Eifel- Auf den Spuren der Grünen Hölle 2026
Mitte Januar scheint das Wetter zu passen, um mal wieder die Wanderstiefel zu schnüren. Wir haben uns in der Eifel eine Wanderung von Quiddelbach im Landkreis Ahrweiler hinauf zur Nürburg ausgesucht, die inmitten der Nordschleife des legendären Nürburgrings liegt. Den Begriff „Grüne Hölle“ prägte 1968 die Formel 1- Legende Jackie Stewart nach einem Rennen in Regen und Nebel auf der bis heute zu den anspruchsvollsten Rennstrecken der Welt gehörenden Streckenführungen. Allein auf der knapp 21 Kilometer langen Nordschleife, der mit insgesamt 28 Kilometern längsten permanenten Rennstrecke der Welt gilt es 154 Kurven mit einem Gesamthöhenunterschied von 300 Höhenmetern zu meistern, wobei die Steigungen bis 17% und die Gefälle bis 11% aufwiesen.

Unsere Wanderung von 11,5 Kilometern und 280 Höhenmetern startet gegen Mittag von Quiddelbach über eine nördliche Schleife hinauf zur Nürburg. Schon auf den ersten Metern sehen wir die Silhouette der Gipfelburg immer nur für einen Moment aus den Wolken, die sich an den Berg geheftet haben auftauchen. Die Ruine liegt auf einem 676,5 Meter hohen Basaltkegel und wurde 1166 erstmals als Noureberg oder Mons Nore beurkundet. Aus einer ersten Fluchtburg unter Dietrich I. von Are entstand unter Sohn Graf Ulrich der eigentliche Bau der Nürburg. Als Herren von Nürburg und Are waren seine Nachfahren Lehnsmänner der Kölner Erzbischöfe und der Stauferkaiser. Im 16.Jahrhundert bereits in schlechtem Zustand, nach weiteren Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg und 1689 durch französische Truppen verkam die Anlage zum Steinbruch.

Unsere Wanderung beginnt sonnig und die Nebel, die noch in den Tälern und an den Berghängen verharren scheinen sich aufzulösen. Aber der Schein trügt, die Kraft der Januarsonne reicht dazu offensichtlich nicht aus. Langsam steigen wir mehr und mehr in den Nebel hinauf zur Nürburg. Raureif liegt auf den Wiesen und Tannen und es wird ganz schön frisch ohne die Sonne, die wir auf unserer Runde heute leider nicht mehr wiedersehen. Eine Infotafel weist auf die Wintersportanlage unter der Burg hin, zu der seit 1953 auch eine Ski- Sprungschanze gehörte. Mit einem Skilift kamen 1968 ein Kampfrichterturm und 1978 sogar eine Erneuerung der Sprungschanze hinzu. Reste der Seilbahn und des Kampfrichterturmes im Hang geben heute noch Zeugnis von einer schneereicheren Zeit. Jemand hat Hexenfiguren in die Zweige am Weg gehängt, die der mystischen Nebelstimmung einen besonderen Effekt geben.

Etwas enttäuscht erreichen wir die Ruine Nürburg, die leider im Winter geschlossen ist. Der Blick vom Bergfried wäre heute aber sowieso nicht lohnend und würde schon nach wenigen Metern im Nebel ersaufen. Hier müssen wir also unbedingt im Sommer noch einmal vorbeischauen. Nun gelangen wir in einem südlichen Bogen hinab in die „Grüne Hölle“, wo wir bald im Wald auf eine Anlage mit Resten von Betonfundamenten treffen. Es handelt sich um den Steinbruch „Buchental“, wo große Mengen an Grauwacke- und Basaltschotter für den Bau der Rennstrecke in den Jahren 1925/26 gewonnen wurden. Letztlich war es der Technik- begeisterte Kaiser Wilhelm II., der die Anweisung zum Bau der Rennstrecke durch die Eifel erteilt hatte. Die Großbaustelle brachte Arbeit in die strukturschwache Gegend, in der es bis dato keine Fabriken und somit auch keine Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft gaben. Nach Minensprengungen wurde das Baumaterial hier im Steinbruch in einer Brechanlage zerkleinert und mit dampfbetriebenen Lokomotiven über ein Schienennetz zur Baustelle gebracht.

Am Streckenabschnitt Hoheneichen gelangen wir direkt an die Rennstrecke, auf der in den Wintermonaten kein Fahrbetrieb stattfindet. Am 19.06.1927 wurde die Rennstrecke mit dem Eifel-Rennen eröffnet und seitdem jagte ein Rundenrekord den nächsten. Brauchten die Piloten beim Eröffnungsrennen 1927 noch über 17 Minuten pro Runde steigerten sich die Rundenzeiten bis 2018 auf 5 Minuten und 19,55 Sekunden. Dieser bis heute geltende Rekord wurde durch Timo Bernhardt mit dem Porsche 919 Hybrid Evo (900PS) angesetzt. Bei den Formel 1- Piloten berüchtigt und gefürchtet, kam für die Königsdisziplin auf dieser Strecke das Aus mit dem furchtbaren Unfall 1976 von Niki Lauda, bei dem er durch einen technischen Defekt die Kontrolle über seinen Ferrari 312 T2 verlor und dabei lebensbedrohliche Verbrennungen erlitt. Bereits im Vorfeld wurde die Strecke von Rennfahrern kritisiert und boykottiert, denn der Parcours hat seit seiner Eröffnung gut 78 Rennfahrern, geschätzt 100 Freizeit- Rennfahrern und auch einigen Zuschauern das Leben gekostet. Wir machen unsere Pause an der Rennstrecke und genießen die himmlische Ruhe hier inmitten der „Grünen Hölle“.

Durch den Nebel laufen wir zurück zu unserem Auto in Quiddelbach. Eine Woche später kehren wir noch einmal zurück zum Nürburgring und sehen uns das Museum Ringwerk an, das ab Montag längerfristig geschlossen wird. Neben einigen interessanten Exponaten befasst sich ein Teil der Ausstellung mit dem großen deutschen Rennfahrer der 50er und 60er Jahre Graf Berghe von Trips, der am 10.9.1961 bei einer Kollision am Steuer seines Ferraris im italienischen Monza starb. Hier am Ring schlägt zwar noch das Herz des Motorsports, allerdings kämpft das Unternehmen nach Insolvenz im Jahr 2012, Umstrukturierungen und Besitzerwechsel mit erheblichen Problemen. So ist auch die Zukunft des Museums noch offen. Zahlreiche Konzepte versuchen die Menschen an den Ring zurückzuholen, so wurde bereits in den 80er Jahren die neue 4,5 Kilometer lange Grand-Prix- Strecke gebaut, um der Formel 1 eine zeitgemäße Rennstrecke zu bieten. Mit Rock am Ring findet jährlich eines der größten Musikfestivals auf dem Gelände statt. Die finanziellen Probleme bestehen allerdings weiter, aber auch die Faszination der grünen Hölle vom Nürburgring.

A. Korbmacher
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