Rheingau- Klostersteig zwischen Eltville und Assmannshausen 2026

Wochenende im Rheingau mit Klostersteig zwischen Eltville und Assmannshausen 2026

Bereits vor einem Jahr haben wir uns Mitte April ein Wochenende mit unseren Freunden Moni und Bernhard, Marc und Heike und Rüdiger und Anja für eine Wanderung auf dem Klostersteig abgesteckt. Der Weg führt mit etwa 31 Kilometern über die Höhen des hessischen Rheingaus entlang mehrerer Klöster durch einen Teil des Welterbes des oberen Mittelrheintals mit seinen historischen Stätten und Denkmälern. Wir steuern am Freitagnachmittag unsere Unterkunft auf einem Weingut in Geisenheim-Johannisberg an, wo wir in kurzer Abfolge bis zum gemeinsamen Abendessen eintreffen. Bei guter Küche und dem, was der Weinkeller bietet wird es ein geselliger Abend, bei dem wir uns einiges zu erzählen haben. Leider habe ich mir vor zwei Tagen beim Rangieren meines Motorrads eine Verletzung im Oberschenkelmuskel zugezogen. Mit einem ordentlichen Bluterguss habe ich mich für diese Streckenwanderung mit knackigem Höhenprofil über 890 aufsummierten Höhenmetern disqualifiziert. Nach dem Essen gesellt sich noch Gastgeber Michael Gietz zu uns, der uns ein wenig über sein Weingut und seine Weine erzählt.

Wochenende mit Freunden im Rheingau
Wochenende mit Freunden im Rheingau

Der Johannisberg präsentiert sich als Heimat der Spätlese, die 1775 durch einen Zufall entdeckt wurde. Letztes Jahr feierte Johannisberg mit diesem Ereignis sein 250- jähriges Jubiläum. Schloss Johannisberg gehörte seit 1716 zum Hochstift Fulda. Dem dortigen Fürstbischof musste eine Probe der Trauben vorgelegt werden, um die Erlaubnis zur Weinernte einzuholen. Die Sage um den Mönch, der als „Träubelbote“ die 220 Kilometer zu Pferd nach Fulda zurücklegen musste lässt offen, warum er erst mit einer Verspätung von mehreren Wochen zurückkehrte. Da waren die Trauben an den Rebstöcken des Musterweinguts aber bereits faulig und mit wenig Hoffnung auf einen genießbaren Wein machten sie sich die Mönche an die Arbeit. Das Resultat aus den oechslereichen Trauben legte den Grundstein der Spätlesen, die dem Rheingauer Wein Weltruhm einbrachten.

8 Freude- 7 Klostersteig- Pilger
8 Freude- 7 Klostersteig- Pilger

Am Samstagmorgen machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zum Kloster Eberbach bei Eltville. Die Zisterzienserabtei haben wir 2014 auf dem Rheinsteig besucht. Es ist ein besonderer Ort, den sich Zisterzienser- Mönche hier im Jahr 1136 ausgesucht haben. Das Know-How des Weinanbaus haben die Ordensbrüder aus dem Burgund mitgebracht. 1098 haben sich die Zisterzienser unter Robert von Mosleme mit der Gründung von Cîteaux von der zunehmenden Dekadenz des Benediktinerordens abgespalten. Mit Bernhard von Clervaux verbreitete sich die Reformbewegung mit vielen Tochterklöstern über ganz Europa. Das Motto „Ora et Labora“ wurde von den Zisterziensern radikal und konsequent umgesetzt. Mit harter körperlicher Arbeit, Disziplin und strengen Armutsritualen kehrten die Mönche zurück zu ihren Ursprüngen.

Ort mit fast 900-jähriger Geschichte- Kloster Eberbach
Ort mit fast 900-jähriger Geschichte- Kloster Eberbach

Hier startet für Dorothee mit unseren Freunden der Klostersteig, der in südwestlicher Richtung zum Schloss Johannisberg führt. Ich habe mir vorgenommen die Anlage noch einmal zu durchstöbern. In der 1186 geweihten Klosterkirche entführt eine Präsentation in die Zeit der Mönche und des Adels unter Kaiser Friedrich II. Graf Diether IV. kehrt 1220 mit dem Kaiser vom Kreuzzug ins Heilige Land zurück. Aus Angst vor dem Jüngsten Gericht geht er mit den Mönchen einen Handel ein. Er erlässt den Mönchen mit ihrem florierenden Weinhandel Zölle auf dem Rhein. Im Gegenzug für dieses Privileg beten die Mönche für das Seelenheil Diethers mit der Garantie auf einen Platz im Paradies und haben so freie Fahrt auf dem Rhein zum wichtigen Handelsplatz Köln.

Kloster Eberbach- Eine Reise ins Mittelalter
Kloster Eberbach- Eine Reise ins Mittelalter

Es ist ein toller Rundgang, der mich durch die Räume des Klosters führt. Ein großartiger Saal ist das Mönchs- Dormitorium, dessen Gesamtbild leider bei diesem Besuch durch Stellagen an den Säulen und Fenstern getrübt ist. Im Laienrefektorium stehen historische Weinpressen, die zum Teil noch aus der aktiven Zeit des Klosters stammen. Beim Blick durch die Gittertüren des Weinkellers lassen sich verborgene Schätze vermuten, das Staatsweingut produziert aber auch heute noch exzellente Weine. Ich probiere zwei Rieslinge aus der Kategorie „Crescentia“ und entscheide mich für den 2023er „Steinberger Zehntstück“ aus der ältesten Lage des Klosters. Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Wein dieser Parzelle nach dem Zehntrecht an das Mainzer Stift St. Peter entrichtet.

Historische Weinpressen im Laienrefektorium
Historische Weinpressen im Laienrefektorium

Ich erinnere mich an die Empfehlung eines weiteren Spitzen- Weinguts im Rheingau. Ich brauche nicht weit zu fahren, ganz in der Nähe liegt das Weingut von Robert Weil. Der Gründer kehrte als Professor für Deutsch an der Pariser Sorbonne 1875 nach dem Deutsch-Französischem Krieg zurück nach Kiedrich. Auf 90 Hektar gedeihen heute große Rieslinge, die sich auch weltweit einen Namen gemacht haben. Sehenswert ist das historische Gutshaus. Auch hier probiere ich und nehme mir etwas vom Turm- und Klosterberg mit nach Hause. Im Ortskern von Kiedrich sehe ich mir noch die Pfarr- und Wallfahrtskirche St.Valentinus und Dionysus an.

Das Rheingau- Landschaft mit Kultur und gutem Wein
Das Rheingau- Landschaft mit Kultur und gutem Wein

Aus einem karolingisch- romanischen Vorgängerbau wurde die heutige Kirche 1493 vollendet. Die Kiedricher Madonna von 1330 kann ich leider nur durch die Gitter am Eingang sehen. Neben der Kirche befindet sich die als Beinhaus 1444 errichtete St. Michaelskapelle. Ich fahre hinunter an den Rhein und halte bei meiner Fahrt stromabwärts in Oestrich, wo ich mir den mittelalterlichen Verladekran anschaue. Er ist ein technisches Relikt, das 1775 errichtet wurde um Güter, allen voran den Wein aus dem Rheingau auf Schiffe zu verladen. Kranknechte hoben die Last mit Muskelkraft in einem Laufrad, wobei die Arbeit nicht ungefährlich war, da das Laufrad nicht arretiert werden konnte. Das Baudenkmal kann ich leider nicht von innen anschauen.

Rheinkran und Zander
Rheinkran und Zander

Ich verweile noch einen Moment am Rhein und schaue einem Angler zu, der einen dicken Fisch aus dem Fluss zieht. Es ist ein Zander, den er mir stolz präsentiert. Der Fisch hat Glück, er wird heute nicht zum Mittelpunkt einer Mahlzeit, denn der Angler entlässt ihn wieder zurück in den Rhein. Mittlerweile ist es Nachmittag und ich fahre zum Schloss Johannisberg. Die Geschichte dieses Traditionsweinguts geht bis ins 8. Jahrhundert zurück. Der Legende nach soll Karl der Große von seiner Pfalz in Ingelheim beobachtet haben, dass der Schnee auf dem gegenüberliegenden Johannisberg als erstes schmilzt. Sowohl die romanische Basilika auf dem Johannisberg, als auch das Schloss wurden 1942 zerstört. Die Kirche wurde im Stil des 12. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Dabei wurde ein Atzmann, ein Buchträger aus dem 13. Jahrhundert nach 200 Jahren unter aufgeschüttetem Boden wiedergefunden. Das heutige Kloster liegt etwa 1 Kilometer vom Schloss entfernt. Leider hat sich die Sonne am Nachmittag rar gemacht.

Klosterkirche auf dem Johannisberg
Klosterkirche auf dem Johannisberg

Ich genieße die Aussicht über die Weinberge hinweg auf den Rhein. Auf einer Bank beobachte ich das Treiben rund um einen Weinverkaufsstand. An Tischen und Bänken, auf Mauern oder auch in den Wiesen am Weinberg lassen sich die Leute mit einem Glas Wein zum Picknick nieder. Der neue Jahrgang meldet sich mit den ersten grünen Blättern an den Rebstöcken an. Auf dem Smartphone kann ich Dorothees Standort auf dem Klostersteig ausmachen. Langsam nähert sich der Punkt dem Johannisberg, schade dass ich nicht dabei bin. Ich vertreibe mir noch die Zeit mit ein paar Fotos in den Weinbergen, als schon der Stoßtrupp bestehend aus Marc und Bernhard an mir vorbeihastet. Gefolgt vom Rest der Gruppe treffe ich auch auf Dorothee. Der Klostersteig ist ein Pilgerweg und an den Abteien und Klöstern liegen Stempel für den Pilgerpass bereit. Wir gehen daher noch einmal gemeinsam in die Basilika, von der es jetzt nicht mehr weit zu unserem Hotel ist.

Jahrgang 2026
Jahrgang 2026

Nach dem Duschen finden wir uns wieder zur geselligen Runde in der Gaststube ein. Wir probieren zum guten Essen noch einmal die Weine des Weinguts durch. Der Blanc de Noir Sekt als Aperitif muss sich nicht verstecken und auch Riesling, Sauvignon, Grau- und Weißburgunder machen eine gute Figur. Ein Genuss ist auch die trockene Spätlese von Michael Gietz, der sich auch heute wieder mit ein ein paar interessanten Erläuterungen an unseren Tisch gesellt. Draußen vor der Tür parkt eine Auto- Ikone, ein historisches Citroën-Cabriolet. Der Gast am Nebentisch beantwortet meine in den Raum geworfene Frage nach dem Jahrgang- ein 1939er Hingucker in Top- Zustand. Wir schlafen gut am offenen Fenster, das wir bei nächtlichem Regen und stürmischem Wind dann doch schließen.

Citroën Traction Avant 11B Cabriolet BJ 1938- Reihen-4 Zyl.-Motor 58 PS
Citroën Traction Avant 11B Cabriolet BJ 1938- Reihen-4 Zyl.-Motor 1911ccm- 58 PS „11CV“

Am Sonntag werden wir wieder mit einem reichhaltigen Frühstück versorgt. Wir begleichen unsere Rechnung bei der Dame des Hauses und laden unser Gepäck nebst Kostproben aus dem Keller des Weinguts in unsere Autos. Michael Gietz hat das Weingut als junger Mann von der Johannisberger Winzer- Genossenschaft gekauft und zum Hotel mit Restaurant erweitert. Auf 6,5 Hektar fangen seine Trauben die Sonne des Rheingaus ein. Wir erhalten Gelegenheit uns den Weinkeller anzuschauen, in dem sich heute eine moderne Kelteranlage befindet. Die Holzfässer vergangener Tage im Nebenraum ergeben zum Teil nur noch eine schöne Kulisse für Weinproben, da sie sich nicht mehr zur Lagerung von Wein eignen. Wir verabschieden uns von unseren angenehmen Gastgebern und außer mir machen sich alle an den zweiten Teil des Klostersteigs, der nun von Johannistal nach Westen anknüpft. Ich mache mich auf den Weg Richtung Eltville und lege einen ersten Stopp direkt am Ortsausgang ein.

Der "Träubelbote" am Ortsausgang
Der „Träubelbote“ am Ortsausgang

An der Straße erinnert eine Figur an den Spätlesereiter von 1775, weit blickt man von hier in das Rheintal über Oestrich-Winkel hinweg Richtung Eltville. Die frischen Triebe der Reben scheinen sich heute in die Sonne zu strecken. Mit diesen Eindrücken fahre ich nun nach Eltville, wo ich in einem Parkhaus am Rand der Altstadt parke. Auf dem Weg ins mittelalterliche Eltville komme ich an der Sektkellerei M&M vorbei, wo auf dem Firmenschild auch der Name „Rotkäppchen“ zu lesen steht. Eltville präsentiert sich als Wein-, Sekt und Rosenstadt. Entlang historischer Fachwerkhäuser erreiche ich den Bereich der ehemaligen Kurfürstlichen Burg, von der nach dem Dreißigjährigen Krieg nur der Wohnturm erhalten geblieben ist. Teile der Burgmauern sind noch als Ruine zu erkennen.

Johannes Gutenberg in Eltville
Johannes Gutenberg in Eltville

Einige Räume des Turms sind dem Erfinder des modernen Buchdrucks Johannes Gutenberg (1400-1468) gewidmet. Gutenberg wurde zwar in Mainz geboren, musste die Stadt aber nach der Eroberung durch die Truppen des Erzbischofs Adolf II. von Nassau aufgrund der Stiftsfehde von 1462 verlassen. Exil fand Gutenberg bis zu seiner Rückkehr nach Mainz in Eltville. Die kleine Ausstellung zu seiner Person ist durchaus sehenswert, seine Entdeckung des Buchdrucks revolutionierte über 400 Jahre die Welt. Ein Mönch brauchte bis zu diesem Zeitpunkt mehrere Jahre für die Abschrift einer Bibel. Aus dem Dachstuhl bietet sich ein toller Rundblick auf Eltville und den Rhein. Durch den Burghof und die ummauerten Gärten laufe ich durch die Altstadt an der katholischen Pfarrkirche Peter und Paul aus dem 14. Jahrhundert vorbei zurück zum Parkhaus.

Eltville- Burg mit Gärten
Eltville- Burg mit Gärten

Ich fahre am Nachmittag zum Endpunkt des Klostersteigs am Kloster Marienhausen bei Aulhausen. Das Kloster ist auch ein Zisterzienserkloster, dessen Geschichte sich bis auf das Jahr 1189 zurückverfolgen lässt. Die Weihe der Klosterkirche fand im Jahr 1219 statt. Ich bin viel zu früh an diesem Ort, daher fahre ich ein Stück Richtung Rhein zum Niederwalddenkmal, dem kolossalen 38 Meter hohen Monument hoch über dem Rhein bei Rüdesheim, dessen Errichtung auf das Ende des Deutsch Französischen Krieges zurückgeht. Die 12,5 Meter hohe Germania hält die Kaiserkrone empor und das Schwert gesenkt. Als „Wacht am Rhein“ steht das Monument, das 1883 eingeweiht wurde für die Einigung Deutschlands und die Gründung des deutschen Kaiserreichs am 18. Januar 1871.

Burgturm Eltville und Niederwald- Denkmal
Burgturm Eltville und Niederwald- Denkmal

Schon auf dem Rheinsteig vor 12 Jahren haben wir den großartigen Blick von hier oben genossen. Es ist ein stark besuchter Ausflugsort, zu dem eine Seilbahn von Rüdesheim hinaufführt. Eine Weile halte ich mich hier oben auf und genehmige mir, dem Hunger geschuldet eine Bratwurst an einer Grillbude, bevor ich zum Kloster Marienhausen zurückkehre. Die Wanderer treffen bald ein und zusammen schauen wir in die Klosterkirche, in der uns auch ein mittelalterlicher Atzmann begrüßt. Ein letzter Stempel wird hier in das Pilgerbuch gedrückt und mit einem Rätsel lässt sich eine Truhe öffnen, in der die Absolventen des Klostersteigs ein hübsches Holzkreuz erhalten. Eine nette Idee und ein schönes Andenken an die beiden Pilgertage entlang historischer Stätten.

Projekt Klostersteig
Projekt Klostersteig

Heute waren es der Wallfahrtort Kloster Marienthal, Kloster Nothgottes und die Abtei St. Hildegard auf dem Weg zum Endpunkt hier am Kloster Marienhausen. Es sind allesamt tolle Orte, die die Ordensbrüder und – Schwestern nicht von ungefähr hier im Rheingau ausgewählt haben. Zum Teil kenne ich die Orte noch vom Rheinsteig. Die Wanderung über den Klostersteig war sicherlich für alle eine tolle Unternehmung- Doro hat es sehr gefallen. Ich bringe die Fahrer der zurückgelassenen Autos noch zurück zum Hotel. Wir verabschieden uns von unseren Freunden und machen uns an die Heimfahrt. Nein- wir fahren nicht über die Autobahn, ein Stau baut sich in Leverkusen auf. Doro dirigiert mich daher auf dem Rückweg durch sonnige Landschaft über den römischen Limes quer durch Hessen und das Bergische Land.

Limes- Castell in Pohl
Limes- Castell in Pohl

Arnd Korbmacher

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