2021 Hermannsweg-Teutoburgerwald

Hermannsweg-Teutoburgerwald

Am letzten Mai- Wochenende fange ich mit Dorothee ein neues Wanderprojekt an. Es soll der Hermannsweg im Teutoburger Wald sein, der mit 167 Kilometern in 8 großzügig bemessenen Etappen zwischen Rheine im Nordwesten bis zum preußischen Velmerstot 468m als höchster Erhebung des Teutoburger Walds oberhalb von Leopoldstal verläuft. Der Teutoburger Wald begrenzt zusammen mit dem Eggegebirge das niedersächsische Bergland nach Südwesten und die westfälische Bucht mit dem Münsterland nach Norden.

Arminius vom Eggeturm (Preußischer Velmerstot 468m)
Arminius vom Eggeturm (Preußischer Velmerstot 468m)

Der Teutoburger Wald galt lange als Austragungsort der berühmten Varusschlacht in der zweiten Hälfte des 9.Jahrhunderts, in der germanische Stämme dem römischen Heer eine vernichtende Niederlage eingebracht haben. Der Anführer der Germanen war der Cherusker- Fürst Arminius, der vorab gezwungen wurde in der römischen Legion zu dienen. Mit diesen erlangten Kenntnissen konnte er die Schwächen seines Gegners bestens ausnutzen. Die wendigen germanischen Krieger waren in den undurchdringlichen Wäldern gegen die schwer gerüsteten Römer strategisch überlegen. Es war ein bedeutender Sieg gegen das römische Imperium, denn es war der Verlust eines Achtels der gesamten Streitmacht des Römischen Reichs. Aus Arminius hat sich später Hermann abgeleitet und seit 1875 steht bei Detmold eine monumentale Statue Hermann des Cheruskers auf einer Höhe im Teutoburgerwald. Varus verlor dafür seinen Kopf auf Erlass von Kaiser Augustus, der sein Entsetzen mit den folgenden Worten kund getan haben soll:

„Quinctilius Varus, gib mir meine Legionen zurück!“

Gedenkplatte Schlachtfeld Kalkriese (Bild von 2002)
Gedenkplatte Schlachtfeld Kalkriese (Bild von 2002)

Ende der 1980er Jahre war es dann eine Sensation, als archäologische Funde den Austragungsort der Schlacht in der Kalkrieser Niewedder-Senke in Bramsche im Osnabrücker Land lokalisiert haben, also deutlich weiter nordwestlich der ursprünglich angenommenen Region.

Hermannsweg
Hermannsweg

Es ist das erste Wochenende das am Ende der vor einigen Wochen festgelegten Corona-Notbremse viele Freiheiten einräumt. Die Fallzahlen sind stark rückläufig und erlauben bereits wieder Hotelübernachtungen. Die Außengastronomie ist geöffnet und wir werden bei dem vorhergesagten guten Ausflugswetter nicht allein sein auf den Wegen. Der Weg in die Normalität soll nun wieder begehbar sein, aber was ist schon normal?- war die Menschheit vor Corona denn normal? – Lassen wir das 😉

Wegenetz im Teutoburger Wald
Wegenetz im Teutoburger Wald

Wir fahren am Samstag früh los und können bereits gegen 10 Uhr von einem Wanderparkplatz in Leopoldstal mit unserer Wanderung beginnen. Wir werden uns in 2 Tagen mit 2 Rundwegen einen Teil der 8. und letzten Etappe von Stemberg bis Leopoldstal rund um das Gebiet der Externsteine erwandern. 32 Kilometer summieren sich dabei an diesem Wochenende auf. In Wuppertal scheint am Morgen die Sonne und leider fahren wir nach Norden in zunehmend dichtere Bewölkung.

Doro am Eggeturm auf dem preußischen Velmerstot 468m
Doro am Eggeturm auf dem preußischen Velmerstot 468m

Bei noch recht frischen Temperaturen machen wir uns auf den Weg in nördlicher Richtung, entlang des Silbergrunds. In den Silbergrund entleeren sich die Bäche aus dem Osthang des lippischen Velmerstot, neben dem preußischen Velmerstot mit dem Eggeturm die höchste Erhebung des Teutoburger Waldes. An Horn vorbei erreichen wir die Externsteine, ein natürliches Felsmonument aus einer Gruppe von Sandsteintürmen. Vor 70 Mio. Jahren in der Unterkreidezeit hob sich an dieser Stelle der Meeresboden und presste die horizontale Sandsteinschicht senkrecht zu diesem imposanten Naturdenkmal nach oben.

Die Externsteine mit dem oberen Teich
Die Externsteine mit dem oberen Teich

Anhand archäologischer Funde geht man davon aus, dass bereits vor 10000 Jahren Menschen hier gelebt haben. Deutungsversuche der Externsteine als Kultstätte der alten Germanen verfolgen unterschiedliche Theorien, der Nationalsozialismus entdeckte hier sogar eine prähistorische germanische Hochkultur, Esoteriker können hier magische Energie spüren. Reliefs, die in den Fels gehauen wurden stammen zum Teil aus dem 12. Jahrhundert. Mit dem monumentalen Kreuzabnahmerelief wurden die Externsteine zur mittelalterlichen Pilgerstätte an der alten Reichsstraße.

Externsteine Kreuzabnahme-Relief 12.Jh.
Externsteine Kreuzabnahme-Relief 12.Jh.

Es ist auf jeden Fall ein besonderer Ort, aber auch ein touristischer Hotspot. Bettler im Schamanen- Outfit beginnen seltsame Rhythmen mit der Trommel oder Töne auf der Blockflöte zu erzeugen, während eine nicht mehr abreißende Karawane von Tagesausflüglern vom nahen Großparkplatz die Wege und Plätze an den Steinen füllen. Der Zutritt, bzw. die Besteigung des Monuments über einen Treppenweg ist an diesem Wochenende Corona-bedingt mit bereits ausgebuchten Voranmeldungen reglementiert. Ich habe nur noch dunkle Erinnerungen an einen Schulausflug hierhin.

On the Rocks
On the Rocks

Wir verlassen die Externsteine und steigen nun über den Hermannsweg in die Bergheide am Knickenhagen (315m) mit einem dichten Teppich aus Blaubeer-Sträuchern auf. Wir erleben aber auch im weiteren Wegverlauf weite Rodungs-Bereiche mit vollständiger Verwüstung der Waldlandschaft. Meterhoch stapeln sich die dem Borkenkäfer zum Opfer gefallenen Fichtenstämme am Wegesrand. Am Südhang des Kniebergs steigen wir ab zur Silbermühle, einem Ausflugslokal an einem Fischweiher. Die Wegmarkierung des Hermannswegs besteht aus einem schmucklosen weißen „H“ auf schwarzem Grund.

Wegsperrung ohne Umleitung
Wegsperrung ohne Umleitung

Hier erleben wir eine Überraschung, denn der Weg ist gesperrt ohne Angabe einer möglichen Umleitung. Auch hier haben Maschinen bei entsprechenden Forstarbeiten den matschigen Boden in einen fast unbegehbaren Morast verwandelt. Und der lange Aufstieg durch das Silberbachtal soll eine der schönsten Passagen auf dem Hermannsweg sein. Wir ignorieren das Betretungs- Verbot und kämpfen uns durch die Schlammlöcher immer entlang des hübschen Silberbachs in südlicher Richtung an den Rand der Ortschaft Bickelberg.

Querung des Silberbachs
Querung des Silberbachs

Am Nachmittag lässt sich dann auch die Sonne immer mal wieder hinter den auflockernden Wolken blicken. Der Weg wendet sich nun in einer ausladenden Schleife hinauf auf den Nord-Grat des lippischen Velmerstot auf 441 Meter. Der höchste Punkt ist jedoch der preußische Velmerstot auf 468 Meter, auf dem sich ein Aussichtsturm befindet. Es ist der Eggeturm von dem sich ein 360 Grad-Panorama über das Land bietet. Richtung Nordwesten erhebt Arminius sein Schwert aus den Höhen des Teutoburger Waldes.

Panorama vom Eggeturm auf dem preußischen Velmerstot 468m
Panorama vom Eggeturm auf dem preußischen Velmerstot 468m

Beim Abstieg habe ich Glück und kann noch ein paar schöne Bilder von einem Buntspecht einfangen, auf den wir durch das typische Piepen der hungrigen Jungvögel in ihrer Nesthöhle in einem toten Baum aufmerksam geworden sind.

Buntspecht bei der Fütterung
Buntspecht bei der Fütterung

Wir haben am eigentlichen Ende des Hermannswegs begonnen, da ich in Unkenntnis des Startorts der 1. Etappe eben ganz in der Nähe der 8.Etappe ein Hotel in Lage vorgebucht habe. Wir erreichen das wunderschöne Gelände des alten Gutshofs, auf dem seit Generationen die Familie Berkenkamp einen Hotelbetrieb im Landhausstil führt. Wiesen mit alten Baumbeständen, Felder und ein Wildgehege umgeben die Gebäude, von denen der Eingang mit seiner Fachwerkfassade besonders einladend ist.

Haus Berkenkamp
Haus Berkenkamp

Wir werden freundlich empfangen und auf der Terrasse mit allem was nach einem Wandertag Freude bringt versorgt. Felix Berkenkamp, der Junior-Chef schwingt das Zepter in der Küche und bringt das Menü rund um Schnitzel und Spargel schmackhaft auf den Teller. Der Riesling kommt aus der Pfalz und rundet die ganze Sache wunderbar ab. Es gibt ein reichhaltiges Frühstück, der Honig stammt aus eigener Imkerei. Wir werden uns diese Adresse auch für zukünftige Wanderungen auf dem Hermannsweg vormerken.

Rotbuche mit Hängematte
Rotbuche mit Hängematte

Der Sonntag bringt dann auch tatsächlich das für das gesamte Wochenende angekündigte Wetter mit. Es ist wolkenlos und die heutige Runde schließt sich nordwestlich an die gestrige an. Wir nutzen den Großparkplatz an den Externsteinen und genießen die Ruhe am Morgen, denn es sind erst wenige Leute auf den Beinen. Auch der Trommler und der Flötenmann, die augenscheinlich hier campieren bereiten sich langsam auf ihr Tagewerk vor.

Externsteine Luft-Panorama
Externsteine Luft-Panorama

Ich lasse am Rande der großen Wiese meine Drohne für ein schönes Panorama der Externsteine aufsteigen und habe schnell alles wieder zusammengepackt, während der Besucherstrom langsam Fahrt aufnimmt. Wir verlassen die Externsteine ein Stück in südöstlicher Richtung entlang des oberen Teichs, in dem sich die Sandsteinfelsen herrlich spiegeln. Es folgt ein Platz mit einem Wegweiser, der auf die Kreuzung des Europäischen Fernwanderwegs E1 und des Europäischen Randwanderwegs R1 hinweist. Auf dem E1 befinden wir uns 4520 Kilometer südlich vom Nordkap und 2230 Kilometer nördlich von Salerno. Der Radweg R1 gibt eine Entfernung von 2930 Kilometer nach Sankt Petersburg an und führt von hier in 920 Kilometern bis in die Bretagne nach Boulogne-sur-mer. Der E1 verläuft im Teutoburger Wald teilweise parallel zum Hermannsweg.

A nice place to be
A nice place to be

Nun gehen wir in nordwestlicher Richtung in das Tal der Wiembecke, dem Bach der die Teiche an den Externsteinen speist. Wir streifen die Ortschaft Holzhausen an den Externsteinen mit einem nachfolgenden Aufstieg auf den Falkenberg auf 346m und halten die Höhe bis zu einem weiteren Kulturdenkmal, der Burgruine der Falkenburg. Zwischen 1190 und 1194 wurde die hochmittelalterliche Höhenburg durch Bernhard II. und seinen Sohn Herrmann II., Edelherren zur Lippe erbaut. Die Anlage wurde nicht durch einen Krieg zerstört, sondern wurde das Opfer eines Feuers in der Burgküche Mitte des 15.Jahrhunderts. Es ist ein fantastischer Ort an einem solchen Tag wie heute.

Falkenburg Panorama aus 100m Höhe
Falkenburg Panorama aus 100m Höhe

Nach Norden blicken wir über Berlebeck hinweg auf Detmold, aus Nordwesten grüßt Hermann von seinem angestammten Platz auf den Höhen des Teutoburger Waldes. Wir sind auch hier nicht die einzigen Besucher. Das Ergebnis einer Drohnen- Umrundung des Burgbergs gibt mir einen tollen Überblick über die große Anlage, die einst mit Vorburg, Zwinger, Hauptburg mit Bergfried und Ringmauern allen Angriffen widerstanden hat. Bis 2018 wurde der Bergkegel in mehr als 10 Jahren zweieinhalb Meter tief archäologisch abgetragen und untersucht.

Rekonstruktion Falkenburg Auarell 1903 (Quelle und Rechte Lippisches Landesmuseum Detmold)
Rekonstruktion Falkenburg Auarell 1903 (Quelle und Rechte Lippisches Landesmuseum Detmold)

Von der Falkenburg gehen wir noch ein Stück Richtung Nordwesten und stoßen oberhalb von Berlebeck wieder auf den Hermannsweg, dem wir nun in Nord-Süd-Richtung folgen. Der Weg durch weitere Fichten-Katastrophengebiete ist stellenweise schauderhaft. Vor dem Abstieg nach Holzhausen gelangen wir an die sogenannte „Vogeltaufe“.

Katastrophengebiete in deutschen Wäldern
Katastrophengebiete in deutschen Wäldern

Zur Zeit der Christianisierung sollte sich einer Sage nach Abbio von Thiotmalli, ein Freund und Waffengefährte Widukinds mit weiteren Heiden des Lipperlands hier taufen lassen. Die Taufe vollzog Abt Anastasius und Paderborner Mönche sollten mit ihrem Gesang die Zeremonie verschönern. Diese wurden in Kohlstätt überfallen und auseinandergejagt. Gerade in dem Moment als Abbio von Thiotmalli den heidnischen Göttern Donar, Saxnot und Wotan abschwören wollte rauschte es in der Luft und hunderte braune Vögel ließen sich hernieder und sangen so schön, wie es nie zuvor jemand gehört hatte.

In den Bäumen an der Vogeltaufe
In den Bäumen an der Vogeltaufe

In einer wunderschönen Waldbeer- Heidelandschaft stehen gesunde alte Laubbäume und machen Hoffnung, dass es nicht allen Bäumen schlecht geht. Der Untergang der Fichtenbestände ist sicher auch dem Klimawandel geschuldet, aber auch der rein Profit-orientierten Monokultur- Aufforstung der Waldbesitzer. Wer in der Schule aufgepasst hat weiß, dass Monokulturen immer problematisch sind.

Heidelbeer- Heide
Heidelbeer- Heide

Über den Bärenberg hinweg erreichen wir wieder das Areal der Externsteine. Wir durchlaufen zum Parkplatz das bunte Treiben der Ausflugshorden, als hätte es Corona nie gegeben. Die Wiese vor den Steinen ist belegt mit Picknickdecken und immer noch strömt uns eine nicht abreißende Menschenkette auf unserem Weg zum Auto entgegen. Trommler und Flötenmann geben nun alles um etwas Kleingeld in die aufgestellten Hüte zu erhalten.

Alte Laubbäume bei Holzhausen
Alte Laubbäume bei Holzhausen

Es war für uns ein erfülltes Wochenende und vor dem zu erwartenden Gipfel des Rückreiseverkehrs rollen wir ohne Stau nach Hause.

Nach unserer Rückkehr aus Süditalien muss ich Anfang September einen Dienst im Krankenhaus absolvieren um nach dem Ausschlafen in ein freies Wochenende zu blicken. Unsere Freunde sind nun im Urlaub und so wollen wir an dem im Mai begonnenen Projekt des Hermannswegs weiterarbeiten.

Namen auf dem Russischen Soldatenfriedhof
Namen auf dem Russischen Soldatenfriedhof

Bei der Anfahrt machen wir einen Zwischenstopp am Rande des weitläufigen Truppenübungsplatzes Senne nördlich von Paderborn. Hier befindet sich ein sowjetischer Soldatenfriedhof auf dem Gelände eines ehemaligen Kriegsgefangenenlagers. Unmenschliche Bedingungen, Hunger und Krankheit haben unzähligen sowjetischen Kriegsgefangenen, von denen 17000 identifiziert und namentlich aufgelistet sind den Tod gebracht. Wir finden in Europa und in der Welt so viele Gedenkstätten, an denen die Bedeutung und die Folgen von Kriegen unter die Haut gehen.

Am Wildgehege von Haus Berkenkamp
Am Wildgehege von Haus Berkenkamp

Wir haben für 2 Nächte im uns bekannten Hotel der Familie Berkenkamp in Lage eingeloggt und treffen am frühen Abend bei gutem Wetter an dem idyllischen ländlichen Ort ein. Die Sonne steht schon tief und obwohl es am Abend recht frisch ist lassen wir uns einen Tisch im Außenbereich zuweisen. Zum Kalbsbraten trinken wir einen gekühlten Rosé und freuen uns auf 2 Wandertage im Teutoburger Wald.

Badischer Rosé
Badischer Rosé

Wir haben zuletzt ein Teilstück mit dem Ende des Hermannswegs in Leopoldstal gemacht und werden den Weg nun Stück für Stück immer in Gehrichtung West-Ost nach Westen voranbringen. Dorothee hat wieder 2 Runden ausgearbeitet, so dass wir den Hermannsweg aus Westen von Pivitsheide-Kussel mit einem Teil der 7.Etappe bis anschließend an den bereits gegangenen Teil der 8. Etappe in Stemberg gehen. Beide Rundwege treffen sich am Hermannsdenkmal.

Kühler Morgen im Teutoburger Wald
Kühler Morgen im Teutoburger Wald

Es ist kalt am Samstagmorgen auf dem Waldparkplatz bei Schling. Wir ziehen erst einmal unsere Jacken an, denn es hat in der Nacht ordentlich abgekühlt auf gefühlt kaum zweistellig. Die angesagte Sonne lässt noch auf sich warten und auf unserem Zuweg Richtung Hermanns-Denkmal hängt dichter Nebel über den Höhen des Teutoburger Waldes. Wir kommen an einer keltischen Ringwallanlage vorbei auf die uns eine Tafel aufmerksam macht. Die Reste des Walls, der ein Oval mit einer Fläche von 0,8 ha umgibt kann man mit dem erhaltenen Vorwissen auch tatsächlich im Wald erkennen.

Hermann im Nebel
Hermann im Nebel

Bis auf 386 Meter steigt der Weg auf den Gipfel der Grotenburg, auf dem seit 1875 die monumentale Statue des Cheruskerfürsten Arminius das Schwert drohend nach Westen erhebt. Dieses tut er leider heute im Nebel. Immerhin war bis zur Fertigstellung der Freiheitsstatue in New York 1886 die 26,57 Meter hohe Figur des Arminius mit einer Gesamthöhe von 53,46 Metern die höchste Statue der westlichen Welt.
Wir befinden uns mit Umrundung der Grotenburg nun auf dem Hermannsweg. Auf der Waldbühne am Hermannsdenkmal wird für eine Veranstaltung an diesem Wochenende geprobt und vom nahen Parkplatz füllen sich die Wege bereits mit vielen Menschen. Kaum 10 Minuten nach dem Verlassen des Hotspots sind wir fast wieder allein unterwegs. Taubenetzte Spinnweben ergeben prima Fotomotive.

Kreuzspinne
Kreuzspinne

In Berlebeck besuchen wir die Adlerwarte und haben uns Karten für die Flug- Vorführung um 13 Uhr besorgt. Wir haben Zeit uns die Tiere vor der Veranstaltung anzuschauen und wie bestellt öffnet sich nun die Wolkendecke. In seinem Käfig breitet ein Anden- Condor seine beeindruckenden Schwingen aus. Auf ihren Einsatz zum Freiflug warten Donald und Ivanka, die beiden Weißkopfseeadler aus den USA und Frank-Walter, der Seeadler aus Deutschland. Es dauert einen Moment bis wir die Namensvergabe der Wappentiere von Amerika und Deutschland kapieren.

Donald oder Ivanka ?
Donald oder Ivanka ?

Die Flug- Show ist absolut sehenswert und wir erfahren einiges über die gewaltigen Tiere, die über den Köpfen der staunenden Zuschauer mit Präzision auf den Lederhandschuhen der Tierpfleger landen und starten. Die Tiere haben am heutigen Mittag wenig Wind und Thermik, müssen sich so mit ihrem Fluggewicht von bis zu 6kg sehr anstrengen und holen sich ihre Leckerli daher ohne unnötige Anstrengung. Neben den imposanten Stars der Vorführung, den Adlern kommen Geier, ein Wüstenbussard und ein Wanderfalke zum Einsatz. Der Wanderfalke ist das schnellste Tier der Welt und kann Spitzengeschwindigkeiten von 320 Stundenkilometern erreichen.

Frank-Walter unter dem Radar
Frank-Walter unter dem Radar

Hinter Berlebeck gehen wir noch eine Schleife, mit der wir den Lückenschluss an den bereits gegangenen Weg bis Leopoldstal tätigen. Noch einmal kommen wir so am Nachmittag an der Vogelwarte vorbei, wo offensichtlich die Thermik bei der Nachmittags- Vorstellung nun perfekt ist für Höhenflüge der Adler, die sich nun auch hoch am Himmel zeigen. Hinter dem Ortsrand von Heiligenkirchen führt der Weg in der warmen Nachmittagssonne mit Überquerung der L828 zurück zum Parkplatz am Nordrand von Schling. Blicke öffnen sich nach Norden in die Ebene Richtung Detmold und hinüber zu Arminius mit seiner erhobenen Klinge.

Blick nach Norden
Blick nach Norden

Am Abend freuen wir uns auf ein feines Abendessen, das auch diesmal aus lokalen Zutaten zubereitet wird. Der Hirschbraten mit Pfifferlingen aus eigener Aufzucht ist ein weiterer Kracher, von dem wir noch einen Nachschlag bekommen. Dazu gibt es Kartoffelgratin und das Gemüse al dente. Mit dem Riesling aus der Pfalz ist einfach alles nur gut 🙂

Bon Appetit !
Bon Appetit !

Ungern verlassen wir am Sonntag unser schönes Hotelzimmer. Wir hatten diesmal die „Lerche“, ein Zimmer mit eigener Sonnenterrasse und Relaxliege, die leider ungenutzt blieb. Auf der Obstwiese haben die Äpfel und Pflaumen annähernde Erntereife. Rot und prall hängen die Äpfel heute Morgen bereits in der Sonne. Auch ein paar Senner Pferde gehören zum Anwesen und eine Tafel informiert über die eleganten Pferde auf der Weide.

Senner Pferde an Haus Berkenkamp
Senner Pferde an Haus Berkenkamp

Das Senner Pferd ist die älteste Pferderasse Deutschlands und wurde bereits 1160 urkundlich erwähnt. Jahrhundertelang wurden die Pferde vom Fürstenhaus in Detmold gezüchtet. Seit dem 16. Jahrhundert war die Zucht auf dem Gestüt Lopsholm untergebracht. Trotz Krieg und Zerstörung konnte nach 1945 die Zucht mit 16 verbliebenen Tieren weitergeführt werden.

Donoperteich
Donoperteich

Wir parken am Schwimmbad am Fischerteich, am Ortsrand von Kussel und können heute im T-Shirt starten. Wir erreichen über den Hermannsweg den Donoperteich, einen Anfang des 17.Jahrhunderts aufgestauten Teich des Hasselbachs. Ein Grabhügelfeld von 800-600 v.Chr. zeugt von einer Besiedlung bereits in der späten Bronzezeit. Der See mit dem angrenzenden Hiddeser Bent ist seit 1950 unter Schutz gestellt. Bis zur 2. Hälfte des 19.Jahrhunderts lebten auf den Weiden noch die freilebenden Senner Pferde.

Arminius der Cherusker-Fürst
Arminius der Cherusker-Fürst

Am südlichen Ortsteil von Hiddesen beginnt der Aufstieg von mehr als 200 Höhenmetern auf die Grotenburg mit dem nun schon vertrauten Arminius, der es nicht müde wird den Römern mit seinem Schwert zu zeigen wo es lang geht. Allein sein Schwert ist 7 Meter lang und wiegt 550 kg. Mit mehr als 500000 Besuchern ist der Ort schon eine touristische Pilgerstätte. Im Herbst 2011 haben wir den Ausblick vom knapp 20 Meter hohen Umlauf des Sockels auf die umliegenden Höhen genossen.

180 Grad-Drohnenpanorama
180 Grad-Drohnenpanorama

Ich möchte gerne eine Luftaufnahme der Statue machen, möchte mich aber ungern über das Drohnenverbot auf dem Gelände hinwegsetzen. Wir suchen uns nordöstlich einen ruhigen Platz um meine Drohne zu starten. Ich schiebe das Fluggerät mit gebührendem Abstand an Hermann vorbei und kann ihn so frontal aus westlicher Richtung aus einer Flughöhe von 80 Metern ideal in einem 180 Grad- Panorama positionieren. Auf einen Um- oder Überflug verzichte ich lieber.

Das war einmal ein Fichtenwald
Das war einmal ein Fichtenwald

Wir verlassen den Hermannsweg, steigen über die westliche Schulter der Grotenburg nach Hiddesen ab, wo wir den Hermannsweg noch einmal gegenläufig tangieren um dann südlich der L938 diese ein ganzes Stück zu begleiten. Immer wieder bietet sich der traurige Anblick toter Fichtenbestände. Mit dem Segen der Kraftfahr- Behörde sind es die üblichen Drehzahl-getriggerten „Sport“-Nervensägen deren Schall besonders tief in den Wald dröhnt und seine letzten Bewohner verschreckt. Wer das benötigt sollte sich den lieblichen Klang einer Kreissäge doch gerne in Maximallautstärke direkt ins Stammhirn blasen…- Zu aller Ironie nennt sich der Weg hier dann auch noch Klima-Erlebnis-Weg.

Kohlweißling
Kohlweißling

Nach einem Picknick im Wald erreichen wir gegen 16 Uhr das Schwimmbad am Fischerteich in Kussel. Nach zügiger Heimfahrt sind wir um 18 Uhr zu Hause. Die beiden Runden summieren sich nach diesem Wochenende auf 27,8 Kilometern mit 793 aufgestiegenen Höhenmetern.

Arnd Korbmacher

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