zu haben. Die fulminanten Hotelpreise im innerstädtischen Bereich begründen sich derzeit wohl durch mehrere Großveranstaltungen. Neben dem Konzert von Ed Sheeran mit 57000 Zuschauern findet an diesem Wochenende der Schlagermove in Hamburg mit hundertausenden Fans statt. Immer wieder treffen wir die farbenfroh feiernden Fans des deutschen Schlagers.

Hamburg im Zeichen des Schlagermove
Hamburg im Zeichen des Schlagermove

Beim Frühstück diskutieren wir eine Weile darüber, mit welchem Verkehrsmittel wir nach Hamburg reinfahren. Da wir am Samstagabend ein besonderes Angebot des Miniaturwunderlandes annehmen wollen, das erst ab 20 Uhr mit einer Hafenrundfahrt startet und sich mit dem daran anschließenden Besuch des Wunderlandes in der Speicherstadt fortsetzt, entscheiden wir uns das Auto für die späte Rückfahrt im nahen Parkhaus am Sandtorkai zu parken. Das Wetter zeigt sich heute bewölkt und zunächst schlendern wir über den schwimmenden Schiffsanleger des Sandtorhafens zwischen Kaiserkai und Sandtorkai. In diesem Hafenbereich sind einige Traditionschiffe festgemacht.

Sandtorhafen mit Elphi
Sandtorhafen mit Elphi

Der Hafenbereich ist flankiert von begehrten Büro- und Wohnlagen, sowie der Elbphilharmonie am Ende des Kaiserkais. Das neueste Wahrzeichen Hamburgs steht auf den Fundamenten des ehemaligen Kaiserspeichers A von 1875, dessen Krananlagen erhalten geblieben sind. Vor 3 Jahren war ich hier mit Dorothee zu einem philharmonischen Konzert in einer der besten Konzerthallen der Welt. Das Gebäude selbst ist ein architektonisches Meisterstück, das sich Hamburg mit dem elf- fachen der ursprünglich veranschlagten Baukosten von 77 Millionen Euro hat kosten lassen. Mit Anne und Jan besuchen wir heute noch einmal die Plaza, die umlaufende Terrasse mit dem sensationellen Ausblick über den Hafen bis zu den Landungsbrücken. Derzeit ist die Elphi mit 110 Metern Höhe das höchste Gebäude Hamburgs.

Anne und Jan auf der Plaza der Elphi
Anne und Jan auf der Plaza der Elphi

Über die Niederbaumbrücke verlassen wir die Hafencity und flanieren an der Hafenwache N°7 der Hamburger Polizei vorbei. Die nach dem beliebten Schauspieler Jan-Fedder benannte Promenade führt uns am Ufer des Niederhafens entlang. Jan Fedder erlag 2019 einer Krebserkrankung und war unter anderem als Hamburger Polizist mit Herz aus der Fernsehserie Großstadtrevier bekannt. Hier im Niederhafen liegen auch einige interessante Schiffe wie das Feuerschiff LV 13, das 1952 gebaut 36 Jahre lang seinen Dienst als Seezeichen vor der englischen Küste versehen hat. Es fällt auch der Raddampfer „Louisiana Star“ ins Auge, der nur dem Stil eines Mississippi- Raddampfers nachempfunden ist. Das Schaufelrad des dieselbetriebenen Ausflugs- „Dampfers“ am Heck macht zwar was her, ist aber funktionslos.

Am Niederhafen- Feuerschiff LV 13
Am Niederhafen- Feuerschiff LV 13

Dagegen ist die „Cap San Diego“ das letzte Schiff einer Serie von 6 schnellen Stückgutfrachtern aus den Sechzigern, ein Hamburger Original, das die 7 Weltmeere befahren hat. Wie das Feuerschiff ist die Cap San Diego ein Museum, auf dem man auch eine Kajüte als Hotelzimmer buchen kann. Das Schiff ist fahrbereit und rückt gelegentlich zu Sonderfahrten aus.

Schöner Oldtimer- Die Cap San Diego
Schöner Oldtimer- Die Cap San Diego

Den Großsegler, an dem wir auf unserem Weg Richtung St.-Pauli- Landungsbrücken vorbei kommen haben wir hier am Hafen immer wieder bestaunt. Wir werden uns die „Rickmer Rickmers“ heute Nachmittag noch genauer anschauen. Zunächst ist unser Ziel aber das historische Bauwerk des alten Elbtunnels, der bis heute für Fußgänger und wochentags auch für Autos eine Möglichkeit bietet die Elbe zu unterqueren. Hinter den Landungsbrücken befindet sich das Gebäude mit den Aufzügen und dem Treppenhaus.

Werksverkehr am alten Elbtunnel- Fotodokument im Tunnel
Werksverkehr am alten Elbtunnel- Fotodokument im Tunnel

Mit 10 Millionen Goldmark wurde der Tunnel unter der Elbe 1911 fertiggestellt. Insgesamt 4000 Arbeiter waren 4 Jahre lang an diesem Projekt beschäftigt. Einige starben an der sogenannten Caissonkrankheit, einer damals noch unbekannten Krankheit, die Arbeiter befiel, die unter hohem Umgebungsdruck in Senkkästen (Caissons) tätig waren. Eine Dekompression von 90 Minuten nach Schichtende wurde von den beauftragten „Pressluftärzten“ Arthur und Olga Adele Bornstein eingeführt. Ihre wissenschaftlichen Arbeiten haben viel zum Verständnis der Taucherkrankheit beigetragen, die damals noch als nicht therapierbar galt.

Aufzüge alter Elbtunnel (Steinwerder)
Aufzüge alter Elbtunnel (Steinwerder)

Ursprünglich bot die kühne technische Meisterleistung den unzähligen Dock- und Werftarbeitern eine schnelle Verbindung zur anderen Seite der Elbe nach Steinwerder. Bis zu 25000 pendelnde Arbeiter überstiegen nicht nur die Kapazitäten der Fähren, viele Arbeiter konnten sich diese gar nicht leisten. Die zwei Tunnelröhren können an beiden Ufern mit jeweils 6 Aufzügen abgefertigt werden, von denen die beiden mittleren bis zu 10 Tonnen tragen können. Der neue Elbtunnel westlich des Stadtzentrums mit der Autobahn 7 wurde erst 1975 fertiggestellt.

Unter der Elbe
Unter der Elbe

Die Beliebtheit des Alten Elbtunnels ist bis heute ungebrochen und Hamburg hat viel in die Erhaltung des historischen Bauwerks gesteckt. Nach der Vertiefung der Elbe 1981/82 wurde ein schützender Stahlbetondeckel auf die Tunnelröhren gelegt. Oberhalb dieser Platte hat die Elbe hier gerade mal eine Wassertiefe von 12 Metern. Bei der derzeitigen Sanierung des Tunnels sind die Arbeiten an der Oströhre bereits abgeschlossen, während an der westlichen Röhre noch bis 2026 gearbeitet wird. Die 1,92m breite Fahrbahn wird jeweils von zwei schmalen Gehsteigen flankiert.

Anne mit Papa
Anne mit Papa

Viele Leute sind heute unterwegs, wobei einige Radfahrer die zulässigen 10km/h ignorieren und nur mäßig Rücksicht nehmen. In 24 Metern unter dem Erdniveau der Landungsbrücken laufen wir durch den 426,5 Meter langen Tunnel hinüber zum Gegenufer in Steinwerder. In der Tunnelmitte befinden wir uns 21 Meter unter dem mittleren Hochwasser der Elbe. Es bietet sich von der anderen Seite ein Panoramablick hinüber zum Nordufer der Norderelbe mit unserem zurückgelegten Weg von der Hafencity. Am Himmel zeigt sich ein Airbus- Beluga- Transportflugzeug, das wohl vom Flughafen der nahen Airbus- Werke aufgestiegen ist. Den gleichen Weg durch den Tunnel legen wir wieder zu den Landungsbrücken zurück.

Landungsbrücken am alten Elbtunnel
Landungsbrücken am alten Elbtunnel

Wir finden dort einen freien Tisch in einem der Restaurants, wo wir eine Mittagspause machen. Am Nachmittag wenden wir uns dann der „Rickmer Rickmers“ zu. Seit 1983 liegt der Dreimaster mit dem grünen Schiffsrumpf als schwimmendes Museum im Hamburger Hafen. Fotografiert habe ich das Schiff bei jedem unserer bisherigen fünf Aufenthalte, denn es ist ein echter Hingucker. Nun, bei unserem sechsten Hamburg- Trip besichtigen wir das Handelsschiff, das eine bewegte Geschichte vorweisen kann. Bis 1916 versah das Schiff auf 14 weltweiten Rundreisen seinen Dienst als Frachtschiff. Die Ladung bestand dabei aus Kohle, Salpeter, Petroleum, Bambus, Rattan, Reis und Weizen.

Museumsschiff Rickmer Rickmers
Museumsschiff Rickmer Rickmers

Die Rickmer Rickmers lief am 27.07.1896 nach zweijähriger Bauzeit in Bremerhaven vom Stapel. Beim Schiffsbau kam in dieser Zeit zunehmend Stahl zum Einsatz. Zur Verbindung der Stahlplatten wurden bei der Rickmer Rickmers 500000 Nieten verbaut. 1904 wurde das Schiff im Sturm vor dem Kap der guten Hoffnung stark beschädigt. Bei der Heimreise aus Chile wurde es 1916 auf den neutralen Azoren (Portugal) widerrechtlich beschlagnahmt und als „Flores“ den Engländern für Waffentransporte zur Verfügung gestellt. Als „Sagres“ übernahm die portugiesische Marine das Schiff als Schulschiff nach dem ersten Weltkrieg. 1930 wurden 2 Krupp-Dieselmotoren mit 360 PS nachgerüstet. Sie ersetzten die Dampfmaschine, die wohl nie in Betrieb war. 1962 wurde die „Sagres“ ausgemustert und gammelte als Depotschiff vor sich hin.

Anne am Ruder der Rickmer Rickmers
Anne am Ruder der Rickmer Rickmers

Der 3- jährige Enkel des Firmengründers Rickmer Clasen Rickmers, mit dem Namen Rickmer Rickmers stand für die Gallionsfigur des Schiffs Modell. Der altdeutsche Name „Rickmer“ steht für Macht und Reichtum, wozu es die Rickmers- Dynastie mit ihrer Firmengründung 1834 auch gebracht hat. Bis zur Insolvenz 1986 baute die Rickmers- Werft knapp 430 Schiffe. Wir durchstöbern die musealen Räume unter Deck, inspizieren jeden Winkel des Großseglers und können uns ein wenig einfinden in den harten Seemanns- Alltag zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Im portugiesischen Viertel
Im portugiesischen Viertel

Im portugiesischen Viertel erfrischen wir uns noch einmal vor einer Straßenkneipe, bevor wir an der norwegischen Seemannskirche vorbei die Michelwiese, eine Parkanlage vor dem Hamburger Michel erreichen. Wir bewegen uns nun wieder in Richtung Speicherstadt und erreichen an der Schaartorbrücke die Schaartorschleuse mit dem Alsterschöpfwerk. Bereits 1839 gab es als Hochwasserschutz der Innenstadt an dieser Stelle eine Schleuse. Nach der bisher höchsten Sturmflut am 16. und 17. Februar 1962 wurde der Hochwasserschutz durch ein Pumpwerk ergänzt, das im Bedarfsfall 36 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus der Alster in die Elbe pumpen kann.

UNESCO-Welterbe Speicherstadt mit Miniaturwunderland
UNESCO-Welterbe Speicherstadt mit Miniaturwunderland

Im weltweit größten historischen Lagerhauskomplex liegt das Ziel für unser gebuchtes Abend- Programm „Große Pötte & Kleine Züge“. Seit 2015 stehen Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Neben einigen lohnenswerten Museen ist hier das Miniatur- Wunderland untergebracht. Ganz in der Nähe legen wir um 20 Uhr mit einer Barkasse zur Hafenrundfahrt ab, die bei einem Besuch in Hamburg immer wieder lohnenswert ist und einfach dazugehört. Man erlebt Hamburg vom Wasser aus und besucht den hochmodernen Containerhafen, wo die ganz „dicken Pötte“ mit leistungsstarken Krananlagen be- und entladen werden.

Dicke Pötte im Containerhafen
Dicke Pötte im Containerhafen

Die Traditionswerft Blohm & Voss hat sich zuletzt auf die Produktion von Fregatten und Korvetten für die Bundesmarine und auf das Refitgeschäft für Yachten spezialisiert. Auch russische Oligarchen mit ihren unfassbar teuren Super-Yachten wissen die deutsche Werft zu schätzen. So ist die Yacht „Dilbar“ seit dem Übergriff Russlands auf die Ukraine durch EU-Sanktionen festgesetzt. Mit einer Länge von 156 Metern gehört sie zu den weltweit größten Luxusyachten. Ihr Wert wird zwischen 600-800 Millionen US-Dollar veranschlagt. Andere Superyachten sind im Visier des Zolls und auf der „Luna“ wurden wertvolle Kunstschätze beschlagnahmt. Die Eigentumsverhältnisse der Schiffe lassen sich durch verschachtelte Offshore-Strukturen der Eigner oft nicht genau klären.

Oligarchen-Yacht Luna unter Flagge der Bermudas
Oligarchen-Yacht Luna unter Flagge der Bermudas

Im Miniaturwunderland ist unser Abendessen eine Currywurst, bevor wir uns der unglaublichen Welt im Maßstab 1:87 zuwenden. Frederik und Gerrit Braun haben ihre Idee die größte Modellbahnanlage der Welt zu bauen seit der Eröffnung am 16. August 2001 bis heute zu einem Welterfolg geführt. Als Avatare im Maßstab 1:87 haben es Frederik und Gerrit mit ihrer Modellwelt sogar ins Kino geschafft- der sehenswerte Film arbeitet ihre Geschichte in besonderer Weise auf. Vor drei Jahren durften wir erstmals in das unglaubliche Universum eintauchen, das bis heute wächst.

Hamburg 1:87
Hamburg 1:87

Die bisher 12 fertigen Abschnitte der Anlage befinden sich auf bislang fast 2000 Quadratmetern. Mit über 1,2 Millionen Baustunden haben die über 400 Mitarbeiter des Wunderlandes nicht nur eine maßstabsgetreue Welt erschaffen, sondern Details ausgetüftelt, die den Betrachter schlichtweg in Erstaunen versetzen. Die Baukosten summieren sich bis heute auf 45 Millionen Euro. Man muss genau hinsehen und bei jedem Hinsehen entdeckt man neue liebevolle Einzelheiten, die man teilweise per Knopfdruck zum Leben erwecken kann…- Fantastisch!

Die ewige Stadt im Miniatur Wunderland
Die ewige Stadt im Miniatur Wunderland

Eine der neusten Attraktionen ist Monaco mit der Formel 1- Rennstrecke entlang des Hafens von Monte Carlo. Die Boliden sausen an den Superyachten entlang und reihen sich in den Kurven in der Ideallinie ein. Anne war bisher noch nicht im Miniatur- Wunderland und hatte nur eine grobe Vorstellung davon, was sie hier erwartet. „Ja- eine große Eisenbahnanlage, das wird wohl nicht so lange dauern“- verrät sie uns später. Doch das dauert und auch sie lässt sich von dem Zauber dieser Welt einfangen. Erst mit dem Besenwagen spuckt uns das Wunderland gegen 1 Uhr todmüde aus in die Hafencity und wir sind froh es nicht so weit zum Parkhaus zu haben.

Viel zu entdecken im Miniatur Wunderland
Viel zu entdecken im Miniatur Wunderland

Am Sonntag lassen wir uns Zeit beim Frühstück und machen uns am Vormittag auf den Weg nach Laggenbeck bei Ibbenbüren. Jans Eltern Claudia und Bernhard haben an diesem Wochenende ein Chorfest, an dem auch Claudias Chor teilnimmt. Wir treffen die Beiden hier am Gemeindehaus, wo für Kaffee, Kuchen aber auch Würstchen und Bier gesorgt ist. Leider ist Claudias Chor erst am späteren Nachmittag dran und so machen wir uns nach der Darbietung eines anderen Chors bald an die Heimfahrt. Nachdem wir Anne und Jan in Dortmund abgesetzt haben fahren auch wir nach Hause. Es war mal wieder ein schöner Trip nach Hamburg und vor allem hatten wir etwas Quality-Time mit Anne und Jan.

Immer wieder einen Besuch wert- Hamburg- das Tor zur Welt
Immer wieder einen Besuch wert- Hamburg- das Tor zur Welt

A. Korbmacher

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