Dolomiten Höhenflugschulung Lüsen 2026

Dolomiten- Höhenflugschulung

Lüsen 2026

Hier ein Eindruck von meinen Höhenflügen von der Lüsener Alm als HD-Video:

Am Samstagmorgen des ersten Wochenendes im September steht für uns wieder die „Mille Miglia“ über den Alpenhauptkamm, diesmal nach Lüsen in Südtirol an. Gegen 8:30h geht es los mit Südkurs auf die A3 über Frankfurt und Würzburg und auf der A7 mit Stauumfahrung Ulm- Illertissen- Memmingen bis Oy. Wir fahren über Mittelberg im Allgäu und das Oberjoch 1178m durch das Tannheimer Tal und erreichen im oberen Lechtal nach 700 Kilometern den Ort Bschlabs. Hier checken wir um 16:45 Uhr direkt an der Auffahrt zum Hahntennjoch im „Gasthof zur Gemütlichkeit“, für eine Zwischenübernachtung ein. Unser Golf hat nach zehn Jahren mit 240000 Kilometern eine neue Kupplung erhalten und macht immer noch Spaß wie am ersten Tag. So cruizen wir am Sonntag bei Kaiserwetter über Hahntennjoch 1894m, Timmelsjoch 2474m und Jaufenpass 2094m, über Brixen unserem Ziel Lüsen entgegen.

"Mille Miglia" über das Timmelsjoch 2474m
„Mille Miglia“ über das Timmelsjoch 2474m

Unser Quartier für die nächste Woche ist der Tulperhof, der am Südhang der Lüsener Alm hoch über dem Talgrund auf einer Höhe von 1625m liegt. Dorothee und ich sind zeitig vor Ort und können bereits unser Zimmer beziehen. Über die Blumenpracht der Balkonkästen blicken wir gegenüber auf den Gebirgsstock „Plose“ mit dem Hauptgipfel 2576m, nach Südwesten auf das Rittner Horn 2260m bei Bozen. Über das Rittner Horn führte uns 2013 die Sarntaler Hufeisenrunde zusammen mit Anne. Nach Südosten erhebt sich der Felsaufbau des Peitlerkofels mit 2875m über der Passhöhe des Würzjochs (Passo delle Erbe) 1987m. Uns zu Füßen befindet sich der Startplatz der Flugschule, der ich nun seit mehr als vier Jahren angehöre. Ich habe bisher nur Höhenflüge mit einem Höhenunterschied von 100 Metern absolviert, da sich die Möglichkeit für 300 Meter- Flüge an der Wasserkuppe nicht ergeben hat. Hier beträgt der Höhenunterschied zum Landeplatz satte 750 Meter, womit beim reinen Abgleiten ohne Thermik alpine Flüge mit einer Flugzeit von gut 10 Minuten möglich sind. Das öffnet Zeitfenster um Manöver zu trainieren und auch mal zu schauen und zu genießen.

Ferien auf dem Tulperhof
Ferien auf dem Tulperhof

Der Treffpunkt für die Schüler der Höhenflugschulung ist um 18:00 Uhr in einem der beiden Seminarräume. Im benachbarten Raum findet der Kurs Thermik-Technik statt. Wir werden begrüßt von Lona und Jasmin, die uns in dieser Woche als Fluglehrerinnen zugeteilt sind. Fluglehrer Pablo sehen wir morgen am Startplatz nur am Vormittag. Wir sind insgesamt 13 Flugschüler in der Höhenfluggruppe, wie ich aus Wuppertal angereist sind Sascha und Monika. Achim kommt aus dem benachbarten Gevelsberg, ihn hatte ich zuletzt an der Wasserkuppe angetroffen. Die übrigen Piloten sind Uwe, Majo, Bernd, Pascal und Yannik, die Pilotinnen Mo und Janette. Als jüngste Teilnehmerin ist mit fünfzehn Jahren Lotta mit ihrem Vater Mathias dabei. So hat unsere Gruppe ein Altersspektrum, das Uwe, Achim und ich nach oben als Ü60- Fraktion abschließen. Mit dabei ist auch Lonas Hund „Wolly“ und es geht das Gerücht um, dass Teilnehmer, die Wolly während des Kurses tüchtig gestreichelt haben bei der Prüfung statistisch seltener durchfallen.

Blick aus dem Fenster nach Süden
Blick aus dem Fenster nach Süden

Da es morgen früh zeitig mit unseren Flügen los gehen soll, fahren wir mit dem Shuttle heute noch hinunter zum Landeplatz, um uns die obligatorische Landeplatzunterweisung abzuholen. Je nach Windrichtung im Tal ist eine entsprechende Landeplatzeinteilung zu fliegen. Grundsätzlich wird der Landeplatz luvseitig, d.h. mit dem Wind angeflogen. Dabei wird in einer festgelegten Anflugbox Höhe abgebaut. So liegt bei Bergwind die Anflugbox lüsenseitig hinter dem sogenannten Schäferhundhaus, benannt nach dem Hund, der hier bei zu starker Annäherung bellt. Von hier wird über die Position der Gegenanflug der Links- Landevolte bis zum Queranflug vor dem Holzstapel eingeleitet. Beim Endanflug in Richtung Lüsen muss das ansteigende Gelände berücksichtigt werden. Der Abfangimpuls 1,5 Meter über dem Boden erfordert einen kräftigen Impuls mit den Bremsleinen bis zur Oberkante des Karabiners, um das resultierende Pendeln für eine sanftere Landung zu nutzen. Das tiefe Durchbremsen erfolgt bei Bodenkontakt und lässt den Schirm in die Wiese fallen. Bei Talwind ändert sich das Vorgehen durch den gegenseitigen Anflug aus der Brixen- seitigen Anflugbox mit der Einleitung einer Rechts- Landevolte auf das dann eher abfallende Geländeprofil des Landeplatzes.

Flieger- Paradies Lüsen
Flieger- Paradies Lüsen

Um 19:00 Uhr finden wir uns beim gemeinsamen Abendessen im Gastraum ein. Von meinem Freund Frank habe ich erfahren, dass die ehemalige Chefin und gute Küchenfee des Tulperhofes Erna kürzlich verstorben ist. Neben einem bereitgestellten Salatbuffet überzeugt uns auch das aktuelle Küchenteam in dieser Woche mit einem leckeren Dreigang- Abendmenu. Auch das Frühstücksbuffet lässt nichts missen. Ich bin am Montagmorgen schon vor dem Wecker um 6:00 Uhr aufgestanden. Ich habe schon ein leicht mulmiges Gefühl, da ich zuletzt wenig Flugpraxis in der Rhön erlangen konnte. Um 7:15 Uhr ist Treffen im Seminarraum. Lona und Jasmin gehen mit uns noch einmal die wichtigsten Punkte für unsere anstehenden Höhenflüge durch. Das Wetterbriefing mit dem Check des globalen, regionalen und lokalen Wetters gehört jeden Morgen dazu. Das Sichten der gemessenen Windgeschwindigkeiten an den umliegenden Wetterstationen ist bei der oft vorhandenen Luftdruckdifferenz am Alpenhauptkamm (Föhn) wichtig. Am Morgen entwickelt sich aus eher windstillen Verhältnissen mit etwas Rückenwind bald ein Talwind an unserem Startplatz. Dabei lösen sich noch die vorhandene Kaltluftseen mit den darüber liegenden Inversionsschichten auf und wir erhalten das „Go“ die Schirme auf der Startwiese vor dem Tulperhof auszulegen.

Starten direkt vor der Haustür
Starten direkt vor der Haustür

Der Blick am Startplatz fällt auf die komfortable Wiese mit den beiden Windhosen. Hinter dem einsehbaren Bereich der Wiese nimmt die Hangneigung zu und was dann kommt, kann ich erst mal nur erahnen. Jedenfalls liegt der Landeplatz in der Lüsener Talsohle krasse 750 Meter darunter. Den ersten Start verkacke ich durch zu viel Bremse. Ich stehe schon etwas unter Adrenalin als ich dann beim zweiten Anlauf abhebe und sich der überwältigende Blick aus der Adler- Perspektive auf den Lüsener Talgrund öffnet. Der Knoten im Kopf ist aber gelöst und ich mache am Vormittag drei Flüge mit Links- und Rechts- Landevolte bei aufkommendem Talwind. Doro kommt nach dem Tanken und Einkaufen aus Brixen auch an den Landeplatz. Es ist schon spannend, ich baue Höhe ab durch 180- Grad- Kurven und suche mir die jeweiligen luvseitigen Anflugboxen. Hier baue ich Höhe ab bis Lona mich in die jeweilige Landevolte einweist. Die Landungen sind allesamt eher Einschläge in die Wiese und keine ausgelaufenen Landungen auf den Beinen. Der zu eng eingestellte Brustgurt und die nicht rutschende Trekking-Hose wirken einer guten Laufbereitschaft entgegen. Der letzte Flug wird mit thermischen Einflüssen bereits recht hubbelig und um 12 Uhr werden wir in die Mittagspause entlassen.

Hoch über Lüsen
Hoch über Lüsen

Um 16 Uhr sieht Lona noch eine Chance für uns zu fliegen, denn die zunehmende Bewölkung verschattet das Gelände und nimmt so die Thermik raus. Ich fliege noch eine Linksvolte bei Bergwind, der dann aber auf Talwind dreht. Mit Ekkes und Bernhard stehen uns zwei Fahrer zur Verfügung, die uns mit den Shuttle Bussen über die steile Bergstrecke wieder zum Tulperhof hinaufbringen. Danach geht es zum nachmittäglichen Debriefing, bei dem wir für morgen noch Flugmanöver durchsprechen. Beim Abendessen regnet und gewittert es. Wolkenformationen und ein geschlossener Regenbogen vor dem Talschluss ergeben großartige Fotomotive. An unserem Tisch sitzen wir noch eine Weile zusammen mit Uwe aus Bingen am Rhein und Stefan aus Hannover. Stefan braucht nur noch ein paar Höhenflüge für die Prüfung zum A-Schein und hat sich für die Thermik-Technik angemeldet.

Rain & Wind & Weather
Rain & Wind & Weather

Am Dienstagmorgen erwarten uns ideale Flugbedingungen. Auf der Agenda steht heute die Durchführung des Flugmanövers „Ohrenanlegen mit Beschleuniger“. Alle Manöver die wir fliegen werden über dem Talgrund in einer Höhe von mindestens 150 Metern geflogen. Dafür überfliegen wir in großer Höhe auch eine Hochspannungsleitung. Ich genieße die beiden ersten Flüge, probiere das Ohrenanlegen aus, indem ich die Bremsen am Steg greife und nacheinander die äußeren A- Leinen ergreife und zügig nach unten ziehe. Dabei trete ich den Beschleuniger voll durch und erreiche somit einen schnellen Höhenabstieg, um zum Beispiel bei unerwünschtem thermischen Steigen nicht in eine Wolke einzufliegen. Ich habe weiterhin ein Problem mit der sauber gestandenen Landung. Beim dritten Flug mit Rechtsvolte halte ich mich neben einem anderen Piloten zu weit rechts, touchiere den Ast eines Baums und hänge den Schirm bereits mit Bodenkontakt in einen weiteren Walnußaum dahinter. Lona bittet um technische Hilfe, da die Leinen des Schirms unzählige kleine Äste umwickelt haben. Ekkes weiß Rat und will sich kümmern. In der Zwischenzeit erhalte ich einen Leihschirm, mit dem ich einen vierten Flug verbuche, leider auch wieder ohne gestandene bzw. ausgelaufene Landung.

Shit happens- Irgendwie war der Baum dann da...
Shit happens- Irgendwie war der Baum dann da…

Am Mittag kehrt Ekkes an den Landeplatz zurück und befreit meinen Schirm mit einer Hebebühne, die ihm ein Arbeiter der Gemeinde vor Ort zur Verfügung stellt. Ekkes ist selbst ein erfahrener Pilot, der auch Tandemflüge anbietet. Am Schirm scheint kein Schaden entstanden zu sein und ich entrichte die üblichen Bergungskosten von 80€. Am Tulperhof sitzen wir eine Weile in den Liegestühlen auf der Terrasse und beobachten die Wolkenbildung über den Bergen. Am Nachmittag wird nicht mehr geflogen, es ist recht thermisch und so lassen wir die Zeit bis zum Abendessen verstreichen.

Gutes aus der Küche
Gutes aus der Küche

Ich lasse mir noch einmal die Flugmanöver durch den Kopf gehen, die für die Prüfung zum A- Schein relevant sind. Gefordert wird eine sogenannte Leitlinien- Acht, die mit zwei Vollkreisen in weniger als 30 Sekunden durchgeführt werden muss. Dabei bremst der Pilot beidseits an und leitet den ersten Kreis mit zügigem Lösen der Außenbremse und Gewichtsverlagerung ein. Mir wiederstrebt ein wenig das bewusste Erzeugen eines Klappers, der einseitig ausgeführt wird. Dabei wird die entsprechende Bremse in den Magneten gehängt und die beiden äußere A-Leinen oberhalb der Gurtschlösser 5 Sekunden lang tief nach unten gezogen. Der Schirm wird dadurch einseitig abgebremst und muss sobald die Schirmkappe wieder nach vorn kommt durch Betätigen der Außenbremse auf Kurs gehalten werden. Vorbereitet wird das Manöver mit zunächst kurzem Zug an einer, dann an den beiden äußerer A- Leinen.

Kaltfront- Durchzug zur Wochenmitte
Kaltfront- Durchzug zur Wochenmitte

In der Nacht zu Mittwoch meldet sich eine anrückende Kaltfront mit Gewitter und Sturmböen an. Zum Frühstück gehen wir heute erst um 7:00 Uhr, um 7:45 Uhr treffen wir uns mit unseren Fluglehrerinnen im Seminarraum zum Wettercheck. Aus den Bergtälern steigen Wolken auf und verhüllen auch den Startplatz immer wieder mit Nullsicht ins Tal. Auch der Föhn bleibt im Auge zu behalten. Lona und Jasmin präsentieren uns unsere Starts bei der Video- Startanalyse. Bei mir fehlt in der gezeigten Sequenz die Kontrollphase, da ich durch zu wenig Bremse eine Startentscheidung ohne ausreichende Kappenkontrolle fälle. Ich gehe zunächst davon aus, dass heute nicht mehr geflogen wird. Wind und Föhn- Analyse würden dem aber nicht im Wege stehen, die Sicht ins Tal ist allerdings dicht. Gegen 13:00 Uhr ruft Lona dann aber doch zum Aufsatteln an den westlicher und tiefer gelegenen Startplatz am Plansolerhof auf, 400 Meter über dem Talgrund wäre die Sicht jetzt frei. Hier sind bei unserer Ankunft alle Startkriterien erfüllt und der Landeplatz ist gut zu sehen.

Startplatz Plansoler- Hof
Startplatz Plansoler- Hof

Am Startplatz stehen als Hindernis nur die Kühe des Hofs auf der Wiese, lassen sich mit etwas Nachhilfe aber in den Stall bewegen. Der Startplatz am Plansolerhof ist eher eng bemessen. Direkt beim ersten Auslegen meines Schirms bleibe ich an der Leine eines anderen, dicht bei mir abgelegten Schirmes hängen. Ich stürze dadurch seitwärts in die Wiese, gehe aber davon aus dass nichts Wesentliches passiert ist. Die Schirmkappe des betreffenden Fliegerkollegen Yannik weist bei seinem Start allerdings eine Auffälligkeit auf, er hat sich offensichtlich durch den Verhänger mit meinem Schuh und durch den heftigen Zug meines vollen Körpergewichts einen Leinenabriss eingefangen. Ich bedaure das sehr und melde es sofort an die Haftpflichtversicherung des DHV. Yannik wird mit einem Leihschirm fliegen müssen- sein Schirm wird in die Werkstatt an der Wasserkuppe verschickt. Aus den Kammern meiner Schirmkappe fummele ich noch ein paar Walnüsse von der gestrigen Baumlandung und mache noch zwei Flüge mit weiter nicht gestandenen bzw. ausgelaufenen Landungen. Danach nähert sich das nächste Regengebiet und es wird der Feierabend eingeläutet. Um 18:30 Uhr finden wir uns zum Abendessen ein.

Warten auf Tal- Sicht am Donnerstag
Warten auf Tal- Sicht am Donnerstag

Am Donnerstag ist Nordföhn wieder Thema, denn die drastische Zunahme der Windgeschwindigkeit und Abnahme der Luftfeuchtigkeit in Sterzing und Brixen verheißen nichts Gutes für die Lage im Lüsener Talgrund. Die Wetterstationen rundum fungieren quasi als Wächterstationen bei Nordföhn. Einen Flug mache ich heute noch vom Plansolerhof. Von Südwest schieben sich Wolken in die Täler bis sich bei aufgehobener Talsicht am Nachmittag Regen einstellt. Es gibt heute zur Abwechslung Mittagessen, denn die Küche hat heute Abend Ruhetag. Um 14:00 Uhr referiert Lonas Lebensgefährte Michael zur anstehenden Prüfung und beantwortet Fragen der Kursteilnehmer dazu. Hier bin ich erst mal noch raus, denn obwohl wir in dieser Woche jeden Tag geflogen sind, habe ich die erforderlichen Höhenmeter nicht zusammenbekommen. Das Rollen und Nicken als weitere zu erlernende Flugmanöver werden noch besprochen. Rollen löst eine seitliche Pendelbewegung in der Längsachse aus, das Nicken in der Querachse. Zum Abendessen fahren wir heute gemeinsam nach Lüsen, wo wir eine leckere Pizza in der Pizzeria „Tal“ essen.

Niemand fliegt mehr- Der Nordföhn bläst durch die Täler
Niemand fliegt mehr- Der Nordföhn bläst durch die Täler

Am Freitag um 8:00 Uhr treffen wir uns im Schulungsraum zum Wettercheck. Bis auf den zu erwartenden Föhn- Durchbruch sind die Bedingungen zunächst noch fein. Bislang haben uns Lona am Lande- und Jasmin am Startplatz betreut. Heute und morgen übernimmt Tobi den Landeplatz, da Lona zwei Tage frei hat. Bis die umliegenden Wetterstationen den Föhneinbruch vermelden schaffe ich zwei Flüge, beide in der Linksvolte ins ansteigende Gelände, der erste mit Impuls angebremst und sogar ausgelaufen. Es sind tolle Flüge mit Ohrenanlegen, Klapper und Leitlinien- Acht, dafür am Ende wieder mit einer verkackten Landung. Gegen 11 Uhr behauptet sich der Föhn und lässt die Windhosen flattern, bei leichter Bewölkung und herrlichem Sonnenschein. Ich lasse die Drohne zu einem Panoramaflug aufsteigen, wir trinken einen Cappuccino auf der Terrasse und machen uns am Nachmittag auf den Weg zur Burg Rodenegg, die westlich an der Pustertaler Straße zwischen Schabs und Mühlbach hoch auf einer Felsnase über der Rienzschlucht liegt.

Burg Rodenegg
Burg Rodenegg

Von Friedrich I. von Rodank im 12.Jh. errichtet, befindet sich die Burg heute noch im Besitz der Grafen Wolkenstein-Rodenegg. 1972 wurde ein Freskenzyklus freigelegt, dessen Entstehung auf das Jahr 1200-1230 datiert ist. Die Fresken gelten als älteste profane Wandmalereien im deutschen Sprachraum und beruhen auf dem mittelalterlichen Iwein-Epos von Hartmann von Aue. Es handelt sich um einen in Versen verfassten Artusroman rund um den Helden Iwein, einen der Ritter der Tafelrunde am Hofe König Artus. Ein aufsehenerregender Hexenprozess fand im 16.Jh. statt. Der Händler Mathias Perger wurde der Hexerei bezichtigt, hier eingekerkert, gefoltert und verbrannt. Er kommt als „Lauterfresser“ in vielen Südtiroler Sagen vor. Die Burg ist ein Juwel und befindet sich mit ihrer Burgkapelle und den Räumlichkeiten in einem guten und bewohnbaren Zustand.

Burg Rodenegg- Iwein- Freskenzyklus
Burg Rodenegg- Iwein- Freskenzyklus

Am Tulperhof nehmen wir in der Nachmittagssonne einen Aperitif auf der Terrasse und treffen beim Abendessen wie gewohnt auf Uwe und Stefan. Mit den beiden ergeben sich immer nette Gespräche und mit Uwe befinde ich mich in Punkto Fliegerei auf einem ähnlichen Level. Wir sind uns auch darin einig uns selbst keinen Druck zu machen und dass wir die Woche genießen wollen. Um jeden Preis die Prüfung am Ende abzulegen macht in meinen Augen keinen Sinn, wobei mir ja auch noch zu viele Flüge fehlen. Ich habe hier aber nach etlichen kurzen Abgleitern an der Wasserkuppe endlich erfahren, was es wirklich bedeutet zu fliegen. Stefan hat nun alles beieinander, fühlt sich sicher und wird morgen die Prüfung ablegen. Ich lasse mir Zeit und werde die Prüfung dann ablegen, wenn ich selbst ein gutes Gefühl habe, auch wenn ich dafür diese Woche im nächsten Jahr noch einmal wiederhole.

Der Tulperhof auf der Lüsener Alm
Der Tulperhof auf der Lüsener Alm

Am Abend wartet noch ein Highlight auf uns, denn die Flugschule hat den Südtiroler Andy Frötscher zu Gast. Der 6-fache X-Alps- Teilnehmer erzählt uns über seine Höhen und Tiefen im alpinen Streckenfliegen. Im letzten Jahr hatte die Flugschule beim Jahresabschluss an der WaKu den X-Alps- Sieger von 2025 Aaron Durogati zu Gast. Es sind absolut spannende Geschichten, die uns die Profis von dieser Challenge berichten können. Kürzlich erschütterte der Tod von Tony Bender im Alter von 68 Jahren die Community. Er war als „Glücklicher Ikarus“ einer der Pioniere des Gleitschirm- Sports, dessen Unternehmungen auch Inspiration für die seit 2003 alle zwei Jahre stattfindenden Red Bull- X- Alps waren.

Andy Frötscher (links mit Fluglehrer Michael)- Zu Fuß durch die Alpen- fliegend durch Südtirol
Andy Frötscher (links mit Fluglehrer Michael)- Zu Fuß durch die Alpen- fliegend durch Südtirol

Der Samstag bringt stabilen Hochdruck ohne Fronten und feinste Verhältnisse. Der Föhn zeigt bei immer noch -4hPa eine deutlich fallende Tendenz, bleibt aber im Auge zu behalten, denn am Jaufenpass bläst der Wind noch mit 30 km/h. Zwei Tage nach dem Durchzug der Kaltfront wird es heute beste Thermikverhältnisse geben. Trockene Luftmassen halten Einzug und steigen ohne sichtbare Thermikwolken auf, das nennt man Blauthermik. Für mich sind es heute drei Flüge, die ich einfach mal nur genießen möchte. Ich realisiere bei einem Anflug nicht, dass der Wind auf Talwind gedreht hat. Ich habe meine Höhe in der falschen Anflugbox abgebaut und lege mit der Links- Landevolte trotz leichtem Rückenwind eine gestandene Landung hin.

Noch ein toller Flugtag
Noch ein toller Flugtag

Für einige ging es heute in die Prüfung, andere sind Prüfungssimulationen geflogen. Ich habe heute darum gebeten die Eindrücke und gesammelten Routinen einfach ganz relaxt beim Überfliegen dieser großartigen Landschaft noch einmal Revue passieren zu lassen. Das Rollen und Nicken werde ich ein anderes Mal in mein Repertoire übernehmen. Uwe hat, nachdem er das Nick- Manöver wohl recht behutsam durchgeführt hat das Roll- Manöver so beherzt eingeleitet, dass der Schirm sich zu seinem Erstaunen neben ihm in der Luft befand. Jasmin kommentiert das am Funk, soweit ich das vernommen habe mit einem „Huii!“ Bei einsetzender Thermik gehen die Thermik- Techniker mit dem Ziel an den Start in den aufsteigenden Luftmassen zu kreisen, hoch aufzusteigen und dabei lange in der Luft zu bleiben. Wir schauen den Piloten noch eine ganze Weile dabei zu. Irgendwie scheint es heute Nachmittag überall nur nach oben zu gehen.

Thermik-Techniker in der Blauthermik
Thermik-Techniker in der Blauthermik

Am Sonntag wird nach dem Wetter- Briefing noch einmal geflogen, einige Flugschüler haben ausreichende Höhenflüge mit entsprechenden Höhenmetern absolviert und sind prüfungsreif. Die Kriterien sind klar definiert und die in dieser Woche erlernten Flugmanöver müssen auf Anweisung sauber geflogen werden. Die Landung muss in einem definierten Landebereich ausgelaufen erfolgen. Die Prüfung nimmt Michael ab, nicht alle bestehen, aber die Meisten. Ich selber schaue heute Morgen noch etwas bei den Starts zu und schließe die Woche hier in Lüsen für mich ab. Für die noch erforderlichen Flüge hätte ich deutlich mehr fliegen müssen, was die Wetter- und Windverhältnisse gar nicht hergaben. Immerhin habe ich mit 16 Flügen 10950 Höhenmeter absolviert und in meinem Ausbildungsnachweis in der Summe mit meinen bisherigen Flügen 71% erreicht, womit ich meine Erwartungen voll und ganz erfüllt habe. Freund Frank kommentiert meine Bilder und Videos mit den Worten: „Jetzt weist Du endlich was die Faszination des Fliegens ausmacht!“ – ja wie wahr 🙂

Lagerfeuer am Ende einer schönen Woche auf dem Tulperhof
Lagerfeuer am Ende einer schönen Woche auf dem Tulperhof

Für die Rückfahrt lassen wir uns viel Zeit, fahren ein Stück durchs Vinschgau, kaufen etwas im Bauernladen in Naturns am Eingang zum Schnalstal ein und biegen dann über Glurns ins schweizerische Münstertal ab. Über den Ofen- 2149m und Flüelapass 2383m fahren wir über Davos an Liechtenstein vorbei nach Konstanz am Bodensee. Hier übernachten wir noch einmal und fahren am Montagmorgen mit der Fähre von Konstanz nach Meersburg. Über Landstraßen unterwegs auf die schwäbische Alb erhalte ich eine Nachricht vom Bruder meines verstorbenen Freundes Arnd. Es ist Ernst, der mit seiner Frau Silke in Sigmaringen lebt.

Tulperhof und Milky Way
Tulperhof und Milky Way

Wir fahren vor 12:00 Uhr noch eine „günstige“ Tankstelle an, wo wir 44 Liter Diesel für 2,29€/l in unseren Tank füllen- das macht 100€. Ja, Deutschland stöhnt unter dieser Belastung, bestens verkaufen lassen sich aber weiter leistungsstarke große Prestige- Panzer mit mächtig viel Durst. Unser Motor begnügt sich zumindest mit bescheidenen 6,2 Litern auf 100 Kilometern. Wir einigen uns auf einen Kaffee bei Ernst und es ist ein wirklich nettes Zusammentreffen. Wir haben uns zuletzt vor neun Jahren gesehen. Sohn Max schaut auch noch rein, er wird morgen seine Prüfung als Notfallsanitäter bestehen, wie wir später erfahren.

Kaffee bei Ernst und Silke in Sigmaringen
Kaffee bei Ernst und Silke in Sigmaringen

Bis Findingen durchfahren wir das tief eingeschnittene Donautal und machen einen kurzen Stopp am 765 Meter hohen Knopfmacherfelsen. Bis Pforzheim geht es über Landstraße, dann über A8- A5- A67 über Frankfurt auf die A3 nach Köln und die A1 nach Wuppertal, wo wir um Punkt 21:00 Uhr nach 2100 Kilometern den Motor abstellen. Herzlichen Dank an das Team des Tulperhofes für die herrliche Woche an diesem besonderen Ort. Vielen Dank an Lona, Jasmin, Pablo und Tobi, die als Fluglehrer*innen mit ihrer Anleitung und ihrer sympathischen, ruhigen Art einen tollen Job gemacht haben. Vielen Dank an Ekkes, der meinen Schirm aus dem Baum geholt hat und an Bernhard, Claus und Michael. Danke Doro, dass Du mich in dieser Woche begleitet hast. Meinen Fliegerkolleg*innen die besten Wünsche für viele „Happy Landings“- wir sehen uns…

Konstanz-Meersburg
Konstanz-Meersburg

Up in the Sky !

Arnd Korbmacher

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