Maasradweg 2025-2026 Etappe 01 Part I Von der Quelle bis Maxey-sur-Meuse

Maasradweg Etappe 1 -Der Start an der Quelle

Am Sonntagnachmittag Ende Juni kehre ich mit dem Motorrad von meiner Gleitschirmwoche in der Rhön heim. Seit einer Woche liegt über Europa ein Hochdruckgebiet, das uns sommerliche Temperaturen mit vielleicht zu wenig Regen für die Landwirtschaft beschert. Abgesehen vom ständig drehenden Wind am Gleitschirm- Startplatz kann ich mich in diesen beiden Urlaubswochen kaum beklagen. Motorradfahren bei Sonnenschein macht auch mehr Spaß als im Dauerregen. Wir nehmen uns am Montag Zeit und bereiten alles für unsere Fahrradwoche im Nordosten Frankreichs vor. Auch in dieser Woche bleibt uns der Hochdruckeinfluss mit ansteigenden hochsommerlichen Temperaturen erhalten. Das gebuchte Quartier haben wir ab Dienstag.

Kirschen und Mirabellen bei Montsec
Kirschen und Mirabellen bei Montsec

So fahren wir am Dienstagmorgen zunächst über Autobahnen durch Belgien und Luxemburg und ab der französischen Grenze ausschließlich über Landstraße. Bei Montsec erstrahlt auf einer Bergkuppe ein weißes Monument. Durch Obsthaine mit Kirschen und Mirabellen machen wir einen Abstecher zu dem von den Amerikanern 1932 errichteten Monument zum WWI. Im ersten Weltkrieg standen sich in der umliegenden Region die Erzfeinde Frankreich und Deutschland gegenüber und lieferten sich zermürbende Stellungskriege, bei denen die Jugend Europas in Massengräbern verschwand. Der letzte Besuch der Schlachtfelder Verduns und des dortigen Museums haben uns das Glück förmlich fühlen lassen, seit 80 Jahren in einem vereinten Europa ohne Krieg leben und ohne Grenzkontrollen reisen zu dürfen. Ein großartiger Blick auf den Lac de Madine, der vom kleinen Fluss Madine gespeist wird öffnet sich.

WWI- Memorial Montsec
WWI- Memorial Montsec

Unser Chambre d‘Hôte „Jolie vache déguisée en fleur“ (Die in Blumen gekleidete Kuh) liegt in Saint-Élophe nordöstlich von Neufchâteau in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen) im Département Vosges. Da niemand öffnet schaue ich in den Garten, in dem ein großer Hund auf mich zuläuft. Es ist glücklicherweise ein braver Geselle. Mit feuchter Nase und Zunge heißt er uns in seinem zu Hause willkommen. Dorothee wählt die angegebene Telefonnummer und erfährt, dass wir einfach reingehen sollen in das Zimmer „Vache“- die Tür wäre offen. Wenig später schaut der Hausherr selbst vorbei und gibt uns bei einem kühlen Glas Apfelsaft erste Informationen. Unsere Vermieter sind Jean Luc und Marie Jo Kinzelin. Wir richten uns ein, stellen die Räder in die Garage und fahren dann erst mal nach Neufchâteau zum Einkaufen.

Unsere Unterkunft „Jolie vache déguisée en fleur“
Unsere Unterkunft „Jolie vache déguisée en fleur“

Die meisten Restaurants haben wohl geschlossen, wir finden aber mit dem „La Mazarine“ in Neufchâteau ein gut besuchtes Restaurant mit einfacher Küche. Langsam kühlen die 30 Grad am Nachmittag ab. Mit offenem Fenster schlafen wir gut in unserem Quartier. Wir frühstücken am Mittwoch um acht Uhr im Erdgeschoss des Hauses, wo wir auf dem großen Tisch alles für ein gutes Frühstück vorfinden. Neben Wurst und Käse haben wir eine Auswahl selbst gemachter Marmeladen, frisches Baguette und gekochte Eier.

Frühstück bei Mme Kinzelin
Frühstück bei Mme Kinzelin

Dorothee hat unsere Touren auf dem Fahrrad- Navi bereits vorbereitet. Das Auto parken wir in Breuvannes-en-Bassigny an einem Holzbetrieb. Wir fahren den Maasradweg in Süd- Nordrichtung von der Quelle zur Mündung. Mit der Etappe 4 von Maastricht bis Venlo und einem Teil der 5. Etappe bis Cujik sind wir ja bereits seit zwei Jahren in dieses Projekt eingestiegen. Der offizielle Startpunkt des Maas- Radwegs liegt in Langres, einer Stadt im Département Haute-Marne in der Region Grand Est. Auf dem Plateau von Langres entspringen einige der wichtigsten Flüsse Frankreichs, wie die Marne, die Seine und die Aube. Langres haben wir vor drei Jahren bei der Durchreise ins Burgund besucht.

Steinkreuz in Fresnoy-en-Bassigny
Steinkreuz in Fresnoy-en-Bassigny

Die Quelle der Maas, nordöstlich von Langres in dem kleinen Ort Pouilly-en-Bassigny haben wir in eine 45 Kilometer lange Runde von Breuvannes-en-Bassigny als südlichsten Punkt unseres Projekts eingebaut. Das warme Sommerwetter hält an und schraubt langsam die Quecksilber- Säule aufwärts, während wir durch die weite Agrarlandschaft des Grand Est fahren. Nachmittags weicht bei Temperaturen bis 35 Grad in der Sonne an manchen Stellen der Teer auf.

Eindrücke am Weg
Eindrücke am Weg

Das Getreide ist fast erntereif, die Heuballen liegen verstreut auf den Feldern. Das Einholen in die Scheune eilt bei der Wetterprognose für die kommende Woche nicht. Wir fahren durch viele kleine Dörfer mit hübschen Kirchen, Kühe gesellen sich in Gruppen unter schattenspendenden Bäumen. An der Maasquelle machen auch wir im Schatten von Bäumen unsere Mittagspause. Wir befinden uns an einer Wasserscheide, an der die Maas ihren Lauf Richtung Nordsee nimmt, während die Wasserläufe weiter östlich über die Rhone ins Mittelmeer abfließen. In einem westlichen Bogen fährt es sich gut weg, bis sich unser Rundkurs an der Tischlerei in Breuvannes-en-Bassigny schließt.

Pausenbank an der Maasquelle
Pausenbank an der Maasquelle

Es ist noch Zeit mit dem Auto den Ort Grand, westlich von Neufchâteau zu besuchen. Neben den dortigen Ausgrabungen finden sich mit den Resten der Thermen und des Amphitheaters Zeugnisse aus der Gallo-Romanischen Epoche. Der Bodenbelag einer römischen Basilika aus dem 2. Jh. n.Chr. wurde 1883 freigelegt. Mit 232 Quadratmetern ist das Boden- Mosaik ein bedeutender Fund in der römischen Provinz Nordgallien.

Das Amphitheater von Grand
Das Amphitheater von Grand

Das Amphitheater wird auch heute noch für Veranstaltungen genutzt. Im Garten am Haus bereiten wir uns ein Abendbrot und lassen den Tag ausklingen. In der Nacht melden sich schwere Gewitter mit mächtigen Blitzen, die durch das Land ziehen. Superzellen richten mit heftigen Sturmböen und Überflutungen in Frankreich, Deutschland und Österreich vielerorts erhebliche Schäden an. Zwei Todesopfer gab es allein in Frankreich, erfahren wir am nächsten Morgen.

Römische Ausgrabungen in Grand
Römische Ausgrabungen in Grand

Frau Kinzelin präsentiert uns am Donnerstag auf dem Frühstückstisch ihre selbstgemachte Leberpastete. Es hat ein wenig abgekühlt und es ist auch deutlich bewölkter. Ausgangspunkt ist heute die Ortschaft Bourmont, wo wir unser Auto an einer Schule abstellen. Der Ort selbst liegt auf einem Hügel zwischen dem Tal der Maas und der Mouzon. Es sind gut 200 Höhenmeter, die wir durch den Ort hinauffahren zur Église Notre-Dame. Von hier bietet sich ein weitläufiger Blick auf das Maastal. Die heutige Runde beginnt abenteuerlich über den Höhenzug entlang von Felsabbrüchen, unter denen Wanderwege durch den „Parc des Roches“ führen.

Église Notre-Dame Bourmont
Église Notre-Dame Bourmont

Herabgefallene Äste auf dem Weg zeugen von den Sturmböen der letzten Nacht. An einem Kalvarienberg im Wald vorbei gilt es einige Hindernisse zu überwinden. Den östlichen Bogen der heutigen Runde hat Dorothee an der Karte geplant, die natürlich nicht die realen Bedingungen vor Ort wiedergibt. So gilt es unwegsame Wegstücke, hohes Gras auf einer Pferdekoppel und einen steilen Abstieg hinab nach Graffigny am Osthang des Höhenzugs zu meistern. Dabei passieren wir auch die Gedenkstätte eines Flugzeugabsturzes von 1944. Von 7 Crewmitgliedern und 9 Fallschirmspringern starben 13 sofort, das Schicksal von zwei Schwerstverletzten ist ungeklärt, ein Überlebender kehrte aber zurück nach England. Paul Bell, kanadischer Fallschirmspringer nahm noch an der Befreiung Hollands teil und fand dort den Soldatentod.

Unterwegs zwischen Bourmont und Breuvannes-en-Bassigny
Unterwegs zwischen Bourmont und Breuvannes-en-Bassigny

In Breuvannes-en-Bassigny erreichen wir die Maasroute, der wir nun mit guter Ausschilderung wieder in Süd-Nordrichtung folgen. Der Tag bietet uns mit einem kurzen Regenguss im freien Gelände noch etwas Abwechslung, wonach es mit einem Mix aus Wolken und Sonne im Weiteren trocken bleibt. Es ist recht windig und deutlich kühler am Nachmittag. Unsere Mittagspause machen wir auf einer Bank auf dem Friedhof an der Kirche Saint Martin in Hàcourt. Immer entlang der Maas erreichen wir nach 36 Kilometern unser Tagesziel auch heute ausreichend zeitig, um uns noch mit dem Auto umzuschauen.

Basilique du Bois Chenu- Pilgerstätte der Jeanne d'Arc
Basilique du Bois Chenu- Pilgerstätte der Jeanne d’Arc

Wir fahren auf dem Rückweg über Lafauche und begehen die dortige Ruine aus dem 11.Jh., wo wir vom ehemaligen Burghof einen schönen Blick über das Maastal haben. Nördlich von Neufchâteau statten wir vor der Ortschaft Domrémy-la-Pucelle der neogotischen Kirche Basilique du Bois Chenu einen Besuch ab. Die Kirche wurde zu Ehren der Nationalheldin, Heiligen und Schutzpatronin Frankreichs Jeanne-d‘Arc gebaut. Jeanne-d‘Arc (1412-1431) wurde in Domrémy- la- Pucelle geboren. Wir besuchen dort noch die Église Saint Rémy aus dem 11.Jh. Hier befindet sich auch der romanische Taufstein, an dem Jeanne d‘Arc 1412 getauft wurde. Ihr Geburtshaus in dem hübschen Ort ist heute Museum und befindet sich direkt nebenan.

L'Evidence Neufchâteau
L’Evidence Neufchâteau

Wir sitzen noch einen Moment auf einer Bank an einer noch gut im Gelände erkennbaren ehemaligen Maasschleife. Mit Blick auf die Uhr fahren wir zu unserem Haus zum Duschen. Wir haben in Neufchâteau einen Tisch im feinen Restaurant „L’Evidence“, wo wir uns ein wunderbares Menü schmecken lassen. Am Freitagmorgen plaudern wir ein wenig mit Madame Kinzelin- Der Hund heißt Billy, ist 3 Jahre alt und ein Epagneul, eine alte Rasse aus der Picardie. Die Hausherren haben einen Sohn, der seinen Hof mit Rindern auf der anderen Seite der nahegelegenen Bundesstraße bewirtschaftet. Auch die Eier und die Milch kommen morgens frisch von dort.

Zwischen Pompierre und Bourmont
Zwischen Pompierre und Bourmont

Wir starten heute in Pompierre, im Tal der Mouzon. Direkt zu Beginn müssen wir einen Berg überwinden, um ins Maastal zu gelangen. Die heutige etwa dreißig Kilometer lange Runde führt uns in einem westlichen Bogen zum Anschluss an den weiteren Ausbau der Maasroute in Bourmont. Es ist wieder alles dabei, engste Waldwege mit Hindernissen, Wiesenpfade, kleine Feldwege und Straßen. Es bleibt trocken und die Temperaturen steigen am Nachmittag wieder auf über 25 °C.

Genußradeln an der Maas
Genußradeln an der Maas

An einem Pausenplatz direkt an der Mouzon essen wir unsere Brote und ruhen etwas aus. Auf einer Koppel steht eine Stute mit ihrem Fohlen. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zu unserem Auto in Pompierre. Nach dem Verladen der Räder wenden wir uns der Kirche St. Martin zu, die leider verschlossen ist. Hier ist das erhaltene Portal aus dem 12. Jahrhundert sehenswert. An der dem Ort namensgebenden Brücke Pont de Pierre trafen sich in fränkischer Zeit im Jahr 577 drei Merowinger- Könige um einen Konflikt beizulegen. Chilperich I. König von Neustrien, Guntram von Burgund und Sigibert I. von Austrasien, allesamt zerstrittene Söhne von Chlotar I. kamen hier zusammen um zu verhandeln.

Domrémy-la-Pucelle- Geburtshaus der Jeanne d'Arc
Domrémy-la-Pucelle- Geburtshaus der Jeanne d’Arc

Wir fahren noch einmal nach Domrémy-la Pucelle, da wir uns das Jeanne d‘Arc- Museum ansehen wollen. Wir erfahren hier sehr viel über das Leben der französischen Heldin und schauen auch in ihr Geburtshaus hinein. Im Kino wird ihre ganze Geschichte als wirklich sehr gut gemachtes Marionetten- Theater präsentiert. Im Hundertjährigen Krieg führte die Freiheitskämpferin französische Truppen zu bedeutenden Siegen gegen Engländer und Burgunder. Nach dem Einmarsch in Órleans nannte man sie auch die Jungfrau von Órleans. Sie geleitete Karl VII zur Königssalbung nach Reims. 1430 wurde sie nach der Schlacht von Compiègne gefangen genommen und an England ausgeliefert. Ihr bewegtes junges Leben endete mit 19 Jahren am 30. Mai 1431 auf einem Scheiterhaufen in Rouen.

Domrémy- la- Pucelle- Èglise Saint Rémy- Taufkirche der Jeanne d'Arc
Domrémy- la- Pucelle- Èglise Saint Rémy- Taufkirche der Jeanne d’Arc

Wir kaufen etwas ein, da wir sowohl am Freitag als auch am Sonntag kaum geöffnete Restaurants finden. Den Abend lassen wir mit dem Essen im Garten ausklingen. Den Frühstückstisch am Samstagmorgen teilen wir uns mit einer schwedischen Familie aus Stockholm. Wir werden heute eine Runde von über 30 Kilometern fahren. Start ist in Neufchâteau, wo wir direkt an der Mazarin gegenüber dem gleichnamigen Restaurant vom ersten Abend parken. Wie auch am gestrigen Tag begleitet der Zuweg nach Süden die Maas durch das Maastal zunächst entlang einer Bahnstrecke. Die eigentliche Maasroute führt dann eher entlang der benachbarten Mouzon, die in Neufchâteau in die Maas mündet.

Zwischen Neufchâteau und Pompierre
Zwischen Neufchâteau und Pompierre

In Bazoilles-sur-Meuse müssen wir ein Viehgatter öffnen, um über eine Fußgänger- Brücke das Maasufer zu wechseln. Auf einer Bank genießen wir den Blick zurück auf den Ort, bevor wir mit einem Anstieg von gut 100 Höhenmetern das Maastal verlassen. Eine steile Abfahrt führt hinab nach Pompierre ins Tal der Mouzon. In Pompierre fädeln wir mit Kurs Nord auf die Maasroute ein, die sich nun entlang der Mouzon orientiert. In Circourt-sur-Mouzon lädt ein Picknick- Platz an einer Brücke zur Mittagspause ein. Die Mouzon hat sich hier durch Kalkfelsen gegraben, die ihren Lauf flankieren. Noch einmal erklimmen wir den Rücken zwischen den beiden Flüssen, über den wir dann in einer langen Abfahrt die Ortsmitte von Neufchâteau erreichen.

Brücke über die Mouzon in Circourt-sur-Mouzon
Brücke über die Mouzon in Circourt-sur-Mouzon

Es ist wirklich sauheiss beim Aufladen der Räder am Nachmittag. Im Schatten zeigt das Thermometer 33 Grad. Wir sehen uns in Neufchâteau um und kommen dabei auch am Jeanne d‘Arc- Platz mit dem Denkmal der Freiheitskämpferin vorbei. Da die beiden Kirchen geschlossen sind decken wir uns im Tourismusbüro noch mit Infomaterial ein und erfrischen uns mit einer kühlen Limo vor einer Bar. Inspiriert von den erhaltenen infos fahren wir Richtung Süden mit dem Ziel der Cité de la Mothe bei Soulaucourt-sur-Mouzon. Auf dem Weg schauen wir noch an der Ruine des Château de Beaufremont vorbei, wo sich inmitten der Mauerreste der Burg ein tolles Privatanwesen mit Ausblick befindet.

In Neufchâteau
In Neufchâteau

Die Cité de la Mothe ist eine ehemalige bis 1645 gewachsene mächtige Festungsanlage. In strategisch guter Lage an der Römerstraße nach Toulon entstand im 13. Jahrhundert eine Burg, aus der ab 1400 eine bedeutende Festung hervorging, die zur zweitstärksten Festung Lothringens hinter Nancy ausgebaut wurde. Auf dem Hügel Saint Hillairemont oberhalb der Mouzon entstand hier ein Handels- und Militärstützpunkt mit bis zu 4000 Soldaten. Mit Schloss, Kloster und Kirche fiel die Stadt letztlich dem 30- jährigen Krieg zum Opfer.

In den Ruinen der Cité de la Mothe
In den Ruinen der Cité de la Mothe

Abgesehen von rudimentären Mauerresten ist nicht mehr viel zu sehen von der einst imposanten Anlage auf der Höhe mit weitläufigem Überblick auf das Mouzontal nach Süden. Unsere Runde durch den schattigen Wald bringt zumindest etwas Abkühlung. Gegen siebzehn Uhr fahren wir zurück zu unserem Basislager nach Saint Élophe. Geduscht, mit frischen Sachen fahren wir Richtung Domrémy-la-Pucelle.

Jeanne d'Arc- Figurengruppe am Bois Chenu
Jeanne d’Arc- Figurengruppe am Bois Chenu

An der Basilique de Jeanne d‘Arc sind wir zu Gast im Restaurant „Le Bois Chenu“. Der Name steht für den Eichenwald, in dem Jeanne d’Arc die Prophezeiung erhielt, dass eine Jungfrau aus dem Lothringischen Eichenwald Frankreich retten würde. Ihre Kindheit war geprägt von grausamen Kriegserlebnissen. Im Bois Chenu empfing sie die Stimmen von Feen und Heiligen, auch der Magier Merlin taucht in Jeanne d’Arc’s Geschichte auf. Wie auch immer, der Mythos der Jungfrau von Orleans ist bis heute lebendig und steht für die nationale Identität Frankreichs.

Abendessen im "Bois Chenu"
Abendessen im „Bois Chenu“

Das „Bois Chenu“ ist noch einmal eine feine Adresse französischer Kulinarik und Gastlichkeit, die rundum zufrieden stellt. Bei tiefstehender Sonne fahren wir zurück und freuen uns bei offenem Fenster auf etwas Abkühlung in der Nacht. Am Sonntag frühstücken wir zusammen mit anderen Gästen aus Frankreich, einem Paar, das in einem VW- Käfer unterwegs ist und einer Familie mit zwei Kindern. Es gibt frische Sauerkirschen vom Baum, die Kinder der Familie erwecken den Eindruck, dass sie noch nie in ihrem Leben Kirschen probiert haben.

Eliphius von Rampillon auf dem Friedhof von Saint Èlophe
Eliphius von Rampillon auf dem Friedhof von Saint Èlophe

Es geht heute direkt mit den Rädern vom Haus in Saint Élophe los. Wir verweilen kurz an der Kirche aus dem 15. Jahrhundert, die dem Märtyrer Eliphius von Rampillon geweiht ist. Mit dem Versuch Heiden zum Christentum zu missionieren war die Wahrscheinlichkeit im 4. Jh. groß sein Leben zu verlieren. So wie Eliphius erging es auch vielen Gleichgesinnten zu dieser Zeit, an allen Orten an denen das Christentum seinen Anfang nahm. Eliphius wurde geköpft, stand aber gleich wieder auf und stieg mit dem Kopf unter dem Arm den Hügel hinauf wo er sich auf einen weißen Stein setzte, in dem er einen Abdruck hinterließ- soweit die Legende.

Sitz-Stein in Saint Èlophe
Sitz-Stein in Saint Èlophe

Den weißen Stein gibt es auf dem Friedhof tatsächlich, nur ist er viel älter und wurde wohl schon von Druiden der Kelten verwendet um Gericht zu halten. Eine überlebensgroße Statue des Eliphius stand bis 1958 auf der Kirche, aus Sicherheitsgründen hat man sie zurück auf Erdniveau geholt. Andere Quellen beschreiben Köln als Hinrichtungs- Ort des lothringischen Märtyrers, dessen Reliquien sich durch eine mittelalterliche Schenkung an den Kölner Erzbischof heute im Kloster Groß- St. Martin in Köln befinden.

Château de Bourlémont über Frebécourt
Château de Bourlémont über Frebécourt

Es werden heute 38 Kilometer bei weiterhin bis zum Nachmittag ansteigenden Temperaturen bis gut 34 Grad. Die genauen Verhältnisse der teils sehr naturnahen Wege sind von der Karte nicht genau zu kalkulieren. So treffen wir auch diesmal auf einen sehr schmalen Steg über einen Bachaufstau, den es zu überwinden gilt. In Neufchâteau schließen wir an die Maasroute an, die uns auf eine ehemalige Bahntrasse führt, eine Kohlenlore erinnert an die Bergbautradition Lothringens. Auf einer Bank blicken wir hinüber zum prachtvollen Château de Bourlémont, das sich in Privatbesitz befindet.

Zwischen Neufchâteau und Maxey-sur-Meuse
Zwischen Neufchâteau und Maxey-sur-Meuse

Nun fahren wir noch einmal mit dem Rad an der Basilika der Jeanne d‘Arc vorbei nach Domrémy-la-Pucelle. Hier entdecken wir das alte Waschhaus, wo vielleicht auch Jeanne d’Arc ihre Wäsche gewaschen hat. Heute am Sonntag sind die Sehenswürdigkeiten deutlich stärker frequentiert. Wir fahren weiter bis Maxey-sur-Meuse. Hier finden wir einen chilligen Platz für unser Mittags- Picknick auf einer Wiese neben der Maas, die hier mit der Vair einen weiteren Zufluss erhält. Nach der Querung der Brücke verlassen wir nun die Maasroute und wenden uns der Rückfahrt nach Saint Élophe zu. Im Wald treffen wir auf teils herausfordernde, matschige Pfade.

Abschalten an der Maas in Maxey-sur-Meuse
Abschalten an der Maas in Maxey-sur-Meuse

Am Nachmittag legen wir in unserem Zimmer etwas die Beine hoch. Es hat einigermaßen abgekühlt, wir packen schon mal unsere Sachen zusammen, denn die schöne Woche an der französischen Maas endet morgen früh mit unserer Abreise. Wir essen im Garten unseres Hauses und begeben uns noch einmal zur Statue des heiligen Élophe, wo wir einen Mirabellenbaum entdecken, dessen Früchte bereits gut essbar sind. So vertilgen wir einige Mirabellen, während die Sonne glutrot hinter den Hügeln im Westen unter geht.

Mirabellen im Abendlicht
Mirabellen im Abendlicht

Nach einem letzten Frühstück in unserer „in Blumen gekleideten Kuh“ am Montag nehmen wir uns Zeit für die Rückfahrt und genießen die großartige Landschaft dieser Region, in der es uns mit dem Fahrrad wirklich sehr gefallen hat. In Toul kommen wir an der durchaus beeindruckenden Kathedrale vorbei. In der Eifel kaufen wir noch einige Sachen in Hofläden ein und erreichen am Nachmittag unser Heim. Die Maas ist über 1000 Kilometer lang, an diesem Projekt werden wir weiter beschäftigt sein und darauf freuen wir uns!

Die Maas- Von der Quelle bis zur Mündung
Die Maas- Von der Quelle bis zur Mündung

A. Korbmacher

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