Maas- Radweg Etappe Rest 05 und 06
In der zweiten Maihälfte steht das lange Wochenende mit Pfingsten an. Leider hat sich in diesem Jahr keine gemeinsame Tour mit unseren Freunden der DAV- Allrounder ergeben. Wir haben uns den Termin zwar dafür freigehalten, haben aber auch kein Problem damit noch kurzfristig umzuplanen, um unser Maas- Projekt weiter Richtung Nordsee voranzubringen. Die Wetterprognose steht auf Hochsommer mit Temperaturen, die die 30 Grad- Marke knacken werden. Unser Basislager steuern wir am Samstagmorgen in Rossum östlich von ‘s-Hertogenbosch an. Die Fahrt verläuft staufrei, denn ein Großteil der Ausflügler hat den Verkehr bereits am Freitag zum Erliegen gebracht.

Das Hotel „De Gouden Molen“ liegt direkt hinter dem Deich am Wasserlauf des Waals. Vater Rhein trägt in Holland den Namen Waal, östlich von Rossum kommen sich beide Flüsse für einige Kilometer recht nahe. Wir stellen unser Auto am Deich vor dem Hotel ab und machen die Bikes bereit für den ersten unserer geplanten drei Rundkurse an diesem Pfingstwochenende. Dorothee hat für Samstag und Sonntag etwas über 60 und am Montag etwas über 40 Kilometer ausgearbeitet. Dabei werden wir am Samstag die 5. Etappe in ‘s-Hertogenbosch abschließen und auf der 6. Etappe die Maas weiter stromabwärts begleiten.

Wir haben hochsommerliches T-Shirt- Wetter und fahren in östlicher Richtung los zwischen Waal und Maas und folgen im Weiteren dem rechten Maasufer stromaufwärts bis zur Autofähre von Alphen nach Oijen. Hier wechseln wir ans linke Ufer der Maas und halten uns weiter stromaufwärts bis Megen, wo wir nach einer zweiten Fährüberfahrt den eigentlichen Lückenschluss mit der bisher gefahrenen Maasroute am rechten Maasufer erreichen. Es ist ein Tag zum Genießen, wir passieren Windmühlen und Blumenwiesen mit Klatschmohn, Schafe stehen in den Wiesen am Straßenrand und auf der Maas ziehen große und kleine Schiffe ihre Bugwellen durch das Wasser. Auch Oldtimer und US- Straßenkreuzer, für die es in Holland jede Menge Fans gibt zwingen immer mal wieder zu Fotostopps.

Nun fahren wir stromabwärts auf der Maasroute über Maasbommel mit einem erneuten Uferwechsel bei Oijen, von wo es über Lith mit der Maren- Kessel- Fahrradfähre wieder zurück an das rechte Ufer der Maas geht. Mit den heutigen Fährüberfahrten wechseln wir auch ständig zwischen den Provinzen Nordbrabant und Gelderland hin und her. Über Ahlem verlassen wir an einem Kreisverkehr die Maasroute und fahren am Kasteel Rossum vorbei zurück zum Hotel. Hier checken wir ein und beziehen unser Zimmer unter der Dachschräge, das glücklicherweise mit einer Klimaanlage ausgestattet ist. Aus unserem Fenster blicken wir auf eine Obstplantage. Die Küche verwöhnt uns am Abend mit leckeren Sachen. Das belgische Blond-Bier ist mit 6,6 % Alkohol alles andere als ein Radler- Bier, sein Name Kwaremont ist aber eine Hommage an den Kopfsteinpflasteranstieg „Oude Kwaremont“ bei der Belgienrundfahrt in Flandern. Dorothee lässt sich ein sehr fruchtiges schottisches Brewdog- Punk IPA zum Essen schmecken. Wir schlafen später selig in unserer abgekühlten Dachkammer.

Am Sonntag geht es nach dem Frühstück direkt vom Hotel aus los. Am Kreisverkehr Rome steigen wir wieder in die in westlicher Richtung verlaufende Maasroute ein. Hinter einem stark befahrenen Bahnübergang halten wir eine Weile an einer schattigen Bank. Alle paar Minuten rauscht ein Zug über die Hedel- Brücke nach oder von ‘s-Hertogenbosch. Wir wechseln das Maasufer etwas weiter westlich über die Prinses Irene Brigade- Brücke, die im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Nun am Nordbrabanter linken Maasufer fahren wir an Vororten ‘s-Hertogenbosch’s vorbei. An einem Reet-gedeckten Hof hat ein Künstler seine rostigen Eisenköpfe ausgestellt, originelle Architektur lässt moderne Wohnkomplexe in Form einer Wasserburg erscheinen. Wir machen einen Abstecher nach Heusden und besuchen den befestigten Ort mit Bastionen und einem hübschen Hafen. Am Fischmarkt kehren wir beim „Pannekoekebakker“ ein und lassen uns einen smakeligen Apfelpfannekuchen schmecken.

Ein Stück müssen wir wieder zurückfahren, um der Maasroute folgend mit der Herpt-Bern- Fähre wieder nach Gelderland einzureisen. Wir befinden uns nun auf einer Art Halbinsel, die von Maas, Heusdensch Kanaal und Afgedamde Maas umschlossen wird. Mit dem Kanal besteht von hier eine Verbindung zum nördlich verlaufenden Waal. Den Plan in nördlicher Richtung auch die Afgedamde Maas mit der Nederhemert Nord-Zuid- Fähre zu überqueren müssen wir aufgeben und umkehren. Die Fähre hat keinen Sonntags- Betrieb und so fahren wir zurück am privat bewohnten, schmucken Kasteel Nederhemert aus dem 14.Jh. vorbei.

Mit südöstlicher Umfahrung des blind endenden Wasserlaufs der Afgedamde Maas verlassen wir in Nederhemert die Maasroute. Mit Kurs Nordost suchen wir uns den Weg nach Zaltbommel. Westlich der befestigten Stadt erreichen wir das Waal- Ufer. Am kleinen beschaulichen Hafen machen wir eine Pause. Nun folgen wir dem Waaldeich in östlicher Richtung mit einer Schleife durch ein Naturschutzgebiet mit zahlreichen Wasservögeln zurück nach Rossum. Kurz bevor wir unser Hotel erreichen, stoppen wir an einem Strommast, auf dem wir gut neun Storchennester erkennen können. Die Nester werden eifrig von den Eltern angeflogen, um den Nachwuchs mit ausreichender Nahrung zu versorgen. Bei unserer Rückkehr ist die Temperatur in unserer Dachkammer unerträglich. Während wir die abgeschaltete Klimaanlage wieder anwerfen, widmen wir uns draußen dem tropische Aroma eines perligen Brewdog Punk IPA zum Aperitif.

Am Pfingstmontag heißt es dann schon wieder Packen. Für unsere dritte und letzte Runde an diesem Wochenende fahren wir mit dem Auto an der Maas entlang nach Westen über Zaltbommel nach Zuilichem. Hier parken wir in einem Wohngebiet und suchen uns den Einstieg auf die Maasroute in Nederhemert. Flussabwärts orientieren wir uns jetzt entlang der nach Nordwest verlaufenden Afgedamde Maas über Deiche und am wasserreichen Gebiet „de Veense Put“ vorbei zum Mündungsgebiet dieser Querverbindung zwischen der Maas und Waal. Hier befindet sich die Wasserburg Loevestein. Der Blick in die Karte zeigt, dass die Maas hinter dem Abzweig der Afgedamde Maas nach Westen als Bergsche Maas bald ihren Namen in Amer wechselt. Auch der Waal, der holländische Rhein verliert seinen Namen nach dem Zusammenfluss mit der Afgedamde Maas und fließt weiter als Boven Merwede und als Nieuwe Merwede. Südlich von Dordrecht fließen Nieuwe Merwede und Amer dann zusammen und bilden den Hollands Diep, einen der größeren Zusammenflüsse vor der Einmündung in die Nordsee. Es ist verwirrend und kompliziert, denn auf der Suche nach der Maas taucht der Name erst viel weiter nördlich, und zwar westlich von Dordrecht wieder als Oude Maas auf, als einer der vielen Flüsse und Querverbindungen in einer zunehmend wasserreichen Gegend.

An der Wasserburg Schloss Loevestein sind wir nicht allein, denn das Museum in der Festung ist ein beliebtes Ausflugsziel. Eine Besichtigung merken wir uns vor für einen Besuch, vorzugsweise nicht an einem solch heißen Tag. Am Wassergraben unter der Burgmauer beobachten wir in einem Schwanennest den frisch geschlüpften Nachwuchs, der sich in seinem Daunenkleid dicht an seine Mutter kuschelt. Das Wasserschloss geht auf einen Wachturm von Anfang des 14. Jh. zurück, der hier an der Mündung der Wasserstraßen als Grenz- und Zollstation zwischen den Grafschaften Holland und Gelder errichtet wurde. In der zweiten Hälfte des 14.Jh. erfolgte der Ausbau zur Burg durch Ritter Dirk Loef van Home, Lehnsmann Albrechts I. von Bayern, zugleich Graf von Holland. Beim Aufstand der Niederländer gegen die spanische Besatzung im Achtzigjährigen Krieg wurde die Burg 1572 durch die Geusen unter Wilhelm I. von Oranien erobert.

Mit der kleinen Fahrradfähre „Hugo 2“ Woudrichem- Loevestein gelangen wir an das Westufer der Afgedamde Maas und in den hübschen Ort Woudrichem. Nach einem Eis am Fähranleger erkunden wir den ebenfalls befestigten mittelalterlichen Ort mit Windmühle und Kirche. In Woudrichem verlassen wir dann auch die Maasroute und halten uns am Westufer der Afgedamde Maas ein Stück in Richtung Südosten bis zur Brücke der N322. Nach dem Wechsel ans rechte Afgedamde Maasufer fahren wir auf Radwegen über Knotenpunkte nordwärts über den Waarddijk und Waaldijk, über Brakel am Waal entlang zurück nach Zuilichem zu unserem Auto. Das Pfingstwochenende 2026 hat uns auf unserem Weg entlang der Maas in drei Runden mit insgesamt 170 Kilometern ein ganzes Stück voran, Richtung Rotterdam gebracht. Das Wetter hat alles gegeben und uns bereits sehr hochsommerliche Temperaturen bereitet. Zufrieden treten wir die Heimfahrt an.

A. Korbmacher
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